Extrablog: „Beim Fußball erlebt man Emotionen wie bei der Geburt eines Kindes“ – Interview mit Benny Auer

Der 1. FC Kaiserslautern war seine erste große Fußballliebe, der FK Pirmasens seine letzte. Am heutigen Dienstagabend (18.30 Uhr) treffen seine beiden Ex-Vereine in Offenbach an der Queich aufeinander – Benny Auer wäre bei dem Testkick gerne als Zuschauer dabei, ob’s tatsächlich klappt, wird sich allerdings erst kurzfristig entscheiden. 28 Treffer hat der heute 36-jährige in 87 Einsätzen im Oberhaus erzielt, 74 Tore in 219 Spielen in der Zweiten Liga – das liest sich imposant. Dennoch lief die Profikarriere des gebürtigen Landauers nicht durchgehend rund. Im Juniorenalter galt er als eines der größten deutschen Stürmertalente, auch in der U21-Nationalmannschaft traf er in 23 Spielen 15-Mal. Verletzungen und eine langwierige Viruserkrankung bescherten ihm immer wieder Rückschläge, manchmal vertrauten seine Trainer auch seinen Fähigkeiten nicht. Im Gespräch mit dem FCK-Blogwart verrät Benny Auer, der in der Südpfalz heute Mitinhaber dreier Fitnessstudios ist, mit welchen Gedanken er der Partie heute Abend entgegen- und auf seine Karriere zurückblickt.

Benny Auer, sind Sie heute Abend wenigstens als Zuschauer dabei?

Mal gucken. Ich würde sehr gerne zum Spiel gehen, aber ich muss mal schauen, wie ich Zeit finde. Ich war gerade eine Woche in Urlaub, da hat sich ein bisschen was an Arbeit aufgestaut.

Wenn Sie sich im Frühjahr nicht verletzt hätten – würden Sie dann heute Abend selbst auflaufen?

Kaum. Ich hätte wohl so oder so im Sommer aufhört. Man wird nun mal nicht jünger, und abgesehen von der Verletzung hatte es ohnehin immer häufiger irgendwo gezwickt. Irgendwann ist es halt mal an der Zeit, die Jüngeren ranzulassen.

Wie haben Sie denn die letzten Wochen mit dem FKP erlebt? Der Verein musste als Tabellen-14. aus der Regionalliga absteigen, mit 42 Punkten auf dem Konto…

Tja, das war bitter. Das ist halt der Regionalliga-Problematik generell geschuldet. Zum einen sind da die Aufstiegsspiele der Tabellenführer, wo man nie weiß, wer sich am Ende durchsetzen wird, dann muss die Regionalliga Südwest auch immer wieder Absteiger aus der Dritten Liga aufnehmen. Da ist es schwer für einen Verein wie den FKP, überm Strich zu bleiben. Das ist schon tragisch, gerade wenn man sieht, was da in den vergangenen Jahren mit wenig Mitteln erreicht wurde. 

Hinzu kam der verspätete Insolvenzantrag von Hessen Kassel, der verhinderte, dass dem Klub noch in der laufenden Runde neun Punkte abzogen wurden, wodurch er hinter dem FKP gelandet wäre, und der Startplatz, der in der kommenden Runde der chinesischen U-20 zur Verfügung gestellt wird…

Das sind Geschichten, wie sie die Kommerzialisierung des Fußballs mit sich bringt. Die 15000 Euro, die die Vereine für ein Spiel gegen diese Mannschaft bekommen, nehmen sie natürlich gerne mit, das kann man ja auch verstehen. Und der chinesische Markt wird immer wichtiger, da ist der DFB halt auch daran interessiert, die guten Beziehungen zu pflegen. Aber für einen Verein wie den FKP ist es eben bitter.

Treten Sie selbst denn nun gar nicht mehr gegen den Ball?

I wo. Gerade gestern habe ich in der Traditionsmannschaft von Alemannia Aachen gespielt, und auch für das ein oder andere Benefizspiel bin ich nach wie vor noch zu haben. Ab und zu juckt es eben in den Beinen. Und es macht einfach Spaß mit alten Kumpels, erst recht, wenn mehr gespielt wird als gerannt und gekämpft.

Sie haben schon als junger Aktiver nebenher Fitness-Ökonomie und Gesundheitsmanagement studiert, da war im Prinzip schon klar, dass Sie auch nach Ihrer Karriere dem Sport treu bleiben würden. In den Profifußball hat es Sie dennoch nicht gezogen. Warum nicht?

Weil ich diesen Sport zwar liebe, aber nicht unbedingt das Drumherum. Konkret: das Geschäft mit dem Fußball und die Kommerzialisierung. Das ist nicht unbedingt meins. Andererseits: Wenn man mich mal angesprochen hätte, hätte mich ein Job im Management vielleicht schon gereizt. Aber ich mochte mich auch nirgendwo anpreisen und will das auch bis heute noch nicht.

