Fanblog: „Wenn wir die Fans hinter uns bringen, können wir erfolgreich sein“ – Im Gespräch mit Leon Guwara

Für den 1. FC Kaiserslautern steht erst das zweite Spiel dieser Saison auf dem Programm – und schon ist Wiedergutmachung angesagt. Am Freitagabend, 20.30 Uhr, will der FCK gegen den SV Darmstadt 98 den schwachen Eindruck vergessen lassen, den er bei der 0:3-Pleite am vergangenen Sonntag in Nürnberg hinterlassen hat. Einer ist ganz heiß auf sein Pflichtspieldebüt am Betzenberg: Leon Guwara, 21-jährige Leihgabe aus Bremen, gehörte auch schon beim „Glubb“ zu den wenigen, die  ordentliche Arbeit ablieferten. Und: Der Deutsch-Gambier war letzte Saison nach Darmstadt ausgeliehen. Ein idealer Ansprechpartner also für ein Vorschau-Interview.

Hallo, Leon. Wie habt Ihr das Spiel vom Sonntag verkraftet?

Das werden wir am Freitag sehen. Wir haben uns unseren Auftritt in Nürnberg mittlerweile auf Video angesehen und analysiert – und wissen jetzt, was wir gegen Darmstadt besser machen müssen. Der Auftritt in Nürnberg war schlecht, das kann man gar nicht anders sagen. Jetzt kommt das erste Heimspiel in der Runde, Freitagabend, unter Flutlicht – Ich hab mein erstes Spiel auf dem Betze gegen Derby County schon sehr genossen, aber das ist nochmal was ganz anderes. Da müssen wir einfach Gas geben.

Wie habt Ihr das Spruchband gegen Gino Fechner und Marius Müller wahrgenommen, als Ihr auf den Platz kamt?

Ein paar von uns haben es direkt gesehen, ich hab es erst nach dem Aufwärmen bemerkt. Geredet haben wir da vor dem Spiel nicht mehr drüber, da bist Du einfach zu sehr mit Dir selbst beschäftigt. Aber hinterher waren wir uns einig: Das geht gar nicht, und der Verein hat Recht, wenn er so etwas deutlich kritisiert. Gino und Marius sind super Jungs und Spieler des 1. FCK Kaiserslautern, und mit einer solcher Aktion schadet man nicht nur den beiden, sondern auch der ganzen Mannschaft und dem Verein.

Reden wir über Dich. Du bist in Köln geboren, dein Vater kommt aus Gambia…

Er ist vor meiner Geburt, im Alter von 27 Jahren, Verwandten nach Deutschland gefolgt, um hier zu arbeiten, und hat dann meine Mutter hier kennengelernt. Er lebt auch heute noch in Köln und fühlt sich dort sehr wohl.

Gambia ist eines der kleinsten Länder Afrikas, gilt aber als äußerst  fußballbegeistert. Demnach hast Du Deine Leidenschaft für Fußball von Deinem Vater?

Na ja, mein Vater hat mit Fußball schon was am Hut, ist aber nicht ganz so fußballverrückt, wie es die übrigen Menschen seines Heimatlandes sind. Die haben mich auch schon mal zur Nationalmannschaft eingeladen. Aber es ist nunmal ein sehr kleines Land mit nur 1,3 Millionen Einwohnern, da ist kein Fußball auf höherem Niveau möglich – für mich als Profi tun sich da kaum Perspektiven auf.

Besuchst du das Land privat?

Bis jetzt habe ich das noch nicht getan, da kam immer was dazwischen. Aber für den kommenden Winter oder nächstes Jahr im Sommer habe ich es mir festgenommen. Dann will ich auch meine Familie dort besuchen, bis jetzt sehe ich nur meinen Onkel in Paris regelmäßig. Ich finde es wichtig, dass man auch seine Wurzeln kennenlernt.

Du hast in Köln sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen. Wie lief nebenher deine schulische Ausbildung?

Ich hab mit sieben angefangen, beim FC Fußball zu spielen, und dann die sogenannte Geißbock-Akademie besucht. Da war vormittags ganz normal Schule und zwei Mal die Woche auch Training, nachmittags wurde dann fast immer trainiert – oder der Stoff nachgeholt, den man wegen Turnieren oder Trainingslagern versäumt hatte. Das war manchmal eine ganz schön harte, aber auch sehr schöne Zeit, denn der Verein hat uns super gefördert und ich habe viele Freunde gewonnen. Mein Fachabitur habe ich aber in Bremen gemacht, wohin ich schon mit 17 gewechselt bin. Die nächsten Jahre will ich mich auf meine Profikarriere konzentrieren, aber ich habe schon im Hinterkopf, mal was in Richtung Sozialpädagogik zu studieren. Im Fußball weiß man nie, was kommt, da ist es gut, ein zweites Standbein zu haben, deswegen bin ich für meine schulische Ausbildung auch sehr dankbar.

