Gegnerblog: Willkommen im „Glubb“ – Der Durchlauferhitzer soll zum Dauerbrenner werden

Vier Siege, ein Remis, fünf Niederlagen: Das ist die Bilanz des neuen Cheftrainers Michael Köllner, der mit dem 1. FC Nürnberg am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) zum Saisonfinale beim 1. FC Kaiserslautern gastiert. Bis vor der jüngsten Heimniederlage gegen Fortuna Düsseldorf (2:3) fungierte der 47-jährige lediglich als Interimstrainer des FCN, nachdem er am 7. März den glücklosen Alois Schwartz abgelöst hatte. 13 Punkte in zehn Spielen sind nicht gerade die Ausbeute, mit der sich eine Übergangslösung bei einem ambitionierten Zweitligisten für eine Weiterverpflichtung empfehlen kann – könnte man meinen. „Glubb“-Sportchef Andreas Bornemann ist dennoch von dem ehemaligen Internatsschüler überzeugt.

Er habe „die Mannschaft in einer schwierigen Situation stabilisiert“, erklärte Bornemann anlässlich der Vollzugsmeldung dem „kicker“ und habe „schon in den ersten Wochen eine klare Handschrift“ erkennen lassen. „Die Zuversicht und Freude, die er bei seiner Arbeit ausstrahlt und die Akribie und Leidenschaft, mit denen er die Aufgaben angeht, haben für frischen Wind gesorgt und lassen uns positiv nach vorne blicken.“

SPIELER IN DEN NISCHEN SUCHEN: DAS BEISPIEL SABIRI

Wer harte Fakten sucht, um sich von Köllners Qualitäten zu überzeugen, sollte nicht nur auf die aktuellen Ergebnisse schauen. Unter Köllners Regie hat sich das Nürnberger Nachwuchsleistungszentrum, das er erst 2016 gemeinsam mit der U21 des „Glubbs“  übernommen hatte, zu einem höchst leistungsfähigen Durchlauferhitzer für Talente entwickelt, die den Sprung in die Erste Mannschaft geschafft haben.

Dafür exemplarisch steht Abdelhamid Sabiri. Vor einem Jahr kickte der heute 20-jährige noch bei den Sportfreunden Siegen in der Oberliga Westfalen. Als A-Junior hatte er bei Darmstadt 98 lediglich Hessenliga gespielt. Im Sommer 2016 wechselte Sabiri zum Glubb, wo Köllner gerade begann, die Nachwuchsarbeit des Vereins ihrem erklärten Ziel unterzuordnen. „Wir müssen Spieler in einer Nische suchen, wir können nicht auf die zugehen, die alle im Fokus haben“, beschrieb es der neue NLZ-Leiter im Januar der „Süddeutschen Zeitung.“

Während immer mehr Profivereine auf ihre Zweiten Mannschaften als Talentschmieden verzichten, haben die Nürnberger ihr Engagement dort intensiviert. Bis zu elf Trainer arbeiten gleichzeitig mit den Spielern, also quasi einer für jede Position auf dem Feld. „Damit können wir Dinge forcieren und Spieler schneller entwickeln“, so Köllner, der auch  als Autor als Fußballtaktik- und Trainerhandbuchs („Spielfähigkeit im Fußball“) in Erscheinung getreten ist. Vor seiner Tätigkeit beim Glubb war er zwölf Jahre beim DFB als Koordinator für Talentförderung unterwegs, dabei für die Regionalauswahlmannschaften zwischen U13 und U17 zuständig – ein ideales Arbeitsfeld, um die „Nischen“ auszukundschaften, in denen sich sein aktueller Verein bedienen will.

