Spielanalyse: Die nächste Heimpleite – Die Dritte Liga ist nun keine Horrorvision mehr, sondern die Realität am Horizont

Mit der Ehrlichkeit ist das so eine Sache. Vor allem für Fußballtrainer, die vor eingeschalteten Mikrofonen erklären sollen, warum ihre Mannschaft einmal mehr nicht umgesetzt hat, was er ihr vorm Spiel eingebläut hat. Wer eingesteht, dass er dies selbst nicht versteht, läuft Gefahr, dahingehend interpretiert zu werden, dass er seinen Posten soeben selbst in Frage gestellt hat. Andererseits wollen wir doch alle Wahrheiten hören, gerade auch nach Katastrophenspielen, und da sollte doch anerkannt werden, wenn sich einer nicht in Augenwischerei versucht, oder? Drum wollen wir Lautern-Coach Jeff Strasser keinen Strick daraus drehen, dass er nach dem 0:2 gegen Arminia Bielefeld zugab, die abermals offenkundig gewordene Unfähigkeit seines Teams, einen Matchplan umzusetzen, sei für ihn selbst „in gewisser Weise unverständlich“.

Auf dem Trainer rumzuhacken, bringt auch nichts. Er ist mit Engagement bei der Sache, sieht durchaus, was richtig wäre, setzt auch an den richtigen Punkten an, aber: Die Ausführung klappt hinten und vorne nicht, im wahrsten Sinne des Wortes.

Diesmal setzt Jeff Strasser auf das 4-4-2, das sich alle gewünscht haben, stellt vorne sogar Lukas Spalvis neben Sebastian Andersson, verordnet ein „mutiges nach vorne Verteidigen“, was nach neun Minuten auch zu einer ersten guten Einschussgelegenheit durch Spalvis führt. Doch bereits nach 15 Minuten verliert Lautern komplett den Faden.

„MUTIG NACH VORNE VERTEIDIGEN?“ GEHT DOCH – NEUN MINUTEN LANG

Nach ersten Missverständnissen und Ballverlusten in der Hintermannschaft – unter anderem vertölpelt Patrick Ziegler an der Strafraumgrenze das Leder an Fabian Klos –, wird der FCK zunehmend ängstlicher, die Gäste kontrollieren das Spiel, und es kommt, was kommen muss: der Abwehrbock, der den Rückstand bringt. Diesmal darf sich sogar der gegnerische Keeper als Vorlagengeber in die Statistik eintragen: Stipe Vucur lässt einen Abschlag von Stefan Ortega passieren, Bielefelds Stürmer Andreas Voglsammer nimmt den Ball vor Philipp Mwene an, zieht von halblinks nach innen und mit rechts ab, aufs kurze Eck – drin.

„Das hat nichts mit System zu tun“, ist es auch der FCK-Trainer hinterher leid, mit den Journalisten irgendwelche Formationen zu diskutieren. Lauterns 4-4-2 spiegelt auf dem Papier die Bielefelder Grundordnung, allerdings setzt Strassers Luxemburger Landsmann Jeff Saibene mit Konstantin Kerschbaumer und Leandro Putaro auf zwei Flügelspieler, die nach der Ballannahme den Weg eher nach innen als über außen suchen. Vor allem nutzen sie die Räume, die Lautern zwischen Abwehr- und Mittelfeldreihe lässt – ein weiteres Manko, das der FCK-Coach nach dem Spiel treffend analysiert.

VIEL LAUFEN IST GUT – EFFEKTIVITÄT IST BESSER

Der größte Bielefelder Stärke vermögen die Lauterer sogar einigermaßen zu begegnen, wenigstens auf dem Papier: 124,78 Kilometer spulen die ostwestfälischen Laufwunder auch diesmal ab, der FCK hält mit 123,30 Kilometern immerhin dagegen. Faul sind die Jungs also nicht, aber: „Auf die effektiven Läufe kommt es an“, erklärt ihr Coach ebenfalls treffend.

