Spielanalyse: Der 1:3-Niederlage zum Trotz – Lautrer liefern großen Kampf und ihrem Trainer interessante neue Erkenntnisse

Der 1. FC Kaiserslautern ist aus dem DFB-Pokal gegen den ohnehin favorisierten Gegner aus der höheren Spielklasse ausgeschieden, hat sich dabei ein paar Fleißkärtchen nebst Lobesworten verdient. So weit, so absehbar. Der Abend bietet jedoch noch einige Erkenntnisse mehr: FCK-Trainer Jeff Strasser muss sich jetzt richtig den Kopf zerbrechen, wen er am kommenden Samstag im nächsten Zweitliga-Kellerduell in Regensburg auflaufen lässt, denn einige aus der beim 1:3 gegen den VfB Stuttgart neu formierten Startelf haben nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Ebenso darf festgestellt werden: Es wäre für Lautern auch im Pokalwettbewerb mehr drin gewesen.

Nach den deprimierenden 90 Minuten gegen Duisburg war es kaum zu glauben: Auf der  Westtribüne brennen wieder mal die Bengalos – und auch auf dem Rasen entfacht der FCK mal wieder Feuer! Schon in der 6. Minute geht er in Führung. Nicklas Shipnoski kann Benjamin Pavard nach einem langen Ball von Benjamin Kessel so stark zusetzen, dass diesem nur eine unkontrollierte Ballgabe in die Mitte gelingt – und Lukas Spalvis ist zur Stelle.

Spalvis? Shipnoski? Ja, Jeff Strasser hat nach der Heimpleite gegen Duisburg kräftig durchgewechselt. Auch Keeper Jan-Ole Sievers, Leon Guwara, Nils Seufert und Baris Atik sind neu im Team, Gervane Kastaneer und Osayamen Osawe sitzen nicht einmal mehr auf der Bank. Und wenn Lautern die Führung ein rundes Stündchen halten könnte, damit sich die berühmte Eigendynamik eines DFB-Pokalspiels entfaltet… Ja, das könnte schön sein, aber Fußballberichte im Konjunktiv sind nunmal keine.

AUSGLEICH PER ELFMETER: EINE HAARIGE ENTSCHEIDUNG

Der Ausgleich fällt bereits in der 21. Minute. Joel Abu Hanna, für Giuliano Modica als linker Innenverteidiger der Dreier-/Fünferkette aufgeboten, unterläuft reichlich dusselig einen hohen Ball, Asano kann mittig Richtung Strafraum starten, Abu Hanna fädelt ihm von hinten in die Haxen, Foul unmittelbar an der Strafraumgrenze. Schiri Patrick Ittrich sieht‘s innerhalb, pfeift Elfer. Eine haarige Entscheidung, strenggenommen wird Asano vor der Linie getroffen. Pech für Lautern, aber kein Grund, Fehlentscheidung zu schreien, war ohne Slow Motion eigentlich nicht zu erkennen. Daniel Ginczek verwandelt souverän.

Anschließend entwickelt sich ein spannendes und hochinteressantes Spiel. Zwei Mannschaften mit im Grunde gleichen Konzepten. Beide agieren gegen den Ball im 5-2-2-1, fächern bei Ballbesitz in ein 3-4-3 auf. Aber Stuttgarts System wird von stärkeren Individualisten belebt, das Passspiel ist präziser, insbesondere die Diagonalbälle auf die Flügel kommen besser, die Torchancen sind klarer. Schon vor Lauterns Führungstreffer hat Emiliano Insua den Außenpfosten getroffen, noch vor dem Ausgleich hat Chadrac Akolo drei Meter vorm Tor stehend einen Ball verstolpert.

Aber: Lautern wehrt sich, hatte durch eine Kopfballchance von Atik bereits die Chance zum 2:0 und hat nun zwei weitere durch Stipe Vucur, eine nach einer Ecke von Christoph Moritz, eine nach einer Freistoßflanke durch Abu Hanna. Auf die Verliererstraße biegt Lautern erst in der 66. Minute ein: Akolo darf den Ball am Sechzehner in Ruhe annehmen und vollstrecken, nachdem Andreas Beck nach einem Angriff über rechts geschickt in den Rückraum gepasst hat.

