Gegnerblog: Sein Name war Nobody, jetzt ist er der Größte – aber nur in Fürth

Um es gleich vorweg zu sagen: Vokabeln wie „Schicksalsspiel“ oder „Sechs-Punkte-Spiel“ werden vor der anstehenden Partie des 1. FC Kaiserslautern gegen die SpVgg Greuther Fürth am Samstag (13 Uhr) in diesem Blog nicht fallen. Dass der FCK dringend Punkte braucht, ist natürlich unbestritten. Und dass an diesem Spieltag leichtere Gegner als Fürth denkbar wären, ist ebenfalls offensichtlich. Denn mit den Kleeblättern kommt die bislang drittstärkste Mannschaft der Rückrunde auf den Betzenberg. Die Franken sind seit neun Spielen ungeschlagen, haben sich heimlich, still und leise aus der Abstiegszone auf Rang 6 der Zweitligatabelle vorgearbeitet.

Seit dem 14. Spieltag werden die Fürther von Janos Radoki gecoacht. Janos wer? Ältere Fußballfans können sich vielleicht noch an den temperamentvollen Lockenkopf erinnern, der in der Bundesliga mal für den SSV Ulm an den Ball trat – und der bei dem legendären 1:2 in Rostock im Jahr 2000 zu den vier Ulmern gehörte, die vom Platz flogen, bis heute ein einmaliger Rekord.

In der Tat, das ist er.

DIE EINEN SETZEN AUF DIE GROSSE LÖSUNG, DIE ANDEREN AUF RADOKI

Dass er nach seiner Spielerkarriere Trainer wurde, ist von dem die handelsüblichen Dosen konsumierenden Fußballfreund bislang eher unbeachtet geblieben. Nach ersten Jahren in der Bayernliga war Radoki Athletiktrainer in Heidenheim, 2013 wechselte er als U19-Coach nach Fürth, als ein gewisser Konrad Fünfstück nach Kaiserslautern ging.

Im November 2016 rückte Radoki für den erfolglosen Stefan Ruthenbeck auf den Posten des Cheftrainers. Während ein paar Tage später der Karlsruher SC im Abstiegskampf mit Mirko Slomka auf eine „große Lösung“ setzte, probierte Fürth es lieber mit einem Nobody… Slomka ist diese Woche wieder gegangen, der KSC rangiert mit 22 Punkten fast schon abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz.

Janos Radoki dagegen hat seit dem 14. Spieltag 26 Punkte mit der Spielvereinigung geholt. Doch längere Interviews, ausführliche Porträts, handfeste Anekdoten findet man im World Wide Web nach wie vor kaum über den 45-jährigen. Den Fürthern wird’s recht sein. Zu viel mediale Aufmerksamkeit weckt nur Begehrlichkeiten bei Besserzahlern, es gibt doch nichts Schöneres, als mit Nobodies erfolgreich zu sein.

DER NEUE PROFILIERT SICH: MEHR TAKTISCHE FINESSE – UND KLARE KANTE

Was bislang zu beobachten ist: Auf den Posten eines einst heftig umworbenen „sexy Guy“ der Trainerbranche nachgerückt, profilierte sich Radoki schnell mit Mut zu harten Schnitten. Das von Ruthenbeck propagierte Ballbesitzspiel im 4-4-2 wurde abgeschafft, der Neue stellte kurzerhand auf Dreierkette im Vorwärtsgang und Fünferkette im Rückwärtsgang um, präferiert wieder das Flügelspiel. Insgesamt ist das Spiel der Fürther variabler und facettenreicher geworden, für den Gegner entsprechend schwerer auszurechnen.

Zudem scheut sich Radoki nicht vor erzieherischen Maßnahmen. Gleich zu seinem Amtsantritt strich er beispielsweise Zehner Robert Zulj für zwei Spiele aus dem Kader, mittlerweile ist der spielstarke Ösi wieder Leistungsträger.

Nach langer Verletzungspause wieder in die Mannschaft zurückgekehrt ist Jürgen Gjasula, der nunmehr 31-jährige Mittelfeldstratege, der in der Saison 2004/05 auch mal ein Gastspiel in Kaiserslautern gab und über Stationen in der Schweiz und Bulgarien, Duisburg Frankfurt und Aalen 2015 in Fürth landete. Dass er am Samstag allerdings in der Startelf steht, ist eher unwahrscheinlich.

DIE DREIERKETTE WACKELT – EINE CHANCE FÜR LAUTERN

Ansonsten plagen die Fürther erhebliche Verletzungssorgen: Mit Marcel Franke und Nico Gießelmann drohen zwei Stammkräfte der Dreierkette auszufallen, so dass der „kicker“ es sogar für denkbar hält, dass Radoki eventuell wieder auf eine Viererreihe umstellt. Eine verletzungsbedingt erzwungene Abkehr vom bislang erfolgreichen Konzept – darin könnte eine Chance für Lautern liegen.

Und an diese zu glauben, ist sinnvoller, als irgendwelche Statistiken heranzuziehen. Fürth hat seine letzten vier Liga-Spiele und ein Pokalduell gegen den FCK verloren, seit insgesamt acht Jahren nichts mehr am Betzenberg geholt – na und? Eintracht Braunschweig hatte 40 Jahre lang nichts mehr in Kaiserslautern gewonnen. Bis vergangenen Samstag.

 

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