Kohlis Arschkarte: Wunder gibt es nimmer wieder – denn ohne Moos ist längst nichts mehr los

„Die anderen können nur an Wunder glauben. Wir aber wissen, dass es welche gibt“. Den Satz hat Kohli mal im FCK-Forum von „transfermarkt.de“ geschrieben, wo es der Ausspruch zu einer gewissen Popularität brachte und sogar in diversen Signaturen Einzug hielt. Unlängst hat der User „laudere“ Kohli darauf hingewiesen, dass dieser Satz nun zehn Jahre alt sei, und dass  anlässlich dieses Jubiläums eine Art Revision angezeigt wäre. Tja…

Was also fällt Kohli zum Thema „Wunder“ heute noch ein? Zuletzt gab es nicht einmal im DFB-Pokal mehr welche. Als Drittligist mit zehn Mann den allzeit zu jeder Blamage bereiten Hamburger SV zu putzen, ist respektabel. Aber kein Wunder.

Als Kohli diesen wundersamen Satz einst niederschrieb, wollte er im tristen Zweitligadasein des 1. FC Kaiserslautern an die Meisterschaft von 1998 erinnern – und an die Kalli-Feldkamp-Ära, als die Mannschaft reihenweise 0:2-Rückstände noch in Siege verwandelte. Mittlerweile jedoch hat sich der nächste Generationswechsel in der Anhängerschaft vollzogen. Mittfünfziger,  die diesen Betzenberg-Mythos heraufbeschwören, sehen die jungen Fans heute in einem ähnlichen Licht wie unsereins damals den Opa, der von Stalingrad erzählte.

EIN KLEINER TROST: DAS WUNDER VOM STOLZEN SCHWANENKLUB

Beim FCK jedenfalls scheinen Wunder abgeschafft, und auch beim Blick über den Tellerrand hinaus sind sie kaum auszumachen. Hierzulande kam in den vergangenen zehn Jahren  Darmstadt 98 mit seinen beiden Aufstiegen hintereinander am nächsten an ein Wunder dran, da beide vollkommen überraschend waren. Und es gab sicher auch noch den ein oder anderen, der sich mit bescheidenen Mitteln erstaunlich gut schlug. Wunder, die an das von 1998 heranreichen, waren das jedoch nicht. Auf der Britischen Insel überraschte der Titelgewinn von Leicester, sicher, da lässt sich vielleicht ein Vergleich ziehen.

Ein anderes Fußballmärchen aus dem Vereinigten Königreich faszinierte Kohli allerdings noch viel mehr.

Es war einmal ein viertklassiger Fußballklub, der ein hässliches Entlein war in einem Land, in dem Männer manchmal auch mit Schafen schlafen. Den ritt sein australischer Besitzer einst kurz vor  die Pleite. Steuerschulden von 300.000 Pfund drückten. Doch der Klub hatte Fans, die ihn liebten. Einer schrieb verzweifelt seinem Brieffreund, einem niederländischen Teppichhändler. Der kam prompt über den Kanal geflogen, die beiden legten mit einer Handvoll Gleichgesinnter ihr letztes Erspartes zusammen, zahlten die 300.000 Pfund an den Fiskus und kauften dem gottlosen Australier den Klub ihres Herzens ab – für 25.001 Pfund, wobei sie sich das letzte Pfund in Münzen bereitlegten und dem Ungut vor die Füße schleuderten. Anschließend machten sie das hässliche Entlein zum stolzen Schwan. Sie marschierten mit ihm bis in die Premier League. Und dort hielten sie ihn, obwohl sie den kleinsten Etat von allen hatten. Denn die anderen Klubs ließen sich in dieser Zeit alle von Russen und Kalifen aus dem Morgenland kaufen.

Die Besitzer des stolzen Schwanenklubs wurden gefragt, was sie denn antworten würden, falls ihnen ein Kalif ein solch unmoralisches Angebot unterbreitete, und sie antworteten mit breiter Brust:

„Fuck you very much.“

Ein Märchen, fürwahr. Und es kündet durchaus von einem Wunder.

