Extrablog: Viele Neue mit bekannten Gesichtern – Der FCK vor der Saison 2017/2018

An den ersten sechs Spieltagen vier Mal auswärts und die beiden ersten Heimspiele gegen den Bundesliga-Absteiger aus Darmstadt und das Topteam aus Braunschweig – das Startprogramm des 1.FC Kaiserslautern in die Saison 2017/2018 hat es wirklich in sich. Um da zu punkten, braucht es ein bereits gut eingespieltes Team. Doch befindet sich der Kader wieder mal in einem tiefgreifenden Umbruch, der noch nicht komplett vollzogen ist. Obwohl sieben externe Neuzugänge bereits fix sind und der Abschluss mit dem Dänen Mads Albaek nur noch als Formsache gilt – es fehlt weiterhin an frischen Offensivkräften. Bislang hat der FCK so wenig in Ablösen investiert wie nie zuvor in diesem Jahrtausend, und noch nie standen so wenige Einsätze in der Ersten Bundesliga in den Statistiken Lautrer Neuzugänge. Statt dessen setzten die Kaderplaner um Interims-Sportchef Boris Notzon bevorzugt auf Kicker mit FCK-Vergangenheit, wenn nicht gar mit pfälzischen Wurzeln. Allerdings: Die erfahrenen Kräfte haben zuletzt für sie wenig zufriedenstellende Spielzeiten erlebt, müssen beim FCK erst wieder konstante Form finden, andererseits aber waren sie auch nur deswegen für den klammen Zweitligisten erschwinglich… Interessant ist die Mischung allemal, drum betrachten wir uns die Neuen mal genauer.

DIE NEUEN: BEKANNTE GESICHTER, EINE WUNDERTÜTE UND EIN JUWEL

Benjamin Kessel stand quasi schon seit Februar als Neuzugang fest, allerdings musste erst noch abgewartet werden, wie der abgebende Verein, Union Berlin, die Verlängerungsklausel in seinem Vertrag handhabt. Der 29-jährige hatte nach einem Fußbruch im vergangenen Sommer nicht mehr in die Startelf der Eisernen zurückgefunden – und auf seiner Stammposition  ausgerechnet Christopher Trimmel vor sich, der laut „kicker“-Rangliste bester rechter Verteidiger der abgelaufenen Zweitligarunde war. Zuvor war Kessel, wie auch in seinen fünf Jahren zuvor bei Eintracht Braunschweig, eine feste Größe. Von 2004 bis 2007 war der gebürtige Bad Kreuznacher schon mal beim FCK in U19 und U23 aktiv. Mit 1,91 Meter Körpergröße kann er den Lautrern vor allem zu mehr Lufthoheit nach ruhenden Bällen verhelfen, zudem ist er trotz seiner Größe recht schnell. Als rechter Verteidiger stellt er eine Alternative zu Philipp Mwene dar, der letzte Saison auf dieser Position komplett durchspielte. Interessant: Mwene wird von Coach Norbert Meier derzeit auch als linker Verteidiger getestet, so dass beide einen Platz in der Startelf finden könnten. Kessel ist auch als Innenverteidiger eine Option, ebenso als rechter Innenverteidiger in einer Dreierkette.

Giulianu Modica ist im argentinischen Córdoba geboren, allerdings schon in der Jugend nach Offenbach gewechselt. Von 2010 bis 2012 war der Innenverteidiger auch schon mal in der U23 des FCK am Ball. 2015/16, in der Aufstiegssaison des Drittligisten Dynamo Dresden, stand er in allen Punktspielen 90 Minuten auf dem Platz, spielte eine überragende Saison. Gelobt wurden dabei unter anderem das gute Stellungsspiel und die sichere Spieleröffnung. In der vergangenen Saison verlor Modica nach den diversen Verletzungen jedoch den Anschluss, bestritt lediglich 19 Punktspiele für Dresden. In den ersten Trainingseinheiten und dem ersten Testspiel beim FCK fiel er durch engagiertes, auch lautstarkes Auftreten auf – anscheinend einer, der es mit seinen nun 26 Jahren endlich wissen will. Fun-Fact am Rande: Im Werben um Modica hat sich der FCK endlich mal gegen den SV Sandhausen behauptet. Zuletzt hatten begehrte Spieler immer wieder den No Name-Klub bevorzugt, was Lautern-Fans zunehmend frustrierte.

