Extrablog: „Beim Jugend-Länderpokal geht’s zu wie auf dem Pferdemarkt“ – Im Gespräch mit Alexander Bugera

Der erste Härtetest ist bestanden. Am vergangenen Sonntag hat die U19 des 1. FC Kaiserslautern im DFB-Junioren-Vereinspokal Hansa Rostock mit 2:0 geschlagen. Mit dabei und auch unter Torschützen war Jungprofi Torben Müsel, der ebenso wie Keeper Lennart Grill für die A-Junioren noch spielberechtigt ist. Dem neuen Coach Alexander Bugera jedoch werden die beiden Talente in der am Samstag startenden A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest wohl nur unregelmäßig zur Verfügung stehen. Der 39-jährige auf eine Truppe vertrauen, die sich überwiegend aus Spielern des jüngeren Jahrgangs zusammensetzt. Weshalb das Ziel daher nur „Klassenverbleib“ heißen kann und wie er weiter an seiner Trainerkarriere basteln möchte, erzählt  der ehemalige FCK-Profi im Gespräch mit dem FCK-Blogwart.

Hallo, Alexander Bugera, am kommenden Samstag geht’s los. Die A-Junioren Bundesliga Süd/Südwest startet, mit Ihnen als neuem Coach. Sie müssen auswärts in Fürth ran. Wie lief die Vorbereitung?

Ich denke, wir können zufrieden sein. Wir sind seit dem 27. Juni im Training, haben zwischenzeitlich nochmal eine Woche Pause gemacht, weil die Jungs von ihren Sommerferien auch noch was haben sollten. Am Sonntag hatten wir im DFB-Vereinspokal der Junioren ja auch einen ersten erfolgreichen Härtetest. Abgesehen davon, dass auch die Fahrt an die Ostsee ein Teamerlebnis für sich war: 800 Kilometer mit dem Bus, und das in der Ferienzeit…

Es gibt naturgemäß immer viel Fluktuation in den Jugendmannschaften…

… und die ist diesmal besonders groß. Wir haben 15 Spieler von der U17 bekommen, die ich in der vergangenen Saison betreut habe. In der U19 verblieben sind lediglich sechs Spieler, die jetzt dem älteren Jahrgang angehören. Drei weitere haben wir geholt. Auch zwei Zugänge aus den jüngeren Jahren gab es.

Kann man von dem neuformierten Team denn erwarten, dass es ähnlich erfolgreich aufspielt wie in der Saison 16/17, die mit der Vizemeisterschaft endete?

Das ist vollkommen illusorisch. Gerade in diesem Alter bedeutet ein Jahr Entwicklungszeit sehr viel. Um wirklich erfolgreich in dieser Liga zu sein, brauchst du viele Altjahrgänge. Ich habe mich darüber auch ausführlich mit meinem Vorgänger Gunter Metz unterhalten, der im Sommer nach 16 Jahren im Nachwuchsbereich des FCK zum DFB gewechselt ist. Als er das letze Mal in der Situation war, auf so viele Spieler aus dem jüngeren Jahrgang vertrauen zu müssen, ist er abgestiegen. Daher kann unser Ziel nur sein, in der Klasse zu bleiben. Das sieht auch der gesamte Verein so.

Immerhin können Sie den Vorteil nutzen, den größten Teil der Jungs schon bestens zu kennen…

Natürlich. Ich musste nicht bei null anfangen. Die meisten kennen mich schon, wissen, wie ich ticke und was ich sehen will. Die wichtigen Automatismen und Abläufe kennen sie bereits. Das machte auch für mich in der Vorbereitung vieles leichter.

Sie haben als Trainer der U13 begonnen, dann die U17 übernommen, jetzt coachen Sie die U19. Wie verändern sich da die Trainingsinhalte?

Von der U13 zur U17 ist es schon ein gewaltiger Sprung. In der U13 haben wir ja noch auf Kleinfeldern gespielt, da geht es in erster Linie darum, den Spaß am Spiel zu fördern. Ab der U17 wird die taktische Schulung dann intensiviert:  Wie verschiebe ich in der Vierkette, wie laufe ich den Gegner an, diese Dinge eben. Und in der U19 wird da nochmal zugelegt.

Wie oft trainieren U19-Spieler denn?

Montags, dienstags, donnerstags und freitags ist nachmittags Training, wenn wir sonntags spielen, auch samstags. Zusätzlich bin ich zwei Mal die Woche vormittags Trainer im Rahmen des Schultrainings am Heinrich Heine-Gymnasium, unserem Kooperationspartner, der auch vom DFB als „Eliteschule des Fußballs“ gefördert wird. Da sind auch Spieler meines aktuellen Jahrgangs dabei, ein rundes Dutzend etwa, und ein paar, die gegenwärtig noch U16 und U17 spielen.

