Spielanalyse: Weniger geht nicht mehr – Im Pokalspiel müssen nun neue Reizpunkte geschaffen werden

Und es gibt sie doch, die Zwei ohne Drei. Der Redensart seiner luxemburgischen Heimat zum Trotz hat Jeff Strasser in seinem dritten Spiel als Trainer des 1. FC Kaiserslautern die erste Niederlage einstecken müssen. Und die kann herber kaum ausfallen: 0:1 zuhause gegen den Tabellennachbarn MSV Duisburg. Chance verpasst, wenigstens mal auf den Relegationsrang 16 zu springen, statt dessen weiterhin Tabellenletzter. Über 90 Minuten nichts gezeigt, was Hoffnung macht für die nächsten Wochen. Dazu die Gelegenheit versäumt, im Anhang ein wenig Vorfreude auf die DFB-Pokal-Partie am Mittwoch, 18.30 Uhr, gegen Erstligist VfB Stuttgart zu entfachen. Immerhin bietet diese Zusatzpartie die Möglichkeit, jetzt personell ein paar neue Reizpunkte zu setzen, ehe es am kommenden Samstag in Regensburg gegen den nächsten „Gegner auf Augenhöhe“ geht.

„Wir wollten aggressiv und mutig nach vorne verteidigen, nach vorne spielen“, erklärte Jeff Strasser hinterher. Und das sei „phasenweise gut gelungen.“ Wann denn bitte schön? Der FCK ist es im gesamten Spiel nicht geschafft, Offensivaktionen zu entwickeln, die so etwas wie ein Konzept für das Spiel mit dem Ball erkennen lassen. Was besonders fatal ist angesichts der anstehenden Partien, nach Regensburg geht’s schließlich zuhause gegen die ebenfalls noch in Schlagdistanz befindlichen Bochumer.

Strasser selbst hat doch erklärt, dass dies die Gegner sind, gegen die gepunktet werden muss. Allein mit der Idee „stabil stehen, auf Fehler der anderen warten und dann schnell umschalten“ wird das jedoch nicht zu bewerkstelligen sein. Zumal das Stabilstehen zuletzt gegen Fürth und in St. Pauli zwar einigermaßen funktioniert haben mag, gegen Duisburg aber war’s damit nach einer runden halben Stunde ebenfalls vorbei.

„AGGRESSIV UND MUTIG NACH VORNE VERTEIDIGEN“? WO DENN, BITTE?

Lautern formiert sich wie in den Spielen zuvor gegen den Ball wieder im 5-2-2-1, Strasser ändert die Startelf auch zum dritten Mal hintereinander nicht, so weit, so nachvollziehbar. Leider entwickelt sich bei Ballbesitz aus dieser Grundordnung heraus keinerlei Zug nach vorne. Dass sich diese Elf nicht an anspruchsvollen Ballstafetten versuchen sollte, ist klar, nur muss in diesem Fall die Losung lauten: Nach dem Pass ins Angriffsdrittel kompakt nachrücken, um den Gegner, selbst wenn er zunächst an den Ball kommt, geordnet zu attackieren, wenigstens phasenweise… Davon ist aber nichts zu sehen.

Wollte man denn nicht unbedingt gewinnen? „Aggressiv und mutig nach vorne verteidigen“? Sind das nur Ängstlichkeit und Unsicherheit, die die Mannschaft die Vorgaben ihres Trainers nicht umsetzen lassen, oder hat sei einfach keine detaillierten Anweisungen bekommen? Oder hat sie diese am Ende einfach nicht verstanden?

Immerhin: Nach 15 Minuten schickt Christoph Moritz Joel Abu Hannah mal mit einem richtigen guten vertikalen Pass halblinks in den Strafraum, der passt flach in die Mitte, aber Gerrit Nauber rettet in letzter Sekunde gegen die einschussbereiten Sebastian Andersson. Ja, das sieht nach Fußball aus, und ja, da hätte das Spiel eine andere Entwicklung nehmen können, wenn es was geworden wäre, aber hätte, wenn und aber sind nun mal Gelaber…

DER VERSCHOSSENE ELFER SORGT FÜR KNICK STATT KICK

Statt dessen kommt der MSV immer besser ins Spiel. Erst darf es Moritz Stoppelkamp aus halblinker Position versuchen, scheitert aber an Keeper Marius Müllers Fuß, dann darf er sogar vom Elfmeterpunkt anlaufen. Müller hat Oliveira Souza im Strafraum zu Fall gebracht, und die flache Flanke, mit der Stoppelkamp sein Gegenüber vom anderen Flügel einsetzen darf, lässt Giuliano Modica gar nicht gut aussehen… Stoppelkamp aber jagt das Leder kläglich übers Tor.

