Gästeblog: Von wegen Pflichtsieg – Die auswärtsstarken Zebras wollen über den Betzenberg galoppieren wie 2009

Der Gegner ist aktueller Tabellen-15. und obendrein Liganeuling, das reicht ja wohl,  um die „Machbarkeit“ der Hausaufgabe des 1. FC Kaiserslautern am kommenden Sonntag, 13.30 Uhr, gegen den MSV Duisburg zu belegen, oder? Nicht für den, der gerne genauer hinschaut: Tatsächlich gehören die Zebras zum unberechenbarsten, was ein Team in der Zweiten Liga derzeit zuhause vor die Brust bekommen kann. Sieben ihrer bislang neun Punkte haben sie auswärts geholt, das sollte Warnung genug sein. Dazu reisen sie mit einem Trainer an, der den Betzenberg gut kennt – und dessen Karriere bislang eine eigenartige Wechselbeziehung zwischen Duisburg und Kaiserslautern aufweist.

Bereits als Spieler war der 13-fache bulgarische Nationalspieler Ilia Gruev vier Jahre in Duisburg aktiv. Nach seiner Profi-Karriere sammelte er erste Erfahrung als Co-Trainer in Erfurt, ging dann in seine Heimat zurück, wo er zeitweise als Assistent von Lothar Matthäus die Nationalmannschaft seines Landes betreute. Später coachte er als „Co“ von Krassimir Balakov Hajduk Split, und wechselte gemeinsam mit diesem nach Kaiserslautern, als dieser im Abstiegsjahr 2012 ein zweimonatiges Gastspiel als Coach in der Pfalz gab.

Nach Balakovs Entlassung wechselte Gruev nach Duisburg, wo er als Co-Trainer unter Kosta Runjaic arbeitete. Und das in einem äußerst vertrauensvollen Verhältnis, welches sich unter anderem darin zeigt, dass Runjaic seine Vertragsverlängerung damals von Gruevs Bleiben abhängig machte. Nach dem Zwangsabstieg der Duisburger in die Dritte Liga verließ Runjaic den Ruhrort jedoch, Gruev blieb als zweiter Mann des glücklosen Karsten Baumann. Und als Runjaic im September 2013 in Lautern anheuerte, folgte ihm Gruev nach.

ERSTE TRAINERSTATION DUISBURG: RUNTER UND DIREKT WIEDER RAUF

Nach Runjaics Rücktritt im September 2015 wurde dem Bulgaren zunächst die Leitung der Lautrer U23 angeboten. Diese aber lehnte er ab und arbeitete lieber als Scout. Bis ihn im November 2015 Duisburg zurückrief und ihm die Nachfolge von Gino Lettieri als Cheftrainer antrug. Ungewöhnlich: Obwohl Gruev nach seinem Abgang zwei Jahre zuvor einen schweren Stand bei den Fans hatte, der sportliche Erfolg zunächst ausblieb und er im darauffolgenden Sommer mit dem Team in die Dritte Liga abstieg, hielt die Vereinsführung an ihm fest.

Gruev bedankte sich mit dem direkten Wiederaufstieg, den er recht souverän gestaltete: Die Duisburger standen in der Spielzeit 2016/17 an 32 von 38 Spieltagen an der Tabellenspitze. Dabei stellten sie lediglich die fünftstärkste Offensive der Liga und die zweitbeste Defensive – es kommt eben immer darauf an, dass die Endabrechnung stimmt.

SCHÖNE STATISTIKEN, KEIN HEIMSIEG, DAFÜR AUSWÄRTSSTARK

Eben daran hapert es noch in der laufenden Saison: Die Zebras verzeichnen oft überlegene Ballbesitz- und gute Torschussquoten, dennoch haben sie noch kein  Heimspiel gewonnen. Wer sich die Partien genauer anschaut, entdeckt noch weitere Kuriositäten. Bei der 1:3-Niederlage beim Tabellenführer Fortuna Düsseldorf etwa traf der MSV vier Mal Aluminium, und die fette 1:6-Klatsche gegen Nürnberg bezeichnete selbst FCN-Trainer Michael Köllner als „enges Spiel – auch wenn es sich dumm anhört.“ Der „Glubb“ verwertete an diesem Tag seine Torchancen einfach optimal gegen einen Gastgeber, der „mit Wucht“ (Köllner) anrannte. „Wir bekommen nach jedem Spiel Applaus und Lob und sind am Ende trotzdem immer ohne Punkte“, gab Gruev im „kicker“ zu Protokoll.

