Vorschaublog: Ein Mäuschen bläst zum Kampf gegen die Löwen – Wer ist dabei?

Heute  Abend (18.30 Uhr) gilt’s also. Wieder einmal. Das erste von fünf „Endspielen“, mit denen sich der 1. FC Kaiserslautern den Verbleib in der Zweiten Liga sichern will. Lautern gegen 1860 München. 32 gegen 33 Punkte Abstiegskampf. Die „Rheinpfalz“ hat sogar den legendären Ratinho aktiviert, um dem Umfeld zu verklickern, dass die Region nun „aufstehen“ müsse für den FCK, und der hat dabei sogar das Saarland in seinen Appell miteingeschlossen. Es muss wirklich ernst sein…

Geholfen hat es bislang nichts, FCK-Pressesprecher Stefan Rosskopf gab gestern bekannt, dass erst 21.100 Tickets für das Spiel abgesetzt worden seien. Ob’s daran gelegen hat, dass das „Mäuschen“ seinen Appell gleich mit einer Art Bewerbungsschreiben verbunden hat, von wegen, er wolle demnächst auch wieder im Fußball arbeiten, am liebsten für den FCK? Solche Zwischentöne hört der gemeine Fan leicht heraus. Und sie törnen ihn eher ab als an…

O-TÖNE ALS REISSBRETT-PR: „ZAMME NUFF“ ODER „ZAM HOID’N“?

Die Spieler der Sechziger – so wird es zumindest kommuniziert – bezahlen ihren Fans sogar einen Bus für die Anfahrt nach Kaiserslautern und trommeln mit dem Slogan „Zam hoid’n“, was mehr nach Karl Moik als nach Gerhard Polt klingt. Der FCK hat vor Tagen bereits „Zamme nuff“ gelauncht… Bekommt eigentlich irgendeiner Geld für diese dialektisch variierten PR-Schablonen?

Und wenn ja, kassiert da am Ende vielleicht sogar die gleiche Agentur ab? Und steckt die vielleicht mit dem Verlag unter einer Decke, die vor Jahren sämtliche bereits erschienenen Asterix-Hefte nochmal auflegte, und zwar in jeder deutschen Dialekt-Version, in der irgendwelche Rechenschieber Abzock-Potenzial ausgemacht haben? Fragen, die im Fußballzirkus des Jahres 2017 halt mal gestellt werden müssen…

FUSSBALL UND ROMANTIK? „ICH WEISS NICHT…“

Immerhin: Die Sechziger bringen rund 1200 Fans mit, insgesamt rechnet der FCK mit 24.000 bis 25.000 Zuschauern. Nicht das, was möglich wäre, wenn tatsächlich eine ganz Region für einen Klub aufstände, der ihr doch ihre „Identität“ stiftet, wie es unter anderem Marcel Reif mal formulierte, aber mehr als in den vergangenen Heimspielen.

Für ein bisschen Atmosphäre ist also gesorgt, auch wenn es natürlich kein klassisch-geiles Freitagabend-Flutspiel auf dem Betzenberg wird, dazu ist es zur Anstoßzeit um 18.30 Uhr noch zu hell. Aber verfallen wir nicht in nostalgische Schwärmerei – „Fußball und Romantik, ich weiß nicht, ob das noch zusammenpasst“, erklärte FCK-Trainer Norbert Meier gestern anlässlich der Pressekonferenz zum Spiel, in  bommerlunderklarer norddeutscher Nüchternheit.

Also zum Spiel. Knochentrocken.

Da gibt es auf FCK-Sicht allerdings nicht viel zu vermelden, außer: Alle sind fit. Das heißt: Alle können spielen. Richtig fit sind alle nämlich doch nicht.

ALLE SIND FIT, ABER EINIGE NICHT SO RICHTIG

Kapitän Daniel Halfar ist nach zwei Spielen Verletzungspause wegen muskulärer Probleme in dieser Woche wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Dass er schon wieder Startelf-Kandidat sei, mag Meier nicht bestätigen, lediglich, dass Halfar „gute Chancen hat, im 18er Kader zu stehen“. Auch Osayamen Osawes Schulter „sieht gut aus“, nachdem er bei 1:3-Niederlage bei Union Berlin zuletzt wegen einer Blessur derselben nach 20 Minuten raus musste.

