Fanblog: „Wenn wir hart genug arbeiten, werden wir auch Ertrag ernten“ – Im Gespräch mit Marcel Correia

Nein, zu den Wandervögeln im Fußballzirkus zählt Marcel Correia wirklich nicht. Sechs Jahre stand der Innenverteidiger bei Eintracht Braunschweig unter Vertrag, ehe er im Sommer zu seinem Heimatverein zurückkehrte – und auch hier ist er hergekommen, um „einen langen Weg mitzugehen“, wie er selbst sagt. Die Erfahrung des 28-Jährigen aus 95 Zweit- und 19 Erstligaspielen kann der 1. FC Kaiserslautern gut gebrauchen, und nach dem Weggang von Robin Koch zum SC Freiburg unter der Woche ist gerade auch eine Planstelle im Defensivverband frei geworden. Noch hat der Sohn aus Lauterns großer portugiesischer Gemeinde kein Pflichtspiel in der ersten Mannschaft der Roten Teufel bestritten – die Braunschweiger warben das Talent 2011 aus der Zweiten Mannschaft ab. In den ersten Saisonbegegnungen fiel er noch wegen einer Innenbandverletzung aus. Ob es nun am Montagabend (20.30 Uhr) soweit ist – ausgerechnet gegen Eintracht Braunschweig? Marcel Correia jedenfalls ist bereit.

Hallo, Marcel, nach sechs Jahren in Niedersachsen bist du jetzt zurück in der Pfalz. Wie es heißt, auch aus familiären Gründen, nach deiner Heirat im Sommer…

Die familiären Gründe waren nicht allein ausschlaggebend, haben aber auch eine Rolle gespielt. Meine Eltern und die Eltern meiner Frau leben hier. Mit meiner Heirat hat mein Wechsel weniger zu tun, schließlich waren wir schon vor der Hochzeit elf Jahre zusammen. Aber wir wollten wieder weiter im Süden Deutschlands leben, das stimmt schon.

Du bist in Kaiserslautern geboren, hast aber einen portugiesischen Pass. Wie weit reichen deine portugiesischen Wurzeln in der Pfalz denn zurück?

Meine Großeltern mütterlicherseits sind in den 1970er Jahren als Gastarbeiter nach Kaiserslautern gekommen, haben in den Pfaff-Werken und in der Kammgarn-Fabrik gearbeitet. Später gingen sie in ihre Heimat zurück. Dort hat meine Mutter meinen Vater kennengelernt – und ihn überredet, es auch mal in Deutschland zu versuchen. Und etwa ein Jahr, nachdem sie hierher kamen, wurde ich geboren.

Unterhältst du viele Kontakte in dein Heimatland, in dem du nicht geboren bist?

Ja, zu meinen beiden Großvätern. Als Kind war ich in den Sommerferien immer mal für vier, fünf Wochen am Stück in Portugal, als ich dann Fußballprofi wurde, wurde die Zeit jedoch knapper. Jetzt bin ich schon vier Jahre nicht mehr dort gewesen.

Und wie verfolgst du den portugiesischen Fußball?

Den nehme ich genauso intensiv wahr wie den deutschen. Ich lese portugiesische Zeitungen und schaue fern, vor allem wenn Benfica Lissabon spielt, meine Lieblingsmannschaft. Jetzt, in Kaiserslautern, werde ich das sogar mit noch mehr Freude tun, denn auch mein Vater teilt diese Leidenschaft.

Benfica? Dein Verein hat in der jüngster Vergangenheit gute Kontakte ausgerechnet zum Lokalrivalen Sporting geknüpft, Ewerton und Lukas Spalvis geliehen…

Ich bin da nicht so. Ewerton habe ich ja nicht kennengelernt, aber Spalvis ist ein wirklich netter Zeitgenosse. Das passt schon.

In Kaiserslautern befindet sich immer noch eine der größten portugiesischen Gemeinden in Deutschland. Vor zehn Jahren haben mit Ricky Pinheiro und dir gleich zwei portugiesische Jungs den Sprung ins Fußballgeschäft geschafft, seitdem kamen keine Talente mehr aus dieser Ecke. Warum nicht?

Das lässt sich schwer sagen. Ich denke, es war eine absolute Ausnahme, dass mit Ricky und mir damals zwei Jungs fast zeitgleich den Sprung schafften. Zu Ricky habe ich auch immer noch einen guten Kontakt und bin Patenonkel seines Sohnes. Profi werden ist eben nicht einfach, es ist einerseits ein Privileg, andererseits aber harte Arbeit. Und manchmal schaffen es selbst Jungs, die viel investieren, nicht. Du brauchst auch Glück, musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Für dich war Braunschweig lange Zeit der richtige Ort. Sechs Jahre als Profi in einem Klub, das ist selten geworden. Wolltest du nie weg?

Ich hatte vor zwei Jahren mal ein Angebot aus der Bundesliga, das ich aber ausgeschlagen habe. Ich bin jemand, der es zu schätzen weiß, in einem gut geführten Verein in Ruhe arbeiten zu können. Und in Braunschweig mit seinem familiären Umfeld habe ich mich immer sehr wohl gefühlt.

Es heißt, dass Spieler heute nicht mehr längerfristig bei einem Verein bleiben, liegt an den Beratern, für die es fast immer lukrativer ist, den Wechsel eines Schützlings zu forcieren. Hast du solche Erfahrungen nicht gemacht?

