Spielanalyse: Endlich erwacht wieder der gute, alte Betze-Geist – Hoffentlich nicht zu spät e

Ohne Frage: Jeff Strassers Arbeit beim 1. FCK Kaiserslautern schreitet voran, langsam, aber stetig. Gegen den 1. FC Nürnberg hat sich der FCK erneut gegenüber der Vorwoche verbessert präsentiert. Die Beharrlichkeit sowie die  Zuversicht, die der Coach ausstrahlt, ist bemerkenswert. Wenn da nur die Tabelle nicht wäre, nach der sich am Ende nunmal alles richtet. Erneut schafften die Lauterer zuhause nur ein 1:1 – und das ist nach dem vollkommen vergeigten Saisonstart zu wenig. Der FCK startet mit traurigen zwölf Punkten und als Tabellenletzter ins neue Jahr. Strasser will mit drei bis vier Neuzugängen und einer „gewissen anderen“ Spielphilosophie versuchen, das Unmögliche doch noch zu schaffen – und das klingt gar nicht Durchhalteparole. Noch.

Eines allerdings liegt nicht in Strassers Hand: „Ich habe das Gefühl, das bei uns seit ein paar Spielen in 50:50-Situationen eher für den Gegner entschieden wird“, mahnte der Coach nach dem Spiel an, in der ihm eigenen,  zurückhaltenden Art. Sportdirektor Boris Notzon war zuvor in der Mixed Zone wesentlich deutlicher geworden: „Das regt mich gerade total auf, gerade aufgrund unserer Historie.“ Damit spielte er auf die Vorwoche an, als im Spiel gegen Ingolstadt Referee Matthias Jöllenbeck dem Lautrer Benjamin Kessel nicht ganz nachvollziehbar Gelb-Rot zeigte und nach dem Abpfiff FCK-Stürmer Sebastian Andersson auch noch den Handschlag verweigerte – so, als sei er es, der beleidigt sein müsste.

„SO IST DAS HALT, WENN DU LETZTER BIST“

Gegen Nürnberg nun echauffierte sich Notzon insbesondere über eine Szene aus der zweiten Halbzeit, in der Nürnbergs Ewerton im Strafraum Andersson zu Boden zog – da wurde in vergleichbaren Fällen durchaus schon Elfmeter gepfiffen. Nun ja, „so ist das halt, wenn du Letzter bist“, stellte auch Strasser fest. Einigermaßen distanzierte Beobachter pflegen nach solchen Sätzen ohnehin nur verhalten zu lächeln, sei es aus Mitleid, sei es aus Spott: So ist das halt, wenn mit den Lichtern auch die Argumente ausgehen, da wird halt alles auf den Schiedsrichtern geschoben…

Allerdings fällt schon auf, dass Schiedsrichter Christof Günsch die Situation anschließend nicht einmal mit seinem Assistenten erörterte. Ebenso wenig hatte er Gesprächsbedarf, als Ewerton an der Strafraumgrenze ziemlich heftig den angreifenden Nils Seufert blockte – und ließ einfach weiterlaufen.  In der 74. Minute hätte Hanno Behrens ums Haar freistehend vor Marius Müller den erneuten Führungstreffer für den „Glubb“ erzielt, weil das Schiedsrichtergespann das – zugegeben haarscharfe – Abseits übersah. Und innerhalb weniger Minuten wurden fast identisch geführte Kopfballduelle zwischen Stipe Vucur und Ishak sowie Andersson und Ewerton mal abgepfiffen und mal nicht. Da hat  der Trainer schon recht: Es waren schon auffallend viele 50:50-Entscheidungen, die gegen Lautern ausfielen…

SCHON DAS ZWEITE EIGENTOR NACH BORRELLO-FLANKE – WIRKLICH NUR GLÜCK?

Zum Spiel selbst: Lautern begegnet dem Nürnberger 4-3-3 in einem 4-4-2. Aufgrund von neun Ausfällen wegen Verletzungen und Rotsperren gibt Youngster Torben Müsel sein Startelfdebüt, später feiert Dylan Akpess Esmel sein Pflichtspieldebüt, mit Carlo Sickinger sitzt noch ein weiterer Novize auf der Bank.