Du bist noch im Juniorenalter vom Köln nach Bremen gegangen. Wenn Nachwuchsspieler von einem Bundesligisten zum anderen wechseln, entstehen oft Missklänge zwischen den Vereinen…

In meinem Fall nicht. Ich hatte einen Juniorenvertrag, der 2014 auslief. Für die Zeit danach hatte ich mehrere Angebote, ich hab mich dann für Werder Bremen entschieden, weil ich Fan dieses Vereins war, insbesondere von Diego und Mesut Özil, als sie noch dort spielten. Ich glaube nicht, dass ich in Köln jemanden verärgert zurückgelassen habe.

Du hast dann zwei Jahre in der Zweiten Mannschaft von Werder Bremen gespielt, dich dann ein Jahr nach Darmstadt ausleihen lassen. Das ergibt drei Lehrjahre… Wessen Wunsch war es, dich noch einmal für ein Jahr auszuleihen? Deiner oder der des Vereins?

Werder hat mich frei entscheiden lassen: Ich konnte mich nochmal ausleihen lassen oder um einen Platz in der Ersten Mannschaft kämpfen. Ich habe keine große Chancen für mich gesehen, zu Einsätzen zu kommen, und ich persönlich halte es für ganz wichtig, dass ich in meinem Alter Spielpraxis bekomme. Norbert Meier hatte mich in der Vorrunde 2016/17, als er Trainer in Darmstadt war, sehr gut gefördert. Als die Anfrage aus Kaiserslautern kam, mich auszuleihen, habe ich daher schnell zugesagt.

In der Rückrunde übernahm Torsten Frings die Lilien. Er hat der Mannschaft, die quasi abgestiegen war, dann noch einmal einen ungeheuren Spirit eingehaucht, und auf einmal haben die Lilien abgeschlagener Tabellenletzter nochmal angefangen, ein Spiel nach dem anderen zu gewinnen. Wie hat er das geschafft?

Torsten Frings war selbst Fußballer auf allerhöchstem Niveau und er hat es einfach gut verstanden, die Mannschaft zu erreichen und zu motivieren. Man muss allerdings auch sagen: Darmstadt hatte in der Winterpause ein paar sehr gute Spieler geholt,  die gegenüber der Vorrunde nochmal ein paar entscheidende Prozent mehr einbracht. Sidney Sam etwa und vor allem Hamit Altintop.

Du selbst hast unter Torsten Frings nicht mehr so oft gespielt. Was war los?

Das weiß ich auch nicht so genau. Vielleicht habe ich ihm die Rolle des Außenverteidigers zu offensiv interpretiert, vielleicht hat er auch einfach nicht auf mich gestanden. Am besten, du fragst ihn das selbst (lacht).

Wie schätzt Du die aktuelle Darmstädter Mannschaft ein?

Sie zählt für mich auf den jeden Fall zu den Aufstiegsfavoriten. Der Kern der Mannschaft ist zusammengeblieben, ganz wichtig war, dass Hamit Altintop doch noch verlängert hat, mit Kevin Großkreutz ist noch ein weiteres Kaliber dazugekommen. Das ist eine sehr spielstarke Truppe, aber wir müssen uns nicht verstecken. Vor allem müssen wir die Fans hinter uns bringen, dann können wir dieses Spiel auch erfolgreich gestalten.

Hast Du noch Kontakt zu ehemaligen Darmstädter Mitspielern?

Ja, mit Terence Boyd. Und mit Julian von Haacke ist ein guter Freund von mir aus Bremen jetzt von Nijmwegen nach Darmstadt gewechselt. Übers kommende Spiel ausgetauscht haben wir uns allerdings noch nicht.

Letzte Frage: Ist Dein Vater eigentlich ein Filmfreak?

Der schaut schon mal ganz gerne einen guten Film, aber ein Freak ist er nicht. Warum   fragst Du?

Du bist 1996 geboren. Einer der Kinohits in dieser Zeit hieß „Leon, der Profi“, Jean Reno spielt darin die Rolle seines Lebens, heute ist der Film ein Klassiker. Kann es sein, dass der Film-Leon für Deinen Namen Pate stand?

Da muss ich mal meinen Vater fragen, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Von dem Film ist mir nur der Titel ein Begriff, gesehen habe ich ihn noch nicht, aber das werde ich jetzt nachholen.

Profi bist Du ja auf jeden Fall auch geworden… Danke für das Gespräch, Leon.

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