Gästeblog: „Lautern war für mich kein verlorenes Jahr“ – Im Gespräch mit Sebastian Kerk

Die vergangene Saison schlossen der 1. FC Kaiserslautern und der 1. FC Nürnberg als Tabellennachbarn ab – und schickten ihre Fans äußerst unzufrieden in die Sommerpause: Ein 13. und ein 12. Tabellenplatz in Deutschlands Zweiter Liga, das für beide zu wenig, um den eigenen Anhang glücklich zu machen. Während in Lautern nach einem erneuten Totalumbau und eher mauen Testspielergebnissen die Stimmung vor dem Start in die nächste Spielzeit weiterhin gedämpft ist, hat der 1. FC Nürnberg bereits mächtig Euphorie geschürt. In Tests wurden Inter Mailand und Borussia Mönchengladbach geschlagen und mit Ewerton wurde jüngst auch die noch offene Stelle im Abwehrzentrum prominent geschlossen – da lässt es sich freudig dem Spiel gegen den FCK am Sonntag, 13.30 Uhr, entgegenblicken. Neben dem Brasilianer schnürt noch ein anderer Spieler, der vergangene Saison für Lautern gekickt hat, nun für den FCN die Stiefel: Sebastian Kerk. Im Gespräch mit dem FCK-Blogwart verrät der 23-jährige, wie es vor diesem keinesfalls unverhofften, aber doch überraschend schnellenWiedersehen in ihm aussieht.

Hallo, Sebastian, als Lautrer muss ich dich natürlich als erstes fragen: Hast du Ewerton schon begrüßt?

Ja, selbstverständlich. Er ist seit vergangenen Freitag bei uns. Es ist natürlich schön, einen Mannschaftskameraden, von dem man sich gerade verabschiedet hat, gleich wieder willkommen heißen zu können. Aber ich bin hier nicht der einzige, der sich freut. Wir wissen alle, dass Ewerton uns auch sportlich weiterbringen kann.

Du hast dein letztes Spiel im FCK-Trikot gegen den FCN gemacht, jetzt machst du dein erstes Spiel im FCN-Trikot gegen den FCK. Da scheint einer einen besonderen Sinn für Dramaturgie zu haben, was dich betrifft – entweder der DFB-Spielplaner oder sogar der Fußballgott persönlich…

Ja, das ist schon ein verrückter Zufall. Ich empfinde die Situation aber nicht als unangenehm. Ist doch eine einmalige Gelegenheit. Ich freu mich auf das Spiel.

Gab’s schon Anrufe und Mails von alten Mannschaftskameraden?

Ja, klar. Da sind schon ein paar Kommentare ausgetauscht worden, und ein paar Wetten laufen auch. Aber alles ganz harmlos – und ganz legal.

Ihr habt in den Testspielen der Saisonvorbereitung Inter Mailand und Borussia Mönchengladbach geschlagen, mit Ewerton jetzt einen der besten Abwehrspieler der Zweiten Liga geholt – und damit auch die Erwartungen Eurer Fans ganz schön nach oben geschraubt. Auch die sogenannten Experten reihen Euch nun unter die Aufstiegsfavoriten. Zurecht?

Bei einem Verein wie dem FCN sind die Erwartungen immer hoch. Wir sind froh, dass wir so eine gute Vorbereitung gespielt haben. Da müssen wir jetzt eben auch mit den Vorschusslorbeeren leben – und vom Start weg einfach versuchen, in jedem Spiel unser Bestes zu geben. Wo wir am Ende landen, werden wir sehen.

Du hast in den anspruchsvollen Tests immer in der Startelf gestanden. Gehst du davon aus, dass du auch gegen Lautern von Anfang an dabei bist?

Gute Frage. Ja, die letzten Testspiele sind gut gelaufen, auch für mich. Aber ob mir der Trainer tatsächlich auch gegen Kaiserslautern das Vertrauen ausspricht? Bis er das entschieden hat, muss ich mich im Training weiter anbieten. Jeden Tag.