EINE VON VIELEN ENTDECKUNGEN: DER MEGACOOLE NILS SEUFERT

Schon nach 57 Minuten hat VfB-Trainer Hannes Wolf auf ein 4-4-2 umgestellt, mit Simon Terodde neben Ginczek einen zweiten zentralen Stürmer gebracht, was erstaunlich gut  funktioniert. Terodde macht in der 71. Minute das 3:1. Strasser tut es seinem Kollegen gleich, bringt mit Sebastian Andersson neben Spalvis einen zweiten zentralen Angreifer. Abermals Atik per Kopfball und Moritz aus halbrechter Position haben noch die Möglichkeit, den FCK wieder heranzubringen, scheitern jedoch knapp.

Was bleibt nun vor der Partie am Samstag in Regensburg, die mit Sicherheit wieder als „Sechs-Punkte-Spiel“ etikettiert wird? „Wir haben ein positives Signal gesetzt“, ist Stipe Vucur überzeugt. Sie haben sogar noch einiges mehr als das – nämlich dem Coach einige personelle Alternativen für die nächste Zukunft aufgezeigt.

So trat beispielsweise Nils Seufert in seinem Pflichtspieldebüt für die Erste Mannschaft mit einer für einen 20-jährigen geradezu beängstigenden Coolness auf, bis er nach 65 Minuten den Platz neben Moritz im zentralen Mittelfeld für Gino Fechner räumte . „Er hat gut antizipiert, die Räume eng gemacht und auch mutig nach vorne gespielt“, lobte Jeff Strasser.

SPALVIS NEBEN ANDERSSON? NICHTS IST UNMÖGLICH

Abu Hanna patzte zwar beim Ausgleich, scheint aber aufgrund seiner Schnelligkeit und seiner Technik eine bessere Lösung in der Dreierkette zu sein als Modica. Zumal so die linke Verteidigerposition für Leon Guwara frei wird, der sich ebenfalls mit einer ordentlichen Leistung zurückmeldete. Atik sorgte anstelle von Kastaneer ebenfalls für eine deutliche Qualitätssteigerung. Ob Shipnoski eine stärkere Alternative zu Manfred Osei Kwadwo darstellt, der selbst gegen Duisburg noch zu den erfreulicheren Erscheinungen gehört, kann dahingestellt bleiben.

Absolut vielversprechend auch der Auftritt von Spalvis, und das nicht wegen seines Treffers – die litauische Leihgabe aus Lissabon, die bislang noch gar nicht in Tritt gekommen ist, überzeugte auch mit guter Ballbehauptung und klugen Zuspielen. Ob ein Startelf-Einsatz an der Seite von Sebastian Andersson denkbar wäre? „Im Fußball kann man sich grundsätzlich alles vorstellen“, gibt Strasser sich kryptisch.

Wir erlauben uns zu orakeln: Im derzeit etablierten 5-2-2-1/3-4-3 wird das mit den beiden eher nichts. Mit den zweien ließe sich gut ein 4-4-1-1 formen, da Spalvis sich durchaus auch um eine Keilspitze herumbewegen könnte und Andersson gut auf die Flügel ausweichen kann. Dass dies bereits am Samstag geschieht, ist aber eher unwahrscheinlich. Strasser wird wohl eher darauf setzen, die zuletzt gewählte Grundordnung weiter zu festigen.

WENN DUISBURG SICH DOCH NUR VERGESSEN LIESSE…

Überhaupt: Wenn man dieses grausame Spiel gegen Duisburg doch einfach so vergessen könnte… Dann ließe sich nach dem gestrigen Abend trotz Niederlage glatt sagen: Der FCK 2017/2018 wächst unter Strasser kontinuierlich zusammen. Und hat nun mit Christoph Moritz einen Leader, der sich in seiner Rolle endlich zu konsolidieren scheint. Sogar gegen Duisburg hat er – als einziger – eine ordentliche Leistung geboten.

Strasser sprach nach dem Stuttgart-Spiel aus, was sich die 28.322 Zuschauer auf den Rängen bereits während der vergangenen 90 Minuten immer wieder zugeraunt hatten: „Mit der Mentalität von heute hätten wir gegen Duisburg klar gewonnen.“ Der Coach setzte sogar noch einen drauf: „Die Mannschaft muss jetzt wissen, dass die Leistung von heute von nun an der Maßstab ist“.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen: Wenn sie’s nicht nur weiß, sondern auch entsprechend auftritt, wird alles gut.

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