Gästeblog: „In Kaiserslautern habe ich nicht genug Vertrauen gespürt“ – Im Gespräch mit Robert Glatzel

Sein Abgang im Sommer 2017 war für den Anhang des 1. FC Kaiserslautern einer der schmerzhaftesten. Die Abschiede von Julian Pollersbeck und Robin Koch spülten wenigstens Geld in die Vereinskassen, er aber ging ablösefrei. Und das, nachdem er in der Rückrunde zuvor endlich den Durchbruch als Torjäger geschafft hatte, für den er solange gekämpft und sich dabei nie aufgegeben hatte – gerade deswegen hätte das Trikot der Roten Teufel Robert Glatzel besonders gut gestanden. Verpassten Chancen nachweinen bringt jedoch weder auf dem Platz noch außerhalb etwas. Tatsache ist, der 23-jährige stürmt jetzt in Heidenheim und hat bereits vier Treffer markiert – so viele wie in der Vorsaison für den FCK. Am Freitagabend (18.30 Uhr) empfängt er mit seinem neuen Team sein altes in der Voith-Arena. Für sentimentale Gefühle ist da kein Platz mehr, wie Robert Glatzel in unserem Interview verrät.

Robert, bei Euch läuft es seit ein paar Wochen richtig gut. Zuletzt habt Ihr in vier Spielen zehn Punkte geholt. Wieso hat es so lange gedauert, bis Ihr in Tritt gekommen seid?

Das lässt sich so einfach nicht sagen. Wir haben nicht so viel anders gemacht wie in den Spielen zuvor, uns eigentlich nur in Kleinigkeiten verbessert: Wir stehen jetzt kompakter, lassen weniger Torchancen zu und schalten nach vorne besser um. Es ist die Summe dieser Kleinigkeiten, die in dieser Liga entscheidend sind.

Zuletzt hast du zusammen mit John Verhoek eine Doppelspitze gebildet. Du und Verhoek nebeneinander, da hätten viele vor Kurzem noch gesagt, dass passt nicht, die sind zu baugleich… In Sandhausen habt Ihr beide getroffen. Wie ändert sich Euer Spiel, wenn Ihr beide gemeinsam auflauft?

Ich muss vielleicht einen Tick mehr ausweichen, auf die Flügel gehen. Hauptsächlich aber  werden verstärkt lange Bälle auf uns beide gespielt. Und ich muss nicht mehr in jedes Kopfballduell gehen, wie das der Fall ist, wenn ein klassischer Zehner um mich herum agiert. John kann auch mal auf mich ablegen, das heißt, ich kann in die Tiefe laufen oder mich ins Mittelfeld fallen lassen.

Du hättest also nichts dagegen, weiter mit ihm ein Pärchen zu bilden?

Auf jeden Fall. Die letzten beiden Spiele standen wir beide gemeinsam in der Startelf, und beide haben wir gewonnen. Da scheint also was zu passen.

Bist du jetzt endgültig im Profifußball angekommen?

Ja, das kann man so sagen. Obwohl der Anfang der Saison für mich nicht leicht war. Da war ich auch selbst nicht so ganz mit meinem Spiel zufrieden, aber es kann ja auch nicht gleich von heute auf morgen alles klappen. So, wie es im Moment läuft, habe ich es mir ungefähr vorgestellt. Ich denke, ich bin jetzt in der Mannschaft angekommen.

Du hast lange kämpfen müssen, bis du den Durchbruch geschafft hast. Du warst bei 1860 München, in Unterhaching, in Burghausen, dann in Kaiserslautern, bist nicht richtig anerkannt und gefördert worden, hast aber nie aufgegeben. Wie schafft man das, so lange durchzuhalten?

Ich kann jedem nur raten, der in einer solchen Situation ist: Verlier nie den Glauben an dich selbst. Das ist das Wichtigste. Das Zweitwichtigste: Arbeite immer weiter an dir, sei dir nie zu schade, Extraschichten zu machen.

So wichtig der Glaube an sich selbst auch ist: Es muss auch immer jemanden geben, der einem Mut macht. Wer ist das bei dir?

Mein Vater. Er stammt übrigens aus Eritrea, meine Mutter ist Deutsche. Seit ich denken kann, geht er mit mir durch alle Höhen und Tiefen. Ihm habe ich alles zu verdanken.

Als du nach dieser Saison nach Heidenheim gewechselt bis, waren viele Lautrer Fans traurig. Du hattest in der Rückrunde gerade deinen Durchbruch geschafft, vier Treffer erzielt, aber schon Ende März bekanntgegeben, dass du weiterziehen wirst. Gab es keine Chance, dich zu halten?

Doch, sehr lange Zeit wollte ich sehr, sehr gerne in Kaiserslautern bleiben. Aber ich habe das Vertrauen nicht gespürt, das ich mir wünschte. Also habe ich noch abgewartet – und schließlich hat sich die Möglichkeit aufgetan, nach Heidenheim zu wechseln.

Der 1. FC Heidenheim ist in den vergangenen Jahren so ein bisschen zum Gegenteil des 1. FC Kaiserslautern mutiert, was Punkte wie „Ruhe im Umfeld“ und „Kontinuität in der sportlichen Leitung“ angeht. Hat dies bei deiner Entscheidung eine Rolle gespielt?

Klar, gerade in Bezug auf diese beiden Punkte. Vor allem die Kontinuität auf dem Trainerposten ist für mich sehr wichtig. Es ist nun mal so, der eine Trainer steht auf dich, der andere kann nichts mir dir anfangen. Bei Heidenheim hatte ich das Gefühl, dass Frank Schmidt auch in den nächsten Jahren noch mein Trainer sein wird. In Kaiserslautern war ich mir da nicht so sicher.

Einer deiner Mitspieler ist jetzt Marc Schnatterer, ein Typ, um den fast alle Fußballfans in der Zweiten Liga Heidenheim beneiden – nicht nur, weil er als Fußballer auch locker Erste Liga spielen könnte, sondern vor allem, weil er total mit dem Verein verwachsen ist, eine Identifikationsfigur darstellt, wie sie es im Profifußball kaum noch gibt. Kommt er im Mannschaftskreis auch so rüber?

Absolut. Er hat von allen das größte Standing, geht immer voran,  ist für jeden jederzeit ansprechbar und nimmt uns auch in Schutz. Er lebt den Verein. Von ihm kann ich  viel lernen.

Jetzt kommt deine alte Mannschaft nach Lautern – als Tabellenletzter. Wie ist da die Gefühlslage? Hast du noch Kontakte in die aktuelle Mannschaft?

Den besten Kontakt habe ich zu Florian Pick, aber der ist ja nach Magdeburg ausgeliehen. So ein bisschen auch noch zu Philipp Mwene, aber wir schreiben uns nicht jeden Tag. Am Freitag zählen ohnehin keine Freundschaften, zumindest 90 Minuten lang. Auf die darfst du als Profi nun mal keine Rücksicht nehmen.

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