Extrablog: Vorm Vatertag noch ein wenig Ernüchterung – das letzte Saisonviertel und die Frage, was bleibt

Die Länderspielpausen dieser Saison hat der FCK-Blogwart stets für Zwischenbilanzen genutzt. Daher kommt er jetzt nicht drumherum, auch den letzten Abschnitt nochmal für sich zu beleuchten. Wie, keinen Bock mehr drauf? Das ist einerseits verständlich angesichts der gezeigten Darbietungen. Andererseits ist es selbst auferlegte Chronistenpflicht. Und vorm Vatertag kann nochmal ein wenig Ernüchterung nichts schaden. Wir machen es aber kurz, versprochen. Und widmen uns anschließend der Frage, wie sich aus dem Steinbruch, den diese Spielzeit hinterlässt, vielleicht ein Fundament für die nächste Spielzeit schaffen lässt. Wohlgemerkt: Wir reden von einem „Steinbruch“, nicht von einem „Trümmerhaufen“. Denn wir denken positiv, machmal wider alle Vernunft. Da  kommt man als Lautern-Fan nun einmal nicht drumherum.

Der letzte Saisonabschnitt begann mit dem 0:1 gegen Eintracht Braunschweig. Eigentlich ein gutes Spiel von Lautern, das letztlich der Schiedsrichter entschied: Gab einen Handelfmeter für den FCK nicht, dafür durfte Mirko Boland bei seinem Treffer die Flosse zu Hilfe nehmen. Shit happens.

Norbert Meier überraschte zu dieser Partie mit einer 3-1-4-2-Formation, die gegen das sehr spezielle Braunschweiger 4-3-3 mit stark einrückenden Flügelstürmern erstaunlich gut funktionierte. Der Grundordnung blieb er bis zum Finale gegen den 1. FC Nürnberg treu, obwohl sie zunehmend an Wirkung verlor.

DAS 3-1-4-2: IMMER WIEDER PROBLEME AUF DEN FLÜGELN

Vor allem gegen Gegner mit starken Flügelpärchen bekam die Dreier-/Fünferkette immer wieder Probleme, offenbar wurden diese vor allem in den Partien bei Union Berlin (1:3) und gegen St. Pauli (1:2). Auch nach vorne lief zunehmend weniger. Die Formation sieht nun mal keine offensiven Flügelspieler und keinen Zehner vor, und auf diesen Positionen agieren gemeinhin nun einmal die Spieler, die für „Spielwitz“ – was für ein herrlich altmodisches Wort – sorgen können. Für Zoltan Stieber, Max Dittgen und Sebastian Kerk wurde es somit schwer, zu weiteren Einsatzzeiten zu kommen.

Gegen 1860 München (1:0) variierte Meier mal eine Halbzeit lang in ein 3-4-3, um Kerk einzubauen. Das sorgte nach hinten zwar für etwas mehr Stabilität, nach vorne lief aber noch weniger. Bestes Spiel des Schlussabschnitts war der 2:0-Erfolg gegen die SpVgg. Greuther Fürth. Der freilich auch als Resultat zweier großer Momente von Spielern gelesen werden kann, von denen derlei davor und danach nicht mehr zu sehen war: Nie nahm Jaques Zoua einen langen Ball enger an als vor seinem 1:0, nie ging Christoph Moritz nach einer Balleroberung schneller und entschlossener in die Spitze als vor seinem 2:0.

DAS FINALE 1:0 GEGEN NÜRNBERG: EIN FINGERZEIG?

Zwei Siege in Folge blendeten eher, als dass sie tatsächlich einen Aufschwung markiert hätten: Der Heimsieg gegen die Sechziger war komplett unverdient, der 3:1-Erfolg beim Karlsruher SC, der mit sich quasi schon abgeschlossen und eine Art Zukunftself neu zusammengewürfelt hatte, war zumindest kein Ruhmesblatt. Insofern waren die neuerlichen Ernüchterungen gegen St. Pauli (1:2) und in Aue (0:1) eigentlich keine Überraschungen. Beim abschließenden 1:0 gegen nicht gerade hochmotivierte Nürnberger bot der FCK im Rahmen seiner Möglichkeiten noch einmal ordentliche, über weite Strecken auch konzentrierte Fußballkost. Interessant: Meier kehrte wieder zum 4-2-3-1 zurück, Moritz agierte vor Halfar auf der Zehn, Youngster Nicklas Shipnoski gab sein Startelfdebüt. Fingerzeige für die Zukunft? Mal sehen.

