Gästeblog: „Unter Stefan Kuntz waren wir kurz vor einer Vertragsverlängerung“ – Im Gespräch mit Markus Karl

Von Januar 2013 bis Mai 2016 trug er das Trikot des 1. FC Kaiserslautern. Insgesamt 104 Mal, dabei erzielte er als defensiver Mittelspieler sieben Treffer, bereitete sieben weitere vor. Er war zeitweise Kapitän, zählte aber zu stets zu den wenigen Leadern, die dem verzweifelt um den Wiederanschluss nach oben ringenden Zweitligisten noch erhalten geblieben waren. Als bekannt wurde, wohin er wechselte, lächelten viele im Fanlager  mehr säuerlich als süß – ausgerechnet zum SV Sandhausen, der „FCK-Filiale“, die schon so viele ehemalige Rote Teufel eingesammelt hat. Und die vor dem sechsten Spieltag dieser Saison bereits satte sechs Punkte und elf Tabellenplätze vor der „Zentrale“ rangiert. Seinen alten Kameraden auf dem grünen Rasen wiederzubegegnen, ist Markus Karl bislang noch nicht so recht geglückt. Im Hinspiel der vergangenen Spielzeit kam er nur 13 Minuten zum Einsatz, im Rückspiel gar nicht. Zum Treffen am Samstag (13 Uhr) in Sandhausen hat er gegenwärtig allerdings beste Chancen, von Anfang an dabei zu sein – bislang jedenfalls stand der 31-jährige in allen Pflichtspielen in der Startelf. Davor hat sich Markus Karl noch ein paar Minuten Zeit genommen, ein paar Fragen des FCK-Blogwarts zu beantworten.

Hallo, Markus, bislang ist die Saison für Euch eine Berg- und Talfahrt gewesen. Am 3. Spieltag ein spektakuläres 4:0 in Dresden, dann eine 1:2-Niederlage zuhause gegen Düsseldorf, jetzt ein ordentliches 1:1 bei Topteam Braunschweig. Denkst du, dass Ihr Euch jetzt einigermaßen stabilisiert habt?

So kritisch sehe ich das gar nicht. Die Punkteausbeute ist absolut okay, mit etwas Glück hätten wir sogar noch mehr Punkte erreichen können, grade, wenn man an die späten Gegentore in Kiel und gegen Fortuna Düsseldorf denkt.

Es war ja zu Saisonbeginn schon klar, dass die Liga diesmal keinen klaren Topfavoriten hat. Dass nach fünf Spieltagen die Düsseldorfer vorneweg marschieren, die in der vergangenen Saison noch gegen den Abstieg spielten, überrascht nun allerdings doch. Sowohl Lautern als auch Sandhausen haben schon gegen Düsseldorf verloren, ihr sogar zuhause. Wo siehst du die Stärken der Fortuna?

In unserem Spiel war Düsseldorf nicht besser. Zudem haben sie in drei Spielen jeweils kurz vor Schluss den Siegtreffer erzielt, das ist natürlich nicht nur Glück, sondern auch Qualität. Und natürlich haben sie eine hohe individuelle Qualität, wenn das so bleibt, können sie zumindest bis zum Winter weiter vorne mitspielen.

Gegen Lautern wollt Ihr sicher nicht das zweite Heimspiel in Serie verlieren. Was wollt Ihr gegen den FCK besser machen als gegen Fortuna?

Wir müssen sehr konzentriert kompakt verteidigen, so wie die letzten Spiele auch,  und gegnerische Chancen noch konsequenter verhindern. Und nach vorne müssen wir versuchen, unsere Torgelegenheiten noch besser zu nutzen.

Seit der Rückrunde der vergangenen Saison wirst du öfter auch als Innenverteidiger eingesetzt. War das eine große Umstellung für dich?

Nein, es ist ja eine ähnliche Position. Man läuft vielleicht etwas weniger, aber dafür ist die Verantwortung in der letzten Kette noch etwas größer. Generell macht es macht keinen großen Unterschied.

