Kohlis Arschkarte: Redet endlich mal Klartext – sonst klappt’s auch nicht mit der Ausgliederung

Wie schlimm soll’s eigentlich noch werden? Mitten in der Sommertransferperiode steht der 1. FC Kaiserslautern ohne Sportdirektor da. Weshalb, darüber wird jetzt viel spekuliert, schwadroniert und fabuliert. Muss ja, denn von Vereinsseite wird nicht viel Erhellendes beigetragen. Was hat die neue Vereinsführung nicht alles angekündigt, als sie im Frühjahr 2016 antrat: „Aufbruchstimmung“ sollte erzeugt werden, auf dem Betze wieder attraktiver Fußball geboten werden, für die Saison 2016/17 wurde ein einstelliger Tabellenplatz angestrebt, in spätestens drei Jahren sollte wieder um den Aufstieg in die Erste Bundesliga mitgespielt werden… und, natürlich, „mehr Transparenz“ wollte die Vereinsspitze für die Mitgliederbasis schaffen, vor allem zur wirtschaftlichen Situation. Verwirklicht hat sich davon nichts. Mit Stövers Demission tendiert nun auch die Hoffnung gegen null, die Kaderplanung könne diesen Sommer früher als zuletzt abgeschlossen werden, so dass der FCK, wenn schon nicht mit einem gut budgetierten Kader, dafür aber mit einem eingespielten Team in die Runde startet. Wenigstens auf einem Feld könnte die Führungscrew noch aufholen: dem der „Transparenz“. Dazu wär’s höchste Zeit, vor allem, wenn auf der nächsten Jahreshauptversammlung im Herbst die ebenfalls angestrebte Ausgliederung weiter vorangetrieben soll.

Einige der Textversatzstücke, die im Zusammenhang mit Stövers Abdankung von FCK-Seite benutzt wurden, hat man schon mal gehört – und die Erinnerung daran ist sogar noch frisch: „Scheidet auf eigenen Wunsch aus“ etwa, oder „Die Entscheidung trifft den Verein völlig unvermittelt“. Das wurde auch schon nach dem Abgang von Trainer Tayfun Korkut im Dezember 2016 so formuliert. Zwei leitende Führungskräfte, in der  „Aufbruchstimmung“ des Sommers 2016 angeheuert, halten es in diesem nach „Kontinuität“ lechzenden Verein nicht einmal ein Jahr aus und offiziell hat kein Vorstand, kein Aufsichtsrat, irgendeine Ahnung, weshalb… Seltsam, seltsam, und vor allem kaum „transparent“.

KEINE FRAGE: DAS „LEAK“ BETREIBT DIE BESSERE PR-POLITIK

Während Korkuts Flucht bis heute nebulös geblieben ist, hat sich Uwe Stöver zumindest im „kicker“ kurz dazu eingelassen: Er habe aus dem Aufsichtsrat (AR) keine Rückendeckung gespürt, insbesondere die seit Februar im Hintergrund schwelende Diskussion, über ihm einen Sportvorstand zu installieren, habe ihn gestört… Aufsichtsratssprecher Nikolai Riesenkampff hat dazu in der Samstagsausgabe der „Rheinpfalz“ versichert, dass dies zuletzt kein Thema gewesen sei, im Februar indes zumindest vorübergehend schon. Es täte ihm aber leid, dass diese Überlegung in die Öffentlichkeit getragen wurde. Online ist der Text bislang lediglich als Zusammenfassung bei „Der-Betze-brennt“ zugänglich.

Wir notieren: Im AR existiert offenbar ein „Leak“, und sofern es seine Absicht war, Stöver zu demontieren, betreibt es offenbar eine erfolgreichere PR-Politik als der offizielle AR-Sprecher.

An dieser Stelle sei direkt und unverblümt gefragt: Warum meldet sich nicht einmal das AR-Mitglied Mathias Abel öffentlich zu Wort? Selbst wer die Diskussionen in den Fanforen nur am Rande verfolgt, weiß, dass er derjenige ist, der hauptsächlich verdächtigt wird, „hintenrum“ Stimmung gegen Stöver gemacht zu haben – angeblich, weil er sich selbst gerne als hauptamtlicher Sportvorstand sehen würde. Ihm wohlgesinnte Personen aus dem FCK-Umfeld versichern dagegen, dies sei nicht der Fall, Abel strebe beim FCK ein solches Amt nicht an und habe es auch niemals angestrebt. Ein paar deutliche Worte vom Betroffenen selbst hätten da Transparenz schaffen können.

