Gästeblog: „Mit einem Sieg gegen Lautern veredeln wir unseren Saisonstart“ – Im Gespräch mit Fortuna-Blogger Carsten Koslowski

Dass Erfolgsgeschichten des geliebten Vereins einen glühenden Anhänger inspirieren, diese niederzuschreiben, ist nichts Besonderes. Ein Fan, der aus dem dunkelsten Kapitel seines  Herzensklubs ein Buch macht, muss daher einer recht eigenartigen Spezies angehören, beziehungsweise, eine spezielle Art von Humor pflegen. „Zwei Jahre sind genug“ heißt das Werk, das Carsten Koslowski bereits 2004 veröffentlichte. Im Mittelpunkt stehen die  Spielzeiten 2002/2003 und 2003/2004, in denen sich die ruhmreiche Fortuna aus Düsseldorf durch die Oberliga Nordrhein quälte. Das Erstaunliche: Das Buch findet immer noch Leser, im Januar 2017 hat Koslowski es neu aufgelegt. Und da er den Weg der Fortuna bis heute intensiv verfolgt und auch die Trainerjahre eines gewissen Norbert Meier aufmerksam begleitet hat, ist er ein idealer Gesprächspartner fürs anstehende Auswärtsspiel des 1. FC Kaiserslautern in der „Esprit Arena“ am kommenden Samstag (13 Uhr). Carsten Koslowski sagte auch sofort zu – unter der Bedingung, dass er in diesem Einleitungstext nicht als so etwas Bescheuertes wie „Edelfan“ bezeichnet wird. Alla gut…

Herr Koslowski, wie kommt man auf die Idee, den Horrortrip seines Klubs durch die Viertklassigkeit in Buchform festzuhalten?

Ausgangspunkt war mein Blog „januskleinewelt.de“ , den ich 2002 ins Leben rief, als die Fortuna in der Oberliga aufgeschlagen war. Der kam gut an, denn die Fortuna hat auch bundesweit viele Anhänger, die in den offiziellen Medien nun nichts mehr über ihren Klub  fanden. Aus den damaligen dritten Ligen war ab und zu mal was in den Dritten Programmen zu sehen, aber von den vierten gab’s nirgends was zu sehen oder zu lesen. Also hab ich  aufgefangen, Spielberichte zu bloggen, und die wurden dankbar angenommen.

Sie schreiben nicht nur über die Oberliga-Spiele, sondern widmen sich ebenso detailfreudig den umständlichen Bahnreisen in die Provinz, die ihr Fans damals auf euch nehmen musstet, etwa von Bonn nach Freialdenhoven…

Ja, auch das habe ich damals genau so gebloggt, wie es später im Buch erschienen ist, und die Leute haben es gemocht. Wahrscheinlich,  weil sie gespürt haben, dass es authentisch war. Ich habe das alles so erlebt, wie es da steht, nichts dazuerfunden.

Unter Fußballfreunden scheint es mehr Anhänger dieses abseitigen Humors zu geben, als man glaubt: Sie haben das Buch Anfang dieses Jahres neu aufgelegt…

Ja, der Verlag, der es gedruckt hatte, hat im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet. Da ich aber immer noch Anfragen bekomme, habe ich es bei „epubli“ nochmal neu herausgegeben. Mein Buch „Auswärtsspiele“, in dem es nicht nur um Fortuna geht, wird da ebenfalls bald neu erscheinen, derzeit ist bei Amazon noch ein Exemplar bestellbar. „Dritte Liga war schön… Zeit für uns zu geh’n“, mein Buch über die Aufstiegssaison 2008/2009, habe ich bei „Books on Demand“ veröffentlicht. Darin ist übrigens auch unser legendäres 5:5 bei Eintracht Braunschweig verewigt.

Seit 2012 ruht Ihr Blog und somit auch die Stoffsammlung für ein nächstes Buch. Was müsste geschehen, damit Sie wieder loslegen?

Ich hatte fürs Schreiben leider immer weniger Zeit gefunden. Aber es reizt natürlich schon, wieder anzufangen. Ein Anstoß könnte vielleicht sein, dass Fortuna sich für die Europa-League qualifiziert. Oder wieder in die Bundesliga aufsteigt. Diese Saison – und damit auch das Buch darüber – dürfte dann aber nicht mit dem Abstieg enden. Dazu sind meine Erinnerungen an 2013 zu schrecklich.

Die von uns FCK-Fans aber auch. Wir waren 2012/2013 Dritter in der Zweiten Liga und uns bereits ziemlich sicher, gegen Fortuna die Relegationsspiele bestreiten zu können. Leider hat Euer Verein sich am letzten Spieltag von der TSG Hoffenheim vom 16. auf den 17. Platz schieben lassen. Und Hoffenheim hatte damals so einen Lauf, dass der FCK keine Chance hatte. Fortuna hätte er bestimmt gepackt, so bescheiden, wie sie damals drauf war…

Nun ja, ganz am Ende mag die Mannschaft wirklich ausgepowert gewesen sein. Davor aber hatten wir viel Pech. Gegen Hamburg haben wir 1:2 verloren, nachdem wir in der 90. Minute noch die Unterkante der Latte getroffen hatten, in Dortmund hatten wir ebenfalls noch in der Schlussminute eine Riesenchance zum Ausgleich, und bei den Münchnern Bayern haben wir erst in der 86. Minute das entscheidende 2:3 bekommen. In dieser ganzen Saison standen wir nur acht Minuten lang auf einem Abstiegsplatz. Aber es waren leider die letzten acht Minuten. Das ist schon bitter.

