Analyseblog: Historischer Derbysieg mit Schönheitsflecken – Nach Traumstart droht erst mal Alptraum

Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt im Wildpark gegen den Karlsruher SC 3:1. Der KSC ist damit auch rechnerisch abgestiegen. Je nachdem, wie Aue gegen Würzburg endet, hat der FCK nun fünf oder vier Punkte Abstand zum Relegationsrang 16. Soviel (Vor-)Entscheidung in einem Spiel, und dann auch noch in einem „Derby“ – da kann sich doch nicht FCK-Blogger nennen, wer da nicht lauthals jubelt, oder? Na ja. Wir freuen uns ja auch, aber vollkommen die Augen vor der Realität wollen wir auch nicht. Sagen wir es mal so: Es war nicht gerade ein Spiel, das die Vorfreude auf die nächste Saison schürt, in der Sportdirektor Uwe Stöver bekanntlich einen Qualitätssprung anstrebt.

Der Gegner hat schon vor dem Spiel kapituliert, sowohl auf den Rängen als auch auf dem Rasen. Der gegnerische Trainer denkt schon an die nächste Saison und schickt ein Team auf den Platz, das in dieser Besetzung noch nie zusammengespielt hat, gespickt mit Greenhorns. Nur ein Akteur in der Startelf – Dennis Kempe – hat in dieser Spielzeit überhaupt schon mal einen Treffer erzielt. Wohlgemerkt: Wir schreiben den 31. Spieltag.

WIE KANN MAN NACH EINEM SOLCHEN BEGINN SO ABKACKEN?

Der Gegner beginnt entsprechend unsicher und unbeholfen, der FCK darf bereits nach vier Minuten in Führung gehen, damit ist der Wildpark nun auch akustisch endgültig in Lautrer Hand. Der FCK-Anhang ist nur noch am Giggeln, schließt bereits Wetten auf die Höhe die Sieges ab. Vor den Glotzkisten zuhause überlegen manche, aus- oder umzuschalten, aus Mitleid mit dem KSC, oder, weil der Kick trotz vieler Tore langweilig zu werden droht.

Und was passiert?

Ein paar Minuten später gibt der FCK völlig unverständlicher Weise das Heft des Handels aus der Hand, lässt die emsigen KSC-Youngster sich in die Partie hineinschaffen, Torchancen kreieren – und dann machen sie völlig verdient den Ausgleich. Dabei patzt ausgerechnet mal wieder einer, der dieser Saison zu den konstanten Größen gezählt hat.

Obwohl: Ergänzend zu den vielen Berichten, die von Julian Pollersbecks Bock künden, sei wenigstens hier noch angemerkt, dass David Kinsombis Freistoß-Schlenzerchen in die Mauer-Ecke kurz vorm Tor nochmal aufsetzte – das ist immer eklig für den Goalie, auch wenn es den Treffer natürlich nicht unhaltbar macht.

Und, okay, so nach 60 Minuten bekommt der FCK die sie bespielende Rasselbande wieder einigermaßen in den Griff, Daniel Halfar spielt seinen besten Pass im ganzen Spiel – auf Marcel Gaus, wen auch sonst. Der wird von Youngster Matthias Bader im Strafraum zu Fall gebracht. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus zeigt auf den Punkt.

EIN ELFER WIRD ZUM SYMBOL FÜR DIESE SAISON

Der eingewechselte Sebastian Kerk tritt an, als dritter FCK-Spieler in dieser Spielzeit, der versucht, einen Elfer zu verwandeln. Und wie seine beiden Vorgänger Zoltan Stieber und Jacques Zoua scheitert auch er, drückt den Ball aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern im Nachschuss rein.

Bezeichnender konnte der wichtigste Sieg der Saison eigentlich nicht eingefahren werden, und im Grunde hat er auch für die gesamte Spielzeit des FCK Symbolcharakter. Es ist halt gerade nochmal so gutgegangen… Von Gaus in die Gasse geschickt, leitet Kerk auch den dritten Treffer ein. Zoua verwertet seine flache Linksflanke.

Selbst die Trainer Norbert Meier und Jan-Patrick Meister benötigen in der anschließenden Pressekonferenz zusammen nur  1:15 Minuten für ihre Statements. Insofern erscheint es schon ein wenig überflüssig, hier noch mehr Worte zu machen.

