Extrablog: Egal, welche Liga, der nächste Umbruch steht vor der Tür – Ein paar Ansätze zum Bessermachen

Der 1. FC Kaiserslautern plant bekanntermaßen derzeit „zweigleisig“, was angesichts der Tabellensituation auch mehr als dringend geboten ist. Im Falle eines Abstiegs will Sportvorstand Martin Bader den dann zur Verfügung stehenden Fünf-Millionen-Lizenzspieleretat in einen Kader mit Nachwuchskräften investieren – und in „Zweitliga-Spieler, die sich vorstellen können, über die 3. Liga als Stammkraft wieder hochzukommen“. So hat er es unlängst gegenüber dem „Kicker“ formuliert. Bleibt der FCK in der Klasse, soll es dagegen nur „kleinere Korrekturen am Kader“ geben. Das ist alles sehr vage, zugegeben, aber in dieser Saisonphase nichts Konkreteres verlautbaren zu wollen, ist verständlich. Nur: Wie realistisch sind selbst diese schwammigen Ankündigungen?

Hecheln wir zunächst mal den Fall des Klassenverbleibs durch – der, bleiben wir ehrlich, derzeit unwahrscheinlicheren Option. Die Verträge von Christoph Moritz, Daniel Halfar, Kacper Przybylko und Stipe Vucur laufen aus. Moritz spielt seit Beginn des zweiten Saisondrittels eine gute Saison, ist von seinen fußballerischen Fähigkeiten durchaus auch für Erstligisten interessant – dass er seinen Vertrag beim FCK verlängert, ist unwahrscheinlich.

Halfar und Przybylko laborieren gegenwärtig an langfristigen Verletzungen. Sollte man deren Verträge verlängern? Bei aller Sympathie – mit allzu vielen Rekonvaleszenten in eine Sommervorbereitung zu starten, hat sich in der jüngsten Vergangenheit als wenig segensreich für den Verein erwiesen. Bliebe noch Vucur, der mit 25 nun im besten Fußballalter ist – dass er als ablösefreier Spieler einen zahlungskräftigeren Arbeitgeber auf den Plan ruft, ist ebenfalls gut möglich.

LEIHSPIELER GEHEN – UND TRANSFEREINNAHMEN BRAUCHT DER FCK AUCH

Dazu laufen die Kontrakte der Leihspieler Marius Müller, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Leon Guwara, Lukas Spalvis und Ruben Jenssen aus. Für Jenssen ist eine Kaufoption vereinbart. Heißt aber: Er kostet Ablöse. Womit wir beim nächsten Punkt wären: Geld.

Der FCK würde auch in diesem Sommer nicht umhin kommen, seinen Haushalt für die Zweite Liga mit Transferüberschüssen zu stützen. War in den vergangenen Jahren schließlich auch nicht anders. Spieler, die ihre Marktwerte jüngst so gesteigert haben, dass sie hilfreiche Erträge bescheren könnten, wären Philipp Mwene, Nils Seufert, Brandon Borrello und Osayamen Osawe.

Wobei die Erwähnung des Namens Osawe an dieser Stelle bereits einige Leser zusammenzucken lassen dürfte: Wieso soll der Stürmer eine nennenswerte Ablöse bringen, nach dem er nach Monaten in der Versenkung gerade mal wieder ein halbes Dutzend ansehnlicher Spiele gemacht hat?

Denen sei gesagt: Osawe ist Engländer, und auf der Insel ist nach dem Brexit in Sachen Ausländerregelungen einiges in Bewegung. Da könnten Spieler mit britischem Pass empfindliche Wertsteigerungen erfahren – und in England sind bekanntlich auch Zweitligisten sehr zahlungskräftig.

TROTZ ADERLASS: IM NICHT-ABSTIEGSFALL SÄHE ES GAR NICHT SO SCHLECHT AUS

Zurück zum Thema: Bleiben wir mal vorsichtig, spekulieren wir mal, dass von den vier Genannten vielleicht nur zwei verkauft werden müssen. Doch selbst dann kämen wir locker auf zehn Abgänge.

Im Ernst, Herr Bader: Da stehen nur „kleine Korrekturen am Kader“ an?

Allerdings: Auch wenn der Aderlass quantitativ so groß wäre wie in den vergangenen Sommern, es würde ungleich mehr Qualität am Betzenberg verbleiben als in den Jahren zuvor. Mit Torben Müsel, Nicklas Shipnoski, Gino Fechner, Manfred Osei-Kwadwo, Joel Abu Hanna, Dylan Esmel und Jan-Ole Sievers haben einige talentierte Youngster in dieser Spielzeit bereits Einsatzminuten gesammelt, da darf man auf Weiterentwicklung hoffen.

