Analyseblog: Im Westen nichts Neues? Nullnummer, einige Anlässe zum Ärgern – aber auch mit Ansätzen

Unentschieden in Bochum. Ein Punkt immerhin, aber nichts, was Luft verschafft, erst recht nicht nach dem 1:0-Coup des Tabellennachbarn Aue in Berlin. Wieder steht die Null hinten, aber auch vorne, nichts Neues also, sonst sieht ebenfalls alles nach einem eigentlich absehbaren Ergebnis aus, schließlich sind die Remiskönige der Liga aufeinander getroffen. Im Ganzen war’s ja auch wieder ärgerlich, aber in einigen Punkten anders als sonst. Der 1. FC Kaiserslautern hat mit vergleichsweise wenig Ballbesitz (38 Prozent) erstaunlich viele gute Chancen herausgespielt. Und was für welche!

Wollen wir allen Ernstes über diesen verschossenen Elfmeter in der 21. Minute reden? Da werden Erinnerungen wach an einen gewissen Björn Runström, einen Schweden, der sich in der Katastrophensaison 2007/08 an den Betzenberg verirrt hatte, die Parallele passt also. Der flankte gegen Jena-Keeper Daniel Kraus einen Elfer ähnlich lächerlich in die Arme. Hatte versucht, den Torspieler zu „verladen“. So etwas in der Art muss wohl auch Jacques Zoua im Sinn gehabt haben. Blöd nur: Als der Schütze beim Anlauf abstoppt, hat sich Manuel Riemann tatsächlich schon für eine Ecke entschieden. Nur rollt Zoua den Ball dann genau in diese, statt eben kurzfristig die andere anzuvisieren, denn darum geht es ja eigentlich beim „Verladen“. Mann, Mann, Mann…

DRAUFHAUEN KANN JEDER – WER BITTESCHÖN SOLL ES DENN MACHEN?

Aber: Hinterher draufhauen kann jeder. Halten wir auch mal fest: Es ist löblich, wenn ein Spieler bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Und dass der frischgebackene Kapitän eines Afrikacupsiegers, der bei einem Kellerkind der Zweiten Liga in Deutschland kicken muss, das Ego hat, sich in einer solchen Situation den Ball zu schnappen und auf den Punkt zu legen, ist auch okay. Es wird auch immer mal vorkommen, dass ein Elfer nicht reingeht. Aber, verdammt, bitte nicht so…

Und da wir ein konstruktiv analysierender Blog sein wollen, wollen wir auch mal die Frage aufwerfen, wer denn in dieser nervlich angeschlagenen und mit Präzisionsschützen nicht gerade gesegneten Truppe denn künftig die Elfer schießen sollte. Als erster fällt uns da Sebastian Kerk ein, aber der stand gestern nicht in der Startelf.

Kapitän Daniel Halfar ist durchaus einer, der vorangehen will und kann, aber so wie der aus dem Spiel heraus aufs Tor schießt, sollte er Elfer besser sein lassen. Bei Christoph Moritz besteht die Befürchtung, dass er es mit zu viel Technik versucht.  Julian Pollersbeck? Der Keeper hat einen guten Bumms, allerdings sind seine Nerven derzeit nicht die besten, wie sich auch in dieser Partie zeigt. Unser Kandidat wäre Marcel Gaus – hat Willen und Mentalität und schießt ab und an auch mal nicht-ruhende Bälle ins Tor.

Also halten wir fest: Ist gar nicht so einfach, den richtigen zu finden. Da hat Norbert Meier auf der Saisonzielgeraden noch was zu knobeln. Das heißt: Ausknobeln sollte er den nächsten Elferschützen eben nicht. Sondern bestimmen.

DIE RÜCKKEHR DES 3-5-2 IST EIGENTLICH GAR KEINE

Zum Spiel. Zwei Mannschaften im 3-5-2. Überhaupt interessant, dass die Dreierkette, die gegen den Ball zur Fünferkette wird, in beiden oberen deutschen Ligen derzeit immer öfter wiederentdeckt wird. Obwohl es sich, strenggenommen, ja um keine Wiederentdeckung handelt. Mit dem 3-5-2, wie es in den 1990er Jahren noch von Kaiser Franz, König Otto und all den anderen praktiziert worden ist, haben diese 2.0-Versionen nichts mehr zu tun. Sie sind viel raumorientierter und werden für viel mehr Variationen genutzt.

Bochum etwa präsentiert ein Mittelfeld-Triangel mit zwei Sechsern und einem Zehner, Lautern setzt, wie schon gegen Braunschweig, mit Robin Koch auf einen zentralen Sechser und zwei Achtern auf den Halbpositionen, Christoph Moritz und Daniel Halfar.

Ob Norbert Meier diese Anordnung bis zum Rundenende noch weiter kultivieren wird, wissen wir natürlich nicht. Feststellen lässt sich allerdings: Das aktuelle Personal scheint sich damit recht wohlzufühlen, wird es doch den Stärken und Schwächen gleich mehrerer Spieler gerecht.

