Fanblog: Langsam besser werden reicht nicht – Erkenntnisse aus dem Hinrundenfinale

Zehn Punktspiele hat Jeff Strasser den 1. FC Kaiserslautern in dieser Zweitligasaison nunmehr betreut – und dabei exakt zehn Punkte geholt. Damit ist er erfolgreicher als sein Vorgänger Norbert Meier, mit dem der FCK nach sieben Spielen nur zwei Zähler auf dem Konto hatte. Der Ein-Punkte-Schnitt wird allerdings nicht reichen, um in der Liga zu bleiben – zugegeben, das ist keine sehr bahnbrechende Erkenntnis angesichts erbärmlicher zwölf Punkte, Platz 18 und sieben, beziehungsweise zehn Punkten Abstand auf Relegationsrang 16 und den rettenden Platz 15. Ob dennoch irgendwas Hoffnung macht aufs kommende Jahr? Betrachten wir uns, wie es in diesem Blog gute Sitte ist, die Spiele seit der jüngsten Länderspielzäsur noch einmal genauer.

Fünf Partien umfasste die finale Etappe des Jahres 2018. Dabei setzte es neun Gegentore, in den 13 Punktspielen davor schlug es 22 Mal im Lautrer Gehäuse ein. Der Schnitt pro Spiel ist damit in etwa gleich geblieben. Immerhin hat der FCK in diesen fünf Spielen sechs Mal getroffen, in den mehr als doppelt so vielen Partien davor dagegen glückten gerade mal acht Treffer. Diese Quote hat sich also verbessert.

Seit dem Auswärtsspiel in Dresden setzt Strasser wieder auf eine Viererkette in der Grundformation. Damit bestätigt die erhöhte Trefferquote unseren subjektiven Eindruck, dass die Mannschaft aus dieser Ordnung besser in die Offensive findet. In der Innenverteidigung präsentiert Strasser seither durchgehend das Duo Stipe Vucur/Patrick Ziegler aufgeboten, die zuletzt auch besser eingespielt schienen – seit der 0:2-Heimpleite gegen Bielefeld war auch kein typischer Vucur-Bock mehr zu bestaunen.

Dass die Fähigkeiten dieser beiden Abwehrrecken reichen, um in der Rückrunde die dringend benötigte Erfolgsserie zu starten, darf trotzdem bezweifelt werden. Die Nachverpflichtung eines spielstarken und im Positionsspiel souveränen Abwehrchefs tut nach wie vor ebenso not wie Verstärkung auf den Offensivpositionen um die Neun herum. Sollte Marcel Correia weiter ausfallen, wären sogar zwei Innenverteidiger zu empfehlen.

TROTZ NIEDERLAGE: IN HEIDENHEIM BOT LAUTERN SEINE IMPOSANTESTE SAISONLEISTUNG

Ein Sieg für den FCK ist seit dem sehr glücklichen 2:1-Erfolg in Dresden nicht mehr herausgesprungen. Es folgten zwei Niederlagen gegen Bielefeld und in Heidenheim. Die eine nach einem alles in allem erneut enttäuschen Heimspiel, die andere höchst unglücklich nach einem brutalen Torwartblackout in letzter Sekunde. In der halben Stunde zuvor hatte der FCK in Heidenheim seine wohl imposanteste Leistung dieser Spielzeit gezeigt.

Das Team erzielte nach einem 1:2-Rückstand und in Unterzahl noch den Ausgleich, und bot dem Gegner auch danach noch mit immensem  läuferischem Aufwand den offenen Schlagabtausch an. So viel Schneid muss man nach so vielen Nackenschlägen erst mal aufbringen. Was, wohlwollend betrachtet, als Zeichen dafür gewertet werden könnte, dass es  Strasser langsam gelingt, seinen Jungs den Spirit einzuhauchen, der ihn selbst als Spieler auszeichnete.

Auch in den beiden finalen Heimspielen des Jahres stimmte zumindest die Einstellung. Zwei Unentschieden sind angesichts des fatalen Tabellenbildes zwar zu wenig,  doch wurden sie immerhin gegen Ingolstadt und Nürnberg erzielt, zwei Teams, die in dieser Saison zurecht zum erweiterten Favoritenkreis der Liga gerechnet werden. Und gegen den FCN war eine weitere spielerische Steigerung gegenüber der Vorwoche zu erkennen.

NEUZUGÄNGE MIT ERFAHRUNG UND DIREKTER EINSATZBEREITSCHAFT GESUCHT

Auf allmähliche Weiterentwicklung dieser positiven Ansätze zu vertrauen, wird allerdings nicht reichen, um die genannten Punktedistanzen zu überwinden, da braucht es zusätzliche Schübe. Den sollen drei bis vier Neuzugänge bescheren, die Sportdirektor Boris Notzon bereits ausgeguckt hat, die in den nächsten Tagen unterschreiben und die möglichst schon am 3. Januar ihren Dienst am Betzenberg antreten sollen. Es soll sich um Kicker handeln, die über Erfahrung in Deutschlands Profiligen verfügen, also kaum bis keine Integrationszeit benötigen, und die bei ihren aktuellen Vereinen zuletzt nicht mehr zum Zug gekommen sind.

