Fanblog: Schade, dass die Tabellensituation so besch… ist – Die Nachzucht nämlich gedeiht prächtig

Diesmal ist es wieder soweit: Länderspielpause = Zeit für Zwischenbilanz. Vier Ligaspiele und eine Pokalpartie hat der 1. FC Kaiserslautern seit der letzten Zäsur bestritten. Seit dem 3:0 gegen Fürth unmittelbar zuvor sind nur zwei magere Punkte dazugekommen, so dass der Klub mit erbärmlichen sieben Punkten weiter am Tabellenende steht. Nachdem die überregionalen Medien nun täglich Untergangsszenarien für den Fall des Abstiegs skizzieren, reden wir mal nur über Fußball. Und trauen uns, dem Trend zum Trotz, mit etwas Positivem zu beginnen. Was das wohl sein kann?

Ganz einfach: Der Nachwuchs des FCK wächst und gedeiht selbst in diesen Wochen gut. Wer jetzt meint, angesichts der existenziellen Krise gegewärtig sei es absolut blauäugig und nebensächlich, das Augenmerk auf die erfreuliche Nachzuchtentwicklung zu richten, dem sei gegengehalten: Schon seit Jahren retten Transfererlöse von Talenten dem FCK die Haushaltsbilanz und somit den  Allerwertesten, und gerade am Ende dieser Spielzeit könnten sie so wichtig sein wie nie – dann nämlich, wenn es darum geht, sich halt doch finanziell für die Dritte Liga aufpolstern zu müssen. Denn selbst in dieser existiert durchaus fußballerisches (Über-)Leben, entgegen allen dunklen Prophezeiungen. Und auch so mancher Traditionsverein hat es schon geschafft, aus der Drittklassigkeit zurückzukehren, siehe Braunschweig, siehe Düsseldorf.

Im Sommer waren es Julian Pollersbeck und Robin Koch, davor etwa Dominique Heintz, Willi Orban, Marius Müller und Jean Zimmer, die die anscheinend unvermeidlichen  Löcher in der Kasse stopften. Nächster logischer Kandidat wäre Philipp Mwene – und nach diesem hätte es vor wenigen Wochen noch mau ausgesehen, erst recht nach Verpflichtung der vielen Leihspieler im Sommer. Mittlerweile aber haben sich einige neue Optionen aufgetan für den Fall, dass am Saisonende erneut sportliche Qualität liquidiert werden muss.

LICHTBLICKE UND LEBENSVERSICHERUNGEN: OSEI KWADWO, SEUFERT, ABU HANNA

Manfred Osei Kwadwo etwa. Der 22-jährige ist seit Wochen der beste offensive Flügelspieler im Team – wer hätte das zu Beginn der Saison gedacht? Liegt daran, dass Baris Atik nach guten Anfängen außer Tritt geraten ist, Gervane Kastaneer nie in einen gefunden hat, Daniel Halfar verletzt ist von Kacper Przybylko eh kaum noch jemand redet, werden Skeptiker jetzt sagen. Stimmt ja auch. Macht aber trotzdem Spaß, dem Jungen zuzuschauen, vor allem im Zusammenspiel mit Mwene. Wenn er nur das Tor besser anvisierte, aber dazu kommen wir später.

Oder Nils Seufert. Der 20-jährige gehört seit dem 1:3 gegen Stuttgart zum festen Inventar, und präsentiert sich für sein Alter fast schon beängstigend abgezockt. Körperlich robust, mit Gespür für den Moment zur Balleroberung und ballfertig genug, auch enge Situationen spielerisch zu lösen. Einziger Wehmutstropfen: Für Seufert sitzt mit Gino Fechner nun ein weiteres Talent auf der Bank, das in dieser bislang so enttäuschenden Saison selbst kaum  enttäuscht hat. Vielleicht bringt Strasser den 20-jährigen mal in der Dreier-Abwehrkette. Personal, das einen präzisen ersten Pass spielen kann, ist in der hinteren Reihe nämlich dringend gefragt.

Gut entwickelt sich auch Joel Abu Hanna. Dass der 19-jährige zuletzt den Vorzug vor Leon Guwara erhielt, mag daran liegen, dass er defensiv stärker ist als dieser – aber auch daran, dass er im Gegensatz zu diesem keine Leihgabe ist. Vereinskapital ist Leasingware nunmal vorzuziehen, aus den oben genannten Gründen.

Zudem sammelt Nicklas Shipnoski regelmäßig Einsatzzeiten – schade, dass sein Latten-Hammer gegen Bochum nicht saß, das hätte den 19-jährigen sicher weiter gepusht. Gegen Bochum empfahl sich der 22-jährige Brandon Borrello in seinem Startelfdebüt für weitere Einsätze. Interessant, dass der Australier auch Außenverteidiger kann – vielleicht zeichnet sich da bereits eine  Alternative für die Zeit nach einem Mwene-Verkauf ab.

DENNOCH: BIS ZUM 34. SPIELTAG BRAUCHT ES NOCH 29 PUNKTE

Jo, aber das war‘s dann aber auch schon mit unserem gefälligen Geplauder aus der rot-weißen Kadettenschule. Denn wegreden wollen wir die prekäre Lage aktuell auch nicht. Das „Es ist ja erst ein Drittel der Saison vorbei“, mit dem Marketingvorstand Thomas Gries zuletzt die Wogen glättete, klingt nämlich schon ein bisschen arg sorglos. Sieben Punkte nach 13 Spielen sind verdammt wenig.

