Gegnerblog: O je, KSC – Warum FCK-Fans nicht spotten, sondern das mahnende Beispiel sehen sollten

In verschiedenen Medien ist es gerade schick, Horrorszenarien zu verbreiten: Was passiert, wenn Traditionsverein X in die Dritte Liga absteigt? Die Antworten der befragten Funktionäre fallen recht gleichlautend aus, egal, ob sie einen FCK- oder einen 1860-Sticker am Revers tragen: Eine Tragödie wäre das, partauz, partauz… Was sollen sie auch sonst sagen? Viel einfacher und anschaulicher wär’s, einfach mal in die Welt eines fast schon abgestiegenen Traditionsvereins abzutauchen, der sich mit den Fakten bereits konfrontiert sieht. „Das Fernsehgeld nächstes Jahr in Liga zwei: Fast zwölf Millionen Euro. In Liga drei: 800.000 Euro. Das sagt alles“, erklärt Oliver Kreuzer, Sportdirektor des Karlsruher SC. Und das ist längst nicht die einzige Nuss, die der nächste Gegner des 1. FC Kaiserslautern (Samstag, 13 Uhr) zu knacken hat.

Die schlimmste Katastrophe: Bis 2020 sollte im Karlsruher Wildpark eigentlich ein neues Stadion hochgezogen werden. Die Verträge sind längst unterzeichnet, noch im März stellten die Badenser bereits die Leiter des neu gegründeten Eigenbetriebs „Fußballstadion im Wildpark“ vor. Da soll nun ein Drittligist kicken? Vor wenigen Tagen empfahl die Stadtratsfunkion der Karlsruher Linken, die Pläne doch noch mal auf den Prüftstand zu stellen, insbesondere, was die Refinanzierung der Baukosten angehe…

GESTAFFELTE PACHTZAHLUNG: SO SCHLAU WÄREN ANDERE GERN GEWESEN

Immerhin nämlich sind die Pachtzahlungen für den Verein im neuen Stadion sauber gestaffelt. In Liga drei zahlt er nur 400.000 Euro im Jahr, in Liga zwei 1,5 Millionen und 3,5 Millionen in der Bundesliga. So schlau hätten die damals Verantwortlichen eines gewissen anderen Traditionsvereins dereinst mal sein sollen.

Ein Lichtblick: Die Mannschaft droht nach dem Abstieg nicht komplett auseinanderzubrechen. 14 Spieler haben weiterhin gültige Verträge: Kapitän Dirk Orlishausen, Rene Vollath, Dennis Kempe, Martin Stoll, Manuel Torres, Ylli Sallahi, Matthias Bader, Oskar Zawada, Marvin Mehlem, Vadim Manzon, Tim Fahrenholz, Valentino Vujinovic, Boubacar Barry und Niklas Hoffmann.

Davon werden einige den Verein dennoch verlassen, Kreuzer rechnet beispielsweise mit Angeboten für Talent Matthias Bader. Immerhin: Ein gewisses Gerüst bleibt stehen.

ES BEGANN NACH DER GESCHEITERTEN RELEGATION

Andererseits: Bringen die Absteiger noch den nötigen Spirit mit, den direkten Wiederaufsteig anzupeilen? „Es ist ein menschlicher Zug, darüber nachdenken zu müssen: Was machen denn die (jüngsten) zehn Monate mit einem Spieler, der wirklich durchgenudelt ist“, erklärt Trainer Marc-Patrick Meister in einem erstaunlich ehrlichen Interview bei „abseits-ka.de“ . Er selbst ist von Kreuzer für die nächste Saison übrigens bereits fest gebucht.

Der Negativlauf des KSC hat allerdings nicht erst in den jüngsten zehn Monaten seinen Lauf genommen, er setzte im Prinzip schon nach dem knappen Scheitern in den Relegationsspielen gegen den Hamburger SV am Ende der Saison 2014/15 ein – und konnte auch durch Auswechseln der kompletten sportlichen Leitung nicht gestoppt werden. In der Saison darauf glückte Trainer Markus Kauczinski noch einmal ein ordentlicher siebter Platz, ehe er nach Ingolstadt in die Erste Liga wechselte.