Brandon Borrello ist die „Wundertüte“ unter den FCK-Neulingen. Was ist ein 21-jährige Australier, der bislang lediglich in Brisbane an den Ball getreten hat, in diesem Teil der Fußballwelt wert? Exoten sagt man gemeinhin nach, dass es Tempo und „Zweikampfhärte“ seien, die ihnen bei der Umstellung auf die deutsche Zweite Liga am meisten zu schaffen machen. Nun, Schnelligkeit ist die große Stärke des jungen Flügelspielers, der vorzugsweise über rechts kommt und gerne früh attackiert, zudem sollte ihm rustikale Gangart aus Australien, wo sich viele Fußballer parallel auch im Rugby versucht haben, ebenfalls vertraut sein. Für Borrello gewöhnungsbedürftig dürfte wohl eher die Enge sein, auf die deutsche Mannschaften das Spielfeld verdichten können, sowie die Handlungsschnelligkeit, die dadurch vonnöten wird. Die australische A-League gilt selbst in den ozeanischen Breiten nicht gerade als die stärkste.

Gino Fechner ist in Bochum großgeworden, ließ sich ab 2015 allerdings bei RB Leipzig fußballerisch ausbilden – und zählt zu dem Talentschuppen der Sachsen, auf den halb Fußballdeutschland Jagd macht, seit sie bekannt gaben, dass sie ihre U23 auflösen. Der 19-Jährige gilt als körperlich robust, verfügt aber auch über technische Qualitäten, die ihn im Vergleich mit Patrick Ziegler zum stärkeren „Umschaltspieler“ auf der Sechs machen könnten. Daneben ist Fechner auch als Innenverteidiger und rechter Außenverteidiger einsetzbar. Bei der jüngsten U20-Weltmeisterschaft in Südkorea, in der die deutsche Auswahl das Achtelfinale erreichte, bestritt Fechner sämtliche Spiele.

Leon Guwara ist in Köln geboren, von Werder Bremen geliehen und hat zuletzt bei Darmstadt 98 gekickt, also in der Ersten Liga – dort war er solange Stammspieler, wie Norbert Meier Trainer war. Die Vermutung, dass er auf Wunsch des heutigen Lauterer Coaches geholt wurde, liegt nahe. Der 20-jährige soll auf der linken Verteidigerposition für das bessere Defensivverhalten und die Aggressivität sorgen, die Naser Aliji bei allem technischem Geschick vermissen ließ – der Albaner soll gegebenenfalls noch abgegeben werden. Guwara, 1,85 Meter groß und Linksfuß, kann auch weiter vorne auf seinem Flügel und in der Innenverteidigung eingesetzt werden.

Baris Atik ist im pfälzischen Frankenthal geboren und Leihgabe der TSG Hoffenheim. In deren U23 profilierte sich der 21-jährige bereits als Antreiber,  spielintelligenter, dribbel- und sprintstarker Zehner – ein echtes Juwel, das allerdings auch von Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann nach wie vor hoch geschätzt wird. Die Chance, ihn nach der einjährigen Leihe fest zu verpflichten, stehen daher für die Lauterer schon jetzt schlecht, die, dass er für sie diese Saison zum „Überflieger“ in der Offensive wird, allerdings recht gut. Zuletzt war der nur 1,69 Meter große Deutsch-Türke an Sturm Graz ausgeliehen, dem Klub des Ex-Lauterers Franco Foda. Dort traf Atik in 16 Spielen fünf Mal.

Marcel Correia kehrt von Eintracht Braunschweig zum FCK zurück, den er 2011 verließ, nach vielversprechenden Lehrjahren in U19 und U23. In Braunschweig entwickelte sich der vielseitig verwendbare Defensivspezialist zum Führungsspieler. Er ist ebenfalls einer, der den präzisen ersten Pass aus Abwehr spielen kann. In den vergangenen beiden Spielzeiten kam der 28-jährige allerdings nur noch zu insgesamt 29 Einsätzen, wurde meistens von Sprunggelenksverletzungen zurückgeworfen. Ob er sich bei seinem Heimatverein wieder stabilisieren kann, dürfte entscheidend dafür werden, was vom FCK in dieser Saison erwartet werden kann. Andererseits: Ein hundertprozentig fitter Correia im besten Fußballalter wäre für die Pfälzer wohl gar nicht zu haben gewesen.

