Gästeblog: In Lautern treffen sich zwei Trainer-Chefs aus Luxemburg – und ein Jeff will den anderen besiegen

Das Duell 1. FC Kaiserslautern und Arminia Bielefeld am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) auf dem Betzenberg elektrisiert nicht nur die Pfalz und Ostwestfalen – auch die Fußballfreunde Luxemburgs schauen ganz genau hin. Zum ersten Mal im internationalen Vereinsfußball werden sich auf der Trainerbank zwei Profis gegenübersitzen, die aus dem Großherzogtum stammen. Beide teilen sich sogar den Vornamen: Jeff Saibene (49) und Jeff Strasser (43) haben rund 30-Mal gemeinsam für die Nationalmannschaft des Fußballzwergs gekickt und pflegen ein gutes Verhältnis zueinander, auch wenn sich ihre Karrierewege bislang kaum kreuzten.

Wie Jeff Saibene gegenüber der „Luxemburger Wort“ verriet, hat er Jeff Strasser sogar ausdrücklich zugeraten, in Lautern anzuheuern. „Er hatte mich zwei Tage, bevor er in Kaiserslautern unterschrieben hatte, angerufen und mich um meine Meinung gebeten. Ich freue mich sehr, dass Jeff nun auch Trainer in der zweiten Bundesliga ist.“

Interessant: Als Trainer ist der Ältere der beiden der Ratgeber des Jüngeren. Als Spieler dagegen hatte Saibene meist zu Strasser aufgeschaut, und das nicht nur, weil dieser ihn um rund 20 Zentimeter Körpergröße überragt: Während Mittelfeldspieler Saibene in Luxemburgs Nationalmannschaft eher unauffällig agierte, war Abwehrchef Strasser der absolute Leitwolf – und ist bis heute der Rekord-Internationale des Großherzogtums.

SAIBENE ÜBERNAHM BIELEFELD ALS TABELLEN-17.: „PERFEKTE AUSGANGSLAGE“

Fußballerisch sozialisiert worden ist der heutige Lautern-Trainer allerdings in Frankreich, beim FC Metz. Seine besten Profijahre erlebte er anschließend in Kaiserslautern und bei Borussia Mönchengladbach, auch seine Fußballlehrerlizenz erwarb er in Deutschland.

Saibene hingegen ist eher ein Kind des Schweizer Fußballs, war im Alpenland, abgesehen von wenigen Unterbrechungen, insgesamt rund 20 Jahre als Spieler und Trainer aktiv, zuletzt beim FC St. Gallen und beim FC Thun. 2010 coachte Saibene  Luxemburgs U 21-Nationalmannschaft, als Strasser bei Fola Esch seinen letzten Profivertrag unterschrieb und gleichzeitig seine Trainertätigkeit aufnahm.

Saibenes Weg als Übungsleiter in Deutschland begann Anfang April 2017. Arminia Bielefeld war Tabellen-17., hatte mit Rüdiger Rehm und Jürgen Kramny bereits zwei Trainer verschlissen. Als die Ostwestfalen den Luxemburger aus der Schweiz holten, quittierte die Branche dies mit zum Teil mitleidigem und zum Teil schadenfrohem Lächeln: Was sollte der Neue in den verbleibenden neun Spielen noch reißen?

Saibene selbst war der Überzeugung, „eine perfekte Ausgangslage“ vorzufinden, wie er später der „Neuen Westfälischen“ verriet: „Zwei Trainer waren gescheitert. Die Erwartungshaltung war somit gleich Null. Ich war in Deutschland unbekannt, so dass sich einige Leute gedacht haben, was machen die bloß wieder. Ich konnte nur gewinnen.“ Das tat er denn auch gleich mehrere Male, holte in den noch ausstehenden Partien 14 Punkte, Bielefeld war gerettet.

„GUTER MIX AUS ORGANISIERT, AUFSÄSSIG UND BISSIG“

Interessant aber ist das Wie, mit dem der Trainer Saibene sich seine ersten Meriten im deutschen Profifußball verdiente. Er verordnete dem Kellerkind nämlich alles andere als den gängigen Sicherheitsfußball: „Meine Schlagworte sind Mut, hoch verteidigen, offensive Außenverteidiger, viel Präsenz im Strafraum sowie vier, fünf Leute im Abschluss zu haben. Ein guter Mix aus sehr organisiert, aufsässig und bissig aufzutreten, dazu in Ballbesitz aktiv zu sein und einen gepflegten offensiven Fußball zu spielen, ist meine Philosophie.“ Zu spüren bekam die vor allem Eintracht Braunschweig am 33. Spieltag: Die Schützlinge von Torsten Lieberknecht wurden mit 6:0 überrannt.

 Zu Beginn dieser Runde schien Saibene vollends zum Wundertrainer zu mutieren. Die Arminia, deren Lizenzspieleretat mit neun Millionen Euro kleiner ist als der des 1. FC Kaiserslautern, startete mit drei Siegen in die Saison. Nach dem 7. Spieltag und dem 2:0-Sieg des Ostwestfalen in Dresden meldeten die Statistiker, die Saibene-Truppe sei in diesen 90 Minuten unglaubliche 130 Kilometer gelaufen – Liga-Rekord.

Der Coach registrierte dies eher mit einem Achselzucken: „Das war bei meinen Teams immer so, auch in St. Gallen und beim FC Thun. Aber wir trainieren nicht extra viel. Wir trainieren richtig. (…)  Wir machen nie einen Lauf im Training ohne Ball. So macht das den Spielern auch Spaß.“

ZULETZT FÜNF SPIELE OHNE SIEG – LAUTERNS CHANCE?

In den vergangenen fünf Spielen flaute die Euphorie in Bielefeld allerdings ab. Zuletzt blieben die Arminen fünf Spiele ohne Sieg. „Wir sind nicht mehr fokussiert genug“, bemängelt Sport-Geschäftsführer Samir Arabi. Doch herrscht Ruhe im Umfeld, die positive Stimmung der vergangenen Monate hallt noch nach: „Dass ein Formtief über kurz oder lang kommen wird, dürfte jedem noch so unverbesserlichen Optimisten klar gewesen sein – und ist keineswegs verwunderlich“, analysiert Kolumnist Patrick Albrecht in der „Neuen Westfälischen“ – und prophezeit: „Arminias Blatt wird sich wieder wenden.“ Dazu bräuchte es nur mal wieder einen Sieg. Und dass sie sich diesen gegen den Tabellenletzten Kaiserslautern ausrechnen, liegt auf der Hand.

Seit Saibene wieder oben auf ist auch ein alter Bekannter: Lauterns einstiger Dauer(b)renner Florian Dick war unter Rehm und Kramny abgeschrieben, ist unter dem Luxemburger nun jedoch eine feste Größe. Nach drei Spielen auf der Bank spulte der 33-jährige zuletzt beim 2:2 gegen Eintracht Braunschweig wieder 90 Minuten auf der rechten Außenverteidiger-Position ab.

In der Partie sicherten sich die Arminen den Punkt übrigens erst in der Schlussminute, dank Leandro Putaro, einem von einigen interessanten Youngstern, die sich unter Saibene prächtig entwickelt haben. Ein anderer, Henri Weigelt, hatte als Innenverteidiger debütiert, muss am Sonntag aber voraussichtlich wieder auf die Bank. Die zuletzt gesperrten Innenverteidiger Julian Börner und auch Brian Behrendt kehren wieder ins Team zurück – und wollen ihren Teil dazu beitragen, dass der Bielefelder Chef der siegreiche Jeff unter den beiden Luxemburgern sein wird.

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