Also, ich habe einen Berater, der meinen Willen und meine Entscheidungen stets respektiert und der mich nie zu etwas drängen würde. Deswegen arbeite ich ja auch schon zwölf Jahre mit ihm zusammen. Loyalität ist für mich ganz wichtig.

Die letzten beide Jahren musstest du dich viel mit Verletzungen quälen. In den Datenbanken ist von einer „Sprunggelenksverletzung“ die Rede. Ist das immer ein und dieselbe Verletzung gewesen? Und warum war sie so langwierig? 

Also, es waren tatsächlich zwei Sprunggelenksverletzungen, eine links und eine rechts. Und sie resultierten beide Male aus unglücklichen Unfällen – und nicht etwa daraus, dass mein Körper versagt hat oder so. Und sie ereigneten sich fast exakt im Abstand eines Jahres, die eine am 6., die andere am 13. März – eine wirklich verrückte Geschichte. Jetzt ist aber endlich alles ausgestanden.

Das heißt, du bist jetzt wieder zu einhundert Prozent fit?

Ich habe keine Schmerzen mehr, bin voll ins Mannschaftstraining integriert und habe keinerlei Probleme, an die Leistungsgrenze zu gehen. 100 Prozent fit kann ich aber erst werden, wenn ich Spielpraxis bekomme. Daran arbeite ich jetzt als nächstes. Ich denke, ich bin auf einem guten Weg.

Ihr habt erst einen Punkt in drei Spielen geholt, da herrscht schon wieder Unruhe im Umfeld, sonst wäre der Betze nicht der Betze. Andererseits war klar, dass nach diesem Sommer nicht alles gleich rund laufen würde. Jetzt heißt es, Nerven behalten. Haltet Ihr diesem Druck stand?

Das werden wir. Klar hatten wir uns mehr vorgenommen, als nur einen Punkt zu holen, aber es hat halt nicht geklappt. Wir brauchen Zeit. Wir hatten wieder einen Umbruch im Sommer, viele Neuzugänge, die auf einem unterschiedlichen Fitnesslevel nach Kaiserslautern kamen. Ich jedenfalls bin hier, um diesen langen Weg mitzugehen, und lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass es nicht nur Höhen gibt, sondern dass man immer auch mal Talsohlen durchschreiten muss. Ich sehe aber, was unsere Mannschaft investiert, um da rauszukommen. Von daher bin ich positiv gestimmt.

In den Fanlagern herrscht gerade nicht annähernd so viel Optimismus…

Ich kann die Fans ja verstehen. Ich denke, 80 bis 90 Prozent der Zuschauer, die zu uns ins Stadion kommen, haben die Meisterschaft 1998 noch erlebt und Champions League-Spiele auf dem Betzenberg gesehen, da stellt man eben Ansprüche. Aber man muss halt auch sehen, wo der Verein im Moment steht. Es liegt jetzt uns, das Ganze wieder in Bahnen zu lenken, die dieser Verein verdient hat. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Aber wenn wir hart genug arbeiten, werden wir auch einen Ertrag ernten.

In der zweiten Hälfte beim 0:2 in Düsseldorf hatten viele Beobachter nicht den Eindruck, dass die Mannschaft hart genug arbeitet, um nach dem Rückstand zurückzukommen. Wie hast du das auf der Bank wahrgenommen?

Zunächst mal habe ich eine gute erste Hälfte von uns gesehen. Leider sind wir nicht in Führung gegangen. Nach dem Rückstand haben wir den Faden verloren, das stimmt. Eine gefestigte Mannschaft entwickelt auch in so einer Situation Automatismen und Strukturen, um wieder ins Spiel zu finden. Wir aber sind gegenwärtig noch in einer Phase, da klappt noch nicht alles. Aber wir haben uns unsere Fehler angeschaut und analysiert. Gegen Braunschweig wird es besser, da bin ich sicher. Vor allem, wenn wir es schaffen, mal in Führung zu gehen.

Du hast also ein gutes Gefühl für Montag?

Und ob. Weil ich weiß, was in diesem Stadion möglich ist und weil ich das Potenzial unserer Mannschaft kenne.

Wirst du als Braunschweig-Insider auch in die Vorbereitung auf den Gegner einbezogen?

Bislang haben die Trainer mich noch nicht gefragt, und ich glaube auch nicht, dass sie meine Hilfe brauchen, denn sie kennen die Zweite Liga mehr als gut. Wenn ich aber dennoch was tun kann – gerne.

2 Gedanken zu “Fanblog: „Wenn wir hart genug arbeiten, werden wir auch Ertrag ernten“ – Im Gespräch mit Marcel Correia

  1. Wirkt durch seine Antworten recht aufgeschlossen er Herrn keine 0815-Antworten. Ist schonmal sympathisch. Vielleicht agiert er auf dem Platz ja ähnlich souverän. Wirkte er im Gespräch auch so oder kommt das nur im Geschriebenen so rüber?

    Gefällt mir

    • Vor allem wirkt er wie einer, der nicht nur für zwei Jahre gekommen ist, um seine Karriere wieder in Schwung zu bringen und dann an den nächst fetteren Fleischtopf weiterzuziehen. Er scheint in Lautern wieder Wurzeln schlagen zu wollen und könnte ein Leader für die nächsten vier, fünf Jahre sein. Über die Persönlichkeit und die fußballerische Qualität dafür verfügt er auf jeden Fall.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s