Nicht so richtig rund läuft derzeit auch Jaques Zoua. Er müsse der Tatsache Rechnung tragen, dass er quasi keine Winterpause hatte, weil er für Kamerun im Afrika-Cup rackerte, so Meier. Ob er für ihn vielleicht mal wieder Robert Glatzel von Beginn an bringt? Lässt sich kaum vorhersagen. Eher nicht.

Spannender ist die Frage, wer in Meiers zuletzt praktiziertem 3-1-4-2-System die Rolle des zweiten Achters neben Christoph Moritz übernimmt – sollte Halfar nicht in die Startelf zurückkehren. Beim 2:0-Sieg gegen Fürth vertrat ihn Sebastian Kerk, nicht überragend, aber auch nicht schlecht, erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass er die für ihn ungewohnte Rolle sehr kurzfristig übernehmen musste.

HABT ACHT AUF DIE ACHT: HALFAR, KERK ODER EIN GANZ ANDERER?

In Berlin durfte Zoltan Stieber auf der Acht ran. Das war wenig bis gar nichts, aber er sei nicht der einzige gewesen, der seine Sache nicht so machte, wie er sich das vorgestellt habe, betont Meier. „Wir müssen den Stiebi so nehmen, wie er ist. Er ist ein guter Fußballer, aber er war nie ein großer Kämpfer“. Und er ist auf der Zehn und auf den offensiven Flügelpositionen zuhause, doch diese Positionen gibt es in Meiers Grundordnung derzeit nicht.

Ergo: Wenn nicht Halfar, dann wieder Kerk. Vermutlich. Oder auch nicht. Vielleicht probiert Meier ja wieder ganz was Neues.

„Die spielen mit einer ähnlichen Struktur wie wir“, hat 1860-Trainer Vitor Pereira gestern in der Münchner PK zum Spielen zum FCK erklärt. Er selbst lässt sein Team in der Regel im 3-4-3 auflaufen, dieses System aber nicht mehr so offensiv interpretieren wie noch unmittelbar nach seiner Amtsübernahme. Bei Lautern hat er obendrein „gefährliche tiefe Läufe“ und sowie „sehr schnelle Stürmer“ ausgemacht, denen wird er keine Räume zum Kontern lassen wollen.

Daher ist wohl ein tiefstehender Gegner zu erwarten, der am besten über die Flügel zu knacken wäre. Aber welcher Flügelspieler drängt sich beim FCK derzeit schon auf?

DAS KREUZ MIT DEM RESTPROGRAMM

Davon abgesehen, ist jetzt die Zeit des Rechnens herangebrochen, und zwar auf Grundlage des so genannten „Restprogramms“. Wie wenig dabei herauskommen kann, zeigt ein Blick auf die noch ausstehenden Partien dieser beiden Parteien besonders schön.

Die Sechziger spielen außer gegen den FCK noch gegen Braunschweig, Dresden, Bochum und Heidenheim, alles Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte, wie immer wieder betont wird – boah, ey, Hammer…

Die Lauterer spielen außer gegen 1860 noch gegen Karlsruhe, St. Pauli, Aue und Nürnberg, alles Tabellennachbarn mehr oder weniger. Da haben sie es also „selbst in der Hand“, da muss doch was gehen…

Wenn man sich allerdings nur die Rückrundentabelle , beziehungsweise die aktuellen Formkurven mit den letzten sechs Spielen aller Teams anguckt, entsteht ein vollkommen anderes Bild.

St. Pauli etwa punktet nach einer desaströsen Hinrunde äußerst solide, ist aktuell viertstärkste Mannschaft der Rückrunde, 60-Gegner Heidenheim dagegen die viertschlechteste. Und Aue hat von seinen letzten sechs Spielen vier gewonnen, zählt, seit Trainertalent Domenico Tedesco die Truppe übernommen hat, zu den am schwersten zu bespielenden Mannschaften der Liga.

So viel zum Thema „leichtes“ Restprogramm…

 

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