Lauterns Trainer Jeff Strasser sollte seine Vorbereitung jedoch nicht auf die Heimauftritte, sondern auf die Gastspiele der Duisburger fokussieren, denn in diesen beeindruckten sie bislang, gewannen in Heidenheim 2:1 und in Bielefeld sogar 4:0, dazu kommt ein respektables 2:2 bei Erstliga-Absteiger Ingolstadt. In diesen Partien  trumpfte vor allem die Flügelzange Moritz Stoppelkamp/Cauly Oliveira Souza auf. Die beiden sind im Sommer übrigens ablösefrei verpflichtet worden, wie der ehemalige Stuttgarter Borys Tashchy, der ebenfalls zur Stammoffensive zählt und schon vier Mal genetzt hat – ein Beleg für das gute Händchen von Sportdirektor Ivica Grlic.

Der mittlerweile 30-jährige Stoppelkamp, mit fünf Treffern derzeit bester Torschütze der Duisburger, scheint sich obendrein zum neuen Führungsspieler zu entwickeln. In Paderborn und Karlsruhe war schussgewaltige Linksfuß zuvor drei Mal hintereinander abgestiegen. Dagegen hat der in dieser Rolle eigentlich vorgesehene Fabian Schnellhardt seine gute Leistungen der vergangenen Saison noch nicht bestätigt – der DFB kürte den 23-jährige zum besten Spieler der Dritten Liga. Gleichwohl ist er im zentralen Mittelfeld gesetzt, war lediglich wegen einer Grippe zwei Mal dabei.

„WIR MÜSSEN FLEXIBEL SEIN, DABEI ABER KEINE FÜNF SYSTEME BEHERRSCHEN“

Als Grundordnung wählt Gruev stets ein 4-4-2, das er bei Führung zu einem 5-4-1 variiert. Weswegen ihm nach Niederlagen häufiger mangelnde Flexibilität vorgeworfen wird. Der Coach sieht das anders: „Wir wollen flexibel sein, das bedeutet aber nicht, dass wir fünf verschiedene Systeme beherrschen müssen“. Die jüngste Länderspielpause wollte der 47-jährige, ebenso wie Kollege Strasser in Lautern, nutzen, um die Defensivarbeit seines Teams zu verbessern. Dies scheint geglückt, wie das 0:0 zuletzt gegen Eintracht Braunschweig zeigt. Lob gab’s danach vor allem für den Ex-Lauterer Enis Hajri, der die bislang problematische rechte Abwehrseite dichtmachte.

Da wartet also ein interessanter Gegner auf die Lauterer. Wer weiß, vielleicht läuft die Partie ähnlich spektakulär wie die Begegnung der beiden Teams am 17. Mai 2009, nur darf das Endergebnis sich gerne umgedreht präsentieren. Am 33. Spieltag dieser saison schlug der MSV den FCK auf dem Betzenberg 5:3 und machte damit auch dessen letzte theoretische Möglichkeit zunichte, noch auf Relegationsrang drei zu springen. Duisburg ging damals 4:0 in Führung und Lautern kam noch auf 4:3 heran…

Interimstrainer der Pfälzer war damals Alois Schwartz, der für vier Spiele den entlassenden Milan Sasic ersetzte. Zu den Torschützen zählten seinerzeit Sandra Wagner, Dorge Kouemaha und Chinedu Ede, Christian Tiffert glänzte als Vorlagengeber. Alle vier liefen damals im Trikot der Zebras auf und sollten später einmal das Dress der Roten Teufel überstreifen. Wie gesagt: Eine denkwürdige Partie.

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