Kohlis Arschkarte: Das sportliche Tagesgeschäft läuft vielversprechend – doch dahinter grassiert weiter informelle Inkontinenz

Die Woche geht zu Ende und mit einiger Wahrscheinlichkeit wird der 1. FC Kaiserslautern auch an diesem Freitag nicht mehr bekanntgeben, wer neuer Sportchef des Vereins wird – obwohl Vorstandschef Thomas Gries eine Entscheidung angekündigt hatte. Neues in der Angelegenheit hatte lediglich der „kicker“ in seiner Donnerstagsausgabe zu berichten: Der eigentliche Favorit für den Posten soll am Montag abgesagt haben – interessanter Weise einen Tag, nachdem durchgesickert war, dass die 1b-Lösung Lauterns Altinternationalen Hans-Peter Briegel als Sportvorstand vorsähe, und der hat dies gegenüber verschiedenen Medien auch bestätigt, eine Entscheidung seinerseits aber erst für nächste Woche angekündigt. Man sieht: Beim FCK läuft weiterhin einiges merkwürdig in Sachen Kommunikation. Für dennoch zufriedene Mienen sorgen dagegen zwei Neuverpflichtungen beim aktiven Personal: Rechtzeitig zum Start ins Trainingslager im österreichischen Zams stoßen noch die Offensivspieler Lukas Spalvis und Gervane Kasteneer zum Kader.

Lukas Spalvis (22) trainierte bereits seit 27. Juni zur Probe mit. Am Mittwoch einigte sich Lautern mit Stammverein Sporting Lissabon auf einen Leihvertrag über ein Jahr. Der Litauer ist als Jugendlicher beim SC Freiburg ausgebildet worden, war in Dänemark bei Aalborg BK bereits als 20-jähriger Torschützenkönig, gilt als beweglicher, spielintelligenter Stürmer, der in seiner jungen Karriere allerdings auch schon zwei schwere Knie-OP’s überstehen musste.

Gervane Kasteneer (21) stammt von der Karibik-Insel Curaçao, ist in den Niederlanden ausgebildet worden hat sich bei ADO Den Haag bereits als Torschütze und Vorbereiter profiliert. „Bullig und schnell“ sind die Attribute, die am häufigsten fallen, wenn über den Flügelspieler gesprochen wird, der auch im Sturmzentrum agieren kann. Sein Debüt in der niederländischen Profiliga feierte der heutige U21-Nationalspieler schon mit 16. Vergangenen Winter wäre er um ein Haar bei Mainz 05 gelandet, doch konnten sich die Vereine nicht auf eine Ablöse einigen. Jetzt wechselt Kasteneer ablösefrei, erhält einen Drei-Jahresvertrag. Zuletzt warf ihn eine Augenverletzung zurück.

Erneut also zwei Spieler, bei denen es zuletzt nicht lief und die beim FCK nun erst wieder in Tritt kommen müssen, die „voll im Saft“ für den Verein aber kaum erschwinglich gewesen wären.

DEN 1B-LÖSUNG BRIEGEL KENNT JEDER, MISTER X DAGEGEN BLEIBT UNERKANNT

Kaum eine Linie ist dagegen zu erkennen, was die Installation der neuen Sportlichen Leitung des FCK angeht. Die Öffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten, haben „Bild“ und Co. übernommen, der Verein bestätigt weder noch dementiert er etwas – möglicher Weise ja, weil ihm nichts anderes übrig bleibt. Vergangenen Sonntag polterte das Blatt mit den großen Buchstaben in die Welt, dass FCK-Legende Hans-Peter Briegel Kandidat für den Posten des Sportvorstands wäre und der gegenwärtige Interims-Sportdirektor Boris Notzon seine aktuelle Funktion unter ihm behalten solle.

Schnell sickerte durch, dass dies zwar korrekt sei – auch, weil die einstige „die Walz aus de Pfalz“ dies aufgeräumt bestätigte –, dass Briegel/Notzon aber lediglich Plan B darstellten. Favorit sei ein anderer, dessen Identität bis heute unklar ist: Derzeit soll er in der Zweiten Liga arbeiten, noch unter Vertrag stehen, über einige Erfahrung im Geschäft verfügen und in der Branche durchaus als kompetent gelten, aber eben keinen Namen haben, der das FCK-Umfeld elektrisierte, so er denn käme.

Und eben der soll laut „kicker“ nun schon am Montag abgesagt haben. Angeblich, weil er keine Möglichkeit sah, aus seinem Vertrag herauszukommen. Kann ja durchaus sein. Nur fällt halt der Zeitpunkt der Absage ins Auge.

Kann es nicht vielleicht auch sein, dass der angeblich favorisierte Kandidat aufgab, weil der Name Briegel publik gemacht wurde und er fürchtete, es käme beim leicht erregbaren FCK-Anhang zu Unmutsbekundungen, wenn nun doch ein No-Name wie er der FCK-Ikone vorgezogen würde? Und wenn ja, könnte die 1b-Lösung Briegel nicht gezielt öffentlich gemacht worden sein, um sie exakt auf diesem Weg zur 1a-Lösung zu machen?

Wie fast immer in der Pfalz gilt: Nix Genaues wääs mehr nett.

BRIEGEL? DIE TRADITIONALISTEN DÜRFTEN JUBELN

Allerdings sollten die, die sich bislang noch nicht mit dem Namen Briegel anfreunden konnten, nun langsam anfangen, dies wenigstens zu versuchen – es sei denn, „de Peere“ überlegt es sich nach seinem einwöchigen Italien-Aufenthalt doch noch einmal anders und stiftet noch mehr Verwirrung.