NACH ZWÖLF TREFFERN IN DER REGIONALLIGA DIREKT IN DIE ERSTE MANNSCHAFT

Was „schneller entwickeln“ bedeutet, hat vor allem Sabiri gezeigt. In der Hinrunde erzielte der Regionalliga-Neuling für die U21 zwölf Tore. Vor allem aber baute er die Mängel im taktischen Verhalten ab, die Köllner bei ihm ausgemacht hatte. Im Winter zogen die Trainer ihn zur Ersten Mannschaft hoch. Bilanz seither: Acht Einsätze, fünf Treffer. Okay, jüngst gegen Düsseldorf markierte er auch ein Eigentor, dummerweise auch noch das spielentscheidende. Einen nachhaltigen Karriereknick dürfte es ihm nicht bescheren – für Köllner zählen auch negative Erfahrungen zu einer Spielerentwicklung.

Sabiri ist vielleicht das augenfälligste Beispiel für die beschleunigte Talentwicklung beim Klub, beileibe aber nicht das einzige. Auch die 20-Jährigen Cedric Teuchert und Patrick Kammerbauer kommen in dieser Saison schon auf 20 Einsätze bei den Profis. Vielversprechend mit sechs Einsätzen gestartet war auch Dennis Lippert, ehe ihn ein Kreuzbandriss zurückwarf.

Köllner wird ihren Weg nun ausschließlich als Cheftrainer der Ersten Mannschaft begleiten. Seinen Wunsch, parallel auch NLZ-Leiter zu bleiben, hat die Klubführung im Zuge der Beförderung dann doch nicht erfüllt. In Kaiserslautern gilt es für den Klub nun, eine Saison hinter sich zu bringen, mit der der Anhang ganz und gar nicht zufrieden ist. Der Vorjahresdritte dümpelt auf Rang 10 herum, mit 42 Punkten passiert weder nach oben noch nach unten noch viel.

„ERWECKUNGSERLEBNIS“ BLIEB AUS – WIE GEHT’S JETZT WEITER

Mitte April war den Nürnbergern der größte Coup unter Köllners Regie geglückt. In Unterzahl schafften sie es, Erzgebirge Aue mit 2:1 zu bezwingen. Hernach sprach der katholische Internatsschüler Köllner gar von einem „Erweckungserlebnis“, das anschließend aber keine Auswirkung in Form von Punkten zeitigte.

Ob es allerdings gelingt, allein mit schnell entwickelten Jugendlichen wieder oben anzugreifen, während weiterhin etablierte Leistungsträger weggekauft werden? Vergangenen Sommer wechselte Stürmer Niclas Füllkrug nach Hannover, im Winter machte sich Torjäger Guido Burgstaller  Richtung Schalke auf, diesen Sommer droht der Abgang von Zehner Kevin Möhwald, den unter anderem die TSG Hoffenheim ins Visier genommen haben soll…

Keiner fetteren Kasse, sondern lediglich dem Alter Tribut gezollt hat Torwartikone Raphael Schäfer, der zum Saisonende seine aktive Laufbahn mit 38 Jahren beendet, dem „Glubb“ aber als Torwarttrainer erhalten bleibt. Ein anderes Stück Tradition hat der neunfache Deutsche Meister gerade wiederbelebt. Sein Hauptsponsor hat ermöglicht, die Heimstatt des FCN ab der nächsten Saison Max-Morlock-Stadion zu nennen. Damit hat nun ein zweiter 54er-Weltmeister seine eigene Spielstätte. Wo die des anderen steht, wissen wir ja.

3 Gedanken zu “Gegnerblog: Willkommen im „Glubb“ – Der Durchlauferhitzer soll zum Dauerbrenner werden

  1. sagen wir mal so. Bisher wurde jeder Verein, der am Boden lag, vom 1.FCK wieder aufgebaut. Weshalb soll es am kommenden Sonntag anders sein?

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    • Ist bei uns aber nicht anders…
      siehe letztes Spiel gg. Düsseldorf…
      deswegen also völlig offen.
      Wusste gar nicht, dass der Pfälzer Pessimismus dem der Franken so nahe kommt!;-)

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      • Na ja… Ergänzend zu Jürgens Kommentar könnte man auch sagen: Wer am Boden liegt und wer nicht, ist eine Frage der Perspektive. Anders ausgedrückt: Wenn Nürnberg von uns aus gesehen am Boden liegt, wo liegen wir dann?

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