Vorschaublog: Auf zum letzten Tanz – Meier will „eine ganze Region glücklich machen“

Gesunden Pragmatismus beherrscht Norbert Meier ganz gut, und mit diesem ist der 1. FC Kaiserslautern bisweilen auch einigermaßen gut gefahren. Pathos ist dagegen weniger sein Ding. Wenn er etwa vor dem Saisonfinale gegen den 1. FC Nürnberg am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) meint, sein Team könne „mit einem Spiel eine ganz Region glücklich machen“, ist das, mit Verlaub, schon ein wenig dick aufgetragen. Sicher wird der Jubel groß sein, wenn der FCK am 34. Spieltag den durchaus möglichen Sturz auf Relegationsrang 16 vermeidet, erst recht, weil um die 40.000 Zuschauer erwartet werden. Über einen längeren Zeitraum „glücklich“ wird die Region damit allerdings kaum sein. So tief gesunken sind die Ansprüche in der Pfalz eben doch noch nicht.

Der Coach erwartet von seiner Mannschaft eine Leistung, die „fokussiert ist über 90 Minuten“, was zuletzt selbst in den gewonnenen Partien gegen 1860 München und den Karlsruher SC nur phasenweise der Fall war. Am Sonntag sei dies aber gefordert, „wenn du mit dem Rotz, der danach kommt, nichts mehr zu tun haben willst.“ Gleichwohl sei das Spiel eine „wunderbare Herausforderung“, gerade für die Spieler, die in der Region verwurzelt seien und die bereits Kinder in die Welt gesetzt hätten: „Wenn der Stups vom Halfar irgendwann mal sagt, Papa, du warst der Held damals“, werde das der Vater-Sohn-Beziehung sicher guttun.

EINPEITSCHEN WIE RUMP? MEIER HAT SEINE EIGENE ART

Ein Renner im Netz ist derzeit die Motivationsansprache von Bielefelds Carsten Rump, mit der dieser die Arminia zum anschließenden sensationellen 6:0-Erfolg gegen Aufstiegskandidat Eintracht Braunschweig peitschte. „Wir werden das nicht kopieren. Wir haben unsere eigene Art, mit den Dingen umzugehen“, meint Meier dazu.  „Es gibt Mannschaften, die kannst durch drei Sätze so heißmachen, dass sie schweißgebadet aus der Kabine kommen, andere sind eher introvertiert.“ Zu welcher Spezies seine gehört, ließ er offen.

Einer, dem nicht immer alles gelang, der aber, egal nach welcherart Ansprache, immer heiß zu sein schien, war bislang Marcel Gaus. Der fällt jedoch zum Saisonfinale aus, nachdem er zuletzt in Aue seine zehnte Gelbe Karte kassierte. Ausgerechnet das Mentalitätsmonster, das das Team am ehesten mitreißen kann. Darüber hinaus fehlen mit Kacper Przybylko, Sebastian Jacob und Mensur Mudzja lediglich die bekannten Dauerverletzten, der Rest ist einsatzfähig.

OHNE GAUS IST EINE SYSTEMÄNDERUNG DENKBAR, ABER NICHT WAHRSCHEINLICH

Ohne Gaus böte es sich eventuell an, von dem 3-1-4-2, welches Meier im letzten Saisonviertel fast durchweg praktizierte, doch nochmal abzurücken, denn Gaus ist der Spieler, dem dieses System am meisten behagte, konnte er doch als linker Außenbahnspieler sowohl nach vorne wie nach hinten nach Herzenslust rackern. Ein 4-1-4-1 oder ein 4-2-3-1 etwa böte die Möglichkeit, offensive Flügelspieler aufzubieten, Sebastian Kerk und Zoltan Stieber etwa.

Ist möglich, aber nicht wahrscheinlich. Pragmatiker Meier wird zwar nicht glücklich darüber gewesen sein, wie sich die Mannschaft zuletzt in dieser Grundformation präsentierte, ist allerdings auch nicht der Typ, der vor dem letzten Tanz der Ballsaison nochmal allzu viel umkrempelt.

Zumal er bei aller Unzufriedenheit immer wieder betonte – zuletzt nach dem ebenfalls wenig berauschenden 0:1 in Aue –, dass die Mannschaft wenigstens defensiv überwiegend gut stand. Für Gaus wird wohl Naser Aliji auf der linken Außenbahn auftauchen. Oder Kerk, als offensivere Variante.

EINE UNSCHÖNE ERINNERUNG ALS MAHNENDES BEISPIEL

Kann sich noch irgendjemand an den 21. Juni 1987 erinnern? Wahrscheinlich nicht. An diesem Tag stand der 34. Spieltag der Ersten Bundesliga an. Der 1. FC Kaiserslautern – gecoacht von Hannes Bongartz, in der Startelf unter anderem mit Gerry Ehrmann, Wolfgang Wolf, Markus Schupp, Axel Roos und Wolfram Wuttke – trat gegen den Hamburger SV an. Der FCK war Tabellensiebter und hätte unbedingt gewinnen müssen, um sich für den UEFA-Cup zu qualifizieren, der HSV stand als Vizemeister bereits fest.