ABEL IST ALS SPORTVORSTAND JETZT VERBRANNT: KONSEQUENT ODER SCHADE?

Mittlerweile hat sich im Hintergrund so viel böses Blut aufgestaut, dass Abel wohl auch gar nicht mehr vermittelbar ist – wenig verwunderlich daher, dass Riesenkampff in der „Rheinpfalz“ ebenfalls angekündigt hat, der nächste sportliche Leiter werde „extern“ angeheuert, ob als Direktor oder Vorstandsmitglied, werde sich noch weisen.

Kann man konsequent finden. Aber auch schade. Denn ohne Miss- und Zwischentöne betrachtet, hätte durchaus einiges für Abel gesprochen: Er hat gerade ein Sportmanagement-Studium abgeschlossen, ist nicht nur ehemaliger FCK-Profi, sondern auch gebürtiger Lauterer und tiefer in der Region verwurzelt als jeder andere mögliche  Kandidat, zudem noch unverbraucht. Vielleicht hätte er  eher „Kontinuität“ gewährleisten können als ein Externer mit „Erfahrung“ – und sei es die, andernorts schon mal vom Karussell gefallen zu sein…. Wie auch immer: Jetzt ist es müßig geworden, darüber weiter zu diskutieren. „Mehr Transparenz“ zur rechten Zeit hätte die Fronten jedenfalls nicht so verhärten lassen.

UND WIEDER MISCHEN SICH AR-MITGLIEDER INS OPERATIVE GESCHÄFT…

Reichlich intransparent präsentiert sich jetzt auch die Interimslösung: Da soll ein „Sportausschuss“ die weitere Kaderplanung vorantreiben, dem die AR-Mitglieder Abel und Otto Frenger ebenso angehören wie Trainer Norbert Meier und Chefscout Boris Notzon. Da werden also wieder mal zwei Elemente des eigentlich nur für Kontrolle zuständigen Gremiums „Aufsichtsrat“ ins operative Geschäft eingebunden. Hat man denn beim FCK nichts aus der eigenen Vereinsgeschichte gelernt?

Sind die Zeiten der Troika Atze Friedrich/Robert Wieschemann schon vergessen, als die Grenzen zwischen Kontrollorgan/Geschäftsleitung vollkommen verwischt waren? Sehnt man sich nach dem „Defizit an Durchblick“ zurück? Oder nach der Göbel-Ära, in der mit Klaus Toppmöller ein AR-Mitglied plötzlich mit Sportdirektorenkompetenz ausgestattet war, bis es nach wenigen Wochen genauso unvermittelt hinschmiss, wie es gekommen war – und ein AR-Sprecher namens Hans-Artur Bauckhage die Außendarstellung des Vereins endgültig zur Realsatire machte?

Zum Vergleich: In der neuen Ausgabe des „Spiegel“ findet sich eine Reportage über das neue Treiben des Ex-Kanzlers Gerhard Schröder in einer VIP-Loge von Hannover 96, wo dieser jetzt als Aufsichtsratsvorsitzender fungiert. Darin wird der heutige Putin-Intimus immer wieder zu anstehenden sportlichen Entscheidungen gefragt – und selbst Schröder, der weiß Gott nicht gerade für eine zurückhaltende Wahrnehmung von sich selbst und seinen Möglichkeiten steht, verweist darauf, dafür nicht zuständig zu sein…

MEIER UND NOTZON SOLLEN ES MACHEN – GERNE AUCH LÄNGER

Immerhin: SWR-Reporter Bernd Schmitt will erfahren haben, dass faktisch wohl Meier und Notzon die Kaderplanung weiter vorantreiben und die nächsten Abschlüsse tätigen sollen. Wär wirklich zu hoffen, dass das stimmt, denn die beiden sind am besten in die bisherigen Personalplanungen eingebunden und verfügen über die nötige Erfahrung und das Standing, um in den beiden verbleibenden Wochen bis zum Trainingsstart so viele Weichen zu stellen, wie sich eben noch stellen lassen. Bevor diese sich selbst stellen.

