Gästeblog: Findet Union zurück in die Erfolgsspur – oder stricken Lauterns Aushilfstrainer die Legende von Alex und Paula?

Nein, für Feingeister sind es derzeit keine wirklich schönen Zeiten. Da sitzt zum Auswärtsspiel in Berlin am Montag (20.30 Uhr) doch tatsächlich ein Interimstrainer namens Paula auf der Bank des 1. FC Kaiserslautern. Aber es findet sich unter seinen Mitreisenden partout keiner mit dem Vor- oder Nachnamen „Paul“. Sonst hätten wir für den Fall eines FCK-Erfolgs an der Alten Försterei an dieser Stelle schon mal Titelschutz beantragt für die Überschrift „Die Legende von Paul und Paula“, nach dem Klassiker aus dem an Klassikern nicht gerade reichen Filmschaffen der ehemaligen DDR. Hätte so gut gepasst, vor allem im Zusammenhang mit Ostberlin. Schade. Andererseits: Ist es nicht sehr vermessen, vor diesem Spiel über einen Auswärtserfolg des in dieser Saison noch sieglosen Tabellen-18. zu spekulieren?
Immerhin: Auch bei den Berlinern läuft es derzeit nicht rund. Sie haben seit fünf Spieltagen nicht gewonnen. Und das, nachdem sie mit einem 0:1-Auswärtssieg in Ingolstadt und einem anschließenden 4:3-Spektakel gegen Holstein Kiel traumhaft in die Saison gestartet waren. Die „Eisernen“ schienen zu bestätigen, was aufmerksame Ligabeobachter prophezeit hatten: Dass sie unter den zahlreichen Mitfavoriten auf die Aufstiegsplätze der „Primus inter pares“ sind – von einem Topfavoriten darf diese Saison ja nicht gesprochen werden.

DIE ZEICHEN STANDEN AUF GIPFELSTURM

Dafür sprach ja auch einiges. Die Mannschaft hatte die vergangene Spielzeit auf Platz 4 abgeschlossen, im Sommer keinen wirklich wichtigen Spieler abgegeben, dafür aber einige erfahrene und einige talentierte Kicker geholt, von denen erwartet werden durfte, dass sie den Kader breiter und stärker machen: den Ex-Lauterer Marc Torrejon kam aus Freiburg, Atsuto Uchida aus Schalke, Akaki Gogia aus Dresden, Grischa Prömel aus Karlsruhe, Marcel Hartel aus Köln. Mit einem Gesamtmarktwert von 21,85 Millionen Euro attestiert das Fußball-Portal transfermarkt.de Union Berlin mittlerweile den zweitwertvollsten Personalstamm des Unterhauses. Fans, aber auch die zu mehr Objektivität verpflichteten Berliner Medien waren zuversichtlich, dass die Eisernen sich mit einer weiter gewachsenen Mannschaft, die das Offensivkonzept von Trainer Jens Keller nun noch stärker verinnerlicht hat, schnell an die Tabellenspitze setzen würden.

In den vergangenen fünf Partien jedoch stimmten die Ergebnisse nicht, Union dümpelt aktuell mit neun Punkten auf Rang 10. Ernüchterung will derzeit aber gar nicht in die Atmosphäre an der Alten Försterei passen. 13 Jahre, nachdem der umtriebige Unternehmer Dirk Zingler den Klub am Rande des Abgrunds übernommen und nach und nach an der Spitze der Zweiten Liga etabliert hat, vollzieht sich gerade der nächste große Schritt im Osten der Hauptstadt: der Ausbau des Kultstadions, der dem Klub neue wirtschaftliche Möglichkeiten erschließen, ihm aber dennoch den Charme des Arbeitervereins bewahren soll.

Nur 8.286 Sitzplätze sind vorgesehen, also nur wenig mehr, wie die DFL zwingend vorschreibt. Der Hexenkessel wird lediglich um einen Oberrang erweitert, der die Stehplatzkapazität von aktuell 18.400 auf 28.700 erhöht. Die Fantribüne hingegen wird nicht erhöht, so dass der Charakter eines offenen Hauses bewahrt bleibt, von der Licht- und Frischluftzufuhr mal abgesehen, für die sich vor allem auch der Greenkeeper bedankt. Das Ganze ist zwar so finanziert, dass der Klub den Ausbau auch als Zweitligist stemmen kann, die Berliner Fanherzen, sofern sie für Union schlagen, sind angesichts dieser Weichenstellung jedoch auf mehr programmiert.

