Fanblog: „Nach diesem Traumtor weiß hier jeder, wie gut Borrello ist“ – Im Gespräch mit dem australischen FCK-Fan Simon Dopp

Tradition schießt keine Tore. Aber sie schafft Fans in aller Welt… Das Kellerduell des 1. FC Kaiserlautern bei der SpVgg. Fürth startet am morgigen Samstag um 13 Uhr. Blöde Zeit eigentlich für Fußballfans. Simon Dopp und sein Dad jedoch dürfen die Partie zur „Prime Time“ genießen, denn sie sitzen vor einem Bildschirm in Australien. Der 25-jährige Wirtschaftsstudent lebt mit seiner Familie in Perth, schon sein Leben lang, und ebenso lang ist er FCK-Fan. Via Internetstream lässt er sich kein Spiel entgehen. Und auf einen Spieler im aktuellen Kader fährt er besonders ab: seinen Landsmann Brandon Borrello, der in den vergangenen Wochen immer stärker ins Rampenlicht gerückt ist. Simon hat den 22-jährigen Flügelstürmer, der spätestens seit seinem Traumtor gegen Union Berlin zu den heißesten Typen der Zweiten Liga zählt, zuvor schon in Brisbane  beobachtet. Zeit für ein Gespräch.

Simon, wie bist du FCK-Fan geworden?

Durch meinen Vater. Er verfolgt den FCK schon seit Fritz Walters Zeiten. Es ist im Grunde also ganz natürlich, dass auch ich FCK-Fan wurde. Und ich bin Dad dafür ewig dankbar – na ja, ab und zu verfluche ich ihn dafür auch. Auf jeden Fall war es genial, als wir vor ein paar Jahren gemeinsam Kaiserslautern besuchten und ein paar FCK-Spiele sahen. Obwohl sich der Betzenberg schon ein bisschen verändert hat seit den 1960er Jahren, als mein Dad ihn das letzte Mal bestiegen hatte.

Was ist dein Lieblingsteam in Australien?

Perth Glory natürlich, unser Heimatverein. Ist seit 1996 erstklassig, solange sind wir auch schon Mitglieder. Perth Glory war mal sehr erfolgreich, hat mal innerhalb von fünf Spielzeiten vier Mal die Grand Finals erreicht und zwei Mal gesiegt. Seit 2004 haben sie aber nichts mehr gewonnen… Das erinnert mich an irgendwen…

Hast du die Karriere von Brandon Borrello bereits verfolgt, als er noch bei  Brisbane Roar spielte?

Nicht ihn speziell, aber ich schaue jedes Wochenende so vier bis fünf A-Liga-Spiele, da habe ich ihn natürlich ein paar Mal gesehen, bevor er nach Kaiserslautern ging.

Wie hast du das aufgenommen, als dein Landsmann ausgerechnet zu deinem deutschen Lieblingsverein wechselte?

Ich war überrascht. Sicher, es gab einige Gerüchte, dass Borrello und sein Teamkollege Jamie Maclaren nach Europa wechseln könnten, aber dass der FCK ein ernsthafter Interessent sein konnte, hätte ich nicht geglaubt. Umso glücklicher war ich, als dies bekannt gegeben wurde, auch, weil ich mir sofort dachte: Das ist genau der Typ des attackierenden Stürmers, den der FCK sucht.

Und wie haben die australischen Medien auf den Wechsel reagiert?

Die Vollzugsmeldung kam ziemlich überraschend. Wenn ich mich recht erinnere, war sie dem TV-Sender SBS sogar eine Breaking News wert. Zuvor war eigentlich nie die Rede davon, dass Borrello und Maclaren sofort wechseln sollten. Es wurde lediglich erwartet, dass es demnächst soweit sein würde, da sie günstige Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen hatten. Und beide haben Ambitionen, es noch in den australischem WM-Kader zu schaffen. Und  Australier, die in starken Ligen spielen, machen auch die Nationalmannschaft stärker.

Dem Vernehmen nach war Lautern ja auch an Maclaren interessiert. Der aber entschied sich für Darmstadt, wo ihm der Durchbruch versagt blieb. In der Winterpause wurde er nach Schottland verliehen. Denkst du, er hätte es in Kaiserslautern eher geschafft?