Abwehrspieler Tim Heubach etwa, dessen Vertrag auslief, hat am Pfingstsonntag über seinen „Facebook“-Account verkündet, dass er den Verein verlässt. Das kam zwar nicht mehr wirklich überraschend, doch auch diese Nachricht hätten die FCK-Fans gerne anders aufbereitet gesehen. Transparenter halt.

Stöver dagegen hat zwar angeboten, seine Arbeitskraft noch bis 30. Juni zur Verfügung stellen, um so etwas wie einen Übergang zu gewährleisten. Das mag ehrbar sein, andererseits: Wie will Stöver einen jungen Profi, mit dem er verhandelt, von Perspektiven beim FCK überzeugen, die er für sich selber offenbar nicht mehr sieht?

NEUER SPORTCHEF? WARUM NICHT ZUM 1.1. – NACH DER NÄCHSTEN JHV?

Vielleicht sollten Meier und Notzon diese Sommertransferperiode nun komplett allein abschließen, und der Verein sollte seinen neuen Sportdirektor/Sportvorstand erst zum 1. Januar 2018 präsentieren.  Denn dies ermöglichte nicht nur eine sorgfältigere Auswahl, der Neue wäre auch direkt mit den Fakten konfrontiert, die sich aus der nächsten Jahreshauptversammlung (JHV) im Herbst ergeben.

Da nämlich soll die geplante Ausgliederung des Profi-Abteilung thematisiert werden. Und so „transparent“, wie die Führungscrew ihre Arbeit derzeit darstellt, dürfte es schwer werden, die dafür erforderliche Zweidrittelmehrheit von der Basis zu bekommen. Im Mai hat ein eigens eingerichteter Arbeitskreis mit der Vorbereitung dazu begonnen. Eine informative Zusammenfassung der ersten Sitzung findet sich ebenfalls bei „Der-Betze-brennt.“ Auch da war „Transparenz“ ein Thema…

Das Totschlagargument für Ausgliederungs-Skeptiker hat sich gerade anschaulich ergeben: Ihr wollt den Verein für Großinvestoren öffnen? Guckt mal, was gerade bei 1860 München passiert…

Dabei ist die Ausgliederung die einzige Möglichkeit für den Verein, im Profifußball konkurrenzfähig zu bleiben. Guckt mal, wie sich der Aufsteiger VfB Stuttgart gerade für die nächste Bundesligasaison aufstellt… Investoren müssen nicht Ismaik, sie können auch Mercedes heißen.

„MEHR TRANSPARENZ“ IST AUCH BEI DEN FINANZEN ANGEZEIGT

In diesem Zusammenhang wäre auch langsam mal ein bisschen mehr „Transparenz“ zur finanziellen Situation des Vereins geboten. Bei der JHV im vergangenen Herbst kalkulierte Finanzvorstand Michael Klatt für die laufende Saison mit einem Verlust von zwei Millionen Euro. Doch haben sich die Zuschauerzahlen nicht so negativ entwickelt, wie zwischenzeitlich befürchtet worden war. Am Ende hat sich der Schnitt doch in etwa aufs zu Saisonbeginn kalkulierte Niveau von 26.800 eingependelt.

Gelder, die in der Winterpause angeblich für Kaderverstärkungen zur Verfügung standen, wurden dann doch nicht genutzt, also gespart. Statt dessen wurde Alexander Ring dem Vernehmen nach für 300.000 Euro verkauft, später sollen anlässlich der Verpflichtung Korkuts in Leverkusen nochmal 400.000 Euro geflossen sein… Trotzdem habe sich die Lage vor der neuen Saison eher verschärft als entspannt, heißt es. Wenn nicht noch Transfererlöse erzielt würden – Keeper Julian Pollersbeck soll allein drei Millionen Euro bringen – würde der Lizenzspieleretat für die neue Saison gerade mal bei sieben bis acht Millionen Euro liegen… Wie das?

Auch dazu meinen wohlmeinende Stimmen, der Vorstand könne sich dazu nicht „transparenter“ äußern, weil dadurch noch mehr haarsträubende Details aus dem Wirtschaftsgebaren seiner Vorgänger öffentlich würden und der Verein so noch mehr Schaden nähme…

Andererseits: Fortwährende Intransparenz führt kaum zu der Vertrauenswürdigkeit, auf die die Vereinsführung gerade jetzt bauen muss – insbesondere mit Blick auf die kommende JHV. Also redet endlich mal Klartext. Jetzt.