Es gibt Spiele, da versetzen solche Szenen der gescheiterten Mannschaft einen Knick und der vom Gegentreffer verschonten einen Kick… In dieser Partie aber läuft es exakt andersrum. Duisburg wird noch spielbestimmender, Lautern noch unsicherer. Lukas Fröde hat kurz darauf die nächste Einschusschance, Souza trifft den Außenposten.

Kurz vor der Pause darf Manfred Osei Kwadwo mal nach einer „Umschaltsituation“ halblinks in den Strafraum dribbeln und den Ball bei einem Schussversuch ins lange Eck knapp über die Latte jagen, das ist aber auch schon alles, was den Adrenalinspiegel der FCK-Fans unter den 22833 Zuschauern in die Höhe treibt.

Nach der Pause versucht das Lauterer Mannschaftsgefüge, sich wenigstens ansatzweise mal ein Stück nach vorne zu verschieben, etwas Berichtenswertes heraus kommt dabei jedoch nicht. In Minute 67 dann der Todesstoß: MSV-Innenverteidiger Dustin Bomheuer darf nach einer Ecke von Fabian Schnellhardt ungestört einlaufen und seine 1,94 Meter fast an der Linie des Fünfmeterraums in die Höhe wuchten. Sebastian Andersson, Stipe Vucur und Benjamin Kessel stehen Spalier, auch Müller klebt auf der Linie. Noch Fragen?

WAS BLEIBT, SIND RATLOSIGKEIT – UND VERZWEIFLUNG

Danach bringt Strasser Osayamen Osawe für Modica, stellt auf 4-4-2 um, später kommt mit Lukas Spalvis für Gino Fechner noch ein Stürmer. Viel bringt das nicht, die Offensivpower besteht nur auf dem Papier. Die hohen Flanken werden viel zu weit von außen geschlagen und von Duisburgs Innenverteidigern abgepflückt. „Gegen Fürth sind uns Flanken aus der Halbposition gelungen, diesmal nicht“, resümiert auch Sportdirektor Boris Notzon hinterher.

Kessels Schüsschen aus halbrechter Position gehört zu den peinlich wenigen Schussversuchen, die aufs Tor gehen. Okay, ein Rempler gegen Osei Kwadwo hätte an einem glücklichen Tag, vielleicht in einem anderen Leben, Elfmeter geben können, dafür aber hätte Modica zuvor nach einem Foul kommod vom Platz fliegen können.

Was bleibt, sind Ratlosigkeit – und erste Anzeichen von Verzweiflung.

Das anstehende Pokalspiel bietet nun wenigstens die Chance, ein paar frische Kräfte auszuprobieren, die sich dann in Regensburg als belebende Elemente bestätigen können. Vielleicht ist ja Marcel Correia, der am Sonntag nicht einmal im Kader stand,  nach seinem rabenschwarzen Auftritt in Berlin vor vier Wochen mental wieder soweit aufgerichtet, dass er einen neuen Versuch starten kann. Der Portugiese ist Lauterns einziger Abwehrspieler, der über das Potenzial verfügt, so etwas wie einen Abwehrchef zu geben.

HOFFUNGSSCHIMMER: OSEI KWADWO, MWENE, MORITZ

Vorne sollte auf jeden Fall Gervane Kastaneer ersetzt werden. Es ist zwar löblich, dass Strasser dem talentierten Niederländer einmal drei Spiele hintereinander die Chance gab, in der Startelf Fuß fassen, herausgekommen ist dabei leider nichts.

Hoffnungsschimmer? Na ja: Das Zusammenspiel von Philipp Mwene und Osei Kwadwo auf der rechten Seite war einmal mehr nett anzusehen, zumindest phasenweise. Und Christoph Moritz hat auch im dritten Pflichtspiel unter Strasser mal recht stark als „ordnende Hand“ aus der Tiefe des Raumes präsentiert, laufstark und passsicher zugleich. Nur tat sich um ihn herum leider nicht viel.

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