Wir werden jetzt nicht die Gerüchteküche nicht mit erfundenen Verweisen auf  Insiderinfos anheizen, das tun genug andere. Es genügt, mal eben durch die Datenbanken von transfermarkt.de zu scrollen, um Kandidaten zu entdecken, auf die dieses  Anforderungsprofil zutrifft. Bei Erstligist Augsburg etwa sind die verdienten Abwehr-Veteranen Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Christoph Janker aufs Abstellgleis geraten. Auf der britischen Insel kommen die ebenfalls ligagestählten Uwe Hünemeyer und Jens Hegeler nicht zum Zug und haben möglicherweise Heimweh. Offensivspieler, die trotz ansehnlicher Einsatz- und Scorer-Statistiken gegenwärtig darben, wären Onur Bulut (SC Freiburg), Stefan Lex (FC Ingolstadt) oder Danny Blum (Eintracht Frankfurt) – mit dem gebürtigen Frankenthaler könnte auch mal wieder ein Pfälzer heimgeholt werden.

Ob diese Spieler jedoch tatsächlich eine Chance für sich darin erkennen, bei einem  abgeschlagenen Tabellenletzten anzuheuern? Was anderes als Leihen bis zum Sommer dürfte sowieso nicht drin sein, obwohl die Millionen aus dem Verkauf von Robin Koch Ende der vergangenen Transferperiode die ein oder andere Ablöse zuließen. Die avisierten Spieler dürften kaum für die Dritte Liga mitunterschreiben wollen. Längerfristige Kontrakte wären allenfalls denkbar, wenn in diese die Option eingebaut wird, dass sie im Falle des Abstiegs wieder erlöschen.

AUCH WENN’S WEH TUT: FÜR DIE DRITTE LIGA MUSS GEPLANT WERDEN

Es hilft nämlich alles nichts: Seriöser Weise muss eine Zukunft in der Dritten Liga in den nächsten Wochen ebenso intensiv geplant werden wie die von allen so sehnlich gewünschte Aufholjagd – auch wenn es selbstverständlich zum gängigen PR-Handwerk gehört, in der Öffentlichkeit ausschließlich vom festen Glauben an deren Gelingen zu künden. Doch mit dem GAU zu kalkulieren, ist allein schon deswegen geboten, weil bereits im Februar beim DFB die Unterlagen für den Lizenzantrag abgegeben werden müssen.

Wie Sportdirektor Boris Notzon während der Jahreshauptversammlung erklärte, haben aktuell nur zwei FCK-Profis Verträge für die Dritte Liga. Auch dies ist der sportlichen Leitung zwischenzeitlich schon als Kurzsichtigkeit oder gar „Dilettantismus“ ausgelegt worden. Wer sich jedoch mal die Personalien der Zweitligaabsteiger vergangener Jahre anschaut, stellt fest:  Fast alle Spieler, die bei diesen unter Vertrag standen, kamen nach dem Absturz in die Drittklassigkeit ablösefrei auf den Markt. In der Ersten Liga mag es möglich sein, Spieler Verträge unterzeichnen zu lassen, die auch für Liga zwei Gültigkeit haben, eine Klasse tiefer sind die zu erwartenden Gehaltseinbußen einfach zu groß, als dass die Vertragspartner sich darauf einließen.

DIE JUNGEN MÜSSEN BLEIBEN – UND STRASSER AUCH

Drum muss der FCK die Winterpause nutzen, zumindest das Gros seiner jungen Spieler bereits für Liga drei weiter zu verpflichten. Der ein oder andere dürfte sich schon jetzt nicht mehr locken lassen, Nils Seufert etwa, der nach seinen jüngsten Auftritten sicher schon in den Fokus von Vereinen aus der Ersten und Zweiten Liga geraten ist. Aber Nicklas Shipnoski, Manfred Osei Kwadwo, David Tomic oder Lennart Grill könnte auch ein drittklassiger FCK Perspektiven bieten, um sich weiterzuentwickeln.

 Wünschenswert wäre auch, dass Trainer Jeff Strasser nicht als „verbrannt“ abgestempelt wird, falls der geplanten Aufholjagd in der Rückrunde kein Erfolg beschieden ist. Der Luxemburger passt als Typ auf den Betzenberg, setzt durchaus an den richtigen Punkten an und scheint auch über die richtige Ansprache zu verfügen, um die Spieler zu erreichen. Ihm ein Weiterarbeiten zu ermöglichen, wäre geschickter, als bei Abstieg erneut mit einem neuen Trainer neu anzufangen.

Denn selbst wenn es – noch – keiner hören mag: Es gibt auch ein Leben in der Dritten Liga. Wenn der Verein mit der Stadt eine Einigung findet, dass der FCK im Abstiegsfall tatsächlich nur noch 425.000 Euro Stadionmiete zahlt, wird Finanzvorstand Michael Klatt einen wettbewerbsfähigen Etat für diese Klasse aufstellen können.

Und gerade in der jüngsten Vergangenheit haben in der Zweiten Liga immer wieder Aufsteiger imposant Einzug gehalten, die eben nicht mit Millionen um sich warfen, sondern ihre Zeit in der Drittklassigkeit genutzt hatten, um mit Fachverstand schlagkräftige Teams zu formieren. Beispiele gefällig? SV Darmstadt 98, Dynamo Dresden – und aktuell Holstein Kiel.

Kommentar verfassen