Fanblog: So nüchtern wie möglich – Wie der beste Tabellenletzte aller Zeiten vielleicht doch noch drinbleiben könnte

Die Tabelle der Zweiten Bundesliga spiegelt in dieser Saison nach 28 Spieltagen so ziemlich alles wider, nur nicht den aktuellen Leistungsstand der einzelnen Mannschaften. Vor allem beim Blick auf den Abstiegskampf haben die  fußballerischen Leitmedien es nunmehr wohl aufgegeben, wenigstens einigermaßen vernünftige Hochrechnungen zu präsentieren, wie es am Ende aussehen könnte. Mit nüchternen Prognosen will sich anscheinend niemand mehr lächerlich machen. Verständlich, gerade angesichts der Ergebnisse des Oster-Wochenendes. Für diesen Blog freilich kann dies nur bedeuten: Wir versuchen dennoch eine realistische Einschätzung.

„SWR Sport“ verbreitete am Ostersonntag eine mögliche Abschlusstabelle, die mit Hilfe des „kicker“-Tabellenrechners erstellt wurde. Darin weisen alle Mannschaften zwischen Rang 7 und Rang 18 nach 34 Spieltagen 42 Punkte auf. Der 1. FC Kaiserslautern ist Tabellen-15., St. Pauli muss in die Relegation, Duisburg und Aue steigen ab. Mit 42 Punkten, wohlgemerkt. Das hätte es noch nie gegeben, wenn es denn so käme. Seit dem Pleistozän des Fußballs leiern alle, die in einer Spielzeit nichts anderes wollen als bestehen, immer wieder den Satz herunter: „So schnell wie möglich 40 Punkte holen, dann sehen wir weiter…“

ABSTIEG MIT 43 PUNKTEN? SO RECHNET NUR DIE „BILD“

Das Blatt mit den großen Buchstaben wollte da offenbar noch eins drauf setzen und präsentierte ein hypothetisches Konstrukt, demzufolge Regensburg und Heidenheim sogar mit 43 Punkten absteigen und Bielefeld mit 45 Zählern in die Relegation muss. Ebenfalls eine sympathische Zahlenjonglage für FCK-Anhänger, denn auch in dieser Variante bliebe der gegenwärtige Tabellenletzte in der Klasse. Aber realistisch?

Die „Bild“-Rechnung wurde mit der Prämisse erstellt, dass bis Saisonende in allen Partien stets der aktuell schlechter Platzierte gewinnt. Das scheint auf den ersten Blick gar nicht so abwegig, so stark, wie die Kellerkinder seit Wochen  punkten und Spitzenteams der Hinrunde schwächeln. Ist bei genauerem Hinsehen aber nur kindische Zahlenspielerei, aus der gerade Lautrer keinerlei Hoffnung saugen können. 

40 PUNKTE REICHEN – FÜR DIE RELEGATION, MEHR NICHT

Fakt ist: Die bislang stets als sicher bezeichneten 40 Punkte werden dieses Jahr vermutlich nur für Tabellenplatz 16 reichen. Was in der Tat ein Novum darstellt: Seit der Einführung der aktuellen Abstiegsregelung mit einem Relegationsplatz und zwei direkten Abgängern musste erst einmal eine Mannschaft mit 37 Punkten in die Playoffs: Dynamo Dresden im Jahr 2013/14. Bester Direktabsteiger war Erzgebirge Aue mit 36 Punkten in der Spielzeit 2014/15. In den Zeiten, in denen es noch vier Absteiger gab, mussten allerdings schon mehrfach Klubs mit 40 Punkten direkt runter. Die taugen aber nur  bedingt zum Vergleich.

MSV MIT STARKEM ABWÄRTSTREND, ABER SCHON 37 PUNKTEN

40 Punkte sind also angesagt – für Platz 16. Die ergeben sich für Lautern aus der von uns schon vergangene Woche aufgestellten Formel „fünf von sieben Spielen gewinnen“. Nach dem 4:1-Auswärtserfolg in Duisburg am Ostersamstag wären es somit jetzt noch vier von sechs.

Zu mehr als Rang 16 könnte es mit 40 Punkten nur noch reichen, wenn eine der fünf Mannschaften, die gegenwärtig 36 Punkte aufweisen, in sechs Spielen keine fünf Punkte mehr holt. Oder von den vieren mit 37 Punkten eine keine vier mehr schafft. Wer gegenwärtig derart schwächelt?

Duisburg vielleicht. Zuletzt vier Niederlagen in Serie. Und: Sie haben noch Greuther Fürth und Aue vor der Brust, die beiden stärksten Zweitligamannschaften derzeit.

