Spielanalyse: Unglückliche Nullnummer? Nicht ganz – Die Auswechslungen rauben dem FCK den letzten Rest an Schwung

Ja, sie haben eine andere Einstellung an den Tag gelegt als bei der 1:3-Pleite in Regensburg, ja, sie sind die meiste Zeit konzentriert zur Sache gegangen, haben nach hinten „kompakt“ gestanden, kaum was zugelassen, mehr Torchancen produziert als der Gegner und sind gelaufen, gelaufen, gelaufen… Über 121 Kilometer am Ende. Dennoch ist es wieder nichts mit einem Sieg geworden, nur 0:0 gegen einen VfL Bochum, der in dieser Verfassung in der oberen Tabellenhälfte der Zweiten Liga ebenfalls nichts verloren hat. Zu blauäugig analysieren sollte man jedoch auch diese Partie nicht, denn am Ende steht keinesfalls ein  „unglückliches“ oder „ungerechtes“ Resultat, wie hinterher von Aktiven und Funktionsträgern zu hören war. Mal ganz abgesehen davon, dass es den 1. FC Kaiserslautern bei der Mission Klassenverbleib kein Stückchen weiter bringt.

Sind das nun Unsicherheit, fehlende Flexibilität oder Ängstlichkeit – oder sind es Konsequenz, Charakterstärke und das Wissen um die beschränkten Möglichkeiten des Teams, das den 1. FC Kaiserslautern erneut mit seiner nun sattsam bekannten Lauertaktik beginnen lässt? Die rot-weißen unter den 19086 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion lechzen nach Punkten, wollen einen FCK sehen, der von der ersten Minute seine Chance sucht, aggressiv attackiert… Statt dessen steht Jeff Strassers Elf wieder fest in seiner 5-2-2-1-Grundordnung, die Offensivspieler beginnen im Spiel gegen den Ball erst kurz vor der Mittellinie, die gegnerischen Abwehrspieler zu bedrängen.

Erst nach zehn Minuten wird zum ersten Mal versucht, nach einem Pass in die Spitze geschlossen nachzurücken, gegen zu pressen, als der Ball auf der linken Abwehrseite des VfL gelandet ist. Klar, dass diese Spielanlage zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten ungeduldigen Pfiffe von der Westtribüne provoziert hat.

IST DOCH NICHTS NEUES: TABELLENLETZTE HABEN NIEMALS MATCHGLÜCK

Allerdings: Die Art und Weise, wie die Lautrer in die Zweikämpfe gehen, nachdem die Bochumer über die Mittellinie gepasst haben, verrät schon, dass die Jungs unter Strom stehen. Und nach dem Ballgewinn wird, wie gehabt, meist das schnelle, direkte Spiel nach vorne gesucht, dem es naturgemäß an Präzision fehlt. Immerhin: In den ersten 45 Minuten produziert der FCK so ein Chancenplus, das bei einer Elf mit etwas mehr Matchglück normaler Weise für den Führungstreffer reicht. Dumm nur, dass Tabellenletzte niemals Matchglück haben.

Bochum kommt nach einer Möglichkeit von Thomas Eisfeld in der 7. Minute gar nicht mehr vors Tor, Lautern verzeichnet durch Manfred Osei Kwadwo und Joel Abu Hanna zwei sehr gute Kopfballchancen nach Flanken von Philipp Mwene. Ein Geschoss Benjamin Kessels nach einer unsauber geklärten Ecke wird gerade noch abgefälscht. Dazu kommen zwei ansehnliche Schussversuche Brandon Borrellos und Mwenes von außerhalb des Sechzehners.

Apropos Personal: Strasser hat gegenüber der Totalpleite in Regensburg auf drei Positionen umgestellt. Für Baris Atik, Leon Guwara und Nicklas Shipnoski sind Borrello, Benjamin Kessel und Osei Kwadwo gekommen. Davon ist nur Atiks Austausch verletzungsbedingt. Die Hoffenheimer Leihgabe hat sich die Nase gebrochen.

POWERPLAY IN DER SCHLUSSVIERTELSTUNDE? IST NUR NOCH LEGENDE

In einer zweiten Hälfte mit gleich verteiltem Kräfteverhältnis hätte es vielleicht ja mit dem Führungstreffer geklappt. Leider aber baut der FCK in den zweiten 45 Minuten stark ab, außer einem fulminanten Lattenkreuzkracher des eingewechselten Shipnoski aus runden 25 Metern gibt es nichts zu vermelden.