Bei Mads Albaek steht schwedischen Medien zufolge nur noch der Medizincheck aus, ehe sein Wechsel zum FCK offiziell bestätigt werden. Der 27-jährige stammt aus dem dänischen Roskilde und hat zuletzt beim schwedischen IFK Göteborg gekickt. Dort agierte auf der Sechs, war zeitweise sogar Kapitän, gilt als ballsicherer, schussstarker Linksfuß. Von 2013 bis 2015 war Albaek auch in Frankreich bei Stade Reims am Ball, kam dort auf insgesamt 40 Einsätze. „Ist schon 27 und hat sich noch nie in einer wirklich starken Liga bewährt“, werden notorische Nörgler vielleicht kritteln. Solcherlei Arroganz kann sich der FCK jedoch kaum noch leisten: Göteborg ist in Schweden immerhin ein Spitzenklub, hat lediglich die vergangene Saison auf einem enttäuschenden 14. Rang abgeschlossen.

WER SONST NOCH KOMMT?

Priorität hat nun die Verpflichtung von Offensivkräften, vor allem eines „Knipsers“. Namen schwirren viele um den Betzenberg herum. Wunschkandidat der Fans wäre wohl Fabian Klos von Arminia Bielefeld. Die Westfalen sind wohl tatsächlich bereit, ihre Sturmikone abzugeben, nachdem ihr neuer Trainer Jeff Saibene zuletzt nicht mehr auf den 29-jährigen setzte.  Anfang Juni hieß es, der FCK habe die Fühler nach ihm ausgestreckt, einem „Bild“-Bericht vom Dienstag zufolge sind 750.000 Euro Ablöse aufgerufen. Am Donnerstag dieser Woche berichteten Westfälische Lokalzeitungen jedoch, dass Klos nach eigener Aussage noch nie mit dem FCK verhandelt habe und lieber in Bielefeld bleiben möchte.

Und sonst? Der Freiburger Havard Nielsen steht nach einer Saison, in der er gar nicht zum Zuge kam, zum Verkauf – und kostet jetzt vielleicht nicht mehr so viel. In den vergangenen Jahren war der FCK schon zwei Mal an ihm dran, da aber war er noch Eigentum von RB Salzburg. Darüber hinaus ist auch schon der Name Elia Soriano von Absteiger Kickers Würzburg gefallen, der allerdings ebenfalls ablösepflichtig ist. Eine in jedem Fall machbare Lösung wäre Sascha Mölders, der nach dem katastrophalen Niedergang der Münchner Löwen einen neuen Arbeitgeber im Fußballgeschäft sucht, allerdings schon 32 Lenze auf dem Buckel hat.

Derzeit trainiert der litauische Stürmer Lukas Spalvis (22) am Betzenberg mit, der von Sporting Lissabon ausgeliehen werden könnte. In diesem Zusammenhang berichten portugiesische Medien von einem „Dreierpack“, an dem Lautern und Sporting angeblich gerade feilen. Es umfasst neben Spalvis auch den niederländischen Angreifer Luc Castaignos (24), der im Vorjahr bei  Eintracht Frankfurt unter Vertrag stand (22 Einsätze/5 Tore). Und Innenverteidiger Ewerton (27), der schon im vergangenen Jahr in Lautern spielte und den die Pfälzer unbedingt halten wollen. Alle drei sollen für jeweils 300.000 Euro ein Jahr lang geliehen werden. Klingt unwahrscheinlich, aber wer weiß…

WER NACH DEM POLLERSBECK-ABGANG IM TOR STEHT?

Wie Interims-Sportchef Boris Notzon im Gespräch mit der „Rheinpfalz“ erklärte, geht die Tendenz wohl dahin, André Weis wieder zur Nummer 1 zu machen, bis die beiden nächsten Talente aus Gerry Ehrmanns Flugschule soweit sind: Jan-Ole Sievers (22) und Lennart Grill (18). Ein eventueller Neuling, der das Torhüter-Aufgebot komplettiert, könnte daher lediglich eine Übergangslösung, möglicherweise sogar ein weiterer Leihspieler sein. Gehandelt werden etwa Marko Maric (TSG Hoffenheim) und Justin vom Steeg (Fortuna Düsseldorf). Aktuell trainiert der vertragsfreie Lukas Raeder (23) zur Probe mit, der aus der Bayern-Schule kommt und zuletzt in Portugal für Vitoria Setubal auflief.

WER NOCH GEHEN SOLL ODER KÖNNTE?