Dazu zwei der vier oben Genannten aus dem „Verkaufsangebot“ und die erfahrenen Profis Benjamin Kessel, Marcel Correia, Mads Albaek, Ruben Jenssen, Halil Altintop sowie Sebastian Andersson – das sähe in der Tat gar nicht so schlecht aus.

Vor allem wäre es ein Pfund, mit Andersson endlich einmal mit einem Torjäger, der bereits integriert ist, in eine Runde zu starten. Und zuletzt haben auch die Leihgaben Max Dittgen (Wiesbaden) und Florian Pick (Magdeburg) in der Dritten Liga ein paar Startelfeinsätze verzeichnet – auch die wären gegebenenfalls zu gebrauchen.

Leider ist der Verbleib in der Zweiten Liga derzeit nicht viel mehr als ein Gedankenspiel.

PLANSPIELE FÜR DIE DRITTE LIGA: VIELE YOUNGSTER – UND WER NOCH?

Wie viel von den eben erwähnten beim ersten Anpfiff in der Dritten Liga dabei wären, ist derzeit nicht abzusehen. Klar kommuniziert ist lediglich, dass Altintop auch für die Dritte Liga unterschrieben hat. Sportdirektor Boris Notzon ließ auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen November verlauten, aus dem aktuellen Kader hätten nur zwei Spieler für die Dritte Liga Vertrag, später war mal von fünfen die Rede.

Bader will den Kader laut „Kicker“ im Abstiegsfall zunächst mal mit Spielern aus den eigenen Nachwuchsteams verstärken. Da sind möglicher Weise – hoffentlich! – auch einige der oben erwähnten dabei. In der Saisonvorbereitung 2017/18 war zudem der nunmehr 20-jährige Flügelspieler David Tomic vom damaligen Trainer Norbert Meier sehr gelobt werden. Andere Talente, die gegenwärtig im Oberliga-Team agieren, aber mit Blick nach oben gesichtet werden, sind etwa Stürmer Christian Kühlwetter und Innenverteidiger Nino Miotke. Ebenso hat Stürmer Valdrin Mustafa bereits einen Jungprofivertrag unterschrieben.

Wünschenswert wäre auch, wenn der FCK wenigstens Marcel Correia und Benjamin Kessel für die Dritte Liga weiterverpflichten könnte. Das sind erfahrene Jungs, die aus der Region stammen und Identifikationsfiguren sein können. Und da sie auch in einem Alter sind, in dem höherklassige Vereine nicht mehr ständig anklopfen, könnte da vielleicht was gehen. Dazu Altintop, und man hätte immerhin schon so etwas wie einen Mannschaftskern.

 LIEBER DRITTLIGASPIELER „VOLL IM SAFT“ ALS LADENHÜTER

Ansonsten spricht Bader von einigen guten, ablösefreien Dritt- und Viertligaspielern, „die auf einen großen Verein wie uns warten.“ Und eben von den Zweitligaspielern, „die sich vorstellen können, über die 3. Liga als Stammkraft wieder hochzukommen.“

Hoffentlich hat Bader da ein besseres Händchen als seine Vorgänger. Denn dass der FCK aktuell Tabellenletzter ist, liegt nicht an der aktuellen Verfassung der Mannschaft, die absolut die Ansprüche einer Zweitligamannschaft der oberen Tabellenhälfte erfüllt. Sondern an dem verpatzten Saisonstart, der mit einem unfitten, noch nicht ansatzweise harmonierenden Mannschaftstorso angegangen wurde.

Dieser hatte in der Saisonvorbereitung kaum einmal geschlossen Mannschaftstraining absolvieren können. Nach acht Spielen standen grade mal zwei Punkte auf dem Konto, die bis heute nicht mehr aufgeholt werden konnten.

Weshalb? Weil der FCK auf zu viele Spieler gesetzt hatte, die Spielzeiten mit langen Verletzungen oder Formkrisen hinter sich hatten oder aus anderen Gründen nicht viel Spielpraxis gesammelt hatten.

