Spielanalyse: Ohne Glück, aber auch ohne Gegenwehr – Lautern droht ein stürmischer Herbst 

Auf dem Betzenberg haben jetzt erst einmal wieder die Schwarzmaler Konjunktur. Nach einem 0:2 bei Fortuna Düsseldorf weist der 1. FC Kaiserslautern nur einen Punkt aus drei Spielen auf und ordnet sich auf den hinteren Rängen der Tabelle ein. Besserung ist nicht unbedingt in Sicht, angesichts des happigen Programms in den nächsten Wochen – und auch des Auftritts insbesondere in den zweiten 45 Minuten, ausgerechnet in einem Stadion, das „Esprit“-Arena heißt, davon war nämlich am wenigsten zu sehen. Statt dessen dürften schon in den ersten Saisonwochen die normaler Weise erst zum Finale üblichen Appelle ans Umfeld anstehen, die Mannschaft zu unterstützen, ohne allzu hohe Ansprüche zu stellen. Und eng zusammenzurücken.

Dabei war dem FCK gerade dies zunächst recht gut gelungen. Cheftrainer Norbert Meier bot im dritten Pflichtspiel hintereinander die gleiche Startelf auf, und die präsentierte sich in den ersten Minuten in der Tat als Einheit, die langsam zusammenwächst – und vor allem eng zusammenrückt. Das Team agiert erneut in dem seit dem 1:1 gegen Darmstadt bewährten 3-4-2-1-System, mit einem konzentriert und früh attackierenden Offensivtrio und einem hoch aufrückenden Defensivverband. Die Düsseldorfer finden erst einmal gar nicht ins Spiel.

SCHON FRÜH IST KLAR: EIN TOR FÄLLT WOHL NACH EINEM RUHENDEN BALL

Erst nach einer runden Viertelstunde gelingen ihnen erste Befreiungsaktionen, nach denen sich der FCK aber ebenso kompakt zurückzieht und in der letzten Linie eine Fünferkette bildet, die sicher steht. Allerdings gelingt auch den Lauteren aus dem Spiel heraus nicht viel. Über den energisch marschierenden Leon Guwara werden über die linke Seite immer mal gute Ausgangssituationen geschaffen, doch bleibt das alte Manko offenkundig: Ab 20 Meter vor dem Tor gelingen den Roten Teufeln einfach keine präzisen Zuspiele. 

Halt, doch, in Minute 25 geht mal was, was zeigt, wie es laufen müsste: Daniel Halfar kommt über rechts und schafft es tatsächlich einmal, mit dem eifrigen, aber im Zusammenspiel ansonsten wie immer limitierten Osayamen Osawe einen Doppelpass hinzubekommen – prompt dringt der Kapitän gefährlich in den Düsseldorfer Strafraum ein, allerdings wird seine Hereingabe abgeblockt.

Ansonsten zeichnet sich schon früh ab, dass ein erstes Tor wohl nach einem ruhenden Ball fallen wird. Lautern leistet sich eine erste Schläfrigkeit nach einer flach (!) hereingegebenen Ecke von Nico Gießelmann auf Rouwen Hennings. Und auf der Gegenseite kommen die Lauterer nach Standard-Flugbällen zwar nicht unbedingt zu Chancen, doch haben die Düsseldorfer auffällige Probleme, diese aus der Gefahrenzone zu schaffen, so dass sich über die zweiten Bälle was ergeben könnte… Also heißt es abwarten, wer sich das erste einschenken lässt.

UND WER KASSIERT DAS ERSTE TOR, WENN BEI KEINEM WAS GEHT? GENAU… 

Und das ist in solchen Fällen meist die „grünere“ Truppe. Und wer hat den jüngsten Kader der Liga? Eben.

In Minute 43 – ja, ja, ja, der „psychologisch wichtige“ Moment vor der Pause – ist es soweit. Lukas Schmitz hat nach einem simplen Einwurf den Ball ewig lange Zeit, seine Flanke zu justieren. Die kommt eexakt, Ihlas Bebou steigt gegen Robin Koch hoch, bleibt in der Luft stehen wie einst Miro Klose – und köpft zum Führungstreffer für die Fortuna ein. Was ist da denn los gewesen?

Sich allein über Koch zu mokieren, wäre zu billig. Bebou macht das wirklich erstklassig, auch in der zweiten Hälfte wirbelt er immer wieder gehörig die FCK-Hintermannschaft durcheinander, kein Wunder, das Freiburg und diverse andere hinter dem Jungen her sind und er das Ende des Transferfensters vielleicht gar nicht mehr in Düsseldorf erlebt.