VON WEGEN „GLOBAL THINKING“: GELDGEBER AUS DER REGION SIND DIE FRIEDLICHSTEN

Es zeigt aber auch: Mehr denn je ist die Voraussetzung dafür, dass auf dem Rasen Wunder geschehen können, geregelte finanzielle Verhältnisse.  Und Menschen an Vereinsspitze, die aus weniger Geld mehr machen als andere aus unendlich viel Kohle. Das sind die eigentlichen Wunder.

Doch die Beträge heute sind andere geworden. Ginge es noch um Größenordnungen wie 300.000 Pfund, könnte die „Südpfalzinitiative“ den FCK übernehmen und in eine bessere Zukunft führen, so viel Herzblut wie im Anhang des Schwanenklubs wäre allemal vorhanden. Faktisch aber ist es ausgeschlossen, dass der große Geldgeber, nach dem FCK-Vorstand Thomas Gries derzeit so fieberhaft fahndet, aus der Region kommt. Das ist bedauerlich, denn „Global Thinking“ hin oder her – Investoren aus der unmittelbaren Nachbarschaft sind immer noch die, die mit dem Klubanhang am ehesten in Frieden leben. So wie „flyeralarm“-Chef Thorsten Fischer in Würzburg. Oder die Schwaben und der Stern von Stuttgart.

Ansonsten ist auffällig: Nicht nur in der Pfalz, allerorten sehnt man sich derzeit nach Investoren, obwohl sich die Problemfälle häufen. Über den unseligen Ismaik und unsere armen Freunde vom TSV 1860 München müssen wir hier ja wohl kein Wort mehr verlieren. Doch auch Aufsteiger Jahn Regensburg versucht derzeit, seinen Investor Schober wieder loszuwerden, nachdem er wegen Insolvenz und Betrugsverdacht ins Visier der Staatsanwalt geraten ist. Und der mächtige Kind von Hannover 96, für den der deutsche Fußball eigens seine „50 + 1“-Regel aufgeweicht hat, muss derzeit von der Polizei vor den eigenen Fans geschützt werden.

Die sportliche Leitung des allzeit blamagebereiten Hamburger SV muss sich dagegen gefallen lassen, von ihrem 80-jährigen Gönner Kühne öffentlich abgewatscht zu werden. Gerade hat der kritische Greis behauptet, Todt und Bruchhagen lebten „in der falschen Chaussee“, denn:  „Die Luschen bleiben immer hier hängen.“ Tz, tz, tz…

Was die Frage aufwirft: Wie könnte/sollte/dürfte/müsste eigentlich der Investor aussehen, der dem FCK den Allerwertesten rettet? Und wo soll er herkommen?

EIN CHINESE, DER PARMA-SCHINKEN LIEBT? DAS IST JA WOHL KÄSE

Die „Süddeutsche“ schrieb unlängst über einen netten Herren namens Jiang Lizhang, der in China zu ein paar Millionen gekommen ist und nun in den darniederliegenden AC Parma investiert, auf dass er wieder zu alter Größe in Italiens Seria A findet. Gefragt, weshalb er sich denn ausgerechnet in Parma engagiere, meint er:  „Es ist eine schöne Stadt mit großer Vergangenheit.“ Klingt das nicht zu schön, um wahr zu sein? Vermutlich nascht er auch gerne von dem berühmten Schinken.

Obwohl: Asiaten sind auch sonst schwer angesagt im Moment. Und das nicht nur, weil sie ganz gerne mal Flughäfen kaufen. Sympathischer als Ölscheichs sind sie ohne Frage. Der „Owner“ von Man City etwa hat auch nur noch Krach mit den eigenen Fans, und der Großmufti, der die Petrodollars für den 222-Millionen-Transfer von Neymar nach Paris klargemacht hat, hat das angeblich getan, um das Image von Katar aufzupolieren. Wenn das mal nicht überambitioniert war.