Zu sehen war jedoch damals schon: Der KSC lässt, wie der FCK und andere Zweitligisten mittlerweile auch, Transfereinnahmen nicht mehr komplett in die Mannschaft zurückfließen, weil erst eimal Strukturkosten gedeckt werden müssen – die Badenser legten wohl auch Geld für ihr Stadionprojekt zurück. Unter diesen Voraussetzungen eine Mannschaft sportlich weiterentwickeln zu wollen, ist fast schon mehr widersinnig als lediglich ungeheuer schwer. Wird aber dennoch versucht. Zumindest wird es angekündigt.

ERST GING ORAL, DANN TODT

So entwickelte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther den Ehrgeiz, mit dem neuen Tomas Oral das Team auch spielkulturell auf ein höheres Niveau zu bringen. Die entsprechende personelle Ausstattung dafür passte jedoch hinten und vorne nicht. „Leider hatte man mit den Neueinkäufen wenig Glück, hat Spieler geholt, die nicht unbedingt in unser übliches Scouting-Schema passten: Jordi Figueras zum Beispiel war in der Türkei gerade abgestiegen, Franck Kom wurde aus Tunesien geholt, ein solcher Transfer ist immer ein Risiko, zumal er mit 800.000 Euro Ablöse auch teuer war“, urteilte KSC-Fan „RudiMentaer“ im Gespräch mit dem FCK-Blogwart im November 2016.

Kurz darauf musse Oral gehen, Sportdirektor Jens Todt wurde durch Oliver Kreuzer ersetzt – und mit ihm wurde die „große Lösung“ angestrebt. Mirko Slomka kam in den Wildpark, mit Schalke bereits in der Champions League unterwegs gewesen, ebenfalls erfahren als Erstligatrainer in Hannover und Hamburg. Seit 2014 war er jedoch arbeitslos. Indem er den KSC wieder nach oben führte, sollte er auch seinen eigenen Glanz wieder aufpolieren. Das war der Plan, die Medien babbelten sogar von einer „Win-Win-Situation“. Statt dessen wurde es „Lose-Lose.“

SLOMKA: AUCH DIE GROSSE LÖSUNG WURDE ZUM „LOOSE-LOOSE“

Die Liason endete nach 91 Tagen. Auf Platz 18. Nach zehn Spielen und nur zwei Siegen. Ausgerechnet gegen Aufstiegskandidat und Slomkas Ex-Klub Hannover sowie Bielefeld zu seinem Einstand. Danach und dazwischen aber hagelte es Niederlagen.

Als ursächlich wird die weiterhin unglückliche Personalpolitik angesehen, für die die KSC-Funktionäre nicht nur Kreuzer, sondern auch Slomka verantwortlich machen: Die beiden hätten gemeinsam in der Winterpause fünf Spieler geholt, die nicht wie erhofft eingeschlagen hätten, urteilte Vizepräsident Günter Pilarsky unlängst in den Badischen Neuen Nachrichten.

Aktuell weist der KSC als Tabellen-18. nur 22 Punkte auf, womit er rechnerisch noch nicht abgestiegen ist. In den Fanforen, aber auch von Seiten der Vereinsführung ist das berühmte „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ jedoch schon jetzt nicht mehr zu vernehmen. Mit nur 21 Treffern hat der KSC sogar noch drei Tore weniger erzielt als der historisch schlecht treffende 1. FC Kaiserslautern. Der aber verfügt immerhin über die zweitbeste Defensive der Liga, die Karlsruher dagegen präsentieren mit bislang 47 Gegentreffern die zweitschwächste.

AUSBLUTEN, ABER HOHE ANSPRÜCHE STELLEN: KLAPPT IRGENDWIE NICHT

Kein Wunder eigentlich, wenn man sich mal anschaut, wer den Verein in den beiden vergangenen Jahren alles verlassen hat. Talente wie Philipp Max und Reinhold Yabo, aber auch gestandene Zweitligakräfte wie Manuel Gulde, Daniel Gordon, Rouwen Hennings, Sascha Traut, Dominic Peitz, Jan Mauersberger – viele davon ablösefrei oder für ganz kleines Geld.

Hohe Ansprüche stellen, dabei aber nicht wahrnehmen, wie der eigene (Mannschafts-)Körper langsam ausblutet – statt über den KSC zu spotten, wie es im Netz viele im Moment tun, sollte er besser als mahnendes Beispiel dienen. Gerade Anhängern eines gewissen Traditionsvereins.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s