Fanblog: FCK macht die Mission Klassenverbleib zur Jeff-Sache –  Strasser soll „die Werte des FCK“ zurückbringen

Jeff Strasser also. Der noch eine Woche 42-Jährige Luxemburger wird neuer Trainer des 1. FC Kaiserslautern. Eine Überraschung? Vielleicht für den, der sich explizit auf die Äußerung von Sportdirektor Boris Notzon bezieht, mit dem Nachfolger von Norbert Meier wolle man „keine Experimente“ eingehen – Strasser verfügt noch über keinerlei Erfahrung als Cheftrainer im deutschen Profi-Fußball. Weniger für den, der sich andere Aussagen ins Gedächtnis ruft, die zum Anforderungsprofil des Neuen jüngst um den Betzenberg schwirrten: Er solle ein „Gegenentwurf“ zu Meier sein, Verein und Umfeld bereits kennen, mitreißen können – das wiederum passt doch alles hervorragend auf den ehemaligen FCK-Profi, der von 1999 bis 2002 das Trikot der Roten Teufel trug. „Die Werte, für die Jeff Strasser als Spieler stand, sind die Werte des FCK“, erklärte Sportdirektor Boris Notzon bei der Vorstellung des 42-jährigen.

„Es ist ein Stück Nachhausekommen“, erklärte Jeff Strasser in seiner Antrittsrede. In den beiden Trainingseinheiten bis zum Spiel gegen SpVgg. Fürth wolle er versuchen, der Mannschaft Sicherheit und Stabilität zu geben. „Ich bin überzeugt, dass die aktuelle Situation nicht die Qualität des Kaders widerspiegelt.“ In der anschließenden Länderspielpause wolle er mit der Mannschaft mehr im taktischen Bereich arbeiten, vor allem das Defensivverhalten verbessern. Eine „starre“ Spielphilosophie verfolge er nicht, sie müsse auf die Möglichkeiten der Spieler abgestimmt werden. Er erhält einen Vertrag bis 2019.

 Dem „kicker“ und „Sport 1“ zufolge hat Strasser sich im Endstadium der Trainersuche gegen Ciriaco Sforza durchgesetzt, mit dem ebenfalls intensiv gesprochen worden sei. „In vielen Gesprächen hat uns Jeff Strasser davon überzeugt, dass er fachlich und menschlich zu 100 Prozent zu uns passt“, erklärte Lauterns Sportdirektor Boris Notzon. „Wir sind froh, dass wir mit Jeff Strasser einen jungen und erfolgshungrigen Trainer für uns gewinnen konnten.“ Ganz im Stile eines Marketing-Mannes formulierte Vorstandschef Thomas Gries knapp und knallig: „Jede Krise hat einen Wendepunkt. Und dieser Wendepunkt ist heute.“

MIT NOURI, TEDESCO UND NAGELSMANN IM FUSSBALLLEHRER-JAHRGANG

Ganz abgerissen war Strassers Kontakt in die Pfalz ohnehin niemals. Zu Beginn der Spielzeit 2015/16 war Strasser für sechs Monate Trainerpraktikant auf dem Betzenberg, erlebte hautnah die letzten Arbeitswochen von Trainer Kosta Runjaic sowie die ersten Arbeitsmonate von Konrad Fünfstück. Unter Ausbildungsgesichtspunkten eine ganz hervorragende Zeit. „Ich hatte Gelegenheit, zwei unterschiedliche Arten kennenzulernen, Fußball zu spielen zu lassen, und zwei unterschiedliche Arten, eine Mannschaft zu führen“, erklärt Strasser in einem DFB-Video vom Februar 2016 .

Zu dieser Zeit erwarb der luxemburgische Rekordnationalspieler (98 Einsätze) gerade an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln seine Fußballlehrerlizenz. An seiner Seite büffelten damals übrigens Alexander Nouri, Domenico Tedesco und Julian Nagelsmann – alle drei haben mittlerweile Trainerämter in der Bundesliga übernommen, Nagelsmann gilt als der Überflieger seiner Generation. Scheint also ein guter Jahrgang zu sein.

SPRUNG NACH DEUTSCHLAND GLÜCKTE SCHNELLER ALS GEDACHT

Strasser war zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Jahre Cheftrainer beim luxemburgischen Erstligisten Fola Esch. Die deutsche Fußballlehrerlizenz wollte er erwerben, um „irgendwann mal“ im deutschen Profi-Fußball aktiv werden zu können, vielleicht als Co-Trainer oder als Chef bei einem Drittligisten… Jetzt hat er den Sprung also geschafft. Allerdings lautet seine Mission nun, in der nächsten Saison eben keinen Drittligisten zu coachen.