In diesen Jahrgängen ist vermutlich nicht nur der fußballerische Übungsleiter, sondern auch der Psychologe stark gefragt…

Absolut. Man muss kommunizieren mit den Jungs. Mein Vorteil: Ich hab das alles selber mitgemacht. Als ich B- und A-Jugendlicher war, ging ich als gebürtiger Franke bei den Münchnern in ein Internat. Ich hab selber erlebt, wie das ist, Freundin, Fernbeziehung et cetera, ich kann vor allem mit den Jungs fühlen, die von weiter herkommen und Heimweh haben. Wobei ich denke, dass ich es jetzt in der U19 bereits mit ausgereifteren Persönlichkeiten zu tun habe. Die U17 ist da schwieriger, das ist so eine Übergangszeit, in der die Entwicklungen unterschiedlich schnell verlaufen. Der eine zeigt in diesem Alter noch recht viel kindliches Verhalten, der andere weniger.

Jeder, der beim 1. FC Kaiserslautern bei den Junioren spielt, träumt doch davon, irgendwann mal vor der West aufzulaufen…

Das hoff ich doch.

Aber es ist doch auch klar, dass sich dieser nur für ganz wenige erfüllen wird? Wie geht man als Trainer damit um? Macht man jeden einzelnen heiß, indem man ihm sagt, du kannst es schaffen, also gib alles – oder muss man dem ein oder anderen gegenüber auch mal ehrlich sein und sagen, Junge, mach dir nicht zu viele Illusionen, für ganz oben reicht’s bei dir nicht?

Wir haben einen großen Kader, da glaube ich schon, dass der ein oder andere bereits weiß, dass es für ganz oben nicht reichen wird. Was ich den Jungs vermittle, ist folgendes: Es ist immer ein riesen Vorteil, in unserem Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet worden zu sein und in der A-Junioren- Bundesliga gespielt zu haben – egal, wie es später weitergeht. Wir müssen schauen, dass wir stets eine geschlossene Mannschaftsleistung hinbekommen, gerade in dieser Saison, wo es nur um den Klassenverbleib gehen kann. Wer weiß schon, was danach kommt. Es gibt jede Menge A-Junioren-Nationalspieler, die es als Profis nicht gepackt haben. Und es gibt einige, die den Sprung vom Junior zum Profi nicht sofort geschafft haben, später aber doch noch ans Ziel gekommen sind. Aktuelles Beispiel ist Eduard Löwen vom 1. FC Nürnberg, der bis 2015 zu unseren Junioren gehörte und es über den Umweg Saarbrücken jetzt zum Stamm-Innenverteidiger in der Zweiten Liga gebracht hat.

Wie geht man als Jugendtrainer mit Eltern um, die ja bekanntlich immer am besten wissen, was das Beste für ihr Kind ist – und es verständlicher Weise immer spielen sehen wollen?

Selbstverständlich führe ich mit den Eltern Gespräche, wenn sie das wünschen. Ich halte es für die Entwicklung einer Persönlichkeit aber auch sehr wichtig, dass ein junger Spieler selbst auf mich zukommt, wenn er ein Anliegen hat und das nicht seinen Eltern überlässt – und das erkläre ich auch den Eltern.  Ich denke aber, dass diese Fälle jetzt in der U19 von selbst weniger werden. In der U17 war das noch öfter der Fall.

Dafür werden Sie in der U19 wohl jetzt öfter mit Spielerberatern zu tun bekommen…

Das kann ich noch nicht sagen, solange betreue ich die U19 noch nicht. Grundsätzlich haben wir das am Betzenberg aber so geregelt, dass ich mit den Spielern rede und Manfred Paula, der sportliche Leiter unseres Nachwuchszentrums, mit den Beratern. Wenn einer dann konkrete Fragen hat von wegen, warum spielt mein Schützling nicht oder warum wird er nicht auf einer anderen Position eingesetzt, komm ich auch schon mal dazu.

Scouten Sie auch selbst Spieler für den Juniorenbereich?

Ja, sicher. Ein Pflichttermin jedes Jahr sind die alljährlichen Sichtungsturniere in Duisburg, früher nannte man sie „Länderpokale“. Da ist natürlich auch unsere – sehr gute – Scoutingabteilung  unterwegs. Aber ich bin ebenfalls vor Ort, sehe mir den ein oder anderen Spieler an und tausche mich mit unseren Scouts aus.

Es heißt, die Szene wird immer verrückter…

Das wird sie auch. Mittlerweile geht’s da zu wie auf dem Pferdemarkt. Und was den jungen Spielern da zum Teil angeboten wird… Das ist schon heftig.

Wie kann sich der FCK da noch behaupten?

Da tun wir uns Jahr für Jahr schwerer, da braucht man nicht drumrum reden. Aber wenn wir nicht wenigstens versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten mitzuschwimmen, verlieren wir erst recht. Zumal ja auch der Markt in unseren Heimatregionen immer umkämpfter wird. In der Vorder- und Kurpfalz wetteifern unsere Späher nicht nur mit denen der Erstligisten aus Mainz und Hoffenheim, auch die von Heidenheim, Sandhausen und Karlsruhe suchen permanent nach neuen Talenten. Das Saarland wird längst von Köln und Leverkusen mitgescannt, vor zehn, fünfzehn Jahren waren wir da noch ziemlich konkurrenzlos unterwegs.