Wer sieht, wie gut in dieser Saison die drei Aufsteiger in der Liga zurechtkommen, die wahrlich nicht mit viel Geld zusammengestellt sind, sollte zu dem Schluss kommen: Mit Drittligaspielern, die „voll im Saft“ sehen, lässt sich mehr erreichen als mit Ladenhütern von den Bänken und Tribünen der Erst- und Zweitligisten, und günstiger sind sie auch. Und wenn die Transfers rechtzeitig realisiert werden, kann so auch schon am ersten Spieltag eine kompakte, körperlich fitte Einheit auf dem Platz stehen.

2016/17 WAR’S EIGENTLICH AUCH NICHT ANDERS…

Zum Schluss sei an die Saison 2016/17 erinnert. Auch da verpflichtete der FCK vermeintliche Korsettstangen fürs Team erst gegen Ende der Saisonvorbereitung: Ewerton, Zoltan Stieber, Jaques Zoua, Sebastian Kerk und Mensur Mudzja wurden ebenfalls nach Verletzungs- und anders bedingten bedingten Spielpausen geholt, zuvor Christoph Moritz, der ebenfalls „wieder hochkommen“ wollte. Auch da wurde der Start verpatzt, und außer Moritz und Ewerton sollte keiner der Genannten einen Leistungsstand erreichen, der der Mannschaft dauerhaft half.

Immerhin glückte dem damaligen Coach Tayfun Korkut bereits nach sechs Spieltagen der erste Sieg. Und bis zum Ende der Vorrunde sammelte er 19 Punkte, also acht mehr als die elf, die seine Nachfolger in dieser Saison verbuchten. Indem er wenigstens eine stabile Defensivformation schuf, die allerdings im Spiel nach vorne weiterhin Probleme hatte, was Publikum und vor allem gewisse Funktionäre nicht zufriedenstellte. In der Winterpause gab Korkut entnervt auf.

Danach wurde ihm viel Negatives hinterhergeworfen. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, die Arbeit Tayfun Korkuts beim FCK neu zu bewerten. Erst recht angesichts der Erfolge, die der Coach zurzeit in Stuttgart einfährt.

3 Gedanken zu “Extrablog: Egal, welche Liga, der nächste Umbruch steht vor der Tür – Ein paar Ansätze zum Bessermachen

  1. Gleichzeitig ist es nicht glaubwürdig, dass ein Trainer Mitte der Saison ausscheidet, besonders wenn die Mannschaft nicht einmal im Abstiegskampf war. Und dann kam er in ein paar Wochen nach Leverkusen, war Korkut schon mit Leverkusen in Kontakt, als er am FCK arbeitete?

    At the same time, it is not credible of a coach to quit a team midway through the season especially when the team was not even in relegation fight. And then he joined Leverkusen in a few weeks, was Korkut already in contact with Leverkusen when he was working at FCK..?

    Irfan
    Helsinki

    • Irfan,

      bei aller Sympathie: Wie hätte Korkut im Dezember wissen sollen, dass Roger Schmidt im März entlassen wird? Okay, es gibt in diesem Geschäft Informationskanäle, von denen wir nichts ahnen, aber wahrscheinlich ist das nicht gerade…

      Dass er ging, obwohl der FCK nicht in akuter Abstiegsgefahr war, bestätigt meines Erachtens er die allgemeine Vermutung, dass er genervt war, weil der Aufsichtsrat ihm gegenüber mmer wieder kundtat, noch mehr zu erwarten, obwohl er unter ähnlich schlechten Voraussetzungen in die Saison gestartet war als Meier in der nachfolgenden Saison. Dennoch hat er einige Punkte mehr geholt, das ist Fakt. Nichts anderes wollte ich am Ende meines Beitrags zum Ausdruck bringen.

      Beste Grüße nach Helsinki (bin sehr stolz, dort gelesen zu werden)
      Eric

      • In der Tat, Herr Eric! Ich hätte meine Statistik über Korkuts Leverkusener Eintrittsdatum überprüfen sollen, bevor ich den Verdacht erhebe. Korkut hatte zweifellos schon beim FCK eine gute Basis gelegt (die beste Verteidigung der zweiten Liga, der Durchbruch von Osawe) und vielleicht hatte er nicht viel zu verlieren, wenn er (trotz des unnötigen Drucks des Verlierer-Aufsichtsrates) weitergemacht hätte gute Arbeit beim FCK bis Saisonende und auch ein oder zwei Spieler seiner Wünsche in der Winterpause erhalten.

        Beste Grüße von Helsinki nach Kaiserslautern! (Ich freue mich, Ihre gute Analyse und Beobachtungen zu lesen)

        Irfan

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