22 Punkte hat Meier in der Rückrunde mit dem FCK geholt, bei einem Torverhältnis von 18:18. Vorgänger Tayfun Korkut schloss die Vorrunde mit 19 Punkten und 11:15 Toren ab. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Korkut seinen vollständigen Kader erst sehr spät zur Verfügung hatte, Meier hingegen mit dem, was er hatte, zumindest eine komplette Vorbereitung bestreiten durfte.

EINS STEHT FEST: DER FCK IST KEIN STERBENDER TRADITIONSVEREIN

Wenn man will, kann man die sieben unter Meier mehr geschossenen Tore auf die ruhenden Bälle zurückführen, die in der Rückrunde wieder erfolgreicher geschlagen wurden. Denn nach Ecken, Elfern und Freistößen hat der FCK in der zweiten Saisonhälfte  acht Treffer erzielt, unter Korkut gelang nur eines. Allerdings sollte man da nicht näher hinschauen: Kerk rumpelte seinen Elfer in Karlsruhe im Nachschuss über die Linie, Nürnbergs Keeper Thorsten Kirschbaum bugsierte eine im Grunde verhungerte Halfar-Ecke selbst ins Netz und auch gegen Sechzig vollendete Christian Gytkjaer, was eigentlich ein FCK-Spieler hätte tun sollen… Nein, wieder zur „Waffe“ geworden sind FCK-Standards noch lange nicht.

Überhaupt fehlt es dem FCK unter Meier nach wie vor an einer offensiven Handschrift, die es vor allem braucht, um die Zuschauer weiter bei der Stange zu halten. Denn dass in den abschließenden Heimspielen nochmal jeweils über 35.000 auf den Betzenberg strömten, sollte selbst dem letzten Skeptiker gezeigt haben, dass der 1. FC Kaiserslautern eben kein „sterbender“ Traditionsverein ist – und Fußball nach wie vor kein reines Industrieprodukt. Wird in der Region nur ein bisschen Begeisterung für den FCK geschürt, geht vielleicht nicht mehr alles, aber doch noch viel, und mit dieser „Message“ sollten eigentlich auch etwaige Sponsoren hellhörig gemacht werden können, denn die investieren unterm Strich lieber in volle Stadien als in leere.

WO BLEIBT DIE HANDSCHRIFT IM OFFENSIVSPIEL?

Eine „offensive Handschrift“ lässt sich aber auch nicht mit simplen „Druff un Ewerre“- Appellen verwirklichen. Die muss eingespielt werden, mit einem erkennbaren Willen zur Umsetzung eines bestimmten Stils. Und, nein, damit ist nicht die Wahl zwischen „schnellem Umschaltspiel“ und „Ballbesitzfußball“ gemeint, über die oft diskutiert wird, als seien das Glaubensbekenntnisse, von denen man sich für eines zu entscheiden hat.

Es ist Fakt, dass die meisten Tore im Fußball in den ersten zehn bis zwölf Sekunden nach einer Balleroberung fallen, wenn der Gegner sich noch nicht wieder geordnet hat. Daraus ergibt sich im Grunde für jede Mannschaft, „schnelles Umschalten“ so gut wie möglich zu beherrschen. Damit hat sich der FCK unter dem heute gescholtenen Konrad Fünfstück übrigens ein paar Mal durchaus hervorgetan.

„BALLBESITZFUSSBALL“ ODER SPIEL AUF ZWEITE BÄLLE

Allerdings braucht es für den Fall, dass der Gegner sich gegen den Ball formiert hat, ebenfalls einen Plan. Ihn mit schnellem, präzisem Passspiel in Bewegung zu bringen und ihn sich „zurechtzulegen“, ist eine Möglichkeit, wird aber seit Runjaic-Zeiten am Betzenberg als wenig erfolgsverbrechend angesehen – obwohl das unter ihm bisweilen gar nicht so schlecht aussah. Zudem dürften dem FCK mittlerweile auch die Spieler mit der dazu erforderlichen technischen Qualität fehlen.