DIE PASSSTATISTIKEN: GAUS DER BESTE – ABER WO IST PRITSCHE?

Dennoch: Für die ganz fleißigen Leser hier der Blick auf die Passstatistiken des genialen Blogs 11tegen11, der uns diese netter Weise angefertigt hat.Bildschirmfoto 2017-04-30 um 09.15.48.png

Die Lautrer Grafik bestätigt auch objektiv den subjektiven Eindruck, dass Gaus wieder mal der Beste seines Teams war. Die meisten Ballkontakte und öfter als jeder andere am Herausspielen von Torchancen beteiligt – das Sternchen im dicken Punkt visualisiert es. Zoua war der am meisten gesuchte Stürmer, Pryzbylko dagegen wird nur von einem ganz dünnen Pünktchen markiert, zu dem kaum Passlinien führen. In der Tat blieb „Pritsche“ nach seinem frühen Treffer weitgehend unsichtbar.

Bei „sky“ gab übrigens Edgar Schmitt, der legendäre „Stier von Dudeldorf“, in der Pause ein sehr kurzweiliges Interview. Und das Geburtstagskind – er wurde am Samstag 54 Jahre alt – outete sich als regelrechter „Pritsche“-Fan. Ein „überragender Kopfballspieler“ sei das, eigentlich ein Erstligaspieler, den er, Edgar, schon seit Jahren mit Begeisterung beobachte…

Vielleicht spielt das mal jemand „Pritsche“ vor, am besten mehrmals hintereinander. Vielleicht motiviert ihn diese hohe Wertschätzung eines ehemaligen Klasse-Stürmers, sich mal ein wenig mehr ins Zeug zu legen. Mit nunmehr 24 Lebensjahren entwächst „Pritsche“ nämlich so langsam dem Talent-Alter, da müsste mal mehr kommen als nur ein paar starke Momente ab und an.

UND KARLSRUHE? DIE WOLLEN NUR SPIELEN – UND DER FCK LÄSST SIE

Der Vollständigkeit halber hier auch die Passgrafik des Karlsruher SC.

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Die vielen verhältnismäßig dicken Punkte und Passlinien zeigen, dass die kurzfristig zusammengewürfelte Truppe den Ball zeitweise ganz gut laufen ließ, beziehungsweise: der FCK zuließ, dass der Ball lief – Folge zu laschen Pressings und zu wenig Druck auf den Ball.

Und hier noch die „Expected Goals“-Grafik, in der „11tegen11“ nicht einfach die „Torschüsse“ betrachtet, sondern die Qualität der Torchancen beurteilt und über 90 Minuten zu Vergleichswerten aufaddiert.

Bildschirmfoto 2017-04-30 um 09.19.04.png

1.28 : 1.23 – das zeigt erstens, dass es nicht viele qualitativ hochwertige Chancen gab, und zweitens, dass ein Unentschieden im Grunde gerechter gewesen wäre. Lautern schiebt sich erst mit Zouas 3:1 vor den KSC. Interessant auch, dass Kinsombis Ausgleich kaum zu einem Knick in der Linie führt: Der Freistoß aus fast 30 Metern wird gar nicht als höherwertige Torchance erachtet.

38 PUNKTE REICHEN NORMALER WEISE – DIESE SAISON AUCH?

38 Punkte hat der FCK nun auf dem Konto. Damit ist noch nie eine Mannschaft aus der Zweiten Liga auf den letzten drei Rängen gelandet. Allerdings: In dieser Saison läuft vieles merkwürdig, und mit St. Pauli und Aue hat der FCK nun zwei Gegner vor der Brust, die Tabellennachbarn sein mögen, in der Rückrunde aber richtig stark aufspielen.

Andererseits: Hieß die Vorgabe zu Saisonbeginn nicht „einstelliger Tabellenplatz“? Zum Tabellen-7. sind es nur zwei Punkte… Vielleicht könnte der jetzt gewonnene Abstand zu den Abstiegsrängen ja mal zu mehr Leichtigkeit in Köpfen und Füßen führen – und zu einem besseren, beherzteren Spiel? Dann wär auch das durchaus noch drin.

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