Das ist schwer zu sagen. Angesichts der Vorrunde, die der FCK gespielt hat, wohl eher nicht. Denn Maclaren ist nicht der Typ, der allein in der Spitze spielen kann. In der Formation, in der der FCK seit Jahresbeginn auftritt, könnte er die Osawe-Rolle ausfüllen. Seine Beweglichkeit und Schnelligkeit ausspielen, so, wie es derzeit ja auch Osawe tut.

Würdest du dich freuen, Maclaren irgendwann doch noch neben Borrello im FCK-Trikot zu sehen?

Definitiv. Überhaupt hat es mich überrascht, dass er nicht sofort in Kaiserslautern unterschrieben hat, denn er und Borrello sind sehr gut miteinander befreundet. Ich glaube, er entschied er sich für Darmstadt, nach dem Lautern Ende der vergangenen Saison in Aue verloren hatte und noch fürchten musste, nur den Relegationsplatz zu erreichen. Überhaupt würde ich gerne mehr Australier in Deutschland sehen, besonders beim FCK. Es hat mich immer ein wenig geärgert, dass der FCK den australischen Markt in vergangenen Jahren stets ignoriert hat, denn hier kicken einige Talente, die nicht viel kosten.

Wie verfolgen die australischen Medien jetzt Borrellos Weg?

Zuerst war es ruhig, als Borrello noch um einen Stammplatz beim FCK kämpfte. Seit Anfang des Jahres hat sich das jedoch geändert. Er wird jetzt als ernsthafter Kandidat für den WM-Kader gehandelt, davon war 2017 noch nicht die Rede. Vor allem die australische Spielerlegende Ned Zelic, die früher in Dortmund und bei 1860 München spielte und nun als Fußballexperte fürs TV arbeitet, ist ein großer Fan von Borrello.

Wie schaust du dir FCK-Spiele an – und mit wem?

Immer über den besten Weg, den ich kriegen kann. Meistens muss ich einen Internetstream kapern. Und immer mit meinem Dad. In den vergangenen sieben Jahren haben wir nur ein Spiel verpasst. Und die Spiele laufen bei uns sechs bis acht Stunden später als bei euch. Ihr mögt keine Montagsspiele? Fragt uns mal, wenn wir dienstags morgens um halb drei aufstehen…

Wie habt ihr auf Borrellos irren Treffer gegen Union Berlin reagiert?

Um ehrlich zu sein: Gar nicht mal so direkt. Unser TV-Stream lieferte ein so bescheidenes Bild, dass wir nicht sofort erkannten, ob der Ball tatsächlich drin war… Erst danach sind ausgeflippt. Gar nicht mal, weil es so ein Wahnsinnstor und weil es Borrello war, sondern, weil es ein optimaler Start in ein verdammt wichtiges Spiel war.

Hat der Treffer auch in den australischen Medien eingeschlagen?

Und wie. Er wird seitdem ständig gezeigt. Und Ned Zelic hat das Tor und Borrello in den Mittelpunkt seiner wöchentlichen Sendung gestellt. Jetzt weiß jeder, wie gut er in Kaiserslautern spielt – zuvor war er immer noch nicht richtig wahrgenommen worden.

Was denkst du: Wie wird die Saison für den FCK enden?

Ich hoffe einfach nur das Beste. Nach der Vorrunde habe ich keinen Pfifferling mehr auf die Mannschaft gegeben. Jetzt bin ich einfach nur glücklich, wenn ich sehe, wie sie sich reinhaut, insbesondere nach der Erkrankung von Jeff Strasser, für den sie anscheinend mitkämpfen will. Wenn die FCK-Mannschaften vergangener Jahre einen solchen Team Spirit gezeigt hätten, würde der Verein immer noch Erste Liga spielen. Es wär so großartig, wenn der Verein das Wunder noch schaffen könnte. Ich drück alle Daumen. Der FCK war schon immer für ein Wunder gut. Und jetzt ist wieder mal eins fällig.

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