Mit Jaques Zoua, Zoltan Stieber und Naser Aliji will Notzon in den nächsten Tagen Gespräche führen – sie äußerten sich in den vergangenen Wochen wechselwillig. Gerüchte gibt es zudem um Kapitän Daniel Halfar, der mit Bielefeld flirten soll. Und die „Bild“ berichtet aktuell vom Interesse mehrerer Erstligisten an Robin Koch. Diese habe Notzon jedoch abgeblockt. Der Innenverteidiger stehe nicht zum Verkauf und es gäbe auch keine „Schmerzgrenze“, was Ablöse-Angebote angeht, heißt. Klare Worte also, allerdings: Gibt es bei einem finanziell klammen Zweitligisten tatsächlich keine „Schmerzgrenzen“?

WER SHOOTING-STAR 2017/18 WIRD?

In der vergangenen Spielzeit sollten die erstligaerfahrenen Christoph Moritz, Zoltan Stieber, Jacques Zoua und Sebastian Kerk dem Lauterer Mannschaftsgerüst Stabilität verleihen – doch keiner von ihnen kam über die berühmten „guten Ansätze“ hinaus. Die einzige namhafte Verpflichtung, die die Erwartungen voll erfüllte, war Abwehrchef Ewerton.

Die besten Neuverpflichtungen im vergangenen Sommer waren zwei, die kaum einer auf der Rechnung hatte: Philipp Mwene und Robin Koch. Dazu schaffte Torhüter Julian Pollersbeck in seinem vierten Jahr beim FCK den Schritt zur Nummer 1 und am Ende den lukrativen Absprung zum Hamburger SV – dank der 3,5 Millionen Euro Ablöse plus Bonuszahlungen vom Hamburger SV können die Lauterer nun mit etwa dem gleichen Budget wie in der vergangenen Saison in die neue Spielzeit starten. Andernfalls hätte es trüb ausgesehen im Säckel. Aktuell glänzt Pollersbeck bei der U21-EM in Polen.

Diese Saison könnte vielleicht Manni Osei-Kwadwo durchstarten, der sich laut Notzon während seines Lehrjahrs beim Drittligisten Sonnenhof-Großaspach gut entwickelt hat. Oder Nicklas Shipnoski, der zum Saisonfinale gegen Nürnberg im Mai den Sprung in die Startelf schaffte. Oder der junge Nils Seufert, der sich im ersten Test schwer ins Zeug legte.

Nicht vergessen sollte man auch den Oldie Mensur Mujdza, der nach seiner Verpflichtung im vergangen Sommer verletzungsbedingt nicht ein einziges Spiel machte und nun vertragslos ist. Er darf sich aber im Training am Betzenberg weiter für ein neues Arbeitspapier anbieten. Ein kluges Angebit, denn dass Mujdza trotz seiner 33 Jahre noch einmal in die Spur findet, ist keinesfalls abwegig. In seinen sieben Jahren beim SC Freiburg hat er sich stets als untadeliger Profi präsentiert.

UND WAS IST VON DIESEM FCK 2017/18 ZU ERWARTEN?

„Saisonziele“ sind bislang noch nicht ausgegeben worden, und vermutlich werden sich die FCK-Verantwortlichen weiterhin so zurückhalten wie Coach Meier, der in einem ersten Interview mit dem SWR lediglich vermerkte, es sei eben alles sehr dicht beieinander in der Liga… Frei ergänzt sei hierzu: Es können in der Tat Details sein, die in den ersten Saisonspielen entscheiden, ob der Weg eher nach oben oder nach unten führt.

Angesichts des schweren Auftaktprogramms und der Tatsache, dass zurzeit noch viel Bewegung im Kader ist, scheint es derzeit unwahrscheinlich, dass der FCK mit einem homogenen Team durchstarten kann.

Andererseits: Wenn Correia, Modica und Kessel schnell zu einhundert Prozent Leistungsvermögen finden, Ewerton tatsächlich gehalten werden kann, wenn Fechner oder Albaek das spielerische Problem auf der Sechs lösen, wenn Moritz sich endlich dauerhaft als der Passgeber mit Erstligaqualität präsentiert, als der er sich selbst sieht, wenn Atik hält, was er verspricht, wenn außerdem noch ein ordentlicher Stürmer verpflichtet wird – dann könnte durchaus was gehen. Auch wenn das, zugegeben, ganz schön viele Wenns sind.

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