Analyse: Mit Glück und Frontzecks ruhiger Hand ist der Trend nun Lauterns Friend

Der 1. FC Kaiserslautern läuft im Abstiegskampf wieder „bei de Musigg“ mit, wie der Pfälzer sagt. Nach dem 2:1-Auswärtssieg beim SV Darmstadt 98 ist der FCK nunmehr auf drei Punkte an Relegationsrang 16 und vier auf den direkt rettenden Platz 15 herangerückt. Im Vergleich zu den Abwärtsspiralen, in denen die Tabellennachbarn aus Bochum, Aue und Darmstadt gefangen sind, ist der Trend nun Lauterns Friend – kommenden Samstag (13 Uhr) übrigens führt der Weg der Roten Teufel ins Erzgebirge. Mehr noch als die Siege in Braunschweig und gegen Kiel belegt der Erfolg vom Mittwoch: Das Glück ist nach Kaiserslautern zurückgekehrt, und Trainer Michael Frontzecks „Politik der ruhigen Hand“ bekommt der Mannschaft immer besser.

Gerade so viel verändern, wie unbedingt notwendig ist – der Stil war schon in den ersten drei Spielen zu erkennen, in denen Frontzeck die Lauterer coachte. Diesmal aber war er zu Überlegungen gezwungen, die weiter führen mussten. Dass  er Christoph Moritz wieder für Marcel Correia aufs Feld schicken würden, war allerdings abzusehen, dass Sebastian Andersson den verletzten Lukas Spalvis ersetzen sollte, ebenso. Beides klare 1:1-Wechsel, insofern Frontzeck as usual.

 Nach diesem Muster hätte für Flügelspieler Ruben Jenssen, den der Trainer aus familiären Gründen freigestellt hatte, die Wahl eigentlich auf Dylan Esmel, Manni Osei Kwadwo, Nicklas Shipnoski oder Gervane Kastaneer fallen müssen. Die Lösungen erschienen Frontzeck aber wohl allesamt zu grün. Er entschied sich für ein paar Positionsverschiebungen, dafür aber für Routine – insofern passt’s. Der erfahrene Benjamin Kessel übernahm den rechten Verteidigerposten und Philipp Mwene rückte nach vorne, dafür wechselte Brandon Borrello auf die linke Seite.

SO MACHT DAS SPASS: ERSTE TORAKTION, ERSTER TREFFER

Und, nein, es war auch keine Fünferkette, die sich da formierte, auch wenn der „sky“-Kommentator es partout so sehen wollte – Lautern agierte im nunmehr festgefügten 4-4-2, dass sich Moritz bei Ballbesitz gelegentlich mal zwischen die  Innenverteidiger fallen ließ, ändert daran nichts.

 Zunächst sah das alles aber nicht sehr souverän aus.

 Darmstadt übernimmt vom Anpfiff weg die Initiative, Keeper Marius Müller muss schon nach drei Minuten mit einer Fußabwehr einen Schuss Fabian Hollands aus kurzer Distanz klären. Als Lautern sich nach einer knappen Viertelstunde erstmals mehr Luft verschafft, fällt direkt der Führungstreffer. Borrello lässt Gegenspieler Markus Steinhöfer ins Leere laufen, hält am Sechzehner aufs kurze Eck, Lilien-Keeper Daniel Heuer Fernandes vergisst den Zwischenschritt, bevor er sich langmacht – drin.

Die Lilien antworten mit wütenden Angriffen, 17 Flanken rauschen bis zur Halbzeit in den Lautrer Strafraum, dazu gibt’s scharf getretene ruhende Bälle im Dirk Schuster-Style. Allerdings fehlt dem Coach der Kopfballrammbock Aytac Sulu wegen Gelbsperre. Stipe Vucur sowie Jan Ingwer Callsen-Bracker bleiben im Luftraum die Herren der Lage – manchmal mit Mühe, schlussendlich aber erfolgreich.

DARMSTADT NUTZT SEINE CHANCEN NICHT – LAUTERN LAUERT

Dafür, dass Artur Sobiech in der 21. Minute den Ball freistehend nicht an Müller vorbeikommt, kann allerdings nur der Stürmer selbst was. Müller wiederum darf nach einem Hinterhaltsgeschoss von Yannick Stark so richtig glänzen.

Im Grunde lässt sich Lautern viel zu weit hinten rein drängen, doch, wie schon gesagt, die Pfälzer agieren seit der Winterpause nicht nur mannschaftlich geschlossener, sie haben schlicht und ergreifend auch wieder mehr Dusel.

Kurz vor der Pause ergibt sich für Nils Seufert die Gelegenheit, nach einer Vorteilsauslegung der exzellenten Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus  abzuziehen, und der 21-jährige visiert den Kasten ausnahmsweise mal nicht zu hoch an. Heuer Fernandes ist jedoch auf dem Posten.

Nach der Pause steht der FCK immer noch zu tief, doch lässt die  Flankenfrequenz der Lilien nach, die Präzision erst recht. Und so langsam keimt trotz ihrer augenscheinlichen Feldüberlegenheit beim Betrachter das Gefühl auf, dass demnächst ein schneller Konter der Lautrer anstehen könnte, der die Vorentscheidung bringt. Dafür wäre bei Lautern eigentlich Osayamen Osawe zuständig…

EIN ÖSI FEIERT EINSTAND: MWENE ENTDECKT DAS TORESCHIESSEN

Dass 2:0 fällt dann auch, allerdings nicht nach einem Osaweschen Vollsprint, sondern nach einer Klasse-Kombi über Lauterns starke linke Seite, an deren Ende Andersson auf Mwene passt und der in seinem 59. Einsatz seinen ersten Pflichtspieltreffer für den FCK erzielt. Auf den Geschmack gekommen, schlenzt der kleine Österreicher das Leder kurz darauf nochmal an die Latte, ebenso vergibt Osawe nach einem Dribbling, das eher wie ein Spaziergang anmutete. Über lange Minuten wirken die Lilien regelrecht ausgeknockt.

Kurz vor Schluss kommen sie jedoch noch einmal ins Spiel. Der eingewechselte Felix Platte darf eine Flanke am langen Eck ungestört annehmen.  In der Brechstangen-Hektik der letzten Sekunden bleibt Müller verletzt liegen, Lautern hat schon drei Mal gewechselt, eine letzte Ecke steht noch an… Moritz hat sich bereits die Torwarthandschuhe reichen lassen, als Müller sich doch noch einmal aufrappelt: „Die Schiedsrichterin hat mir versichert, dass es nur noch diese eine Aktion sein wird.“

Die anschließende Vollversammlung aller 22 Akteure im Lautrer Strafraum bleibt folgenlos. Abpfiff.

Borrello auf die linke Seite gezogen, von der aus er in die Mitte ziehend den Führungstreffer markiert, und Mwene macht aus seiner offensiveren rechten Position das 2:0 – viel eindrucksvoller könnten sich Frontzecks Umstellungen nicht in Zahlen niederschlagen. Davon abgesehen, stimmte auch das Gesamtbild.

Leider lassen die Grafiken von „11tegen11“ diesmal auf sich warten. Interessant dürfte die Visualisierung der „expexted Goals“ sein – und vor allem das Torschussverhältnis von 19:12 für Darmstadt relativieren. Und die Positions- und Passgrafik dürfte wieder die Linkslastigkeit des Lautrer Spiel dokumentieren.

Also ruhig nochmal reinschauen. Bis morgen (Freitag) um diese Zeit sollte das Update vorliegen.

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