Vorschau: Der FCK vor dem Start ins Schicksalsjahr 2018 – Wie es ab jetzt laufen muss

Immerhin: Die Generalprobe ist geglückt. Der 1. FC Kaiserslautern hat am Mittwochabend den FC Midtjylland auf dem Betzenberg 1:0 geschlagen, und der ist derzeit die Nummer 1 in Dänemark. Allerdings: Dieser Sieg stellt den bislang einzigen Hinweis dar, dass der Tabellenletzte der Zweiten Liga gestärkt genug aus der Winterpause kommen könnte, um in den verbleibenden 16 Spielen sieben, beziehungsweise zehn Punkte auf Relegationsrang 16 und Platz 15 gutzumachen. Die übrigen Tests gingen allesamt verloren, und auch die personelle Verstärkung der Mannschaft ist nicht so vonstatten gegangen, wie es sich Cheftrainer Jeff Strasser erhofft hatte: dass nämlich schon zum Jahresauftakt drei bis vier Neuzugänge bereitstehen, die bis zum ersten Pflichtspiel gegen Darmstadt 98 am kommenden Mittwoch, 18.30 Uhr, in Ruhe integriert werden können. Bange machen gilt dennoch nicht. Drum sparen wir uns die lapidare Feststellung, dass nur noch ein Wunder die Roten Teufel retten kann, verzichten auch auf Prozentangaben, um die Wahrscheinlichkeit eines Nichtabstiegs zu beziffern, sondern widmen uns der Frage, wie das, was da ist, sich jetzt zusammenfinden könnte.

Gekommen sind bekanntlich:

Ruben Jenssen, 29. Er erfüllt das Anforderungsprofil an die Neuen, das in den Weihnachtstagen öffentlich gemacht wurde, am nachhaltigsten. Einer, der schon gezeigt hat, dass er Zweite Liga kann und insbesondere den FCK gut kennt. Jenssen kickte bereits von 2013 bis 2016 auf dem Betze, erzielte in 81 Partien zehn Tore und bereitete sieben Treffer vor. Und floppte auch anschließend im holländischen Groningen nicht: 50 Spiele, zwei Tore, acht Vorlagen. Stand dort keinesfalls auf dem Abstellgleis, hatte zuletzt lediglich drei Wochen wegen Verletzung pausiert und nicht direkt zurück in die Startelf gefunden, das ist kein Drama. Wollte trotzdem unbedingt zurück nach Lautern. Das hört der Fan gerne. Jenssen ist einer, der sich mit dem Verein identifiziert und der Verantwortung übernehmen will – und der schon unmittelbar zum Jahresauftakt kam.

Jan-Ingwer Callsen-Bracker, 33. Ebenfalls erfahren: 168 Bundesliga- und 15 Zweitligaspiele, 13 Tore, zwei Vorlagen. Keine FCK-Vergangenheit allerdings, hat jedoch gegen Lautern sein erstes Bundesligator erzielt, in der Saison 2004/2005 war das. Ist seit 2011 eigentlich fest in Augsburg verwurzelt, spielt dort aber seit einer schweren Verletzung im Dezember 2015 keine Rolle mehr. Steht jedoch seit April 2017 permanent im Mannschaftstraining und war dem Vernehmen nach immer nah dran an der Startelf. Als „Risikoverpflichtung“ sollte er daher nicht abgetan werden, auch wenn ihm sicher Spielpraxis fehlt. Den Skeptikern sei in Stammbuch geschrieben: Ein mindestens auf Zweitliganiveau erfahrener Abwehrspieler mit Leader-Qualität, der aktuell auch noch auf regelmäßige Einsätze beim abgebenden Verein verweisen kann, wäre für einen Tabellenletzten nicht zu haben gewesen.

WAS JENSSEN UND CALLSEN-BRACKER LEISTEN SOLLEN

Im Testspiel gegen die Dänen deutete sich bereits an, wo und wie die beiden Neuen sich einbringen sollen. Callsen-Bracker muss gemeinsam mit Marcel Correia eine Innenverteidigung bilden, die sich weniger individuelle Fehler leistet als die wechselnden Besetzungen des Vorjahres, aber auch stellungssicherer ist und vor allem einen präzisen ersten Pass aus dem Defensivverband spielen kann – daran haperte es bislang. Schade, dass den beiden nur diese Partie zum Einspielen bleibt. Callsen-Bracker kam erst am vergangenen Montag.

Ruben Jenssen ist offenbar für die offensive linke Außenbahn vorgesehen, auf dieser Position wurde er auch in seiner letzten Spielzeit beim FCK am häufigsten eingesetzt. Zuvor und zuletzt in Groningen fungierte er vornehmlich als zentraler Mittelfeldspieler. Für einen Außen fehlt Jenssen im Grunde ein wenig Speed, was sich allerdings in einem 4-4-2, in dem er mindestens einen sprintstarken Spieler vor sich hat, gut kompensieren lässt. Diese Grundordnung scheint Strasser nun auch vorzuschweben.

