Vorschaublog: Dem Terror zum Trotz – auch in Berlin muss das Spiel weitergehen

Nein, er hat mit seinen Spielern nicht explizit über den Terroranschlag von Dortmund am vergangenen Dienstag gesprochen – und darüber, mit welchen Gedanken sie am Sonntag in den Mannschaftsbus steigen sollen, der sie zum Stadion „An der Alten Försterei“ bringt, wo der 1. FC Kaiserslautern am Sonntag (13.30 Uhr) auf Union Berlin trifft. „Jeder hat mitbekommen, was dort passiert ist. Wir brauchen das nicht noch verstärken“, erklärte FCK-Trainer Norbert Meier in der Pressekonferenz vor der Abreise.

Das mag etwas herzlos klingen, doch zeigen Meiers weitere Ausführungen, dass er keinesfalls mit der „The Show must go on“-Mentalität einverstanden ist, die zur direkten Neuansetzung des Champions League-Viertelfinalspiels Dortmund gegen Monaco am Mittwoch führte. „Meiner Meinung nach hätte das Spiel nicht stattfinden dürfen. Das geschieht alles nur unter dem Termindruck, der Aspekt, wie Menschen so etwas überhaupt verarbeiten, tritt völlig in den Hintergrund.“

„ES WAR EIN ANGRIFF AUF DAS LEBEN DER SPIELER“

Es sei eben kein „Anschlag auf den Mannschaftsbus“ gewesen, wie gerne formuliert werde: „Es war ein Angriff auf das Leben der Spieler.“ Erklärungen wie die BVB-Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke, der die direkte Neuansetzung auch unter Berufung auf ein Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte, dass dadurch ein Zeichen gegen den Terror gesetzt werde und die Mannschaft sich so auch in den Dienst der Gesellschaft stelle, überzeugen den FCK-Trainer ebenso wenig wie auch BVB-Aktive und Trainer, die in ersten  Stellungnahmen ihr Unverständnis über diese Entscheidung zum Ausdruck hatten.

„Wir sind Menschen, man muss verstehen, was wir durchgemacht haben oder was wir erlebt haben“, erklärte etwa Dortmunds Mittelfeldspieler Nuri Sahin. Und sein Trainer Thomas Tuchel meinte: „Die Termine werden vorgegeben, und wir haben zu funktionieren. Wir hatten das Gefühl, als wäre eine Bierdose gegen den Bus geflogen.“

FREIWILLIG VERZICHTEN? „DAS HÄTT ICH MAL SEHEN MÖGEN“

„Wenn man liest, dass sich da auch Metallspitzen in Sitze gebohrt haben – das hätte auch ganz anders ausgehen können“, ergänzte Norbert Meier in der PK am Betzenberg. Dass den Dortmunder Spielern am Tag darauf freigestellt worden sei zu spielen, überzeuge ebenfalls nicht hunderprozentig: „Ich hätte das mal sehen mögen, wenn da einer kommt und sagt, ich spiele nicht.“ Der Coach erinnert sich an einen Fall aus seiner Zeit in Bielefeld, wo ein Spieler sich weigerte, an einem Trainingslager in der Türkei teilzunehmen. „Das war auf einer ganz anderen Ebene, ist aber auch nicht mit Wohlwollen aufgenommen worden.“

Meier weiter:

„Wir haben ja auch Berichte gesehen, in denen Dortmunder Fans den Fans der Monegassen Schlafmöglichkeiten angeboten haben. Warum muss immer erst etwas Schlimmes passieren, bis Menschen erkennen, dass sie respektvoll und freundschaftlich miteinander umgehen sollten? Gerade der Fußball ist ja eine Szenerie, in der gerade das stattfinden sollte.“

Vielleicht sollten die 1800 Fans, die den FCK am Sonntag nach Berlin begleiten, mit diesem Gedanken auf die Reise gehen – und mit einer ebensolchen Einstellung An der Alten Försterei empfangen werden. DAS wäre ein Zeichen gegen den Terror.

HALFAR FEHLT – KOMMT ERNEUT KERK? ODER TÜFTELT MEIER WAS NEUES AUS?

Und, ach so, ein Spiel findet dann ja auch noch statt.

Daniel Halfar, der unmittelbar vor dem Anpfiff des Spiels gegen Fürth vergangenen Samstag wegen muskulärer Probleme passen musste, wird am Sonntag wohl erneut nicht dabei sein. Gegen Fürth war er kurzfristig durch Sebastian Kerk ersetzt worden, der auf der Achterposition nicht zuhause ist, die Aufgabe unter diesen Umständen nicht überwältigend löste, aber auch, so Meier, „nicht negativ ins Portefeu fiel.“ Dass Kerk erneut Halfar ersetzt, liegt nahe – festlegen will der Trainer sich wie immer nicht, in den Tagen bis zum Spiel kann noch viel passieren.“

Möglicherweise wird die Position ja auch benutzt, um eine neu ausgeklügelte Variante  personell umzusetzen. Union Berlin präsentiert sich meist in einem 4-3-3, dagegen eine Dreier-/Fünferkette zu setzen, wie sie der FCK in den vergangenen drei Spielen durchaus wirkungsvoll praktizierte, gilt nach herrschenden Lehrbuchmeinungen da nicht als das beste Mittel.

UNION IN DER KRISE? I WO – „90 MINUTEN GAS GEBEN“

Der taktisch versierte Naser Aliji etwa könnte eine Lösung sein, um die Kreise von Union-Offensivspieler Steven Skrzybski einzuengen, der bei Ballbesitz meist von der rechten Außenposition in der Zehnerraum rochiert.

Die Darstellung, dass Union in den vergangenen Wochen „etwas aus dem Tritt“ gekommen sei, will Meier nicht gelten lassen. „Die haben lediglich in der Englischen Woche nicht so gut gepunktet. Wir dürfen nicht meinen, dass sie in einer gewissen Krise sind, müssen bereit sein, 90 Minuten Gas zu geben.“ Dann sei auch was zu holen: „Wir müssen sehen, wie diese Liga sich zurzeit präsentiert: Drin ist überall was.“

 

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