Ex-Profis, die ins Trainergeschäft wollen, wollen meist möglichst schnell eine Erste Mannschaft übernehmen, am besten einen Drittligisten, mindestens einen  Regionalligisten. Sie haben beim FCK ganz unten angefangen, mit der U13… Wieso das?

Das ist der Weg, auf den ich mich seinerzeit noch mit Stefan Kuntz verständigt habe, und dafür bin ich ihm auch heute noch sehr dankbar. Ich wollte nach dem Ende meiner Karriere zunächst mal nur in den Trainerberuf reinschnuppern, weil es doch etwas Anderes ist, nicht mehr Spieler zu sein,  sondern plötzlich vor einer Gruppe zu stehen und die Führung zu übernehmen. Stefan Kuntz meinte, ich solle doch einfach mal die U13 übernehmen und sehen, ob mir das liegt. Also hab ich’s probiert und schon nach kurzer Zeit wusste ich: Das ist genau mein Ding. Ich seh meine Jahre als Jugendtrainer wie eine Berufsausbildung. Ich will nicht irgendwo schnell einsteigen und dann ebenso schnell verbrennen, wie viele andere es erlebt haben.

Und wie läuft der akademische Teil Ihrer Trainerausbildung?

Die B-Lizenz habe ich noch am Ende meiner aktiven Laufbahn erworben, als ich nochmal zwei Jahre lang die U23 verstärkte. Im Jahr darauf holte ich mir die A-Lizenz. Damit kann ich jetzt Vereine bis einschließlich Regionalliga trainieren. Um höher zu coachen, muss ich mich zum Fußballlehrer weiterbilden, an der Hennes Weisweiler-Akademie in Hennef. Voraussetzung dafür ist, dass ich bereits eine Saison lang im Jugendbereich mindestens eine U17-Bundesligamannschaft geführt habe. Dazu fehlten mir im vergangenen Sommer zwei Monate. Nächsten Sommer will ich aber versuchen, die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Das wird nicht einfach, da immer nur 30 Bewerber genommen werden. Die Ausbildung selbst dauert dann von Juni bis Februar, in dieser Zeit muss ich dann von Sonntag bis Mittwoch nach Hennef.

Haben Sie Vorbilder in aktuellen oder vergangenen Trainergenerationen?

Als Spieler hat mich Norbert Meier am meisten geprägt, daher hat es mich sehr gefreut, als er Anfang des Jahres Cheftrainer bei uns geworden ist. Er ist übrigens einen ähnlichen Weg gegangen wie ich jetzt. Er war erst Jugend-Trainer in Gladbach und Leverkusen, bevor er den MSV Duisburg übernahm und in die Bundesliga führte. In Duisburg hat er auch mich wieder auf Kurs gebracht. Ich galt bis zur U20 eigentlich als großes Talent, war dann aber abgefallen. Unter Meier wurde ich wieder Stammspieler – und er war es auch, der mich zum linken Verteidiger umschulte. Mir hat immer seine Art imponiert, sich auch in schwierigen Phasen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, und sein trockener Humor, mit dem vielleicht nicht jeder klarkommt. Das Du hat er mir übrigens erst angeboten, als er schon Trainer in Darmstadt war und ich ihn hier am Betzenberg im VIP-Raum traf – weil wir jetzt Trainerkollegen seien, meinte er. Auch von Marco Kurz habe ich einiges mitgenommen, als er mein Trainer in Lautern war. Ansonsten versuche ich, von jedem meiner Trainer was mitzunehmen – aber das sagt, glaube ich, jeder.

Und wo soll Ihr Weg enden?

Ich bin keiner, der sagt, ich will in drei oder vier Jahren an einem ganz bestimmten Punkt sein. Ich will Fußballlehrer sein, ganz einfach, weil es mich wahnsinnig interessiert und enorm herausfordert. Vorausplanen lässt sich in unserem Geschäft ja sowieso nichts, man sieht aktuell ja etwa an Domenico Tesdesco, wie schnell es gehen kann. Der war vor zwei Jahren noch B-Juniorentrainer in Hoffenheim, jetzt ist er Chef auf Schalke.

Als Sie noch aktiv spielten, war der FCK bei Standardsituationen noch richtig gut. Wenn Sie sich so gut mit Norbert Meier verstehen – könnte man nicht mal eine Sondertrainingseinheit mit Ihnen anberaumen, in der Sie der aktuellen Mannschaft mal zeigen, wie man gescheite ruhende Bälle schlägt?

Ja, da könnte in der Tat mehr gehen… Gerade in der Zweiten Liga können Standards eine Waffe sein. Schau’mer mal (lächelt).

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