NEUN PUNKTE NACH SIEBEN SPIELEN – DIE HÄTTE SO MANCHER GERNE

Woran es bislang hängt, ist für einen externen Beobachter kaum vernünftig zu analysieren. Selbst die union-nahen Journalisten sind sich nicht einig: Die Berliner „Bild“ beispielsweise ist der Ansicht, dass es zu wenig Konkurrenzkampf im Kader gäbe, weil acht von zehn Feldspielern ihren Platz in der Startelf quasi sicher hätten. Die B.Z. wiederum titelte nach der jüngsten 0:1-Auswärtsniederlage in Sandhausen, „Union rotiert sich in den Keller“.

Dabei hatte der Trainer auf die angeschlagenen Toni Leistner und Felix Kroos unfreiwillig verzichtet. Allerdings hatte er Verteidiger Christopher Trimmel, der in der vergangenen Saison den heutigen Lauterer Benjamin Kessel verdrängte, 90 Minuten auf der Bank schmoren lassen, die normaler Weise gesetzten Stürmer Sebastian Polter und Simon Hedlund erst nach einer Stunde eingewechselt. Was andererseits nun Raum für Spekulationen eröffnet, wer denn nun am Montag zum Anpfiff aufläuft, zu einem Kick, der in verschiedenen Berliner Medien verschiedentlich schon als „Schicksalsspiel“ apostrophiert wird.

Eine Überspitzung, die leidgeprüfte Lauterer nur melancholisch lächeln lässt: Neun Punkte mit lediglich zwei Niederlagen hätten sie nur allzu gerne auf ihrem Konto stehen. Und aus dem Umstand, dass ein Gegner angeschlagen ist, haben die Pfälzer in der Vergangenheit selten Nutzen ziehen können, vielmehr haben sie sich den Ruf eines idealen Aufbaugegners erworben.

„GEGENENTWURF ZU MEIER“ WIRD GESUCHT – RUNJAIC IST ES NICHT

Dass Manfred Paula und Alexander Bugera die Pfälzer am Montagabend coachen werden, gilt mittlerweile als so gut wie sicher. Die Ankündigung, dass der Nachfolger des am Mittwoch verabschiedeten Norbert Meier sich bis Samstag präsentieren wird, hat sich wieder mal als Spekulation erwiesen. Darauf, dass sich die Trainersuche von Sportdirektor Boris Notzon bereits auf einen Kandidaten fokussiert hat, deutet gegenwärtig nicht viel hin. Den von „Rheinpfalz“ und „Der Betze brennt“ zusammengetragenen Infos zufolge mutet das Wunschprofil auch noch recht unscharf sein. Ein „Gegenentwurf“ zu Meier soll es sein, also eher ein jüngerer Typ als ein älterer, aber doch schon auch mit Erfahrung, und zudem lägen rund 100 Initiativbewerbungen vor, sogar von ehemaligen Erstligatrainern… Das kann noch dauern.

Immerhin lässt sich sagen: Danach, dass Notzon eine völlig überraschende Noname-Lösung präsentiert, sieht es derzeit nicht aus. Und Kosta Runjaic, auf dessen Rückkehr einige hinter vorgehaltener Hand spekuliert hatten, wurde am Freitagmorgen in einer Meldung von „Sport 1“ dahingehend zitiert, dass eine Verpflichtung beim FCK für ihn derzeit „aus unterschiedlichen Gründen“ kein Thema sei.

„NICHT DAS SPIELSYSTEM, DIE ART DES AUFTRETENS ENTSCHEIDET“

Wer weiß, vielleicht beginnt Paula am Montag ja tatsächlich an seiner eigenen Legende zu stricken, ohne Paul zwar, aber mit Alex. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag hinterließen die beiden jedenfalls einen guten Eindruck, traten nicht als Chef und Assi auf, sondern eher als Duo, das sich gegenseitig ergänzt. Paula übernahm den analytisch-nüchternen Part, Bugera den emotionalen. Nicht das Spielsystem entscheide, sondern die Art des Auftretens, musste der Ex-Profi gleich mehrmals betonen, und das von Mal zu Mal leidenschaftlicher. Paula, beim FCK als Leiter des Nachwuchszentrums unter Vertrag, erwartet indes einen Gegner, der „aggressives Pressing spielen wird, der hoch stehen wird, der versuchen wird, die Zweikämpfe im Zentrum zu gewinnen.“

Auf Mads Albaek wird das Duo allerdings bis auf Weiteres verzichten müssen, ebenso wie auf Kacper Przybylko. Dagegen ist Kapitän Daniel Halfar wieder fit, den Paula sogar als seine „rechte Hand“ ansieht. Wichtiger sei aber, so Bugera, „dass jeder versteht, was es heißt, für den FCK zu spielen.“ In der Tat eine Einstellung, auf der Legenden gründen könnten.

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