Analyseblog: Dieses 0:1 findet nicht nur Ewerton zum K… Nein, bitte keine dummen Sprüche so kurz vorm „Showdown“

Jetzt ist „Showdown“ angesagt. Auf was Filmfreunde in jedem ordentlichen Western keinesfalls verzichten wollen, hätten sich Fans des 1. FC Kaiserslautern gerne erspart. Erstmals in der Geschichte der eingleisigen Zweiten Liga könnte eine Mannschaft die Runde mit 38 Punkten auf Platz 16 abschließen – und die könnte ausgerechnet der FCK sein. Mit ihrem 0:1 beim FC Erzgebirge Aue verpassen die Lautrer erneut die Chance, das Ticket für die nächste Zweitligasaison vorzeitig zu lösen. Unverbesserliche Optimisten werden nun sagen: Wenigstens wird der Betzenberg gegen den 1. FC Nürnberg am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) jetzt nochmal richtig schön voll, denn wenn der Verein was braucht, dann sind das doch Einnahmen. Skeptiker werden dagegenhalten: Dass sich der Anhang  nach den jüngsten Darbietungen der Roten Teufel nochmal mobilisieren lässt, ist keinesfalls selbstverständlich – und wenn, stellt sich Frage, ob eine große Kulisse der Mission Klassenverbleib nicht eher ab- als zuträglich wäre: Vor einer solchen nämlich haben die Pfälzer in dieser Saison noch nie gepunktet.

Sich darauf herauszureden, dass die zum Teil merkwürdigen Ergebnisse auf den anderen Plätzen ja denkbar ungünstig gewesen seien, haut schon mal gar nicht hin. Kickers Würzburg und der TSV 1860 München haben bei ihren Heimniederlagen ja sogar noch „für“ den FCK gespielt. Und, ja, die gute Nachricht des Tages lautet: Direkt absteigen können die Lautrer nicht mehr, immerhin. Ein Hammer ist lediglich das fette 6:0 der Bielefelder gegen Aufstiegsaspirant Braunschweig, denn damit haben die Ostwestfalen nunmehr auch ein besseres Torverhälnis als der FCK. Der Auswärtssieg der Düsseldorfer bei Nürnbergern, bei denen es nicht mehr wirklich noch um was geht, ist dagegen nicht so überraschend.

Sie hätten eben das tun sollen, was ihnen ihr Trainer vorgegeben hatte: sich auf sich selbst verlassen. Das allerdings hätte Selbstvertrauen und Entschlossenheit erfordert, von so etwas wie „Mut“, gar einem solchen „zum Risiko“, ganz zu schweigen. Dabei wären die zuletzt forsch auftretenden und punktenden Auer den Lautrern sogar entgegen gekommen.

DA WÄR DOCH WAS GEGANGEN: AUCH DIE AUER ZEIGEN NERVEN

Auch bei denen nämlich ist zu Beginn die nervliche Anspannung zu spüren, unter der dieses Aufeinandertreffen steht: Der Gewinner wird seiner Abstiegssorgen weitgehend ledig sein, der Verlierer mittendrin stecken bleiben im Schlamassel. „Die Schnupperphase, die sich normaler Weise über zehn, 15 Minuten erstreckt, hat diesmal die komplette erste Hälfte angehalten“, analysiert Erzgebirge-Trainer Domenico Tedesco hinterher. Im Bemühen, an den Ball zu bekommen, lassen sich bei den beiden Teams jedoch in diesen 45 Minuten – trotz ihrer Höhepunktlosigkeit – zwei recht unterschiedliche Handschriften erkennen.

Hat Lautern das Leder in der hinteren Reihe, zieht sich das Auer Angriffstrio zu einem Triangel zusammen, das die Mitte dichtmacht und so die Lautrer zwingt, auf die Seite zu spielen. Dort wird der ballführende Mann sofort attackiert. Und da Ewerton und Robin Koch meistens versuchen, das Leder über links abfließen zu lassen, wird Tim Heubach zu dem Spieler, den die Statistik am Ende als den mit den meisten Fehlpässen ausweisen wird. Dabei ist er lediglich der, der am meisten unter Druck gesetzt wird.