Tja, wieder mal fehlt die Effektivität. Das wiederum kommt vor allem in den zweiten 45 Minuten zum Tragen. Lautern nun aggressiver, oder, um es mit Strasser zu sagen: „Unser Spiel hatte mehr Tiefe.“ Gemeint ist eigentlich: Es wird mehr Langholz geschlagen, was nicht per se einfallslos ist, wie  der Trainer betont: „Lange Bälle sind ein Mittel, gegnerisches Pressing zu überspielen.“ Viel rum kommt dabei allerdings nicht. Der eine „Wandspieler“ Sebastian Andersson macht im Grunde gar keinen Stich, der andere, Lukas Spalvis, bewegt sich viel – wird mit 12,08 Kilometern sogar laufstärkster FCK-Spieler –, nimmt den Ball ein paar Mal schön an, nur in Schussposition kommt er nicht.

Es muss klar gesagt werden: Trotz „Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit“ hat der FCK nicht eine klare Torchance, im Gegensatz zu Bielefeld. Wieder einmal muss Marius Müller sein Team lange im Spiel halten, so dass Kerschbaumer den Betze-Buben erst in der Nachspielzeit den Fangschuss verpassen kann.

„BESSER AUF DIE ZWEITEN GEGANGEN?“ NA JA…

 Dass sein Team „besser auf die zweiten Bälle“ gegangen sei, stimmt lediglich insofern, als dass es besser als in Hälfte eins war: Gut war’s deswegen lange nicht, vor allem viel zu selten. Nicht klassentauglich war auch, was an Flanken von den Flügeln kam. Joel Abu Hanna und Philipp Mwene, der Dauerbrenner der letzten Saison, sind derzeit von der Rolle.  die Flanken

Dass es laut Jeff Saibene in Hälfte zwei „das 1:1 genauso gut hätte fallen können wie das 2:0“, ist nicht mehr als eine Höflichkeit gegenüber seinem Landsmann, der dies dankbar aufnimmt. Dem sei die xG-Grafik von „11tegen11“ dagegen gehalten, die in der qualitativen Aufrechnung der erarbeiteten Einschusspositionen eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent für einen Bielefelder Sieg errechnet. „Unglücklich“ ist an diesem Ergebnis also gar nichts.

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Der Vollständigkeit halber hier auch die Positions- und Passgrafik. Daniel Halfar erscheint hier zentral, weil in Hälfte nach der Auswechslung von Nils Seufert in die Mittelfeldzentrale rückte. Ansonsten mühte sich der Kapitän wieder mal aufrichtig, doch der entscheidende Ball glückte ihm nicht. Wie gehabt also.

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DER HOFFNUNGSTRÄGER HEISST JETZT MICHAEL KLATT

Was bleibt? Auf unsere liebe Gewohnheit, zum Schluss auf ein paar Hoffnungsfünkchen aufmerksam zu machen, die in eine bessere Zukunft führen könnten, müssen wir heute einmal mehr verzichten. Nach diesem Spiel und dem neuerlichen Verharren am Tabellenende ist zu konstatieren:  Der Abstieg im Frühsommer 2018 ist keine Horrorvision mehr, sondern eine Realität, die sich immer deutlicher am Horizont abzeichnet.

Der Hoffnungsträger des 1. FC Kaiserslautern heißt nun nicht mehr Andersson oder Spalvis oder Mister X, der in der Winterpause für kleines Geld verpflichtet wird und alle und alles herausreißt, sondern Michael Klatt, der Finanzvorstand, dem es gelingen muss, im Frühjahr die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der FCK eine Lizenz für die Dritte Liga erhält.

Das tut weh, schon klar, aber wie eingangs schon erwähnt: Mit der Ehrlichkeit ist es eben so eine Sache.

2 Gedanken zu “Spielanalyse: Die nächste Heimpleite – Die Dritte Liga ist nun keine Horrorvision mehr, sondern die Realität am Horizont

  1. Für Heidenheim Spiel

    Kessel, Vucur, Fechner — Mwene, Guwara — Shipnoski, Moritz, Halfar, Borello — Andersson

    Vollgas drücken und angreifen!

    Eirfan
    FCK-Fan aus Helsinki

  2. FCK muss Herrn Notzon so schnell wie möglich durch jemanden wie Jörg Schmadtke oder Dirk Dufner oder Klaus Allofs oder Andreas Müller ersetzen.

    Eirfan
    FCK-fan aus Helsinki, Finnland.

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