Bei den altvorderen FCK’lern dürfte er ohnehin keine Akzeptanzprobleme haben, und schon allein dieser Vorteil ist nicht zu unterschätzen. Gerade vor dem Hintergrund der Entscheidungen, die die Mitglieder in der nächsten Zukunft zu treffen haben – Stichwort Ausgliederung – ist es gut, eine Integrationsfigur in der Vereinsspitze zu wissen, die die Traditionalisten überzeugen kann, neue Wege mitzugehen.

Und überhaupt: Die Briegel-Variante wäre dem Vernehmen nach ja auch die kostengünstigste, denn er soll das Sportsvorstandsamt ja lediglich ehrenamtlich oder von Sponsoren finanziert ausüben. Das  Tagesgeschäft soll weiterhin Notzon obliegen, und das erledigt er derzeit ja recht vielversprechend.

Beim jungen und mittelalterlichen FCK-Anhang stößt der Name Briegel allerdings durchaus auch auf Skepsis, wie die Diskussionen in den Internetforen zeigen. Dass der 61-jährige augenscheinlich keine besondere Qualifikation für einen Vorstandsposten mitbringt, er seit 2007 auch keine Trainertätigkeit mehr ausgeübt hat und somit seit nunmehr zehn Jahren aus dem Geschäft ist, ist nun einmal Fakt. Die Darstellungen, dass er in Funktionärstätigkeiten bei seinem Herzensverein bislang stets „gescheitert“ sei und er sich, wenn er sich von außen zu Wort meldete, immer nur als „Meckerliese“ betätigt hätte, bedürfen jedoch einer differenzierteren Betrachtung.

BEIM FCK GESCHEITERT? KANN MAN NICHT SAGEN…

Wir erinnern uns: Als er 1997 nach nur einem Jahr als Sportlicher Leiter des FCK zurücktrat, war er von Trainergott Otto Rehhagel harsch angegangen worden. Dabei hatte Briegel lediglich in einem „Rheinpfalz“-Interview geäußert, dass der Verein seine sportliche Personalentwicklung nicht von einem einzelnen Mann abhängig machen dürfe („Wir sind nicht der FC Rehhagel.“). Nachdem Rehhagel ihn dafür öffentlich abgewatscht hatte („Herr Briegel hat wohl vergessen, dass er ein paar Sterne weniger hat als ich“), entschuldigte sich der  72-fache A-Nationalspieler „für den Zeitpunkt, nicht aber für den Inhalt meiner Kritik“ – ganz schön tricky formuliert übrigens für einen angeblich einfach gestrickten Kartoffelbauernsohn. Und trat ein paar Wochen später, nach der nächsten Jahreshauptversammlung, zurück.

Gescheitert? Der Kader, den Briegel im Sommer 1997 noch mit zusammengestellt hatte, wurde 1998 Deutscher Meister. Und seine Warnung vor Alleinherrschaften erwies sich als geradezu visionär, wenn man sieht, wohin die Alleinherrschaften der nächsten 20 Jahre den FCK führten.

Seine Tätigkeit als Aufsichtsrat beendete Briegel 2003, nachdem Vorstandschef René C. Jäggi ihn wegen steuerrechtlicher Verfehlungen belangt sehen wollte, die sich in den 1990er Jahren zugetragen hatten – unter anderem halt auch in dem einen Jahr, in dem Briegel als Sportlicher Leiter fungierte. Menschlich verständlich eigentlich. Abgesehen davon, dass das von Jäggi angestrengte Verfahren eingestellt wurde.

Sportlich meldete sich Briegel als Aufsichtsratsmitglied mal zu Wort, als der damalige Trainer Erik Gerets den Altinternationalen Steffen Freund aus dem Ruhestand verpflichtete und direkt wieder in der Bundesliga einsetzte. Briegel hielt das für keine gute Idee – und behielt recht.

KEINE INNOVATIVE IDEE, ABER AUCH KEINE SCHLECHTE

Nachdem der FCK mit Trainer Kosta Runjaic 2015 an den letzten vier Spieltagen seine glänzende Ausgangsposition für die Rückkehr in die Erste Liga verspielt hatte, wetterte Briegel angefressen in eine ihm bereitgestellte SWR-Kamera – da mag nicht jeder Satz hochqualifiziert gewesen sein, doch das kann man durchaus der aufrichtigen Enttäuschung eines Herzblut-FCK’lers zurechnen, der sich mal Luft verschaffen musste. Dass Briegels Herz bei allem Unschönen, das er mit dem Verein erlebte, immer noch für den FCK schlägt, belegt unter anderem auch sein Engagement für die Südpfalzinitiative FCK .

Von daher zeugt die Idee, ihn zu ehrenamtlichen Sportvorstand zu berufen, vielleicht nicht gerade von überbordendem Innovationsgeist, anfreunden kann man sich mit ihr aber allemal.

Problematisch ist lediglich einmal mehr die Art, wie Personalangelegenheiten beim FCK in den Medien lanciert werden, um sie eine gewisse Richtung zu lenken. Darüber regt Kohli sich nicht das erste Mal auf.

Dem favorisierten Kandidaten, der laut „kicker“ absagte, kann man nur wünschen, dass sein Name auch weiterhin geheim bleibt, damit er nicht doch noch unnötig Schaden nimmt an dieser Indiskretionsposse. Und dem FCK, dass er diese informelle Inkontinenz endlich in den Griff kriegt.

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