Euer Trainer Michael Köllner will euch nicht nur erfolgreicher spielen lassen, ihr sollt euch auch spielkulturell weiterentwickeln, in Richtung Kurzpass-Kombinationsspiel. Hoher technischer Anspruch gegen simplen Pragmatismus – da siegt in dieser Zweiten Liga oft die Einfachheit, das hat in der Vergangenheit  unter anderem die Ära Kosta Runjaic beim 1. FC Kaiserslautern gezeigt. Wie kommt die neue Spielauffassung denn dir persönlich entgegen?

Wer mich kennt, weiß, dass ich Fußball am liebsten „spiele“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Von daher kommt mir dieser Ansatz sehr entgegen. Aber wir dürfen beim  Schönspielen auch das Rennen und das Kämpfen nicht vergessen, das ist vor allem in dieser Liga wichtig.  Ich denke, das hat die Mannschaft ebenfalls begriffen.

Musstet du dich auch an neue Trainingsformen gewöhnen, in denen dieses kurzpassbetonte Spiel geschult wird?

Na ja, in Freiburg und auch in Kaiserslautern habe ich schon viel mit dem Ball trainieren müssen. Aber unter Michael Köllner ist das alles nochmal um einiges intensiver. Vor allem, was Ballübungen und das Einstudieren von Abläufen angeht.

Michael Köllner hat im Nürnberger Nachwuchsleistungszentrum auch sehr positionsspezifisch trainieren lassen. Macht er das jetzt als Übungsleiter der der Ersten Mannschaft auch noch so?

Ja, absolut, wir trainieren eigentlich immer auch positionsspezifisch.

Die Zeitung mit den großen Buchstaben hat vermeldet, Ihr müsstet bei Köllner jetzt regelmäßig „flüssigen Frischkäse mit Haferflocken“ trinken… Wie schmeckt das denn?

Ich weiß gar nicht, was deine Kollegen daran so verwundert hat. Das sind Proteinshakes, wie sie in jedem Profiverein mittlerweile gang und gäbe sind. Und die sollen auch nicht schmecken, sondern muskulären Problemen vorbeugen.

Dein Jahr in Kaiserslautern – ein verlorenes Jahr?

Das würde ich nicht sagen. Sicher ist es nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe und wie man es auch von mir erwartet hat. Aber ich habe viele Erfahrungen gemacht, die mich weitergebracht haben, beispielsweise gelernt, mit dem Druck im Abstiegskampf umzugehen. Und ich hab in der Pfalz viele neue Freunde gewonnen.

Du hattest in den Kaiserslautern in den ersten Spielen nach der Winterpause, als du deine Verletzung aus der Vorrunde überwunden hattest, zunächst  ansteigende Form gezeigt, wurdest von Spiel zu Spiel zu stärker, aber dann riss der Faden wieder. Lag das an der Systemumstellung mitten in der Saison, auf ein 3-5-2, das keine offensiven Flügelspieler wie dich mehr vorsah? 

Die würde ich jetzt nicht an erster Stelle nennen. Ich hatte in der  Wintervorbereitung nach langer Pause erstmals wieder voll mittrainieren können, dann folgten sieben, acht Spiele am Stück, zum Teil auch in Englischen Wochen – das lief zuerst ganz gut, aber dann bin ich wieder ein Loch gefallen, das war rein körperlich. Die Systemumstellung kam dann noch dazu.

Gab’s keine Überlegungen, über den Sommer hinaus in Kaiserslautern zu bleiben?

Der Trainer hatte mir in der Tat mitgeteilt, dass er mich gerne behalten würde. Ich hätte es mir auch vorstellen können, aber ich hatte noch Vertrag in Freiburg und war ablösepflichtig. Da war für Lautern nichts zu machen.

Wie hast du die Transferaktivitäten des 1. FC Kaiserslautern im Sommer verfolgt? Was traust du deiner alten Mannschaft zu?

Der FCK hat sicher ein paar wichtige Leute verloren, aber auch ein paar ganz interessante geholt. Ich glaube schon, dass Lautern in der kommende Runde eine gute Rolle spielen kann.

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