Eine Blitzumfrage in Kohlis Kraftsportgruppe hat nämlich gerade ergeben, dass 100 Prozent der Befragten Katar immer noch brechreizerregend finden. Und dass Finanzkräfte aus Katar auch das Biebricher Reitturnier unterstützen, beeindruckt uns ebenfalls nicht. Wir hätten lieber die Pferdemetzgerei Härting als Hauptsponsor gesehen.

Dann schon lieber „eine schöne Stadt mit großer Vergangenheit.“

Gesucht wird also ein stiller, freundlicher und warum auch immer millionenschwerer Chines, der sich mit Saumagen, einer Kiste Kallstadter Kobnert und einer DVD von „Das Wunder von Bern“ anfixen lässt. Die gibt es, doch, doch. „Wir bekommen wöchentlich Anfragen von Chinesen“, wird Klaus Filbry, Geschäftsführer von Werder Bremen, im „Manager Magazin“ zitiert. Vielleicht kann er einen seiner Interessenten ja mal nach Kaiserslautern weiterverweisen. Wen, ist egal. Sehn doch eh gleich alles aus.

Der Mann wird dann souverän asiatisch lächelnd auf der VIP-Tribüne im Fritz Walter-Stadion sitzen und ab und zu Sachen sagen wie: „Del Ball muss ins Tol, alles andele ist Kokololes.“ Und die fußballerisch Halbgebildeten, die um ihn herum scharwenzeln, werden beifällig nicken und denken, das sei von Konfuzius. Stimmt ja auch fast.

WEDER SCHEICH NOCH CHINES? WIE WÄR’S DANN MIT EINEM RUSSEN?

Verflucht nochmal, ist es das Alter oder was auch immer, aber irgendwas an dieser Vision stimmt Kohli argwöhnisch. Das mit der Liebe zu schönen alten Städten klingt doch sehr geschleimt. Kann es tatsächlich derart liebenswerte Chinesen geben, hat es sie jemals gegeben? Wie soll Hop Sing aus „Bonanza“ zu so vielen Millionen gekommen sein?

Der „Spiegel“ hat unlängst unter Berufung auf „Football Leaks“ über chinesische Investoren berichtet, hinter denen in Wahrheit Wettunternehmen stecken, die auf Sicht Reibach mit Manipulationen machen wollen…  Okay, dann wird es in der Tat wieder wundersam aufgeholte 0:2-Rückstände am Betzenberg geben, aber so wundersam?

Mensch, Kohli, du und deine verdammte Paranoia…

Wie wär’s statt dessen mit einem Russen? Abramowitsch und Chelsea, das funktioniert schließlich schon seit Jahr und Tag. Der Klub heimst ab und zu mal einen Titel ein, Abramowitsch kümmert sich um seine anderen Geschäfte. Und immer auch mal um eine Scheidung. Die letzte soll ihn 100 Millionen Euronen mehr gekostet haben, als Paris für Neymar gelatzt hat… Worauf einige bekanntlich fragten:  Wann wird im Fußballzirkus die Milliarde geknackt? Kohli wagt zu behaupten: Spätestens, wenn Abramowitsch sich von Neymar scheiden lässt. Ist schließlich kein Tabu-Thema mehr. Aber ein Wunder wär auch das nicht.

DAS MODELL MONACO: ZUR NACHAHMUNG NUR SEHR BEDINGT EMPFOHLEN

Interessant ist das Modell, welches der russische Oligarch Dimitrij Rybolowlew beim AS Monaco installiert hat. Er kooperiert eng mit dem portugiesischen Spielervermittler Jorge Mendes, der den monegassischen Klub als Durchlauferhitzer für internationale Talente etabliert hat. Allein im Sommer hat der Klub rund 100 Millionen Transferplus erwirtschaftet, und bis zum Transferschluss Ende August könnte noch das Sahneschnittchen Kylian Mbappé über die Theke gehen und den Betrag locker verdoppeln bis verdreifachen. Trotz dieser philosophiebedingten Personalfluktuation – seit 2011 tätigte Monaco über 200 Transfers – spielt die Mannschaft attraktiv und erfolgreich, ist jetzt gerade als Meister in die neue Saison gestartet.

