Fanblog: „Bei Fußball im Fernsehen schlafe ich meistens ein“ – Im Gespräch mit FCK-Groundhopper David Smreh

„Wenn nur 50 Prozent der Leute, die sich in Facebook als Megafans hinstellen, den FCK im Stadion unterstützen würden, hätten wir auswärts locker 2.000 und daheim 10.000 Fans pro Spiel mehr.“ David Smreh weiß, wovon er redet: Der gebürtige Magdeburger nutzt soziale Netzwerke ebenfalls, um mit Sätzen wie diesen zu glänzen, aber wenn es darum geht, seinem Verein vor Ort beizustehen, setzt er lieber auf Taten statt Worte. David ist ein echter „Groundhopper“, seit rund 20 Jahren bei fast allen Saisonspielen des 1. FC Kaiserslautern persönlich präsent, egal wo, egal, in welcher Liga. Und daran wird sich auch künftig nichts ändern, wie er in unserem Gespräch versichert.

David, Du nennst Deine „Facebook“-Seite „Ossi on tour“, das lässt vermuten, dass Du aus dem Osten stammst. Wie bist Du zum FCK gekommen?

Ich bin in Magdeburg geboren, lebe aber schon seit über 20 Jahren in Speyer. Mein erstes Spiel, dass ich im Stadion gesehen habe, war das 3:1 gegen den FC Barcelona im Jahr 1991. Da war ich zwölf Jahre alt, und es ist bis heute das unglücklichste, aber auch das schönste Spiel, das ich je gesehen habe. Dass ich danach nicht mehr vom FCK loskam, ist ja wohl verständlich, oder?

Allerdings. Und seitdem hast Du kein Spiel mehr verpasst?

Na ja, so richtig los ging es erst sechs Jahre später, als ich 18 war. Seitdem schaffe ich es, mindestens 32 Spiele einer Saison zu sehen. Vergangene Saison habe ich eine 34er Runde gepackt.

Wie fährst Du zu den Spielen – per Auto, Bus oder Bahn?

Ich bin jahrelang allein gefahren, immer mit dem Auto, weil man da flexibler ist und vielleicht unterwegs noch das ein oder andere Spiel zusätzlich mitnehmen kann…

Das heißt, Du schaust nicht nur Lautern-Spiele live vor Ort?

Nicht nur. 2017 habe ich insgesamt 160 Spiele besucht… Über einen Kunden – ich fahre beruflich Getränke aus – bin ich vor ein paar Jahren zu den „Red Fanatics“ gestoßen. Seitdem fahren wir in Fahrgemeinschaften mit dem Auto oder mit dem Bus.

Fußball im Fernsehen interessiert Dich gar nicht?

Ein „sky“-Abo habe ich nicht. Bei ARD und ZDF schaue ich ab und zu mal die Nationalmannschaft, aber da schlafe ich meistens ein. Da interessiert mich schon eher die Frauen-Nationalmannschaft.

Wohin fährst Du am wenigsten gern?

Zu diesen sogenannten Hochsicherheitsrisiko-Spielen – Rostock, St. Pauli, Mannheim, Offenbach und so. Allein schon, weil es ungern gesehen wird, wenn ich filme – ich lade ja von meinen Reisen gerne Videodateien auf „Facebook“ oder „YouTube“ hoch. Gerade bei diesen Spielen aber werden die Leute schnell aggressiv – wahrscheinlich, weil sie Angst haben, dass man was filmen könnte, was sie nicht sehen wollen.

Es heißt, die Gewaltbereitschaft in den Stadien habe in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Wie siehst Du das?

Meiner Meinung nach hat sich in den vergangenen Jahren gar nicht so viel verändert. Es wird nur alles höher aufgehängt als früher. Nach Karlsruhe sind wir auch früher schon mit einem mulmigen Gefühl gefahren. Doch wenn heute mal zehn Pyros abgefackelt werden – was ja verboten sein mag – ist gleich von einer Riesenrandale die Rede. Auch der Umgang mit der Polizei ist schwieriger geworden, etwa, was die Vorschriften angeht, wie man ein Stadion anzufahren und zu laufen hat oder was man mit ins Stadion nehmen darf. Überhaupt hat man das zunehmend Gefühl, als Fan der Gastmannschaft nicht mehr erwünscht zu sein. Ich bekomme das ja alles mit, ich organisiere mittlerweile ja auch die Bustouren für unseren Fanclub.

Verlieren da viele Fans nicht langsam die Lust am „Live“-Gucken vor Ort?

Bei uns im Fanclub nicht, aber was ich so von anderen mitbekomme: Es wird schon weniger. Für viele ist das einfach nicht mehr der Fußball, den sie mal kennengelernt haben. Das hat gar nicht mal was mit der sportlichen Leistung unseres FCK zu tun. Sondern mit der Art, wie im Stadion mit Dir umgegangen wird. Und natürlich auch mit den Preisen. Für die Vereine scheinen nur noch die Fernseheinnahmen zu zählen. Das Heimspiel des FCK gegen Ingolstadt etwa wäre früher gar nicht angepfiffen worden, weil die Anreise bei diesen Witterungsverhältnisse wirklich grenzwertig war.

Zum Sportlichen. Wie sieht‘s aus für Dich: Packt‘s der FCK noch, in der Zweiten Liga zu bleiben?

Als Fan sage ich natürlich: Ich gebe die Hoffnung nicht auf, und wenn wir es schaffen, bis zum Ende der Winterpause noch drei, vier Spieler holen, die die Mannschaft verstärken, kann es noch was werden. Als neutraler Fußballbeobachter muss ich allerdings sagen: Wer nach 18 Spielen nur zwölf Punkte auf dem Konto hat, hat eigentlich keine Chance mehr. So ein Wunder, wie es St. Pauli in der vergangenen Saison geschafft hat, gibt‘s nur alle 20 Jahre einmal.

Würde der Abstieg für Dich und an Deiner Beziehung zum FCK irgendetwas ändern?

Nein, wieso? Ob Dritte Liga oder Regionalliga, ich bleibe Fan. Warum soll ich meinen Verein wechseln? Ich habe mit ihm alles erlebt, Meisterschaften, Abstiege, Aufstiege. Und wenn es jetzt die Dritte Liga sein soll, na gut. Auch da kommen ein paar interessante Gegner auf uns zu. Und es warten ein paar spannende Auswärtsfahrten auf uns.

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