Analyse: Neue Pleite, aber noch lange kein K.O. – Als Lauterns Konzentration nachlässt, hat Sandhausen die richtigen Ideen

Nein, es geht eben doch nicht auf geradem Wege aus dem Keller hinaus. Nach zwei Siegen unter Michael Frontzeck hat die 0:1-Heimniederlage gegen den SV Sandhausen die Aufholjagd des Tabellenletzten 1. FC Kaiserslautern  gestoppt. Ist es jetzt also wieder an der Zeit, Grabgesänge anzustimmen? Genauso wenig, wie es angebracht war, angesichts von zwei Siegen hintereinander von einer „Serie“ oder einem „Lauf“ zu sprechen. Die 90 Minuten vom Freitag haben lediglich einmal mehr bestätigt, wie ungeheuer hoch die Leistungsdichte dieser Zweiten Liga ist, das zeigen auch die Ergebnisse von Ingolstadt, Düsseldorf und Kiel. Schönrechnen ist unterm Strich zwar genauso wenig hilfreich wie Heulen, es sei hier dennoch mal erlaubt, um dem nun erneut hochkochenden Frust zu begegnen: Nach drei Spielen steht der Punkteschnitt des neuen Trainers immer noch bei 2,0 – behält er den bei, wird es am Ende reichen.

Gegen Sandhausen musste Frontzeck auf den gelbgeperrten Christoph Moritz verzichten, seinen laufstärksten Spieler, der seit Beginn des zweiten Saisondrittels durchweg auch zu den besten gehörte. Um ihn zu ersetzen, waren einige Varianten denkbar, der neue Trainer entscheidet für wenig Umbau und viel Routine: Nicht Gino Fechner, sondern Marcel Correia rückt ins zentrale Mittelfeld. Der erfahrene Jan-Ingwer Callsen-Bracker trägt in seinem erst vierten Spiel für den FCK bereits die Spielführerbinde.

Ansonsten bleibt das etwas asymetrische 4-4-2 der vergangenen Wochen stehen. Der zweite Stürmer Osawe orientiert sich mehr auf die linke Seite, so dass der rechte Flügel dem Pärchen Brandon Borrello/Philipp Mwene offensteht. Das funktioniert zunächst nicht so gut, da SVS-Trainer Kenan Kocak eine Fünferkette aufbietet, die es vor allem für Osawe eng machen soll, wenn er bisweilen aus dem Stand von der Außenlinie zu Dribblings in den Strafraum  ansetzt.

HÄLFTE EINS: KEINE KLAREN CHANCEN, ABER DRUCK UND INTENSITÄT

So bleibt Lautern die Gnade des frühen Tores vorenthalten, die sie in den beiden siegreichen Spielen zuvor frühzeitig beflügelte. Konzentriert bei der Sache sind die Pfälzer dennoch.

Nach acht Minuten bereits machen Borello, Lukas Spalvis und Mwene das erste Mal vor, wie es gehen könnte. Sie spielen den aufrückenden Rechtsverteidiger sehr schön frei, doch dessen flache Hereingabe bleibt in der vielbeinigen Dreier-Innenverteidigung hängen. Nach etwa 20 Minuten gelingen auch Osawe erste Aktionen auf dem linken Flügel. Er probiert es ebenfalls mit flachen Pässen in den Rückraum, Jenssen und Borrello kommen aber nicht zum Schuss. Spalvis nimmt einen aus dem Sechzehner zurückspringenden Ball mal direkt, so dass SVS-Keeper Marcel Schuhen nur abklatschen kann.

Dazu gibt’s einige Distanzschussversuche von Nils Seufert zu bestaunen, die ungefähr die Qualität von denen des legendären Spielmachers Hannes Bongartz erreichen – langjährige Betzenberg-Besucher, die sich noch an den „Spargeltarzan“ erinnern, werden erkennen, wie vergiftet dieses Kompliment ist. Die wenigsten können eben alles richtig gut.

Außerdem produziert der FCK noch diverse Eckbälle. Bis zur Pause hat er unterm Strich hat Lautern zwar keine richtig gute Torchancen vorzuweisen, durchaus aber Druck erzeugt und das Spiel im Griff.

DIE KONZENTRATION LÄSST NACH – UND DER SVS ÜBERNIMMT DIE KONTROLLE

In Hälfte zwei haben die Roten in der 57. Minute nochmal eine gute Kopfballchance durch Spalvis nach Borrello-Flanke. Dann aber beginnen die Gesetzmäßigkeiten der Zweiten Liga zu greifen.