Alternativ besteht die Möglichkeit, den Ball auch auf die Gefahr hin ins Angriffsdrittel zu bugsieren, dass der Gegner zwar als erster ans Leder kommt, ihm dieses aber durch energisches Nachsetzen gleich wieder abgenommen wird. Dazu wiederum braucht es vorne Spieler, die auch dann, wenn sie einen langen Ball nicht annehmen und verarbeiten können, den Gegner so bedrängen, dass er nur ungenau abwehren kann. Und aufrückende Mittelfeldspieler, die nicht nur entschlossen, sondern ebenso gut organisiert auf die „zweiten Bälle“ gehen. Das könnte zum gegenwärtigen FCK besser passen, zu sehen war  davon aber noch nichts.

In Düsseldorf und Bielefeld hat Norbert Meier jedoch schon gezeigt, dass er bei seinen Mannschaften ein ordentliches Offensivspiel etablieren kann. Hoffentlich kann er dafür die kommende Saisonvorbereitung in vollem Umfang nutzen. Sportdirektor Uwe Stöver hat bereits angedeutet, dass er die nächste Transferphase möglichst früh abschließen will, um dem Trainer die Möglichkeit zu geben, mit einer eingespielten Truppe zu starten.

Leider gibt es verdammt viel zu tun.

ES HILFT NICHTS: DER NÄCHSTE UMBRUCH STEHT AN

Denn der Dreijahresplan von Stöver, sich in dieser Saison zu konsolidieren, um in der nächsten darauf aufzubauen und in der übernächsten mal wieder oben angreifen zu können, geht schon nach der ersten Etappe nicht mehr auf. Der Kader steht erneut vor einem tiefgreifendem Umbruch. Die Kaderplätze von Mensur Mudzja, Marion Frey, Sebastian Jacob und Sebastian Kerk sind bereits geräumt.

Dass die Verträge von Tim Heubach und Marcel Gaus noch verlängert werden, ist Stand jetzt unwahrscheinlich, ebenso, dass Abwehrchef Ewerton weiterverpflichtet werden kann. Zu den Abwanderungsgerüchten um Zoua und Stieber ist jetzt noch eines um Naser Aliji hinzugekommen, an ihm soll der FC Zürich interessiert sein.

Julian Pollersbeck muss wohl verkauft werden, damit Finanzlöcher gestopft werden können. Zudem bietet sich die Trennung von Patrick Ziegler an, der einfach nicht der Umschalt-Sechser ist, den der FCK braucht: Denn der sollte in der Lage sein, schnell „umzuschalten“, also direkt und präzise nach vorne spielen zu können – siehe oben.

RUND ZWÖLF ABGÄNGE GILT ES ZU KOMPENSIEREN – MIT GESCHRUMPFTEM ETAT

Und Christoph Moritz hat im Sommer 2016 lediglich einen Zweijahresvertrag unterschrieben, der angeblich eine Ausstiegsklausel mit festgeschriebener Ablösesumme beinhaltet. Sofern das stimmt und sich ein Interessent meldet, der ihm bessere sportliche und finanziellen Perspektiven bietet, dürfte auch er weg sein.

Es läuft also auf ungefähr zehn bis zwölf Abgänge hinaus. Stand jetzt wird mit kleinerem Budget gearbeitet werden müssen als in der abgelaufeneren Saison, so hat Stöver es nach dem Nürnberg-Spiel angekündigt, wenngleich Finanzvorstand Michael Klatt dies in der SWR-Sendung „Flutlicht“ noch nicht bestätigen wollte.

Gibt’s eigentlich irgendwas Positives, mit was sich in die Zukunft blicken lässt?

Kann Pollersbeck lukrativ verkauft werden – die Rede ist von einer Ablöse zwischen drei und vier Millionen Euro – bleiben möglicher Weise die beiden anderen erfreulichen Erscheinungen dieser Saison, mit denen ebenfalls höhere Ablösen generiert werden könnten: Robin Koch und Philipp Mwene. Und der ausgeliehene Manfred Osei-Kwadwo kommt von Drittligist Großaspach zurück, wo er ein unterm Strich erfolgreiches Lehrjahr absolvierte, auch wenn ihn zuletzt eine Verletzung zurückwarf.