WARUM DAS 3-5-2 DERZEIT BEI LAUTERN GUT PASST

Gaus beispielsweise kann als alleiniger Außenbahnspieler seine Rackerqualität nach vorne wie nach hinten ausleben, gegenüber kommt der nur 1,70 Meter große Philipp Mwene mit drei Innenverteidigern neben, beziehungsweise hinter sich nicht mehr so oft in defensive Kopfballsituationen – wenn er dennoch in welche gerät, etwa gegen den 1,90 Meter großen Marco Stiepermann, wird’s prompt gefährlich.

Christoph Moritz hat selbst schon gesagt, dass ihm die Achterposition im rechten Halbfeld am besten gefällt. Die wurde ihm in Lautern bislang nur in Korkuts 4-4-2-Formation mit Raute angeboten. Das bestätigt sich auch in Bochum, vor allem in der Viertelstunde nach der Pause, als Moritz mit Halfar zusammen immer wieder stark umschaltet – Lauterns stärkste Phase im ganzen Spiel.

Robin Koch ist als Sechser wahrscheinlich nicht die Zukunftslösung, macht es aber ordentlich, da er sich an einem wuchtigen Zehner wie Johannes Wurtz abarbeiten kann. Er nimmt den torgefährlichsten Bochumer weitgehend aus dem Spiel. Und siehe da: In der 80. Minute gelingt ihm sogar ein klasse Schnittstellenball auf Zoua, der damit in den Strafraum eindringen kann, aber auch diesen verdattelt.

ZOUA/OSAWE IM DUETT: VERDATTELN VIEL, ARBEITEN ABER AUCH VIEL HERAUS

Dennoch: Das Sturmduo Zoua/Osayamen Osawe ist ausbaufähig. Dass Osawe sich in einem Zweimannsturm am besten präsentiert, ist in diesem Blog schon öfter zu lesen gewesen. Klar hat er zunächst mal außer Schnelligkeit nicht viel in die Waagschale zu werfen, die aber nutzt er gerade im Zusamenspiel im Zoua recht gut.

Vielleicht klappt’s irgendwann ja auch mal mit der Ballannahme, so wie in der 41. Minute, als Zoua ihn, wieder aus einer gut kurz und schnell umgeschalteten Situation heraus, an der Strafraumgrenze freichippt, Osawe aber der Ball verspringt. Schon in der 25. Minute hat Zoua völlig freistehend nicht genug Schmackes hinter einen Volley auf Kopfballvorlage von Gaus gebracht.

Die drei Großchancen, die der FCK in Hälfte zwei verzeichnet, werden ebenfalls allesamt von den beiden vergeben, aber auch herausgespielt. Hier mal auf Weiterentwickeln und Reifen zu setzen statt auf neuerliches Verdammen und Wechseln, wär ein Ansatz.

DIE DREI VON DER ABWEHR: IST NICHT ALLES GOLD, ABER EINIGERMASSEN STABIL

Und die Drei in der Innenverteidigung? Fehlerfrei agieren sie natürlich nicht. Besonders herzinfarktstimulierend: Tim Heubachs Drübersensen über eine flache Hereingabe in Hälfte eins, nach der das Leder quer durch den Fünfer rollen darf – da hätte es nur ein winziges Bochumer Füßchen gebraucht. Auch Stipe Vucur immer mal mit einem Fehlpass aus der Abwehr, in Hälfte zwei setzt der Koloss auch zu einem Dribbling am eigenen Sechzehner an, das nur mit einem Ballverlust enden kann. Unterm Strich aber haben sich die beiden deutlich stabilisiert – ein wichtiges Pfund auf der Saisonzielgeraden.

Heubach und Vucur machen in Bochum sogar einen sichereren Eindruck als Ewerton, den eigentlich souveränsten Innenverteidiger. Doch ausgerechnet er verliert er einige Bälle durch bisweilen zu pomadiges Auftreten. Ebenso leistet sich Julian Pollersbeck wie schon gegen Braunschweig einen schweren Patzer, lässt sich diesmal in der 85. Minute nach einem Flugball von Anthony Losilla überspringen, Vucur kratzt das Ding von der Linie… Wär schade, wenn im Saisonfinale ausgerechnet die bislang unumstrittenen Leistungsträger sich zu Sicherheitsrisiken entwickeln, während sich bestimmte Sorgenkinder endlich stabilisieren.

ES HÄTTE AUCH GANZ SCHIEFGEHEN KÖNNEN

Überhaupt kann man sagen: Bochum ist nach ruhenden Bällen permanent viel zu gefährlich, zumal der VfL auch fast alle zweiten Bälle einkassieren darf. Da gibt es ebenfalls noch viel Arbeit für Meier.

Und in der Schlussviertelstunde lässt sich der FCK dann doch zu sehr hinten reindrängen. Von daher hätte Bochum durchaus auch noch gewinnen können. Und dann hätte wieder die alte Floskel gepasst: Wer vorne keinen reinmacht, wird am Ende hinten bestraft. Oder so ähnlich.

 

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