Keine Mannschaft in dieser Klasse ist in der Lage, eine andere über 90 Minuten zu beherrschen. Speziell das junge Lautrer Team, obwohl nunmehr durch einige Routiniers verstärkt, ist immer noch nicht in der Lage, die  Konzentration über die volle Distanz hochzuhalten. Und, wie schon, gesagt: Diesmal ist Frontzecks Elf die Gnade des frühen Tores nicht zuteil geworden…

Zudem kam der Gegner mit einer neuen Idee aus der Kabine. Kocak hat den Ex-Lauterer Markus Karl aus der Fünferkette ins zentrale Mittelfeld gezogen, was Sandhausens Spielanlage offener macht. Ab Minute 64 geht es Schlag auf Schlag.

FCK-Keeper Marius Müller muss ein Geschoss von SVS-Linksverteidiger Leart Paqarada mit den Fäusten abwehren, anschließend braucht er außer Können auch Glück, um eine Riesenmöglichkeit des eingewechselten Ali Ibrahimaj gerade noch zu vereiteln, als nächstes vertändelt der ebenfalls eingewechselte Halil Altintop kurz vorm Sechzehner einen Ball, den Richard Sukuta-Pasu aus guter Schussposition verstolpert.

UND VUCUR WIRD WIEDER EINMAL ZUM PECHVOGEL

In Minute 78 ist es dann soweit. Lautern bekommt den Ball im eigenen Strafraum nicht geklärt, Stipe Vucur kickt ihn vor die Füße von Philipp Förster und der findet aus 18 Metern die Lücke – 1:0 für Sandhausen. Sein anschließender Jubel-Flatterer vor der West ist sicher unnötig provokativ, immerhin aber entschuldigt sich der 23-jährige hinterher: Die Emotionen seien mit ihm durchgegangen… Sollte man akzeptieren.

Vucur hat am Ende auch noch mal die Chance zum Ausgleich, haut den Ball aber aus sechs Metern drüber. Womit das Spielseine tragische Figur hat.

NACH CORREIAS VERLETZUNG BALL INS AUS SCHIESSEN? NA JA…

Vor dem Führungstreffer war Marcel Correia in Höhe der Mittellinie liegengeblieben, nachdem ihm äußerst schmerzhaft auf die Hand getreten worden war – mittlerweile ist lediglich eine schwere Prellung diagnostiziert, nachdem es zuerst nach Bruch aussah. Was die Frage aufwirft, ob Sandhausen nicht den Ball hätte ins Aus schießen müssen, des Fair Plays halber.

Dazu bezog Michael Frontzeck hinterher wohltuend besonnen Position: „Ich bin generell kein Freund von Den-Ball-ins-Aus-Schießen, ich denke, wenn, dann sollte der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen.“ Solle man so stehen lassen. Und statt dessen festhalten: Verloren hat der FCK nicht wegen dieser Aktion, sondern weil er nach einer Stunde die Spielkontrolle verloren hat.

Wohltuend auch, wie Frontzeck, aber auch Spieler wie Callsen-Bracker diesen „herben Rückschlag“ nicht unbedingt als solchen darstellen wollten. Natürlich ist der Abstiegskampf damit noch nicht entschieden. Der FCK darf gegen von den noch ausstehenden zwölf Partien sogar noch fünf verlieren, solange er die sieben übrigen gewinnt.

AUCH IN DEN NÄCHSTEN BEIDEN SPIELEN GEHTS NUR UM DREI PUNKTE

Vor diesem Hintergrund sind auch die nun anstehenden Auswärtsaufgaben anzusehen: Das Nachholspiel gegen den SV Darmstadt 98 am Mittwoch, 18.30 Uhr, und in Aue am Samstag, 13. Uhr. Zwei Mal gegen tabellarisch noch erreichbare Gegner, da wird in den nächsten Tagen wieder viel von „Abstiegsfinale“ und „Sechs-Punkte-Spiele“ die Rede sein.

Fakt ist: Auch in diesen Partien sind jeweils nur drei Punkte im Topf, und sie gegen diese Teams zu holen, ist kaum leichter oder schwerer als gegen Berlin, Düsseldorf oder Kiel, Stichwort Leistungsdichte. Wenn von diesen beiden Spielen nur eines gewonnen wird, läge der Frontzeck-Punkteschnitt immer noch bei 1,8 – und auch der würde am Ende reichen.

Allerdings: Eines dieser beiden Spiele sollte gewonnen werden, unbedingt.

XG-GRAFIK: SANDHAUSEN HAT VERDIENT GEWONNEN

Zum Abschluss noch der übliche Blick auf die „11tegen11“ Grafik. Die „expected Goals“ (xG)-Fieberkurve, die die Torchancen über 90 Minuten mit einer qualitativ bewertet auflistet, bestätigt unseren subjektiven Eindruck. Ab Minute 65 etwa hat sich Sandhausen in bessere Einschusspositionen gebracht, so dass der Sieg am Ende verdient ist.

