Spielanalyse? Die Sorge um Jeff Strasser trübt den Blick – Immerhin: Spielabbruch bei 0:0 benachteiligt niemanden

Es geht eben doch immer noch schlimmer. Wer hätte gestern gedacht, dass hier heute eine noch schlechtere Nachricht stehen könnte als „Lautern verliert zum Jahresauftakt in Darmstadt“? Statt dessen gibt es gar kein sportliches Ergebnis zu vermelden. Das Spiel ist in der Halbzeit abgebrochen worden, nachdem FCK-Coach Jeff Strasser mit Herzbeschwerden in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Immerhin ist mittlerweile bekannt, dass dies lediglich „zur Kontrolle“ geschah, Strassers Zustand sei nicht bedrohlich, er sei jederzeit bei Bewusstsein und ansprechbar gewesen. Ob und wann ein Nachholtermin für die Partie angesetzt wird, wer den FCK am kommenden Samstag (13 Uhr) gegen Fortuna Düsseldorf coacht, ob und wie lange der 43-jährige ausfällt – darüber lässt sich zur Stunde nur spekulieren. Im Moment bleibt uns nur, kurz auf die ersten 45 Minuten zu blicken und sie sportlich einzuschätzen, auch wenn es schwerfällt.

Zu sehen war der erwartete Stellungskampf zweier Teams, die sich keine Niederlagen mehr leisten wollen. Darmstadt ist nach zwölf Spielen ohne Sieg auf Rang 16 abgerutscht, Lautern hat sich schon vor einer Ewigkeit am Tabellenende festgefahren. 2018 soll alles anders werden, das haben sich beide vorgenommen. Entsprechend gehts zur Sache: Konzentriert, aggressiv, mit engen Markierungen, aber ohne jede spielerische Lockerheit.

Den Lilien gelingt es zunächst, sich Bälle weiter vorne zu erobern, wodurch sie zumindest ansatzweise gefährlichere Situationen heraufbeschwören als ihr Gegner. Wirklich dran am Treffer sind sie allerdings nur in der 24. Minute: Peter Niemeyer bugsiert eine Freistoßflanke Tobias Kempes in Strafraummitte zu Neuzugang Slobodan Medojovic, doch Christoph Moritz klärt vor Torlinie.

ERST GEGEN ENDE DER HALBZEIT ÜBERNIMMT LAUTERN DIE KONTROLLE – DER REST IST SCHWEIGEN

Und Lautern? Nach vorne geht erst mal nichts. Schon früh wird der lange Ball gespielt, stets auf gedecktes Personal. Immerhin lassen sich so zwei Eckbälle provozieren. Die neue Innenverteidigung mit Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Marcel Correia wirkt tatsächlich ballsicherer als die diversen Besetzungen in der Vorrunden, ist aber auch nicht fehlerfrei. In der 14. Minute muss sich Ruben Jenssen mit einer deftigen Aktion gegen Niemeyer die Gelbe Karte abholen, um zu verhindern, dass ein allzu sorglos durch die Mitte gepasster erster Ball zum Bumerang wird.

Im letzten Drittel dieser 45 Minuten ändert sich das Bild allerdings. Lautern kontrolliert nun das Spiel, schafft sich auch mal Luft mit einigen Diagonalpässen, die tatsächlich ankommen. Zählbares kommt dabei nicht heraus, am gefährlichsten ist ein Nachschuss von Leon Guwara aus der zweiten Reihe. Ob es nun wirklich wachsende Lauterer Stärke oder Darmstädter Nachlassen in punkto Aggressivität ist, was diesen Umschwung bewirkt, kann, wie so oft, eine Frage der Perspektive bleiben. Interessant: Nach zehn Minuten Spielzeit verzeichnete Darmstadt 66 Prozent Ballbesitz, nach 45 Minuten hatte sich der Wert auf 61 Prozent zugunsten Lauterns verschoben.

Das war‘s auch schon. Ein Gutes hatte dieses 0:0 zur Pause jedenfalls: Durch den anschließenden Spielabbruch muss sich niemand benachteiligt sehen. Inwieweit das „zu Null“ Lautern Stabilität fürs Heimspiel gegen Düsseldorf am kommenden Samstag (13 Uhr) verliehen hat, muss sich weisen. Schließlich lässt sich auch noch nicht absehen, wie sich die gegenwärtige Ungewissheit um den Trainer auf die Psyche des Teams auswirkt.

TOLLE REAKTION DER DARMSTÄDTER – UND MARTIN BADER WIRD NEUER SPORTVORSTAND

Ausdrücklich hervorgehoben sei auch an dieser Stelle das verständnisvolle Entgegenkommen und die aufmunternden Worte von Spielern, Funktionären und Fans der Gastgeber. Es dauerte zwar eine runde halbe Stunde, bis die Entscheidung, die Partie abzubrechen, bekanntgegeben wurde, aber dass es unter diesen Umständen auf keinen Fall weitergehen soll, hätten alle Parteien sofort signalisiert, hieß es später. „An Tagen wie heute werden wir alle wieder daran erinnert, dass es wichtigere Dinge gibt als Fußball“, ließ Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch verlauten. Vor allem gibt es doch noch Menschlichkeit in diesem Geschäft, allen Unkenrufen zum Trotz.

Zudem vermeldeten „Rheinpfalz“ und „kicker“ gestern Abend übereinstimmend, dass Martin Bader neuer Sportvorstand des 1. FC Kaiserslautern wird. Eine Personalie, die sicher noch einer gesonderten Betrachtung bedarf. Im Moment ist es angezeigt, auf neue Nachrichten zum Gesundheitszustand Jeff Strassers zu warten.

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