Spielanalyse: „Mission Impossible“ nach zwölf Spieltagen? Das kann nicht sein, das darf nicht sein

Mit dem Spirit vom Pokalspiel von Stuttgart wollten sie sich präsentieren, zu sehen war jedoch nur der (Un-)Geist der Heimpleite gegen Duisburg. Quo vadis, 1. FC Kaiserslautern? Der Auftritt der so gut wie toten Teufel bei der 1:3-Schmach in Regensburg macht einfach nur ratlos. Sicher, es mag für eine mental ohnehin angeschlagene Mannschaft fatal sein, wenn der Gegner sich gleich mit zwei Kunstschüssen in Front schießt – aber überhaupt nicht reagieren, überhaupt keine Gegenwehr zeigen? Cheftrainer Jeff Strasser sieht sich nun mit der Aufgabe konfrontiert, ein Team wiederzubeleben, das ihn innerhalb von acht Tagen nun schon zwei Mal komplett im Stich gelassen hat. Auf Erlösung braucht er nicht zu hoffen, da das trügerische Allheilmittel „Trainerwechsel“ bereits aufgebraucht ist. „Mission Impossible“, angesichts von noch 22 ausstehenden Spielen? Das kann nicht, das darf nicht sein.

Versucht hat es der Coach größtenteils mit der Elf, die sich unter der Woche im Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart mit einem 1:3 nicht erfolgreich, aber annehmbar aus der Affäre gezogen hat. Lediglich Sebastian Andersson ist für Lukas Spalvis in die Startelf zurückgekehrt, und – Überraschung, Überraschung – Patrick Ziegler übernimmt für den verletzten Benjamin Kessel den Part des rechten Innenverteidigers.

DAS ABWEHR-MANTRA 2017/18: IRGENDEINER PATZT IMMER

Und der FCK beginnt wieder in seiner mittlerweile gewohnten 5-2-2-1-Ordnung und in seiner „Abwarten und auf Fehler des Gegners warten“-Haltung. Das mag zu Strassers Premiere gegen Fürth richtig gewesen sein, als nach katastrophalen Wochen erst mal um „Stabilität“ gerungen werden musste. Das mag eine gute Entscheidung gewesen sein in einem Auswärtsspiel bei einem gegenwärtig überlegenen Gegner wie St. Pauli. Und erst recht in einem Pokalspiel gegen einen Erstligisten. Aber wär’s in Spielen gegen Tabellennachbarn, in denen unbedingt gepunktet werden muss, nicht eher angezeigt, diese schon in den ersten Spielminuten so früh und so aggressiv wie möglich zu attackieren, sie „auf die Hörner“ zu nehmen, auf dass sie nicht ins Spiel finden? Das hat doch schon bei der 0:1-Heimpleite gegen Duisburg gefehlt.

Und Regensburg hat die jüngsten vier Pflichtspiele verloren, ist mental entsprechend angegriffen, aber die wenig teuflischen Roten, die in der Fremde passender Weise in Schwarz daherkommen, schauen den Oberpfälzern lieber zu, wie sie wieder an Selbstsicherheit gewinnt… Zudem lebt die Lautrer Hintermannschaft munter weiter ihr Mantra der  Spielzeit 2017/18: Irgendeiner patzt immer.

Diesmal ist Stipe Vucur wieder dran. In der 10. Minute senst er über einen von Linksverteidiger Alexander Nandzik keinesfalls inspiriert getretenen Diagonalball in die Mitte, Sebastian Stolze kommt völlig unbedrängt im Strafraum zum Leder und vollstreckt.

SCHADE EIGENTLICH: MORITZ’ FRECHER ELFER MACHT DIE ELF NICHT KECKER

Immerhin: Zwei Minuten später darf Lautern ausgleichen, als Schiedsrichter Arne Aarnink nach einem Foul von Benedikt Saller an Leon Guwara Elfer pfeift. Christoph Moritz besitzt sogar die Unverfrorenheit, den Regensburger Keeper Philipp Pentke mit der hochriskanten „Verlade“-Technik zu düpieren. Was für ein Selbstbewusstsein vom Kapitän eines Tabellenletzten, in einem allerorts als „richtungsweisend“ deklarierten Kick! Sollte/Könnte/Müsste dies sich nun nicht auch auf seine Mitspieler übergreifen?

Pustekuchen.

In der folgenden 15 Minuten entwickelt sich zwar so etwas wie offener Abtausch – auf den Einbau des an dieser Stelle üblichen Begriffes „Schlag“ verzichten wir allerdings besser mal. Dann ist es mit der ohnehin fragwürdigen Herrlichkeit auch schon wieder vorbei: Jahns Innenverteidiger Marvin Knoll hämmert aus über 20 Metern einen direkten Freistoß exakt ins Tordreieck. Für Marius Müller sicher unhaltbar, unvermeidlich ist der Treffer dennoch nicht, das vorangegangene Foul von Vucur ist absolut unnötig gewesen.

Kurz nach der Pause dann der nächste Nackenschlag. Stolze markiert seinen zweiten Treffer, reichlich unorthodox, eine Art Seitfallschuss nach einer abgefälschten Freistoßflanke von Andreas Geipl.

GEGNERS SCHUSSGLÜCK IST KEINE ENTSCHULDIGUNG

Auf die Verliererstraße gebracht durch zwei Kunstschüsse, wie sie wahrlich nicht alle Tage gelingen, das zweite auch noch zu einem so genannten „psychologisch ungünstigen Zeitpunkt“ – darf das als Entschuldigung herhalten für mannschaftliches Totalversagen? Darf es nicht. Dazu kam und kommt davor und danach einfach zu wenig. Regensburg ist jederzeit am vierten Treffer näher dran als Lautern am Anschlusstor, zu verzeichnen sind lediglich drei Kopfballversuche, zwei vom eingewechselten Spalvis, von denen einer aber nicht ernsthaft zu kontrollieren ist, und einer von Ziegler. Der Rest ist Schweigen.