25 Minuten passiert gar nichts, dann gehen die Nürnberger nach Ecke von Enrico Valentini und Kopfball von Mikael Ishak in Führung. Der Schwede ist Leon Guwara entwischt. Allerdings bewegen sich alle Nürnberger Kopfballspieler bei Flugbällen im gegnerischen Strafraum einfach gut, bereits ihr Auswärtssieg in Düsseldorf vergangen Montag resultierte aus solchen Situationen.

Lautern fällt daraufhin erst einmal nichts ein, versucht in der zweiten Halbzeit dann, das Kollektiv weiter nach vorne zu schieben, mehr zu riskieren, braucht dabei aber auch Glück und Müller: Der durchgebrochene Rechtsaußen Edgar Salli scheitert in der 55. Minute freistehend am FCK-Keeper.

Sieben Minuten später meint es der Fußballgott dann aber endlich mal gut mit dem FCK. FCN-Innenverteidiger Georg Margreitter und Keeper Fabian Bredlow knoddeln gemeinsam eine Rechtsflanke von Brandon Borrello über die Torlinie. Ist allerdings schon das zweite Eigentor in dieser Saison, das der Australier mit einer scharfen Hereingabe provoziert, also vielleicht doch nicht nur Glück.

KAUM ZU GLAUBEN: ENDLICH ERWACHT MAL WIEDER DER BETZE-GEIST

 Und danach? Es ist kaum zu glauben, aber für einige Minuten erwacht tatsächlich mal wieder der gute, alte Betzenberg-Geist. Angefeuert von den Lautrern unter den 19790 Zuschauern, geht das Strasser-Team nach jedem Ballgewinn ab wie der Feuerwehr. Seufert verpasst – unmittelbar bevor Ewerton ihn so rüde blockt – nach links auf Nicklas Shipnoski rüberzulegen, Leon Guwara sprintet nach toller Vorbereitung und Steilpass von Borrello allein aufs Nürnberger Tor zu, verpasst aber knapp.

Leider ist der Qualitätsunterscheid beider Teams zu groß, als dass Lautern sein Feuer bis zum Schluss brennen lassen kann. Nürnberg bekommt das Spiel wieder unter Kontrolle – auch, nachdem FCN-Trainer Michael Köllner seinen Sechser Ondrej Petrak gegen Patrick Erras eingetauscht hat. Behrens trifft noch einmal den Pfosten, ein Freistoß Valentinis streicht nur Zentimeter am Tordreieck vorbei. Gegen Ende folgt noch ein bisschen Hin und Her im Mittelfeld, bei dem die Teams versuchen, mittels hoher Flugbälle zum „Lucky Punch“ zu kommen.

JETZT MÜSSEN DREI BIS VIER NEUE HER

„Wir haben die offensiven Phasen schon viel besser durchgespielt als vergangene Woche“, analysiert Strasser hinterher – und sieht „Mentalität und Wille“ seiner Spieler ungebrochen. Was keine Selbstverständlichkeit ist angesichts des trostlosen Tabellenbilds. Ab Januar will er nun weiter an den „Details“ arbeiten, um das scheinbar Unmögliche doch noch zu schaffen, eine „gewisse andere Spielphilosophie“ einführen, denn dazu habe er nun ein wenig mehr Zeit. „In den ersten Wochen hier konntest du hier nicht alles umwerfen“, so Strasser.

„Was uns fehlt, ist, im letzten Drittel des Spiels die Ruhe zu bewahren“, analysiert der Trainer. „Wie spiele ich  eine organisierte Abwehr aus? Wie dringe ich hinter die Linien vor? Wo kann ich da Räume ziehen?“

Helfen, dorthin zu kommen, sollen „drei bis vier“ Neuverpflichtungen in der Winterpause, die idealer Weise schon zum Trainingsstart am 3. Januar dabei sein sollen, denn: „Da geht es  die irgendwann auch um technische Qualität.“ Daran fehlt’s nämlich in der Offensive, so erfreulich sich Jungs wie Seufert, Shipnoski und Borrello auch gerade entwickeln. Die Kandidaten seien schon ausgeguckt, die Gespräche geführt, jetzt käme es in den nächsten Tagen zu Zu- oder Absagen.

Kommentar verfassen