2 Gedanken zu “Kohlis Arschkarte: Redet endlich mal Klartext – sonst klappt’s auch nicht mit der Ausgliederung

  1. Hallo Blogwart,
    das gab auch Zeit, dass Du Dich mal diesem Thema widmest

    Interessant, dass Du Abel hier eher als Bauernopfer siehst und ihm auch noch eine Qualifikation für ein Amt als VV/SD zusprichst. Ich fragte mich von Anfang an, was der Verein von Abels AR-Posten hat und mir wurde klar, warum Abel einige Wochen vor dem „AR-Wahlkampf“ in einem Interview Pyrotechnik so überschwänglich lobte… Vielleicht tue ich ihm unrecht, aber für mich gehört er in die Kategorie „Arbeitssuchender ex-Kicker, dessen einzige Job-Chance der FCK ist“ (genau wie Sforza, Hotic, Haber…).

    Noch mehr wundert mich, dass Du nicht das Hauptproblem der FCK-Struktur ansprichst: Der Verein wir letztlich vom Marketingleiter und vom Chefcontroller geführt. Das soll in keinster Weise Klatt&Gries als Personen oder deren Arbeit kritisieren, es ist einfach die falsche Struktur. Es kann doch nicht sein, dass der Sportdirektor bei uns die einzige Person mit Sportkompetenz ist und an Laien berichtet. Wo ist hier der Fortschritt zum Staat des Sonnenkönigs Kuntz? Ich denke in dieser Beziehung sollte mittelfristig der 1.FC Köln unser Vorbild sein, der die Kompetenzen auf mehrere kompetente Schultern verteilt hat und erstmals seit Jahrzehnten Ruhe, Kontinuität und Erfolg hat.

    Wo ich Dir Recht geben muss ist der Punkt jetzt IN RUHE nach einem Stöver-Nachfolger zu suchen und solange Meier & Notzon zu vertrauen. Da kann man ab jetzt bei jeder einzelnen Neuverpflichtung Spieler davon ausgehen, dass der Coach ihn auch wirklich haben wollte und ein halbes Jahr Sportdirektoren-Gehalt können wir tatsächlich sparen. Der Super-Gau wäre jetzt ein auf die Schnelle neu verpflichteter SD, der mit Meier nicht kann. Zwar sind wir jetzt wiederum von einer einzelnen Person abhängig, darum lasst uns beten, dass der Norbert nicht die Lust verliert.

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    • Hallo, wolframwuttke,

      Dein Statement enthält sicher einige interessante Gedanken, aber ein paar Punkte will ich doch nochmal herausstreichen. Ich sehe Abel nicht „eher als Bauernopfer“, sondern denke, dass er sich eher selbst verbrannt hat (so er denn verbrannt ist), weil er den seit Wochen verbreiteten Anschuldigungen, er sei der Hauptintrigant gegen Stöver, weil er einen Posten für sich selbst schaffen will, nie öffentlich entgegengetreten ist.

      Ich spreche ihm auch nicht unbedingt die Qualifikation des Sportdirektors zu, ich habe nur das ein oder andere Argument genannt, das durchaus für ihn gesprochen hätte – okay, das kannst du als Haarspalterei sehen, wenn du willst.

      Was dein Kritikpunkt an der Grundstruktur angeht, dass nicht der sportliche Kompetenteste oben auf der Leiter steht – nun, das ist nach meinen Erkenntnissen in den meisten Klubs so. Ich sehe Gries aber auch nicht als ursächlich für die derzeit verfahrene Situation, eher den Umstand, dass der Aufsichtsrat (mal wieder) zu sehr im operativen Geschäft rührt und Gries da eher schwach als stark aussieht.

      Ob Gries sich noch als starker Mann profilieren kann, wird davon abhängen, ob er in den nächsten Monaten bezüglich Ausgliederung/Investorensuche Ergebnisse liefern kann. Gelingt ihm das nicht, wird er spätestens nächstes Jahr um diese Zeit als Luftpumpe dastehen.

      Beste Grüße,
      Eric

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