OSAWE IST ZURÜCK – WAS GEHT MIT ALTINTOP?

Neben Sebastian Andersson hat sich in den jüngsten Tests Osayamen Osawe zurückgemeldet. Als zweiter Mann in einer Doppelspitze hat er vor über einem Jahr auch schon unter Tayfun Korkut seine ersten Auftritte im FCK-Dress hingelegt, und die liefen auch gar nicht so schlecht. Erst in den 4-2-3-1- und 5-4-1-Systemen Norbert Meiers kam der pfeilschnelle, ansonsten aber limitierte Engländer nicht mehr zurecht.

Angekündigt sind noch ein defensivstarker Sechser und ein Offensiver, der sich um die zentrale Spitze (Andersson oder Spalvis) herumbewegen kann. Für die zweite Position ist dem Vernehmen nach Halil Altintop ausgeguckt, ebenfalls erfahren, ebenfalls mit FCK-Vergangenheit, allerdings schon 35. Er will angeblich auch kommen, allerdings haken die Verhandlungen mit dem abgebenden Verein, Slavia Prag. Mit Altintop ließe sich gegebenenfalls verwirklichen, was sich Jeff Strasser nach dem Jahresabschluss gegen den 1. FC Nürnberg wünschte: Mehr präzise Zuspiele im Angriffsdrittel.

EGAL, WER NOCH KOMMT: DIE STARTELF FÜR DARMSTADT DÜRFTE STEHEN

Doch selbst wenn sein Transfer in den nächsten Stunden noch klar gemacht werden kann: Als Startelfkandidat für das richtungsweisende Spiel in Darmstadt dürfte er dann kaum noch in Frage kommen. Viel mehr ist davon auszugehen, dass Strasser an der Startformation vom Mittwoch nicht mehr viel ändert: Müller – Mwene, Callsen-Bracker, Correia, Guwara – Borrello, Moritz, Seufert, Jenssen – Andersson, Osawe.

Denkbar ist allenfalls, dass Seufert doch noch ein „zerstörerischer“ Sechser vorgezogen wird (Ziegler oder Fechner), und zwischen Mwene und Benjamin Kessel ist es im Grunde immer eine Kopf-an-Kopf-Entscheidung. Gegen die „Lilien“, die sich unter Dirk Schuster jetzt bestimmt wieder verstärkt auf Standardsituationen kaprizieren werden, dürfte ein zusätzlicher Kopfballspieler (Kessel) eine Überlegung wert sein.

Und wenn gar keiner mehr kommt?

NOCHAL: DIE NEUEN ALLEIN WERDEN ES NICHT RICHTEN

In diesem Fall sei noch einmal an unsere Analyse des Fußballwunders von St. Pauli aus der vergangenen Saison erinnert: Es waren eben nicht, wie gerne kolportiert wird, die Wintereinkäufe, die die Kiezkicker in der Rückrunde ins Marschieren brachten: Lennart Thy wurde nicht einmal Stammspieler, auch Johannes Flum war zeitweise außen vor. Auf St. Pauli haben viele Zahnräder ineinander gegriffen. Unter anderem explodierten einige, die in der Vorrunde erst zaghaft zu glimmen begonnen hatten.

Beim FCK heuer könnte Brandon Borrello so einer sein, er schoss auch gegen die Dänen das Tor des Tages. Ebenso könnte Osawe wiedererstarken, Correia endlich in die Spur finden. Auch von Lukas Spalvis hat in der Vorrunde viel Luft nach oben angedeutet. Weiterhin gar keine Rolle zu spielen scheint dagegen Gervane Kastaneer, der am Mittwoch nicht mal eingewechselt wurde.

NA DENN: LASST DIE SPIELE BEGINNEN

Zu bedenken ist ebenfalls: St. Pauli startete seine entscheidende Siegesserie erst ab dem 28. Spieltag. Solange galt es, die Nerven zu behalten… Dies an die Adresse derer, die das Darmstadt-Spiel am kommenden Mittwoch bereits zum Tag des Jüngsten Gerichts ausgerufen haben. Sicher: Es ist ein eminent wichtiges Spiel. In erster Linie aber, um Selbstvertrauen zu tanken fürs erste Heimspiel 2018, das bereits drei Tage später steigt: Tabellenführer Fortuna Düsseldorf kommt.

Mit einem guten Ergebnis in Darmstadt ließe sich dafür auch die Zuschauerzahl in die Höhe treiben. Ebenso zum nächsten Heimspiel des Jahres, zudem sich der aktuelle Tabellenzweite einfindet, Holstein Kiel. Heiße Wochen stehen auf dem Betzenberg also auf jeden Fall an.

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