 

2018-02-16 974347 xG plot Kaiserslautern 0 - 1 Sandhausen.jpg

Dazu die Position- und Passgrafik, die der der vergangenen Woche ähnelt. Da  ist eine gewisse Linkslastigkeit zu erkennen, auch wenn nicht vergessen werden sollte, dass sich Mwene auf der anderen Seite stark in Szene setzte und immer wieder als siegreicher Zweikämpfer auffiel – das bildet so ein roter Punkt nunmal nicht ab. Spalvis als zentraler Stürmer musste sich die Bälle ziemlich weit hinten holen, das ist vielleicht nicht optimal, allerdings gefällt der Litauer  immer wieder auch als kluger Passspieler auf. Ebenfalls zu erkennen: Der gelernte Abwehrspieler Correia agierte als Sechser nicht unbedingt tiefer als Seufert, obwohl der von seiner Disposition eher als Achter angesehen wird.

2018-02-16 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - Sandhausen.jpg

4 Gedanken zu “Analyse: Neue Pleite, aber noch lange kein K.O. – Als Lauterns Konzentration nachlässt, hat Sandhausen die richtigen Ideen

  1. Das FCK-Team hat in der ersten Halbzeit gut gespielt. Ich mochte die Verbesserung von Leon Guwaras Einstellung und Aufmerksamkeit. Aber vielleicht wurde die Abhängigkeit des FCK-Spiels von Osawe ziemlich offensichtlich und vorhersehbar. Und ja, Seufert hat den Ball unnötig oft geschossen, statt Druck auszuüben, indem er Ballbesitz gehalten und Angriffe neu aufgebaut hat.
    Nach der Abwehr- und Konter-SVS-Taktik in der ersten Halbzeit (und unglücklichem aber vollem Vollgas des FCK) wurde erwartet, dass der SVS seine Angriffstaktik in der zweiten Halbzeit ändern würde. Was wäre, wenn der FCK langsamer geworden wäre, ruhiger am Ball gespielt hätte und den Rest des Spiels um einen Punkt gespielt hätte.

    Trotzdem hoffe ich, dass die Red Devils mit mentaler Stärke und Teamchemie in die nächsten beiden Spiele gehen können. Forza FCK!
    (Bitte entschuldige meine Grammatik, da ich keine deutsche Sprache spreche)

    The FCK team played well in the first half. I liked the improvement of Leon Guwaras attitude and attention. But maybe FCK game dependency on Osawe became pretty obvious and predictable. And yes, Seufert shot the ball out unnecessarily too often rather than applying pressure by holding possession and rebuilding attacks.
    After the defend and counter SVS tactics in first half (and unlucky but full throttle of FCK) it was expected that the SVS would change its attack tactics in the second half. What if the FCK had slowed down, played calmer on the ball, and played the rest of the game for a point.

    Nevertheless, I hope the Red Devils can go into the next two games with mental strength and team chemistry. Forza FCK!
    (Please excuse my grammar because I do not speak german language and am using google translate)

    Irfan
    Helsinki

  2. Das FCK-Team hat in der ersten Halbzeit gut gespielt. Ich mochte die Verbesserung von Leon Guwaras Einstellung und Aufmerksamkeit. Aber vielleicht wurde die Abhängigkeit des FCK-Spiels von Osawe ziemlich offensichtlich und vorhersehbar. Und ja, Seufert hat den Ball unnötig oft geschossen, statt Druck auszuüben, indem er Ballbesitz gehalten und Angriffe neu aufgebaut hat.
    Nach der Abwehr- und Konter-SVS-Taktik in der ersten Halbzeit (und unglücklichem aber vollem Vollgas des FCK) wurde erwartet, dass der SVS seine Angriffstaktik in der zweiten Halbzeit ändern würde. Was wäre, wenn der FCK langsamer geworden wäre, ruhiger am Ball gespielt hätte und den Rest des Spiels um einen Punkt gespielt hätte.

    Trotzdem hoffe ich, dass die Red Devils mit mentaler Stärke und Teamchemie in die nächsten beiden Spiele gehen können. Forza FCK!
    (Bitte entschuldige meine Grammatik, da ich keine deutsche Sprache spreche)

    The FCK team played well in the first half. I liked the improvement of Leon Guwaras attitude and attention. But maybe FCK game dependency on Osawe became pretty obvious and predictable. And yes, Seufert shot the ball out unnecessarily too often rather than applying pressure by holding possession and rebuilding attacks.
    After the defend and counter SVS tactics in first half (and unlucky but full throttle of FCK) it was expected that the SVS would change its attack tactics in the second half. What if the FCK had slowed down, played calmer on the ball, and played the rest of the game for a point.

    Nevertheless, I hope the Red Devils can go into the next two games with mental strength and team chemistry. Forza FCK!
    (Please excuse my grammar because I do not speak german language and am using google translate)

    Irfan
    Helsinki

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