Vorschaublog: Wer sich beißen lässt, wird selbst zum Untoten – Gegen „The Walking Dead“ ist volle Konzentration angesagt

„Da wir zu 99 Prozent abgestiegen sind, spielt es sich ein Stück weit befreiter. Das ist so eine Mischung aus Leichtigkeit und Wir-haben-nichts-mehr-zu-Verlieren.“ Das Zitat stammt vom vergangenen Wochenende, und zwar von Aytac Sulu. Das Darmstädter Kopfballmonster beschreibt damit das Phänomen, dass die Lilien, seit ihr Abstieg  quasi besiegelt ist, auf einmal richtig gut spielen und gewinnen, zuletzt zwei Mal in Folge, gegen Schalke und Hamburg.

Den Satz sollte FCK-Trainer Norbert Meier vielleicht an die Tür der Gästekabine im Wildparkstadion nageln. Für den Fall, dass irgendeiner seiner Schützlinge denkt, der Kick beim designierten – richtiger: resignierten –  Absteiger Karlsruher SC am Samstag (13 Uhr) könnte zum Selbstläufer werden. Erst recht nicht nach dem zwar gewonnenen, ansonsten aber sehr dürftigen Auftritt gegen den TSV 1860 München.

ANGESCHLAGENE BOXER UND ANGESCHOSSENE PUMAS – ALLES KÄSE

Alternativ bietet sich natürlich der gängige Metaphernbrei an: Der angeschlagene Boxer etwa oder der angeschossene Puma, die beide, man glaubt es kaum, besonders gefährlich sind. Wie im übrigen auch Meerschweinchen, die in die Enge getrieben werden. Wie wärs mal mit seitwärts laufenden Strandkrabben, die mit dem Rücken zur Wand stehen? Die sind bestimmt auch ganz schön gefährlich. Und unberechenbar.

Glaubt man den Karlsruher Ultras, werden da am Samstag mittag weder Boxer noch Pumas noch Krabben in Weißblau über den Rasen schlurfen, sondern eher „The Walking Dead“. Diversen Meldungen zufolge wollen die KSC-Fans ihrer Mannschaft keinen organisierten Support mehr anbieten. „Wir können nicht unser Herzblut vergießen in der Gewissheit, dass es auf dem Platz keinerlei Würdigung findet, geschweige denn eine Wirkung zeigt“, heißt es da.

Bittere Sätze, die auch die Seelen gegnerischer Fans berühren sollten, sofern diesen noch ein Funken Sportsgeist innewohnt. Ein Derby, das vor allen Dingen auf den Rängen fair und frei von unnötigen Provokationen bleibt, sollte unter diesen Voraussetzungen eigentlich möglich sein.

„The Walking Dead“ freilich bewegen sich bekanntlich zwar nicht mehr sehr temperamentvoll, doch wenn sie einen erwischen, den sie beißen können, machen sie den postwendend selbst zum Untoten – na alla, das ist doch mal Sinnbild, das neu ist und zu diesem Spiel doch wirklich saugut passt.

OSAWE FÄLLT AUS, KOCH IST FRAGLICH

Mit 35 Punkten und nur zwei Zählern Abstand zu Relegationsrang 16 bei noch vier ausstehenden Spielen haben die Pfälzer nämlich selbst noch alle Chancen, zu den Zombies dieser Zweitligaspielzeit zu werden – und ihren Anhang bitterlich zum Weinen zu bringen. Der wird sich im Wildpark mit Sicherheit bemerkbar machen, auch organisiert. Das den Gästen zur Verfügung stehende Kontigent von 3389 Tickets ist restlos vergriffen, meldete FCK-Pressesprecher Stefan Roßkopf gestern zur turnusgemäßen Pressekonferenz. Tausende weitere FCK-Fans haben sich sicherlich auf anderen Wegen Tickets besorgt.

Vermutlich hätte Trainer Meier gerne die Besetzung aufs Feld geschickt, die am vergangenen Wochenende in der zweiten Hälfte trotz vieler Unzulänglichkeiten den Heimsieg gegen die Münchner Löwen herausschoss. Also mit Daniel Halfar und im 3-5-2 formiert.

Daraus wird aber nichts. Osayamen Osawe hat „Probleme mit den Rippen“ und wird ausfallen. Robin Koch laboriert an einem „grippalen Infekt“, soll auf jeden Fall im 19er-Kader mit nach Karlsruhe fahren, kann unter Umständen aber derjenige sein, der kurzfristig gestrichen werden muss.

Für Koch käme wohl Patrick Ziegler wieder in die Mannschaft, auch Marlon Frey wäre eine Option. Und für Osawe? Da lässt sich Meier natürlich nicht in die Karten gucken: „Glatzel, Kerk, Dittgen, Pryzbylko, die können das alle spielen, auf jeden Fall beruhigt es mich, dass wir so viele Möglichkeiten haben.“

PASSIEREN KANN AM WOCHENENDE VIEL – SCHAUN MER MAL

„Es wäre fatal zu meinen, Karlsruhe wäre so gut wie weg und wird alles über sich ergehen lassen“, hält Meier einen „Walking Dead“-Auftritt des KSC für unwahrscheinlich. Auch den (Vor-)Entscheidungen, die an diesem Wochenende fallen können, sieht er mit der gewohnten klaren Nüchternheit entgegen.

Die Tabellennachbarn Aue und Würzburg nehmen sich gegenseitig die Punkte weg, die Sechziger haben zuhause Aufstiegskandidat Braunschweig vor der Brust, Düsseldorf muss zum Topfavoriten Hannover. Gewinnt Lautern, wäre Karlsruhe offiziell abgestiegen – und der FCK hätte unter Umständen einen Riesenschritt nach vorn gemacht. „Zu allererst müssen wir auf uns schauen“, so Meier. „Wenn dann die anderen Ergebnisse so sind, dass sie für uns passen, freuen wir uns.“

Und siehe da: Kurz vor Redaktionsschluss fällt uns noch eine richtig geile Metapher zum Spiel vor die Füße. Ein alter Bekannter namens Tayfun Korkut wird heute in der „Süddeutschen“ zur Situation seines derzeit noch aktuellen Vereins Bayer Leverkusen zitiert: „Wir stecken im Sumpf, das ja, aber wir wollen nicht, dass uns irgendjemand den Kopf runter drückt.“

Obwohl: Der Sulu-Satz oben macht sich irgendwie besser an der Lauterer Kabinentür.

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