Fürs eine Team ging’s also noch um Millionen, fürs andere bereits um nichts mehr. Angesichts dieser Motivationslage hätte Lautern den Gegner eigentlich niederringen müssen, mal ganz abgesehen davon, dass das Spiel doch in der Festung Betzenberg angepfiffen wurde… Doch wie ging’s aus? Der HSV siegte 4:0.

Was uns dieses Beispiel lehrt? Zum einen, dass auch Veteranen, die in Interviews heute gerne mal klagen, dass es der heutigen  Spielergeneration an Einstellung mangele, zu ihrer Zeit auch Spiele versemmelten, die sie eigentlich niemals hätten versemmeln dürfen. Zum anderen zeigt es, wie unberechenbar Mannschaften sind, für die es um nichts mehr geht.

JENSEITS VON GUT UND BÖSE KÖNNEN UNGEAHNTE KRÄFTE FREI WERDEN

So ganz ohne Druck lässt es sich auf einmal mit freiem Köpfchen ganz unbeschwert Fußball spielen. Auch Darmstadt 98 hat dies in den vergangenen Wochen zelebriert. Der 1. FC Nürnberg ist vor dem Gastspiel auf dem Betze am Sonntag (15.30 Uhr) als Tabellen-10. in einer ähnlichen Situation „jenseits von Gute und Böse.“

Zumindest drumherum wird das Finale zum Schicksalsspiel hochstilisiert. Nach der viral verbreiteten Video-Botschaft von Legende Horst Eckel unter der Woche launchte auch die aktuelle Mannschaft am Donnerstag einen Appell, in dem Kapitän Daniel Halfar versichert, dass man alles tun werde, „um dieses verdammte Spiel zu gewinnen“. Beide PR-Produktionen können unter anderem auf fck-tv.de genossen werden.

MISSION „KLASSENVERBLEIB“ IST MACHBAR – AUCH OHNE PR-VIDEOS

„Machbar“ sollte die Mission Klassenverbleib – genauer: die Relegationsspiele vermeiden – auf jeden Fall sein. Nochmal kurz zur Erinnerung: Voraussetzung dafür, dass der FCK als Tabellen-14. noch auf Rang 16 abrutscht, ist, dass 1860 München (in Heidenheim) und Arminia Bielefeld (in Dresden) BEIDE ihre Spiele gewinnen. Holt Lautern gegen den FCN nur einen Punkt, wären siegreiche Bielefelder wegen ihres besseren Torverhältnisses vorbei, die Sechziger dagegen müssten mit vier Toren Unterschied gewinnen, um es auf diesem Weg noch zu schaffen. 

Gewinnt Lautern, lässt sich vielleicht sogar noch ein Tabellenrang gutmachen. Was wichtig wäre, um nicht vielleicht noch einen weiteren Platz im TV-Geld-Ranking zu verlieren. Dazu darf St. Pauli nicht besser als sieben Plätze vor dem FCK abschließen, dieser Sprung ist für den Tabellen-9., der in Bochum antritt, durchaus noch möglich. Bislang allerdings machte das Team von Norbert Meier nicht den Eindruck, als seien ihnen die Erfordernisse und Zwänge, die sich aus der wundersamen Arithmetik dieses Tabelle ergeben, nahe zu bringen.

40.000 ZUSCHAUER WERDEN ERWARTET – BITTE FRÜHZEITIG ANREISEN!

Immerhin beschert diese Konstellation, die keiner wollte – Sportdirektor Uwe Stöver hatte für diese Spielzeit einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgegeben – dem FCK nochmal um die 40.000 Zuschauer. Bei gutem Wetter werden es vielleicht noch ein paar mehr. Kurzentschlossenen, die noch kein Ticket haben, empfiehlt FCK-Pressespresser Stefan Rosskopf, erstens frühzeitig anzureisen und zweitens die Print-at-Home-Funktion im Online-Ticketshop zu nutzen, damit Schlangen an den Kassenhäuschen so gut es geht vermieden können. Denn: „Das Spiel wird wegen der Brisanz des letzten Spieltages nicht eine Minute später als 15.30 Uhr angepfiffen.“

Damit wird der FCK mit einem Zuschauerschnitt abschließen, der die kalkulierte Höhe von 26.800 wahrscheinlich sogar noch um ein paar hundert überschreitet – die Schätzung hatte Finanzvorstand Michael Klatt zu Saisonbeginn übrigens als „sehr konservativ“ bezeichnet. Zwischenzeitlich hatte es danach ausgesehen, als würde sie von der Realität dramatisch unterboten.

Die schönste Nachricht im“Erfolgsfall“ wäre aber: Diese Saison ist vorbei. Vermissen wird sie niemand.

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