WIE GEHABT: LAUTERN NACH HINTEN RECHT GUT, NACH VORNE BESCHEIDEN

In der 26. Minute gelingt Heubach allerdings mal ein befreiendes Zuspiel in die gegnerische Hälfte. Daniel Halfar kommt an den Ball, schafft ein kurzes Dribbling und zieht mit links ab. Davon abgesehen werden über die rechte Seite noch zwei Schussversuche von Robin Koch und Philipp Mwene eingeleitet, doch das ist es auch schon mit Lautrer Offensivaktivität in Hälfte ein.

Andererseits hat auch Aue nicht viel mehr als ein beherztes 20-Meter-Rohr von Pascal Köpfe zu verzeichnen. Was zeigt, dass wenigstens Lauterns Defensivspiel funktioniert, auch wenn es nicht sonderlich aggressiv auf Ballgewinn ausgerichtet ist. „Die haben die Räume sehr gut verdichtet, sind unsere defensive Dreierreihe mit ihren zwei Spitzen sehr gut angelaufen“, lobt Domenico Tedesco später.

Einer der beiden Stürmer heißt übrigens wieder mal Lukas Görtler. Er ist für den verletzten Kacper Przybylko in die Startelf gerückt. Und er bestätigt, was auch schon öfter in dieser Saison von ihm zu sehen gewesen ist: Görtler ist engagiert bei der Schade, rackert, verhält sich taktisch geschickt, bekommt auch die meisten seiner Zuspiele zum eigenen Mann – nur strahlt er als Spitze leider null Torgefahr aus. Vielleicht sollte er in der nächsten Saisonvorbereitung mal eine Umschulung zum Achter anstreben.

IN DER PAUSE MUSS EWERTON RAUS – FATAL

In der Pause muss Ewerton dann raus, und das wird sich fatal auswirken. Er soll über Übelkeit geklagt haben… Nein, keine dummen Sprüche, von wegen, er habe seiner eigenen Mannschaft zu lange zugesehen, das hilft niemand. Für ihn kommt Patrick Ziegler, Robin Koch rückt zurück auf die zentrale Innenverteidiger-Position.

Was jetzt kommt, ist irgendwie typisch für den Saisonverlauf des FCK. Das Spiel wird, doch, tatsächlich, zunächst mal besser. Der eingewechselte Ziegler provoziert mit einer Flanke einen Querschläger, der gar nicht mal so ungefährlich auf den Kasten von Aues Schlussmann Martin Männel kommt. Und dann setzt Lautern den spielerischen Höhepunkt seines Spiels. Christoph Moritz flankt auf Marcel Gaus am langen Eck, der legt per Kopf  Jacques Zoua auf, dem wiederum gelingt ein Kopfball, wenn auch mit gesundheitsgefährdender  Halsverrenkung, das Ding fällt jedoch auf der falschen Seite des Torpfosten runter…

UND DANN KOMMT ES MAL WIEDER, WIE ES KOMMEN MUSS

Was darauf nur folgen kann? Richtig: der Todesstoß. Beziehungsweise: die „Schlüsselszene“, wie Tedesco sie später nennt. Und wie unlängst schon Keeper Julian Pollersbeck patzt auch diesmal einer, der bislang zu den erfreulichsten Erscheinungen dieser Spielzeit zählt: Robin Koch. Erst taucht er unter einem schnellen langen Ball von Sebastian Hertner ohne Not hindurch, dann lässt er sich am Strafraumeck von dem allerdings klasse gestarteten Köpke vernaschen. Der darf unbedrängt in die Mitte spielen, Heubach grätscht zu früh, Mario Kvesic kann in Ruhe den Ball annehmen und einschieben.

Hilft’s was zu sagen, mit Ewerton wär das nicht passiert? Ungefähr genauso viel, wie angesichts der Szene kurz vor Abpfiff, als Gaus bei einem Rempler im Strafraum zu Boden geht, die alte Reporterfloskel zu bemühen: Es gibt Schiedsrichter, die haben da schon gepfiffen… Stimmt zwar, aber Robert Hartmann tat es nicht. Basta.