Was ist nur aus dem Verein geworden, dessen Teams in den 1980er und 1990er Jahren selbst aus 0:2-Rückständen am Betzenberg noch 3:2-Siege machten, und zwar serienweise? Gerade in der Zweiten Liga sind Last-Minute-Treffer heuer angesagt wie nie, am Wochenende haben Union Berlin und Eintracht Braunschweig wieder mal nach dem Rocky-Motto gepunktet: „Es ist erst vorbei, wenn‘s vorbei ist…“

Sicher, Bemühen ist den Roten, die sich einst zurecht „Teufel“ nannten, nicht abzusprechen. Aber je länger die Partie dauert, desto  ungenauer, fahriger werden die Offensivaktionen. Dass keine neuen Impulse mehr kommen, liegt vor allem auch an den drei Wechseln, von denen zwei verletzungsbedingt sind und die Strasser in seinen Variationsmöglichkeiten einschränken.
Schon nach 53 Minuten kommt Shipnoski für den angeschlagenen Abu Hanna, was zu einer gewaltigen Rotation im Team führt, an der die Grundordnung zunächst aber keinen Schaden nimmt: Borrello übernimmt den defensiven Part auf der rechten Außenbahn, Mwene wechselt auf die linke, Osei Kwadwo und Shipnoski bespielen die offensiven Flügelpositionen.

KASTANEER REISST WIEDER NICHTS – WARUM KOMMT SPALVIS NICHT?

Fataler wirkt sich die Einwechslung von Gervane Kastaneer für den vermutlich auspowerten Osei Kwadwo 14 Minuten aus. Der niederländische U21-Nationalspieler, im Sommer als Transfercoup und Hoffnungsträger gefeiert, reißt einmal mehr gar nichts.

Vier Minuten später der nächste Wechsel. Für den ebenfalls verletzten Kessel kommt Youngster Torben Müsel. Stürmer für Abwehrspieler – ein Signal zur Schlussoffensive? Pustekuchen. Strasser stellt nun zwar auf 4-4-2 um, gegen Ball bewegt sich der FCK jedoch genauso zurückhaltend wie in der Ordnung zuvor. Und warum ist Lukas Spalvis nicht als weitere Offensivkraft gekommen? Im Pokalspiel gegen Stuttgart (1:3) hat der Stürmer doch keine schlechte Figur gemacht.

Muss sich der FCK wirklich nur „ankreiden“ lassen, seine Torchancen nicht genutzt haben, wie Jeff Strasser nach dem Spiel bilanziert? Das könnte man vielleicht so stehen lassen, wenn es nur die erste Halbzeit zu besprechen gäbe. In der zweiten Hälfte fehlte es mit zunehmender Spielzeit am unbedingten Siegeswillen und auch am Mut zum Risiko. Vielleicht sollten sie am Betzenberg mal einen VHS-Rekorder ausgraben und ein paar Videos mit Schlussphasen von den Heimspielen aus der Kalli Feldkamp-Ära ausgraben.

ANALYSETOOL: FCK-SIEG WÄRE ZU 46 PROZENT WAHRSCHEINLICH GEWESEN

Okay, unsere bevorzugten Analysetools bestätigen Strasser zum Teil. Der „expected Goals“-Grafik von „11tegen11″ zufolge, die nicht nur Torchancen aufzählt, sondern für jede einzelne auch eine mögliche Erfolgsquote errechnet, wäre ein Lautrer Sieg zu 46 Prozent wahrscheinlich gewesen, ein Remis nur zu 38 Prozent… Andererseits: So viel Unterschied sind acht Prozentpunkte auch nicht.

 

Der Vollständigkeit halber hier auch die Pass- und Positionsgrafik der Lautrer, die die ersten 70 Spielminuten betrachtet. Hier erstaunt ein wenig, das Mwene keine Sternchen trägt, er hat eigentlich an den „expected Goals“ mit der größten Trefferwahrscheinlichkeit unmittelbar beteiligt. Der dicksten Punkt, auch mit dicken Pfeilen umrandet, markiert einmal Christoph Moritz. In der Tat ist er wieder mal am meisten unterwegs gewesen (13,15 Kilometer laut „kicker“), doch zeigen die Passpfeile: Er hat wieder mal kaum Pässe nach vorne gespielt, die angekommen sind.

Wie immer wollen wir aber nicht negativ enden, auch wenn dies angesichts der Tabellensituation zunehmend schwerer wird. Einer daher darf hervorgehoben werden: In seinem vierten Ligaeinsatz und seinem ersten von Beginn an zeigte der Australier Brandon Borrello, dass sein Integrationsprozess weit vorangeschritten ist und in Zukunft mit ihm zu rechnen ist. Der 22-jährigen präsentierte sich flink, giftig, schussfreudig und taktisch flexibel, rochierte zunächst auf den offensiven Flügelpositionen und übernahm in der Schlussphase den Part des rechten Außenverteidigers in der Viererkette. „Ein interessantes Spiel“, lobte auch Jeff Strasser.

Wie immer wollen wir aber nicht negativ enden, auch wenn dies angesichts der Tabellensituation zunehmend schwerer wird. Einer daher darf hervorgehoben werden: In seinem vierten Ligaeinsatz und seinem ersten von Beginn an zeigte der Australier Brandon Borrello, dass sein Integrationsprozess weit vorangeschritten ist und in Zukunft mit ihm zu rechnen ist. Der 22-jährigen präsentierte sich flink, giftig, schussfreudig und taktisch flexibel, rochierte zunächst auf den offensiven Flügelpositionen und übernahm in der Schlussphase den Part des rechten Außenverteidigers in der Viererkette. „Ein interessantes Spiel“, lobte auch Jeff Strasser.

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