Mit Fola Esch hat Jeff Strasser 2013 und 2015 bereits zwei Mal die luxemburgische Meisterschaft gewonnen. Zudem behauptete sich der Verein aus dem nur knapp 600.000 Einwohner zählenden Großherzogtum unter seiner Regie zunehmend beachtlicher. In der Saison 2016/2017 schlug Strasser mit seinem Team in der ersten Qualifikationsrunde zur Europa League den schottischen Erstligisten FC Aberdeen zuhause mit 1:0, unterlag aber auswärts 1:3 und schied aus. In dieser Saison überstanden die Luxemburger sogar zwei Quali-Runden, schlugen den rumänischen Klub Milsami Orhei 2:1 sowie Inter Baku aus Aserbaidschan sogar 4:1. Erst in Runde drei war gegen die Schweden aus Östersund international Schluss.

EIN FAN KONTINUIERLICHER ENTWICKLUNG

  Dass Fola in der Liga aktuell lediglich Siebter ist, liegt an „unglaublichem Verletzungspech“ – sagte „benem“, ein Luxemburger Sportfotograf, der den einheimischen Fußball seit sieben Jahren intensiv im Fokus hat und in Deutschland unter diesem Nick in den Fanforen von transfermarkt.de unterwegs ist. Strasser ist für ihn „einer der professionellsten, wenn nicht gar der professionellste“ Coach des Großherzogtums. Beispielsweise habe er noch in der Nacht nach den Qualifikationsentscheiden in der Euro-League bereits mit den Videoanalyse des nächsten Gegners begonnen.

Sicher sei Fola finanziell besser ausgestattet als nahezu alle Konkurrenten in Luxemburg – „außer gegen Düdelingen und Differdingen geht Fola eigentlich in jedes Spiel als Favorit“. Allerdings sichere sich der Klub seine Erfolge weniger durch eine ausladende Transferpolitik, sondern durch kontinuierliche Weiterentwicklung: „Der Großteil der Mannschaft spielt schon seit vier, fünf Jahren zusammen.“ Außerdem kümmere sich Strasser intensiv um die Entwicklung von Talenten.

„ER LEGT WERT AUF GEPFLEGTES PASSSPIEL“

„Jeff lässt hauptsächlich im 4-2-3-1 spielen“, beschreibt „benem“ Strassers Fußballphilosophie. „Er legt Wert auf ein gepflegtes Passspiel, Fola lässt den Ball insgesamt gut laufen. In der letzten Saison setzte man mit Emmanuel Francoise und Gerson Rodrigues auf zwei schnelle und technische starke Flügelspieler, die den groß gewachsenen Mittelstürmer Samir Hadji mit Flanken und Vorlagen gefüttert haben.“ Rückkehr zum Spiel über die Flügel – mit Sebastian Andersson oder Lukas Spalvis in der Mitte wäre das auch beim FCK vorstellbar.

An einem müsse der neue Lautrer Coach aber noch arbeiten, ergänzt „benem“: sein Benehmen am Spielfeldrand: „Da versucht er öfter, Einfluss auf die Schiedsrichter zu nehmen.“ Das kommt in Deutschland gar nicht gut – und zu viel Temperament war schon zu aktiven Zeiten immer mal Strassers Problem.

IM STRASSER-TRIKOT UMSONST INS STADION

Auf jeden Fall ist es dem Verein gelungen, wieder Emotionen in seinem Umfeld zu wecken, so dass die Besucherzahlen zu Strassers Debüt am Freitagabend gegen die SpVgg. Fürth (18.30 Uhr) mit Sicherheit nicht noch weiter fallen werden. Beim 0:2 gegen Erzgebirge Aue zuletzt waren gerade mal 16.613 Zuschauer im Stadion. Der Verein jedenfalls tut allenfalls, um den eventuell neu entstehenden Strasser-Hype mitzupushen. Gegen Fürth werden nicht nur die Ticketpreise herabgesetzt: wer mit einem alten Jeff Strasser-Trikot erscheint, darf umsonst ins Stadion.

Zur Seite stehen wird Strasser am Freitagabend der bisherige Interimstrainer Alexander Bugera. Wer sein offizieller Co-Trainer wird, ist noch nicht bekannt. Laut „Rheinpfalz“ ist der ehemalige FCK-Profi und langjährige Juniorentrainer Gunther Metz Favorit, aktuell allerdings noch beim DFB angestellt.

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