Apropos Einwechslungen: Strasser hat zur Pause neben Spalvis auch Manfred Osei Kwadwo gebracht, für Guwara und Baris Atik, auf 4-4-2 umgestellt. Und schon nach einer Stunde den dritten Wechsel riskiert, für Nicklas Shipnoski ist Osayamen Osawe gekommen.

Der Engländer, dem nach seiner Einwechslung gegen Duisburg allgemein „Leistungsverweigerung“ unterstellt worden ist und der auch in gefestigter Verfassung nichts in die Waagschale werfen kann als seine Schnelligkeit – wie aber soll er diese ausspielen gegen einen Gegner, der sich längst zurückgezogen hat, um aus seiner Führung heraus auf Konter zu lauern? Wäre da Brandon Borrello nicht die bessere Wahl gewesen?

WIE GEHT’S JETZT WEITER? 4-4-2 WÄRE EINE IDEE – UND ENDLICH MAL: ATTACKE!

Wie soll Strasser in dieser Darbietung nun Ansatzpunkte finden für die Vorbereitung aufs nächste „richtungsweisende“ Heimspiel gegen den VfL Bochum am kommenden Freitag, 18.30 Uhr. Eigentlich sollte man da auch von einem „Gegner auf Augenhöhe“ sprechen können, aber das wäre gegenwärtig wohl eine Beleidigung der Bochumer.

Eine Idee könnte sein, dieses 5-2-2-1 gegen den Ball mal fürs Erste wieder einzumotten –so hip es derzeit auch sein mag und so erfolgreich es von anderen Teams derzeit auch praktiziert werden mag. Konzentriert ausgeführt, kann es auch mit diesem Lautrer Kader zu einer stabileren Defensivleistung führen, doch gelingt es der Mannschaft einfach nicht, bei Ballbesitz in eine erfolgversprechende Offensivformation umzuswitchen.

Die drei Tore zu Strassers Trainerdebüt gegen Fürth fielen auch erst nach einer Umstellung auf 4-4-2. Ebenso der Ausgleichstreffer auf St. Pauli, was in der Situation selbst freilich obsolet war, da er aus einer Standardsituation resultierte.

Das 4-4-2 ist leicht zu beherrschen, da in dieser Ordnung mit und ohne Ball gespielt werden kann, bietet zudem die Möglichkeit, Spalvis und Andersson gemeinsam aufzubieten. Und Osei Kwadwo könnte mehr auf dem Flügel bewegen, dort ist das Leichtgewicht  wirkungsvoller als wenn es permanent gezwungen ist, die einzige Spitze im Strafraum zu unterstützen. Vor allem aber muss gegen Bochum endlich mal die „Aggressivität“ entfacht werden, von der unentwegt geredet wird. Das gelingt am besten mit Angriffspressing,  zumindest in Phasen, und die erste sollte gegen Bochum direkt mit Anpfiff beginnen.

DER GRIFF IN DIE PSYCHO-KISTE: EIN HOFFNUNGSSCHIMMER?

Damit sich Jeff Strasser am Ende nicht wieder für seine Mannschaft entschuldigen muss, wie er es in Regensburg getan hat. Immerhin erwies er sich mit einem ungewöhnlichen Griff in die Psycho-Kiste als Kenner der FCK-Geschichte: Er ließ die Mannschaft nach dem Abpfiff vor den eigenen Fans Aufstellung nehmen. Auf dass sie sich mal eine Weile anhören, wie sich deren Frust, Wut und Enttäuschung Luft macht.

Das hat es schon einmal gegeben: Am 27. Spieltag der Saison 2007/2008, nachdem Lautern auf dem Betzenberg 0:2 gegen Hoffenheim verloren hatte. Trainer Milan Sasic schickte seine Spieler nach dem Abpfiff für einige lange Minuten vor die West, damit sie „in die Gesichter der Leute blicken, die diesen Verein mehr als andere lieben“. Und damit sie sich deren Kommentare anhören. Die Motivationshilfe in Form unangenehmer Wahrheiten zeigte Wirkung: Der FCK, damals mit 25 Punkten auf einem Abstiegsrang, holte in den verbleibenden acht Spielen noch 14 Punkte und sicherte sich den Klassenverbleib.

Wer nach diesem Samstag dazu noch in der Lage ist, darf aus dieser Geste also Hoffnung schöpfen.

Ein Gedanke zu “Spielanalyse: „Mission Impossible“ nach zwölf Spieltagen? Das kann nicht sein, das darf nicht sein

  1. Die Wiederbelebung des FCK hängt von schwierigen und großen Entscheidungen ab

    Nach meinem bescheidenen Vorschlag sollte das Aufsichtsratsmanagement und Sportdirektor Boris Notzon durch fähige und erprobte Mitarbeiter ersetzt werden, weil die Kaderplanung im Sommer 2017/18 insgesamt gescheitert ist. Ewerton, Koch, Gaus, Zoua wurden nicht durch ähnliche oder bessere Spieler ersetzt, da der Transferprofit nicht wieder investiert wurde.
    FCK braucht Leute wie Schmadtke, Magath, Sammer etc., um den Traditionsverein wieder in den Status seiner Geschichte zu bringen!

    Freundliche Grüße,
    Eirfan
    Helsinki

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