Und das nach einer Vorrunde, in der die Fortuna starke 21 Punkte geholt hatte. Überhaupt fällt auf, dass Meier in Düsseldorf öfter in der Rückrunde abschmierte. Im Aufstiegsjahr davor hatte er in der Hinrunde 41 Punkte mit der Fortuna eingefahren – das ist bis heute Rekord in der Zweiten Liga. Am Ende hat es beim souveränen Herbstmeister dann gerade noch so für die Relegation gereicht. Kann Meier keine Rückrunden?

Da muss man seine kompletten fünf Jahre bei uns betrachten. In der zweiten und dritten Liga haben wir auch tolle Schlussspurts mit Meier hingelegt.

Nach dem Bundesliga-Abstieg war für Meier Feierabend bei Fortuna. Wie stand man im Fanlager zu der Trennung?

Das war in diesem Fall wirklich gespalten. Ein Teil hätte ihn sicher gerne behalten, weil wir mit ihm sehr erfolgreich waren, andere haben ihn für den Absturz in der Rückrunde verantwortlich gemacht. Ich persönlich hätte ihn auch gern behalten. Es geisterte auch immer mal was atmosphärischen Schwankungen in der Mannschaft durch die Medien, aber das ist nie konkret bestätigt worden. Der Verein hat dann auch mit Mike Büskens recht schnell einen Nachfolger präsentiert, der als Fortuna-Idol ideal für einen Neuanfang schien. Leider ging der Plan voll in die Hose.

Jetzt ist Meier in Lautern und Fortuna wird von Friedhelm Funkel gecoacht. Nachdem sich Ewald Lienen in St. Pauli auf den Sportdirektoren-Posten verabschiedet hat, sind die beiden nun die Trainer-Opas der Liga. Gegen den allgemeinen Trend, Jungspunde auf die Trainerbank zu setzen. Wie groß ist denn in Düsseldorf die Sehnsucht nach einem hippen Nerdcoach?

Die Rufe danach sind auch schon bei uns schon laut geworden. Allerdings haben wir ja bereits  einen solchen jungen Trainernerd erlebt. Frank Kramer kam vor zwei Jahren mit vielen Vorschusslorbeeren – und wieder ging es komplett in die Hose. Wir sind in der Beziehung also gebrannte Kinder. Im Moment halten sich die Forderungen nach einem jungen, dynamischen  „Konzepttrainer“ daher in Grenzen.

Wohin wird der Weg der Fortuna denn diese Saison führen?

Das lässt sich noch nicht sagen. Die ersten Spiele waren ansprechend, aber es ist längst noch nicht alles Gold, was glänzt. Richtig gut fand ich nur unseren 3:1-Sieg in Bielefeld im Pokal. In Aue haben wir zwar 2:0 gewonnen, aber da waren wir nur gnadenlos effektiv, die erste Halbzeit war zum Wegschnarchen.

Wie schätzen Sie die Neuverpflichtungen ein?

Wir haben jetzt einige gute Stürmer im Kader: Rouwen Hennings, Emir Kujovic, Harvard Nielsen, und auch Ihlas Bebou ist immer noch da, aller Wechselgerüchte zum Trotz. Die Frage ist halt, ob Friedhelm Funkel auch offensiv genug spielen lässt, damit die Qualitäten dieser Spieler zur Geltung kommen. In Bielefeld jedenfalls haben wir mal mit offenem Visier gespielt, und das hat richtig gut ausgeschaut. Auf jeden Fall sind wir in der Breite besser besetzt als im Vorjahr, und in der Defensive haben Funkel-Mannschaften ja generell wenig Probleme.

Welchen Platz wird das Lautrer Gewächs Jean Zimmer im Team finden? Er kann ja links wie rechts, offensiv wie defensiv.

Ich denke, dass er sich auf der rechten Verteidigerposition durchsetzt. Da spielt seit drei Jahren Julian Schauerte, der hatte auf dieser Position eigentlich noch nie richtige Konkurrenz. Vor allem offensiv traue ich Zimmer mehr zu. Fit ist er auf jeden Fall, das hat man im Pokalspiel schon gesehen. Dass da noch ein bisschen die Abstimmung fehlte, ist verständlich, wir hatten ihn ja erst drei Tage vorher geholt.

Ihr wisst aber schon, dass Zimmer sich langsam zum Seuchenvogel entwickelt, was die Erste Liga angeht? In Lautern ist er am Aufstieg knapp gescheitert. Dann unterschrieb er in Stuttgart, weil er dachte, dort Bundesliga spielen zu können, doch der VfB stieg völlig überraschend ab. Jetzt hat er sich ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga gequält, Stuttgart ist aufgestiegen, hat ihn aber wieder in die Zweite Liga ausgeliehen…

Ob’s bei uns jetzt klappt, weiß ich nicht, das müsste schon extrem gut für uns laufen. Aber vielleicht kann er ja bei uns einen Erstligisten auf sich aufmerksam machen. Er ist ja nur geliehen und wir haben, soweit ich weiß, keine Kaufoption.

Vergangene Saison habe ich zum Gastspiel des FCK in Düsseldorf geschrieben, wenn Meier und Funkel sich begegnen, sei das wie bei einem alten Ehepaar: Sie können sich gegenseitig einfach nicht mehr überraschen. Wird’s am Samstag also ein Unentschieden?

Die Gefahr sehe ich in der Tat auch. Meier und Funkel kennen sich schon so lange, Meier kennt darüber hinaus jeden Zentimeter in unserer Arena, da kann es gut sein, dass sich beide Mannschaften nur neutralisieren. In Bielefeld hat Funkel jedenfalls uns überrascht mit seiner offensiven Spielweise. Vielleicht schafft er das ja auch am Samstag. Mit einem Sieg gegen Kaiserslautern könnten wir unseren ordentlichen Start richtig veredeln, und wenn wir uns in der Hinrunde oben festsetzen können – dann könnte was gehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s