Gegnerblog: Die Zebras wollen die Wende einleiten – und für die Roten Teufel gilt „fünf von sieben“

Sieben Partien hat der Tabellenletzte aus Kaiserslautern noch vor der Brust. Fünf davon müssen gewonnen werden – alle anderen Rechnereien sind Spiele mit Krümeln, wenn Relegationsrang 16 noch gesichert werden soll. Hoffnung für die kommende Auswärtspartie am Ostersamstag, 13 Uhr, beim MSV Duisburg macht der Blick auf die aktuellen Formkurven: Im Ranking der jüngsten sechs Ligaspiele rangieren die Zebras gegenwärtig auf Rang 18, zuletzt haben sie drei Spiele in Serie verloren. Allerdings: MSV-Coach Ilia Gruev hat es schon einmal geschafft, eine Länderspielpause zu nutzen, um mit seinem Team eine Wende zum Besseren einzuleiten.

Im Oktober 2017, nach neun Spieltagen, hatten die Zebras erst acht Punkte auf dem Konto, als Gruev den Elf-Tage-Break zwischen der Auswärtspartie in Düsseldorf und dem Heimspiel gegen Braunschweig zu Inventur und Neuausrichtung nutzte. Anschließend verlor der MSV bis zum 22. Spieltag nur noch einmal, gewann sieben Mal, spielte ebenso so oft zu null und kletterte bis auf Platz 4, so dass bereits über einen möglichen Durchmarsch des Aufsteigers spekuliert wurde.

Wo genau er in der Pause den Hebel angesetzt hatte, ist, wie so oft, für einen Außenstehenden nicht konkret zu fassen. Er habe die 4-4-2-Grundordnung im Grunde belassen, das Team lediglich fortan tiefer agieren lassen, erklärt Gruev. Überhaupt wird über Erfolge nicht viel schwadroniert in Duisburg, das gelebte Motto lautet vielmehr: „In der Ruhe liegt die Kraft.“

TROTZ NIEDERLAGENSERIE: MSV LIEGT MIT 37 PUNKTEN NOCH SEHR GUT

Die haben sich die Duisburger nach eigener Aussage auch während der jüngsten Niederlagenserie bewahrt. „Ich habe nie geträumt“, versichert der Trainer im Interview mit „Reviersport“. Das Saisonziel sei nie ein anderes gewesen als in der Endabrechnung mit 40 Punkten dazustehen, und auf diesem Weg liegt der MSV nach wie vor gut im Rennen. 37 Zähler hat er bereits auf dem Konto, und das sieben Runden vor Schluss. Davon kann so mancher nur träumen…

 Als Ursache für die jüngsten Misserfolge hat der Coach mehrere Wechsel ausgemacht, zu denen er im Defensivverband gezwungen war. Innenverteidiger Dustin Bomheuer fehlte drei Wochen wegen Grippe, Rechtsverteidiger Enis Hajri saß zwischenzeitlich eine Gelbsperre ab und kränkelte anschließend ebenfalls, bei der 2:3-Niederlage zuletzt fehlten die Mittelfeldspieler Lukas Fröde wegen Gelbsperre und Fabian Schnellhardt wegen einer Knöchelverletzung – sein Einsatz ist im übrigen auch am Samstag fraglich. Darunter habe die Ordnung gelitten, so Gruev. „Flausen im Kopf“ beim ein oder anderen Spieler schließt der Trainer freilich auch nicht aus.

BEIM FCK GESCHMÄHT, BEIM MSV NUN „PROBLEMLÖSER“: ENIS HAJRI

Welcher Name ist da eben gefallen – Hajri? In der Tat: Der Tunesier war noch im Frühjahr 2012 von Krassimir Balakov für den 1. FC Kaiserslautern verpflichtet worden, als Verstärkung für die folgende Saison. Balakov bekam jedoch nie die Gelegenheit, Hajri zu trainieren, in den beiden anschließenden Vertragsjahren verlieh der FCK ihn überwiegend.

Beim MSV Duisburg hat er sich nun zu einer festen Größe entwickelt und gilt dort jetzt als „Problemlöser“ für alle Fälle. Vor wenigen Tagen erst verlängerte der 35-jährige seinen Vertrag um ein weiteres Jahr. Zuletzt in Braunschweig stand allerdings auch Hajri in der Kritik. „Der Westen“ sah ihn an allen drei Gegentreffern beteiligt.

Insgesamt weist das Torverhältnis  der Duisburger nunmehr 46 Einschläge aus. Und das, obwohl Keeper Mark Flekken mit acht Zu-Null-Partien aktueller  Liga-Rekordhalter dieser Disziplin ist. Zum letzten Mal den Kasten sauber hielt er am 23. Januar, bei 2:0-Auswärtssieg des MSV in Bochum. Interessant auch: 22 ihrer Gegentreffer kassierten die Zebras in den insgesamt sechs Partien gegen die drei Tabellenführer Düsseldorf, Nürnberg und Kiel. Insofern müssen sich vor einem Tabellenletzten weniger fürchten.

ALS ILIA GRUEV NOCH LODDARS LÖW WAR…

Auch Ilia Gruev hat bekanntlich eine Vorgeschichte beim FCK. Krassimir Balakov hatte ihn als Co-Trainer aus Bulgarien mitgebracht, später assistierte er  Kosta Runjaic. Davor stand er auch schon Lothar Matthäus bei der Betreuung der bulgarischen Nationalmannschaft bei. Dieser hat seinem ehemaligen Co in der aktuellen Montagsausgabe des „kicker“ gerade überragende fachliche und menschliche Qualitäten attestiert.

 Noch erstaunlicher: Matthäus, der sein eigenes Licht zugunsten anderer nur selten unter den Scheffel stellt, vergleicht seine Zusammenarbeit mit Gruev mit der Regentschaft von Jürgen Klinsmann und Joachim Löw bei der deutschen Nationalmannschaft 2006. „Ich habe Ilia nie als Co-Trainer gesehen“, schreibt der 57-jährige Rekordnationalspieler. „Es war nie so, dass ich Dinge nur vorgegeben und ihn diese habe abarbeiten lassen, weil er viel eingebracht hat, und ich wusste, dass er viele gute Ideen und Ansätze hat.“

Warum wir das hier betonen? Weil dieses Beispiel einmal mehr das heutige Rollenverständnis eines gutes Co-Trainers dokumentiert: als selbstständig denkender und eigenverantwortlich handelnder Partner eines Chefcoachs. Von daher sollte es auch für den FCK eine Option sein, Jeff Strasser nach seiner möglichen Rückkehr im Sommer neben  Michael Frontzeck zu installieren.

Ein Gedanke zu “Gegnerblog: Die Zebras wollen die Wende einleiten – und für die Roten Teufel gilt „fünf von sieben“

  1. So schön die Vorstellung ist, Frontzeck und Strasser als kongeniales Duo weiterzubeschäftigen, so unrealistisch ist dies auf jeden Fall bei einem Abstieg aufgrund erzwungener Sparmaßnahmen. Und selbst in der zweiten Liga frage ich mich, ob sich das finanziell rechnet.

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