Wie unterscheiden sich die Rollen für dich? 

Ich denke, als Mittelfeldspieler sind auf jeden Fall die läuferischen Ansprüche höher.

Du wirst gemeinhin als „rustikaler“ Spieler bezeichnet. Interessant ist aber, dass du mit Kosta Runjaics ballbesitzorientiertem Fußball in Lautern sehr gut zurecht gekommen bist, ein echter Leader warst. Siehst du deine fußballerischen Qualitäten manchmal falsch ein-, um nicht zu sagen unterschätzt?

Was andere sagen, ist mir egal. Ich weiß, dass ich einen gepflegten Ball spielen kann und das möchte ich ins Spiel einbringen, wie insgesamt meine Stärken. Das ist doch von entscheidender Bedeutung. Und über 250 Pflichtspiele im Profibereich absolviert man wohl kaum als Holzfuß, oder? (grinst)

Würdest du sagen, dass die Spielzeiten unter Runjaic die besten in deiner Karriere waren?

In diesen Jahren lief es sehr gut, für mich und den Verein, am Ende hat es leider nicht ganz gereicht für uns. Aber diese Saison macht es ähnlich viel Spaß, ich hoffe,  dass es so weiter geht.

Da hattest in Lautern einen Riesenstanding im Team und bei den Fans, dennoch kam es 2016 zu keiner Vertragsverlängerung. Warum nicht? Hat sich der Verein nicht genug um dich bemüht?

Es gab kein Angebot seitens des Vereins. Unter Stefan Kuntz waren wir kurz vor einer Vertragsverlängerung, aber der Aufsichtsrat hat sein Veto eingelegt.

Wie verfolgst du den FCK jetzt noch? Schaust du dir Live-Spiele im Fernsehen an oder doch eher nur die Zusammenfassungen?

Ich wohne ja noch in Kaiserslautern und wenn wir nicht parallel spielen, schaue ich mir die Spiele an. Aber ich schaue ja auch die anderen Zweitligaspiele, weil alle unsere Konkurrenten sind, da ist der FCK keine Ausnahme.

Wie schätzt du die Situation in Lautern aktuell ein?

Ich denke, sie durchlaufen eine schwierige Phase, allein die Punktausbeute zeigt dies. Und natürlich hoffe ich, dass sich das nicht ausgerechnet jetzt ändert, wenn sie gegen uns spielen.

Du bist in Niederbayern geboren, hast auf deinem Karriereweg Deutschland ziemlich komplett durchwandert. Warst in Hamburg und Berlin, aber auch in Ingolstadt und Fürth. Wie hast du das mit deiner Familie gehandhabt? Ist sie immer mit dir mitgezogen und musstest du viel pendeln?

Meine Frau habe ich in Ingolstadt kennengelernt, da hatte ich ja schon ein paar Stationen hinter mir. Seitdem begleitet sie mich überall hin, zumal wir mittlerweile ja auch Familie haben.

Dein Vertrag in Sandhausen läuft nächstes Jahr aus, dann bist du 32. Hast du schon Pläne darüber hinaus?

Nein, noch nicht. Auf jeden Fall möchte ich noch weiter spielen, solange ich fit bin, so zwei, drei Jahre dürfen es ruhig noch sein. Danach bin ich nicht festgelegt, würde aber gerne im Fußballumfeld bleiben.

Viele Spieler nutzen den – vermutlich – letzten Vertrag ihrer Karriere, um nochmal ins Ausland zu gehen. Im Moment saugt beispielsweise der chinesische Markt viele Spieler aus Europa auf. Wär das auch eine Option für dich? 

Nein, im Moment zumindest nicht. Ich habe im letzten Jahr auch ein Angebot aus dem Ausland abgelehnt (aus der Schweiz, Anm. der Red.). Aktuell sehe ich da keine Tendenzen und möchte auch gerne bei meiner Familie bleiben, aber wer weiß im Fußball schon, was noch alles kommt?

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