EBENSO ERFREULICH: DIE U19 WURDE VIZEMEISTER

Ebenfalls erfreulich: Die U19 wurde Vizemeister der A-Junioren Bundesliga Süd/Südwest. Mit David Tomic und Torben Müsel wurden zwei ihrer Stammkräfte am Betzenberg gehalten, Shipnoski hat bereits in der Ersten Mannschaft debütiert. Allerdings sind mit Lars Össwein (VfB Stuttgart) und Corey Anton (TSG Hoffenheim) auch schon wieder vielversprechende Talente von der finanzstärkeren Konkurrenz weggekauft worden. Irgendwie also will es nicht so recht klappen mit rosigen Zukunftsprognosen. Auch, dass die U23 nunmehr in die Oberliga abgestiegen ist, ist wenig förderlich für die Weiterentwicklung von Talenten.

Nun kommt es auf Sportdirektor Stöver an, den Profikader wieder zu komplettieren. Mit Benjamin Kessel (Union Berlin) und Giuliano Modica (Dynamo Dresden) stehen bereits zwei Neuzugänge so gut wie fest, die zumindest über Liga-Erfahrung verfügen und Bezug zum FCK haben: Beide haben schon in der U23 gekickt. Mit Brandon Borrello kommt ein 21-jähriger Flügelspieler aus Australien. Die FCK-Späher scheuen sich also nicht, abgelegene Märkte zu sondieren – auch das ist gut.

IMMER DRAN DENKEN: 2016 KAM STÖVER ERST SEHR SPÄT

Allerdings fehlen noch die Korsettstangen. Für Pollersbeck könnte André Weis wieder ins Tor rücken, aber wer soll Ewerton als Abwehrchef ersetzen? Wer soll der dringend benötigte Sechser sein? Und wer soll vorne endlich mal wieder für zehn bis zwölf Tore gut sein?

An Stöver rumzumeckern, ihn gegebenenfalls durch die Installation eines Sportvorstands zu degradieren, wie es anscheinend gerade diskutiert wird, mutet da nicht sehr zielführend an. Stöver wurde im vergangenen Frühjahr erst spät installiert, die Vorbereitung einer Sommertransferphase beginnt normaler Weise schon im Winter. „Grünes Licht“, noch echte Verstärkungen an Land zu ziehen, bekam er eigentlich erst, nachdem Bödvarsson verkauft, beziehungsweise ein Drei-Millionen-Kredit klargemacht war. Stöver holte daraufhin Mudzja, Ewerton, Werk, Stieber und Zoua.

Dass Mudzja sich verletzen würde, konnte er nicht ahnen, ebenso, dass Kern die komplette Vorrunde ausfallen würde. Ewerton war der beste Transfer der ganzen Saison, und Stieber und Zoua? Na ja…

DIE WUNDERTÜTEN: STIEBER UND ZOUA

Stieber hätte zumindest das Potenzial, dem FCK spielerisch weiterzuhelfen. Weshalb das nicht klappt, können wirklich differenziert nur die beurteilen, die mit ihm gearbeitet haben. Sich, wenn der Spieler resigniert hat, hinzustellen und zu erklären, er hätte einfach nicht die richtige Einstellung gehabt, ist immer die einfachste Erklärung. Die im Einzelfall natürlich auch mal zutreffen kann.

Zoua plagte sich schon in der Vorrunde mit muskulären Problemen, hatte dann keine Winterpause, weil er mit Kamerun am Afrika-Cup teilnahm und diesen gewann, also bis zum Ende durchspielen musste. Danach kam er nie mehr richtig auf Touren. Mit wieder aufgeladenem Akku könnte nächste Saison was gehen. Ob er allerdings tatsächlich „großes Potenzial“ hat, wie es ihm diverse Kollegen nachsagen? Der FCK-Blogwart ist sich da nicht so sicher, einen brauchbaren Prellbock für ein Spiel auf zweite Bälle abgeben, wie es oben beschrieben ist, könnte Zoua freilich schon.

Fragt sich nur, ob er nach dieser Saison noch Lust darauf hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s