Ein Investor, der sich an den Marktwertsteigerungen der von ihm gekauften Spieler bereichert? Klingt vielleicht unromantisch, im Vergleich zu scheinheiligem Schöne-Stadt-Geschleime aber glaubwürdig. Und ist auf jeden Fall ehrenwerter, als mit einer Mannschaft Wettmanipulationen zu initiieren.  Erlaubt ist es trotzdem nicht.

Davon abgesehen: Monte Carlo hat für einen russischen Milliardär vermutlich einen höheren Glamourfaktor als Kaiserslautern. Außerdem ist Monaco ein Steuerparadies, da kann halt mehr gedreht werden als anderswo. Rybolowlew und Mendes wickeln ihre Rechtegeschäfte daher über einen Investmentfond namens Browsefish Limited ab, der dafür sorgt, dass alle Beteiligten bekommen, was sie sich ausgerechnet haben. Und den man sich vielleicht nicht unbedingt näher anschauen sollte. Aber der hat seinen Sitz ja auf Zypern – und da will eh niemand hin.

Zwischenfazit: Schon einen moralisch und rechtlich unbedenklichen Investor zu finden, wäre ein Wunder. Und bis dahin brauchen wir über welche auf dem Platz nicht zu reden.

HILFT TROTZDEM ALLES NICHTS: DER FCK MUSS SICH WANDELN

Der 1. FC Nürnberg hat gerade beschlossen, seine Ausgliederung, die den Einstieg eines Investors ja erst möglich macht, solange zu vertagen, bis ein ebensolcher Investor gefunden ist. Klingt vernünftig. Die Frage ist nur, ob der FCK noch solange Zeit hat. 2019 muss er die sechs Millionen Euro aus der Fananleihe zurückzahlen, die er 2013 aufgenommen hat. Geld, das längst nicht mehr da ist.

Eine Lösung könnte sein, die Leih- in Anteilsscheine umzuwandeln, falls der FCK seine Profiabteilung bis dahin in eine Kapitalgesellschaft gewandelt hat. Den Plan hat Lauterns Vorstandschef Thomas Gries unlängst gegenüber dem „Finance Magazin“ erörtert. Von daher gilt es, so bald wie möglich die Weichen dafür zu stellen. Am besten schon auf der nächsten Jahreshauptversammlung. Denn sonst wird’s endgültig keine Wunder auf dem Betzenberg mehr geben. Und auch keine Märchen.

Apropos: Was ist eigentlich aus dem stolzen Schwanenklub geworden? Aufmerksamen Lesern ist sicher nicht entgangen, dass in der Schilderung eingangs das „Und wenn sie nicht gestorben sind…“ fehlte.

DES MÄRCHENS ZWEITER TEIL: AM END HAT IHN DAS GELD GEF…

Nun, gestorben sind sie nicht, die Väter dieses Wunders. Aber 2016 haben sie 60 Prozent der Anteile ihres Vereins dann doch verkauft. Nicht an einen Scheich, okay, sondern an ein US-amerikanisches Konsortium. Immerhin: 21 Prozent der Anteile halten die Fans in einem „Supporter Trust“. Ein solches Modell strebt auch der FCK an.

Und der niederländische Teppichhändler? Hat seine Anteile verkauft. Für die 60.000 Euro, die er einst investierte, hat er 2016 rund 8,5 Millionen Euro ausgezahlt bekommen. So viel zum Thema „Fuck you very much.“ Am Ende hat ihn das Geld gef…

Stopp. Jetzt, wo Kohli mit einer seriösen Verlagsanstalt kooperiert, muss er sich ein wenig gewählter ausdrücken. Schließen wir daher mit der Prophezeiung, die der brennende Dornbusch aus dem schwarzen Wald jüngst verkündete:

„Der Gott des Geldes wird alles verschlingen.“

Da bekommt Kohli sogar Gänsehaut, selbst wenn der Ausspruch mit badischem Zungenschlag dahergesagt wird.

Andererseits: Wer sich vom Geld nicht verschlingen lässt, läuft Gefahr,  ganz hundsordinär pleite zu gehen. Oder? Ein Wunder wär’s jedenfalls nicht.

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