Wie blicken Sie heute auf Ihr Karriere zurück? Wenn man so auf Ihre Statistiken schaut, sind die schon recht beeindruckend. Aber man weiß auch, da waren viele Verletzungen und diese eine Viruserkrankung, die Sie fast ein Jahr außer Gefecht gesetzt hat… Da wäre mehr drin gewesen… 

Ja, absolut. Aber wie sagen viele Kollegen an dieser Stelle immer? Der Fußball hat mir viel gegeben… Das stimmt ja auch bei mir. Ich bin schon in jungen Jahren viel rumgekommen in der Welt, hab alle Nationalmannschaften von der U15 bis zur U21 durchlaufen, in diesem Alter schon vor 40.000 oder 50.000 Zuschauern spielen zu dürfen, das sind Erfahrungen, die machen andere niemals. Beim Fußball erlebt man Emotionen, beispielsweise, wenn man ein Tor schießt, die erlebt man im normalen Leben vielleicht bei der Geburt eines Kindes. Klar hätte meine Karriere besser laufen können, wenn mir das ein oder andere erspart geblieben wäre, aber ich liege deswegen jetzt nicht abends auf der Couch und hadere mit meinem Schicksal. Ich bin glücklich und zufrieden so, wie es gelaufen ist, und gutes Geld hab ich auch verdient.

Welches Spiel fällt Ihnen denn als erstes ein, wenn Sie zurückblicken? Normale Fußballfans brauchen da nicht lange zu überlegen…

Ja, schon klar: Der 4:1-Sieg mit Mainz 05 in Braunschweig im Mai 2003. Ich mache am 34. Spieltag, im entscheidenden Spiel um den Aufstieg vier Tore auswärts und am Ende reicht es dennoch nicht, weil Eintracht Frankfurt im Parallelspiel in der Schlusssekunde noch einmal trifft – das ist an Dramatik ja auch nicht zu überbieten. Aber meine Karriere hielt auch viele schöne Momente bereit. Ich hab zum Beispiel ein Tor gegen Olli Kahn geschossen, das können nicht viele von sich behaupten.

Zurück zu ihrem Heimatverein, dem 1. FC Kaiserslautern. Sie haben in der Jugend am Betzenberg gespielt, sind aber schon früh zum Karlsruher SC gewechselt, später sind sie nur noch einmal als Leihgabe vom VfL Bochum für ein halbes Jahr zurückgekehrt… Warum gab es nicht mehr Spiele im FCK-Trikot?

Tja… Der FCK ist meine Jugendliebe, ich hab schon Elfjähriger in der Westkurve gestanden, Stefan Kuntz zugejubelt und konnte mir nichts Schöneres vorstellen, als für den FCK zu spielen. Aber dann hab ich doch immer nur gegen den FCK gespielt… Eigentlich schade. Ich hab auch immer noch sehr viele Freunde, die FCK-Fans sind und mich gerne dort öfter spielen gesehen hätten – und vor allem erfolgreicher. Aber eine Profikarriere ist eben kein Wunschkonzert.

Das klingt, als hätte es da öfter Gespräche gegeben, von denen nie was zu lesen war…

Auch das, ja.

Wie verfolgen Sie den FCK denn heute?

Ganz ehrlich: Ich guck schon noch gerne Fußball, aber nicht mehr so wie früher. Am Wochenende eigentlich nur Zusammenfassungen, unter der Woche vielleicht mal ein gutes Champions League-Spiel. Vergangene Saison habe ich mir mit meinem siebenjährigen Sohn zwei Spiele auf dem Betzenberg angeschaut, unter anderem das 0:1 gegen Eintracht Braunschweig… tja, das war schon ein bisschen enttäuschend.

Was trauen Sie heuer Ihrer Jugendliebe zu?

Natürlich träumt jeder davon, den FCK wieder in der Ersten Liga spielen zu sehen, und mit diesem Stadion und diesen Fans gehört er da auch hin, aber wenn man die sportliche Entwicklung sieht… Ich denke, auch diese Saison wird nicht einfach. Aber ein Platz im gesicherten Mittelfeld ist drin.


Lesen Sie eigentlich noch regelmäßig die Kolumne Ihres Ex-Trainers Hans Meyer in „11Freunde“? Auch Sie waren ja vor langer Zeit immer mal Opfer seines süffisanten Spotts…

O ja, und wenn man selbst betroffen ist, empfindet man das auch gar nicht so lustig… Aber ich bin nicht verbittert, weil er mal was über mich gesagt hat. Als Außenstehender muss ich selbst meistens schmunzeln, wenn ich was von ihm höre oder lese. Er ist schon ein guter Typ, und ich finde, der Fußball braucht solche Typen.

Sie haben zwei Söhne. Welcher hat das Talent, in Ihre Fußstapfen zu treten?

Der eine ist erst drei, da kann ich noch nichts sagen. Der Siebenjährige hat zuletzt bei den Bambinis in Maikammer gespielt, der kommt jetzt in die F-Jugend und hat nach wie vor Spaß am Fußball, da muss man mal sehen. Für mich ist wichtig, dass die Kinder überhaupt Sport treiben, welchen, ist mir eigentlich egal.

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