Gästeblog: Wenn nicht jetzt, wann dann? Strasser muss für den ersten Saisonsieg Kleeblätter pflücken

Mal im Ernst: Viele neue Ideen wird Jeff Strasser bei seinem Trainerdebüt für den 1. FC Kaiserslautern am Freitagabend (18.30 Uhr) gegen die SpVgg. Greuther Fürth noch nicht einbringen, das hat er bei seiner Vorstellung bereits erklärt. Dass die FCK-Ikone aus besseren Zeiten doch noch vor der danach anstehenden Länderspielpause installiert worden ist, um in erster Linie wieder Emotionen auf den Rängen zu entfachen, war aus den Ausführungen seiner Vorgesetzten mehr oder weniger verklausuliert herauszuhören. Seinem Gegenüber auf der Fürther Bank ist vor knapp zehn Tagen ein recht  beeindruckender Premierensieg geglückt, ein 3:1 gegen Tabellenführer Fortuna Düsseldorf. In der anschließenden Englischen Woche jedoch setzte es für die Kleeblätter zwei Niederlagen. Somit steht auch Damir Buric unter dem Druck, den Bock schnellstens wieder umzustoßen, sonst dürfte der Trainerwechsel-Effekt endgültig verpufft sein.

Buric hatte nach vier Spieltagen Janos Radoki abgelöst, der mit vier Niederlagen in die Saison gestartet war, also noch katastrophaler als der FCK, der weiterhin auf den ersten Saisonsieg wartet. Und als der 53-jährige Kroate ans Ruder kam, fiel, wie aktuell gerade bei Strasser, ebenfalls der Begriff „Gegenentwurf“. Vorgänger Janos Radoki, der erst in der vergangenen Saison Stefan Ruthenbeck abgelöst hatte, stark gestartet, und dann ebenso stark abgefallen war, sei vielleicht zu sehr in und um Fürth verwurzelt gewesen, ein Externer mit Erfahrung könne mehr bewirken, hieß es. In Lautern war das Anspruchsprofil für den Neuen nach der Entlassung von Norbert Meier genau umgekehrt definiert worden – tja, so ist das Geschäft eben.

DAMIR BURIC: STETS EIN STILLER MALOCHER AUF HOHEM NIVEAU

Buric hat als Aktiver 121 Erstliga- und 70 Zweitligaspiele bestritten, war in Freiburg, Mannheim, Ingolstadt und Mönchengladbach am Ball. Danach arbeitete er als Trainerassistent von Robin Dutt. Gemeinsam stiegen sie mit Freiburg in die Erste Liga auf, qualifizierten sich mit Leverkusen für die Champions League – und scheiterten in Bremen. Damit endete auch die Zusammenarbeit zwischen dem redegewandten Dutt und Buric, seinem stillen Malocher im Hintergrund.

Der Kroate wurde nun selbst Chef. An seiner Befähigung musste er kaum Zweifel haben: „Ich habe mich immer im Hintergrund gehalten, aber immer auf ganz hohem Niveau gearbeitet“, sagt er. Er coachte in seiner Heimat ein Jahr lang Hajduk Split, wechselte dann nach Österreich zu Admira  Wacker Mödling – ein Wechsel, bei dem die Würzburg-Connection, mit der Buric gut vernetzt ist, tüchtig mitvermittelte. Die Kickers und Mödling haben den gleichen Hauptsponsor, Mödling-Manager Amir Shapourzadeh ist ehemaliger Kickers-Kicker, und der damalige Kickers-Trainer Bernd Hollerbach hat zusammen mit Buric die Fußballlehrer-Lizenz erworben… Buric sollte im Sommer zunächst auch Nachfolger Hollerbachs in Würzburg werden, doch es kam anders.

„DEN SPIELERN DIE AUGEN ÖFFNEN, MEHR FORDERN“

Als er in Mödling seinerzeit loslegte, blieb Buric erst einmal acht Spiele ungeschlagen. Auf einen ähnlichen Start hatten wohl die Fürther gehofft, zumal der Kroate in dem Ruf steht, die Potenziale einer Mannschaft schnell zu erkennen und auszureizen. Einen „Verwalter des Provisoriums“ nennt ihn die Süddeutsche Zeitung. „In der tagtäglichen Arbeit sind viele Dinge wichtig, was Disziplin und Einstellung angeht, was Nachbereitung und Vorbereitung angeht, vor dem Spiel, nach dem Spiel. Da muss man den Spielern die Augen öffnen, mehr fordern“, sagt Buric.

Nach dem 3:1-Startsieg gegen Düsseldorf sah es zunächst so aus, als gelänge ihm dies sehr schnell. Es folgten jedoch zwei herbe Niederlagen in Braunschweig (0:3) und, besonders schmerzhaft, im Lokalderby gegen den 1. FC Nürnberg (1:3). Buric hat übrigens alle drei Spiele der Englischen Woche mit der gleichen Startelf begonnen – ein Indiz dafür, dass er derzeit in erster Linie auf Zusammenwachsen und Stabilität-Finden setzt.

„LEICHT AUSRECHENBAR, KRAFTLOS, ZWEIKAMPFSCHWACH“

Bislang aber scheint, als habe der Verwalter des Provisioriums noch kein Mittel gegen die Defizite gefunden, die bereits Janos Radoki den Job kosteten – auch wenn die Ballbesitz- und Torschussstatistik der Fürther sich oft ganz ansehnlich ausnimmt.  Sportredakteur Alexander Pfaehler vom Online-Portal nordbayern.de beschreibt die Schwächen der Kleeblätter so:

„Fürth ist leicht ausrechenbar, weil anfällig für schnelles Umschaltspiel des Gegners. Dazu schwach in den Zweikämpfen, mit zu vielen kraftlosen Abschlüssen und einem behäbigen Spielaufbau. Vor allem im Mittelfeld sind zu wenige Spieler in der Lage, Geschwindigkeit zu entwickeln. Einige sind auch noch verletzt.“ Gemeint sind beispielsweise Offensivspieler Nik Omladic, der zu Saisonbeginn von Braunschweig kam, oder Flügelflitzer Sercan Sararer.

Na, das klingt noch guten Ansatzpunkten für einen Matchplan, den Jeff Strasse seinen Jungs mit auf den Weg geben kann. Nur mit Emotion lässt sich ein Zweitligaspiel im Jahr 2017 schließlich auch nicht gewinnen.

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