Ansonsten haben der eingewechselte Robert Glatzel und Heubach noch Gelegenheiten, wenigstens den Gleichstand zu erzielen. Dass es nicht klappt, ist irgendwie nicht überraschend. Nur drei Mal haben die Pfälzer in dieser Runde nach einem Rückstand noch ausgeglichen, Gelegenheit dazu hatten sie schon 16 Mal…

WIEDER MAL VIEL ZU LANGE GEBRAUCHT… OCH JO

„Wir haben viel zu lange gebraucht, bis wir auch nur einen Ansatz von Torchancen herausspielen konnten“, hat Trainer Norbert Meier es danach wieder mal genau richtig erkannt. Die Frage ist nur: Was dagegen tun vorm Saisonfinale gegen den 1.FC Nürnberg, wenn man sich nicht auf andere verlassen will?

Zum Abschluss noch ein Blick auf Passgrafik, die wir uns wieder bei „11tegen11“ besorgt haben.

C_z_gbvXUAAFu2P.jpgAuffällig: Endlich war mal der Sechser ins Spiel einbezogen: Einen so dicken Punkt durfte Robin Koch noch nie darstellen, und es sei auch gleich angemerkt: Die Darstellung gibt die ersten 66 Minuten wieder, also eine Zeitspanne, in der Koch noch überwiegend im defensiven Mittelfeld agierte. Zu sehen ist allerdings auch, und das angesichts der dicken Pfeile sehr deutlich: Er spielte fast nur zurück, auf Stipe Vucur und Heubach nämlich…

Der Sechser als Umschaltstation, um eigene Angriffe einzuleiten? Nicht in Lautern, nicht diese Saison. Da herrscht fraglos personeller Nachbesserungsbedarf. Dumm nur: Der mutmaßliche Wunschkandidat Denis Linsmayer hat gestern beim SV Sandhausen seinen Vertrag um ein Jahr verlängert.

Es ist wirklich kein schöner Montag für FCK-Fans. Da kann eigentlich nur einer helfen, die Laune zu heben: Patrice Evra.  Das ist die Mentalität, die wir wieder mal am Betzenberg sehen wollen. Doch, er sagt es tatsächlich: I love this game… Haben wir auch mal. Es fällt nur immer schwerer, sich daran zu erinnern.

Ein Gedanke zu “Analyseblog: Dieses 0:1 findet nicht nur Ewerton zum K… Nein, bitte keine dummen Sprüche so kurz vorm „Showdown“

  1. Wieder ein schönes Ding, Eric.

    Was bleibt? Der 1. FCK ist halt kein Coca Cola. Hier kann man schlaue Marketingsprüche raushauen und damit Erfolg haben. Dort muss es erst einmal unten auf dem Rasen stimmen. Und davon sind wir ja nun einmal meilenweit entfernt.

    Der Umbruch, den sich einige ja fortlaufend auf die Fahne schreiben, hat sich wohl zum absoluten Rohrkrepierer entwickelt. Mit Stefan Kuntz waren wir sportlich erfolgreicher, haben den ein oder anderen Spieler verkaufen können. Mit diesen Erlösen ist man sicherlich Risiko gegangen, wollte hoch. Hätte fast geklappt. Jetzt wollte man mit 3 Mio Fremdkapital auf Platz 9. Und bringt mit diesem Spieleretat eine Saison zustande, in der man es mit Glück auf einen Platz zwischen 14 und 16 schaffen wird. Eine Saison, die neue Finanzlöcher auftun wird und die uns dem Abrund wieder näher bringt.

    Ich bin ja mal gespannt, wann ich etwas Demut derer erfahren darf, die sich selbst wochen- und monatelang für den „überfälligen“ und „selbst eingeleiteten“ Umbruch haben feiern lassen. „Es kann nur besser werden“ hat ja nun einmal nicht stattgefunden…..

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