FÜRTH UND AUE SIND ZURZEIT DAS MASS ALLER DINGE

Wie? Greuther Fürth und Aue? Richtig gehört. Um den aktuellen Leistungslevel der Teams beurteilen zu können, ist das Ranking der jüngsten sechs Spiele, wie es whoscored.com erstellt, um einiges aufschlussreicher als die Gesamt- oder auch nur die Rückrundentabelle. In diesem Sechs-Spiele-Abbild ist Lautern übrigens Vierter. Das klingt gut, aber Fürth, Aue sowie Bochum stehen noch ein bis drei Punkte besser – drei Mannschaften also, die vor knapp einem Monat noch als diejenigen galten, die man „vielleicht am ehesten noch kriegen könnte.“ Eben das ist nun einmal Lauterns Crux in dieser Saison. Und dass von den Dreien bis Rundenende einer nochmal so einbricht, dass es nur noch für drei oder vier Punkte reicht… Unwahrscheinlich.

WER HÄTTE DAS GEDACHT? DIE EISERNEN TAUMELN

Kaum zu glauben, aber wahr: Von den aktuellen 37-Punkte-Teams schwächelt ausgerechnet Union Berlin am stärksten. Seit vier Spielen ohne Sieg, Platz 15 im Sechs-Spiele-Ranking. Eigentlich Aufstiegsfavorit, mittlerweile jedoch mit einer langen Verletzungsliste geschlagen, auf der unter anderem  Torjäger Sebastian Polter steht. „Union taumelt teilnahmslos dem Abstieg entgegen“, titelte die Berliner Morgenpost nach der jüngsten 1:2-Niederlage gegen wen wohl? Richtig: Greuther Fürth.

DIE LILIEN BLÜHEN FRISCH GESTÄRKT

Dennoch: Vier Punkte in sechs Spielen sollten auch den Eisernen noch zuzutrauen sein. Lautern sollte sich mit Darmstadt und Heidenheim auf den Kampf um Rang 16 konzentrieren. Das wird schwer genug. Die Lilien, nunmehr Neunter im Sechs-Spiele-Ranking, haben am Ostermontag Tabellenführer Fortuna Düsseldorf mit 1:0 niedergerungen, dabei mehr als eine Halbzeit nur mit zehn Mann gefightet. Solche Siege schweißen zusammen, geben Kraft und Selbstbewusstsein. Und Darmstadt steht immer noch drei Punkte vor dem FCK.

HEIDENHEIM SCHWÄCHELT STARK: DA KÖNNTE NOCH WAS GEHEN

Auf Heidenheim dagegen sind es noch sechs Punkte. Doch der FC schwächelt derzeit gehörig. Zuletzt fünf Spiele sieglos, drei Niederlagen in Serie, Rang 16 im Sechs-Spiele-Ranking. Und: Als nächstes haben die Heidenheimer die Tabellenführer Nürnberg und Düsseldorf vor der Brust, die aktuell zwar ebenfalls wanken, aber unbedingt wieder in die Spur finden müssen. Zum Saisonfinale hat der FCH die starken Greuther auf dem Plan,  und am 33. Spieltag… den FCK. Im Fritz-Walter-Stadion. Da könnte also noch was gehen.

RELEGATION GEGEN DEN KSC? O LA LA…

Ein Relegationsspiel auf dem Betzenberg, das wär zwar nichts für Herzkranke, könnte aber ein echter Kracher werden. Etwa, wenn es gegen den Karlsruher SC ginge, der aktuell auf Platz 4 der Dritten Liga rangiert. Unter Trainer Alois Schwartz nunmehr allerdings seit 21 Spielen ungeschlagen ist und daher tendenziell eher noch ein Kandidat für Rang zwei, auf dem momentan der 1. FC Magdeburg steht. Dorthin ist der Lauterer Florian Pick derzeit ausgeliehen. Ein interessanter Kandidat, schon allein wegen der kurzen Auswärtsfahrt für die Fans, wäre auch der gegenwärtige Tabellendritte Wehen Wiesbaden, mit einstigen FCK-Trainerkandidaten Rüdiger Rehm auf der Bank.

FREUT EUCH DOCH MAL: BESTER TABELLENLETZTER EVER

Zum Abschluss noch ein erfreulicher, dafür aber absolut unumstößlicher statistischer Fakt: Mit 28 Punkten nach 28 Spielen ist der 1. FC Kaiserslautern gegenwärtig der beste Tabellenletzte der Zweiten Liga seit Einführung der  Eingleisigkeit in der Saison 1981/1982. Wie, darüber mag sich jetzt keiner freuen? Ihr seid aber auch undankbar, liebe Leser…

Kommentar verfassen