Das Problem ist der Flankenball. Philipp Mwene orientiert sich zum Einwerfer, ein Mitspieler, der Schmitz attackieren könnte, ist weit und breit nicht zu sehen. Weder der rechte Innenverteidiger Benjamin Kessel, noch einer aus dem Offensivtrio, der in dieser Situation die rechte Seite verstärken müsste, noch einer vom Sechserpärchen Gino Fechner und Mads Albaek. Wieder einmal also ist die Flügelsicherung nicht gelungen, ein Problem, das schon öfter aufgetaucht ist, seit der FCK mit Dreierketten spielt.

KEIN AUFBÄUMEN, KEIN ZURÜCKFIGHTEN – DAS MACHT SORGE

Zu sagen, das wär halt Pech, wenn man eine Halbzeit lang zumindest nicht schlechter war und dann dennoch in Rückstand gerät, wär aber genauso billig. Sowas kommt ständig vor im Fußball, erst recht in der Zweiten Liga, da braucht es eben Fightermentalität, den Willen, zurück zu schlagen. Ein paar hundert Kilometer weiter südlich dreht der MSV Duisburg beispielsweise zur gleichen Zeit einen 0:1-Rückstand in Heidenheim innerhalb von fünf Minuten.

Beim FCK sind solche Qualitäten in der zweiten Hälfte nicht ansatzweise erkennbar – und das ist es hauptsächlich, was sorgenvoll auf die nächsten Wochen blicken lässt. Kein wirkliches Aufbäumen, keine Aggressivität, kein leidenschaftliches Stemmen gegen die Niederlage. Düsseldorf kontrolliert Raum und Gegner, hat vor allem über Bebou immer wieder Konterchancen – und beim 2:0 in der 76. Minute wiederholt sich ein Fehlerbild, das vom Saisonauftakt gegen den 1. FC Nürnberg bekannt ist. Wie weiland Kevin Möhwald darf sich diesmal Florian Neuhaus vor dem Strafraum und mittig zum Tor den Ball zum Torschuss zurechtlegen – Albaek und Kessel können die Lücke nicht schließen.

Danach ist das Spiel erst recht gelaufen. Kurz zuvor war nach Gervane Kastaneer auch Lukas Spalvis eingewechselt worden, so dass die beiden nun mit Osawe einen echten Dreiersturm bildeten. Irgendwelche Effekte lassen sich daraus jedoch nicht mehr generieren. Auch dass Meier in der Schlussphase Mwene auf die linke Verteidigerposition zieht und wieder mit einer Viererkette spielt, beschert keinen Erkenntnisgewinn, nicht in dieser mental längst geschlagenen Mannschaft.

UND JETZT? SYSTEMWECHSEL IST NICHT ANGEZEIGT

Jetzt geht’s zuhause gegen die Taktik-Füchse aus Braunschweig, bei denen zwar derzeit der Haussegen etwas schiefhängt, die dadurch aber kein bisschen weniger gefährlich sind. Und danach muss der FCK zwei Mal hintereinander auswärts ran. Da droht ein stürmischer Herbst. 

Ansatzpunkte für die nähere Zukunft? Erneut das System, vor allem das Pressingmuster zu ändern, wäre riskant. In der ersten Halbzeit hat es ja auch in Düsseldorf gut funktioniert, und wenn man dieses Spielweiter kultiviert, böte es die Chance, daraus endlich die eigene Handschrift zu entwickeln, die dem FCK in der Meier-Ära bislang fehlt. 

Weiter nach dem seit Jahren fehlenden „Knipser“ zu schreien und danach, bis Transferschluss vielleicht doch noch was zu in Sachen Neuverpflichtungen zu unternehmen, dürfte ebenfalls nicht viel nützen. Im Angriffsdrittel müssen erst einmal ein paar Bälle vor dem Tor angekommen, bevor darüber diskutiert werden kann, ob da denn einer ist, der sie reinschießen kann. Im Zusammenspiel des Offensivtrios muss sich was ändern, das gegen den Ball ja überwiegend gut arbeitet – was übrigens auch für den viel gescholtenen Osawe gilt.

Gervane Kastaneer könnte ein Hoffnungsschimmer sein. Möglicher Weise reicht es bei ihm ja langsam mal für einen Starfelf-Einsatz. In der Esprit Arena war der Niederländer der einzige Lauterer, die in Hälfte zwei eine gefährliche Toraktion zustande brachte. Mit einem Kopfball nach Flanke von Fechner, die wirklich schwer zu nehmen war. Das hatte die Qualität, die Bebou auf der Gegenseite immer wieder zur Schau stellen durfte.

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