Fanblog: Erst die Erste im Bild, dann die Zweite in echt – Der SV Morlautern lädt am Samstag zum Double Feature in Rot-Weiß

Dass er die richtige Handynummer gewählt hat, weiß der Pfälzer Fußballfreund schon, bevor Alex Lenz das Gespräch angenommen hat. In der Warteschleife nämlich ertönt bereits der Anti-Bayern-Song der Toten Hosen… Lenz, genannt „Gagges“, ist Stadionsprecher und Schriftführer des SV Morlautern. Der Oberliga-Klub empfängt am kommenden Samstag, 15 Uhr, die U23 des 1. FC Kaiserslautern in seinem Stadion „Am Kieferberg“ – und hat sich zu diesem Termin etwas ganz Besonderes ausgedacht: Ab 13 Uhr wird im Vereinsheim an gleicher Stätte (Freiherr-vom-Stein-Straße 12, Morlautern) das Auswärtsspiel des FCK bei Erzgebirge Aue auf Großleinwand übertragen. Ein Double Feature in Rot-Weiß sozusagen. Und ein schönes Beispiel dafür, wie der Amateur-Fußball vom Profigeschäft auch mal profitieren kann.

Freilich: Im Vereinsheim des SV Morlautern geguckt werden FCK-Spiele schon, seit es Live-Spiele im Pay TV gibt. „In den 1990er haben wir noch alle um einen Röhrenfernseher herumgesessen, heute nutzen wir Beamer und Leinwand“, erzählt Lenz. „Die Kombi mit einem Spiel unserer Mannschaft probieren wir nun das erste Mal aus. Wir haben es eigens dafür auf diesen 15 Uhr-Termin verlegen lassen.“

Die Irritationen im Vorfeld haben die Vorfreude der Klubs aus dem nördlichen Stadtteil Kaiserslauterns kein bisschen gebremst. Eine Plakataktion, mit der sie für ihr Double Feature werben wollten, wurde vom FCK untersagt. „Man fürchtete wohl Nachahmer. Wenn jeder, der ein Lautern-Spiel in seinem Lokal überträgt, mit eigenen Plakaten dafür wirbt, ergibt das kein einheitliches Bild, da leidet das Corporate Design des FCK“, zeigt Lenz Verständnis. Hundertprozentig überzeugt ihn die Argumentation zwar nicht, sauer sein will er aber auch nicht, denn: „Wir sind schließlich alle FCK-Fans“. Und außerdem: „Das Echo, das dieses Plakatverbot in den Medien und den sozialen Netzwerken erzeugt hat, hat sicher mehr Menschen erreicht als es unsere Plakatwerbung geschafft hätte.“

IM ZWEITEN JAHR OBERLIGA: „WIR KÖNNEN UNS DAUERHAFT ETABLIEREN“

Im übrigen wolle man ja auch nicht die Lauterer Barbarossa-Halle füllen:  „Fünfzig bis sechzig Besucher sitzen sowieso bei uns im Vereinsheim, wenn wir ein FCK-Spiel übertragen. Wenn sich diese Zahl durch diese Aktion jetzt verdoppelt, ist alles okay“. Das Vereinsheim könne so viel Publikum auf jeden Fall noch aufnehmen. Mehr noch freut sich der Verein auf das Zuschauerplus, das er beim anschließenden Oberliga-Spiel registrieren darf. Hoffentlich.

Der SV Morlautern kickt nunmehr im zweiten Jahr in der fünfthöchsten Spielklasse. „Wirtschaftlich haben wir die Voraussetzungen geschaffen, uns dauerhaft zu etablieren. Sportlich müssen wir noch ein wenig zulegen, aber noch sieht es gut aus.“ Der SV steht derzeit auf Rang 14 der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, dem ersten Abstiegsrang. Zum rettenden Ufer sind es gegenwärtig gerade mal drei Punkte.

NÄCHSTES PROJEKT: EIN „JUGENDFÖRDERZENTRUM“ AUF DEM EHEMALIGEN ESC-GELÄNDE

Basis des Vereins ist eine engagierte Jugendarbeit. „Von den A-Junioren bis zu den Bambinis sind alle Jahrgänge besetzt, manche sogar doppelt“, berichtet Lenz. Was vor allem ein Verdienst des Jugendleiters Lukas Strey und des Jugend-Koordinators Patrick Wittich sei. Mit frischen Ideen wie einem kostenlosen „Jugend-Fußballcamp“ an Pfingsten hätten die beiden in der jüngsten Vergangenheit rund 100 Nachwuchsspieler für den Verein gewonnen.

Zuletzt erwarb der Klub das Sportgelände des nunmehr insolventen ESC West Kaiserslautern. Dort soll nun ein „Jugendförderzentrum“ entstehen. Wohlgemerkt: „Kein Nachwuchsleistungszentrum“, wie „Gagges“ Lenz betont, damit nicht der Eindruck entsteht, man wolle dem FCK Konkurrenz machen.

Die Morlauterer haben sich vielmehr dem Ziel verschrieben, dem Fußball in der Breite Nachwuchs heranzuziehen. „Bei uns wird auch niemand ausgesiebt“, ergänzt der Stadionsprecher. „Wir wollen den Jungs einfach den Spaß am Fußball erhalten – und Hausaufgabenbetreuung wollen wir in unserem Förderzentrum darüberhinaus auch anbieten.“

FCK UND SV MORLAUTERN – DIE BANDE BLEIBEN ENG GEKNÜPFT

Welcher Name ist da eben gefallen? Wittich? Richtig: Der rührige Jugendkoordinator, der aktuell auch die erste Mannschaft coacht, ist der Sohn des FCK-Zeugwarts Wolfgang Wittich. Und hat auch selbst schon das Trikot des FCK getragen, einmal sogar in der Bundesliga. Mit Andreas Gaebler steht ein weiterer ehemaliger FCK’ler, der schon an der Schwelle zum Profi-Kader stand, im aktuellen Kader der Ersten Mannschaft. Und in der Vergangenheit haben einige Lauterer Profis in Morlautern ihre Karriere beendet. Ein Vorstandsmitglied betreibt zudem bei Heimspielen zwei Stände auf dem Betzenberg.

Man sieht: Verbindungen zwischen dem SV Morlautern und dem FCK gibt es reichlich – „und auf der sportlichen Seite hat der Dialog auch immer gut funktioniert“. Ein Grund mehr, die Sache mit der Plakatverbot einfach abzuhaken.

Zumal die Fußballfreunde aus dem 3000-Seelen-Stadtteil jetzt erst mal wieder als FCK-Fans gefragt sind. Am morgigen Mittwochabend (18.30 Uhr) steht das Nachholspiel der Lautrer in Darmstadt an. Und wer nicht zum Böllenfalltor fährt, guckt im Vereinsheim, das ist ja wohl klar.

Wie es ausgeht? „Wir gewinnen natürlich“, so Lenz. „Ich hab noch nie gegen den FCK getippt.“ Ob die Lauterer den Klassenverbleib in dieser Saison noch schaffen, braucht man ihn schon gleich gar nicht zu fragen.

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