Denn um auf die 36 Zähler zu kommen, die es normaler Weise zum Klassenverbleib braucht, müssen in den verbleibenden 21 Partien noch 29 Punkte her. Das wären neun Siege und zwei Unentschieden, oder acht Siege und fünf Remis. Ganz schön ambitioniert für einen Verein, der zuhause gegen Aue und Duisburg vergeigt, gegen Bochum nicht einlocht und auswärts regelmäßig auf die Nuss bekommt…

Angesetzt werden muss, das zu lesen dürfte niemanden wurden, in der Offensive. Allerdings ist es zu billig, permanent nach dem Knipser zu schreien, beziehungsweise zu lamentieren, die Torchancen wären doch „da“ gewesen… Sebastian Andersson hat bewiesen, dass er die Bälle über die Torlinie bugsieren kann, so er sie bekommt, und auch Lukas Spalvis hat zumindest gegen Stuttgart gezeigt, dass mit ihm noch zu rechnen ist.

KEINE TORGEFAHR? DAS PROBLEM IST DAS QUARTETT UM DEN STÜRMER HERUM

Dass Problem ist das Quartett, das im Strasserschen 5-2-2-1/3-4-3 den zentralen Stürmer einrahmt. Christoph Moritz und Nils Seufert bewegten sich in der Mittelfeldzentrale zuletzt prima, nur den berühmten „tödlichen Pass“ sieht man von ihnen nicht, geschweige denn, dass sie selbst mal in den Strafraum eindringen und den Abschluss suchen. Bei Seufert darf man noch auf Weiterentwicklung hoffen, bei Moritz dürfte sie so langsam vergebens sein – obwohl er ansonsten unter Strasser bislang auf konstant gutem Niveau agiert und endlich Leader-Qualitäten offenbart.

Und die offensiven Flügelspieler? Haben wir oben schon aufgezählt. Da fehlt mindestens einer, der dem zentralen Stürmer wirkungsvoll zuarbeitet und ihn in der Box unterstützt. Die Qualitäten von  Superleichtgewicht Osei Kwadwo liegen eher außerhalb.

 Ist doch auffällig, dass die Toraktionen des FCK bislang mehrheitlich von Außenverteidigern vorbereitet worden sind: Mwene hat beim Pokalspiel in Havelse und gegen Fürth Flanken geliefert, die zu Tore führten, ebenso die beiden guten Kopfballchancen gegen Bochum vorbereitet, Benjamin Kessel hat Anderssons zwischenzeitlichen Ausgleich in Kiel vorgelegt, Abu Hanna hat die Ecke getreten, die der Schwede auf St. Pauli verwertete, dem Elfer, den Moritz in Regensburg verwertete, ging ein Foul an Guwara voraus.

Ob es allerdings hilfreich ist, jetzt wahllos die Namen von derzeit vertragslosen Spielern in den Raum zu werfen, nur weil Strasser auf Nachfrage mal erklärt hat, er könne sich vorstellen, auch außerhalb der Transferperiode verfügbares Personal zu verpflichten? Kaum einer, der da zurzeit genannt wird, dürfte fit genug sein, um noch vor der Winterpause weiterzuhelfen. Und einige werden aufgezählt, die erklärtermaßen deswegen vertragslos sind, weil sie keine Verträge zu reduzierten Bezügen unterschreiben wollten, Patrick Ebert etwa oder Jan Kirchhoff. Wieso sollten die sich vom FCK ködern lassen?

BESSER ORGANISIERTE ATTACKEN VERSPRECHEN MEHR ERFOLG ALS SCHNELLE TRANSFERS

Im Winter-Transferfenster eine Ad hoc-Verstärkung zu finden, dürfte schwierig genug werden, denn auch da kommen hauptsächlich Gescheiterte und Unzufriedene auf den  Markt, die sich derzeit bei gleich- oder höherklassigen Klubs den Hintern auf der Bank wundscheuern. Oder auf der Tribüne.

Ein Blick auf die Tabelle der Zweiten Liga zeigt: Mit Kiel und Düsseldorf segeln da gerade zwei Teams vorneweg, die personell eigentlich schwächer besetzt sind als die aus Berlin, Nürnberg oder Ingolstadt. Die aber mannschaftlich geschlossen zu agieren verstehen, gerade auch in der Offensive. Und genau daran krankt das Angriffsspiel des FCK: am organisierten Nachrücken und Wieder-Attackieren, wenn nach der Balleroberung das Leder in die Spitze gespielt und erst einmal beim Gegner gelandet ist. Eben dem, was die Gelehrten heutzutage „Gegenpressing“ nennen.

Nichts desto trotz muss in der Winterpause ein „kompletter“ offensiver Flügelspieler mit Abschlussqualität her. Und ein Abwehrspieler, der über Auge, Technik und Stellungsspiel verfügt und dirigieren kann, da es fraglich ist, ob und wann Marcel Correia, der für diese Rolle auserkoren war, diese jemals ausfüllen kann.

Wer dafür in Frage kommt? Das passt eher in einen Blog, der in der Vorweihnachtszeit platziert werden sollte. Von wegen Wunschzettel.

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