Analyse: Unvorhergesehene Wechsel beflügeln Lautern gegen Regensburger  Pressingmonster – Doch am Ende reicht es wieder nicht

 Wer es vor dem Spiel ausgesprochen hätte, hätte vermutlich einen Satz heiße Ohren riskiert. Denn angesichts der Sonnenseligkeit, dem „Merpaggens“-Hype, dem Wissen um Platz 1 in der sogenannten „Frontzeck-Tabelle“ und dem Ansturm an den Tageskassen am Fritz-Walter-Stadion duldete die Siegeszuversicht im Lager des 1. FC Kaiserslautern keinen Widerspruch. Dabei hätte  es doch nichts mit Miesmacherei zu tun gehabt, sondern einfach nur mit Erfahrung, hätte man zu bedenken gegeben: Das Wetter ist einfach zu schön, als dass es ein perfekter Nachmittag für den FCK werden könnte… Was sich dann ja leider auch bewahrheitete. Das 1:1 gegen SSV Jahn Regensburg war abermals kein schlechtes Spiel, für den Gastgeber jedoch ist abermals ein Punkt zu wenig. Jetzt bleiben nur noch fünf Partien, um wenigstens die fünf Punkte Abstand auf Relegationsrang 16 aufzuholen. Vier Siege müssten es da schon sein.

Das schöne Wetter war natürlich nicht schuld. Der Tabellenfünfte zählt vielmehr zu den wenigen Teams in der Liga, deren Stärke sich gegenwärtig im Tabellenstand widerspiegelt. Wie die Regensburger die Lauterer vom Anpfiff weg attackieren, sie selbst in der eigenen Hälfte kaum einen Ball unbedrängt spielen lassen, das verrät sofort, dass Jahn-Coach Achim Beierlorzer der  Leipziger Pressingschule entstammt.

Schon in der 3. Minute hat Marc Lais die Chance, eine flach in die Mitte gespielte, kurze Ecke von rechts zu verwandeln, zwei Minuten lässt sich Nils Seufert von Joshua Mees allzu lax am linken Strafraumeck vernaschen, der sucht erneut den Rückraum – und diesmal trifft Benedikt Saller.

SOBALD DER JAHN DIE PRESSINGZÜGEL LOCKERT, KOMMT LAUTERN INS SPIEL

Auch in den Folgeminuten kommen die Lautrer mit dem hochkonzentrierten Pressspiel der Gäste nicht klar. Osayamen Osawe etwa wird sofort von drei Gegenspielern eingerahmt, so der Ball denn überhaupt zu ihm ins Angriffsdrittel kommt. „Das war mein zehntes Spiel mit dem FCK, in keines sind wir so schlecht hineingekommen“, bekennt auch Lauterns Coach Michael Frontzeck hinterher.

Glücklicher Weise lässt sich ein so intensives Spiel wie das der Regensburger nicht über 90 Minuten durchhalten. Nach 25 Minuten ergeben sich für Lauterns Ballschlepper Seufert und Philipp Mwene erste Gelegenheiten, auch 40 Meter vor Gegners Tor nochmal Luft zu holen, bevor sie passen.

Der zweite Eckball durch Leon Guwara zeigt aber auch: Die ruhenden Bälle kommen heute nicht so gut wie noch vor Wochenfrist beim Auswärtssieg in Duisburg. Dabei wären die ein gutes Mittel, ein solches Pressingmonster, das aus dem Spiel heraus kaum was zulässt, dennoch zu packen.

ERSTE GUT GETIMTE FLANKE – SOFORT EINE TOPCHANCE  

Dafür ist die erste Flanke, die Mwene wirklich timen darf, prompt Zucker, doch Lukas Spalvis vermag den Kopfball nicht zu platzieren. Für Osawe ist nach feinem Pass von Ruben Jenssen der Winkel zu spitz.

Nach der Pause sieht es für den FCK zunächst wieder schlechter aus. Die Regensburger haben in der Kabine Luft getankt, so dass es wieder mal für ein intensiveres Pressingviertelstündchen reicht. Erneut fehlt Lautern ein offensiver Flügelspieler, der auch auf engem Raum gegen zwei, drei Mann durchsetzen kann, um Freiraum zu schaffen. Brandon Borrello ist gelbgesperrt, auf der Bank sitzt lediglich Youngster David Tomic als offensiver Außenbahnspieler.

Verbesserung bringen ausgerechnet zwei ungeplante, weil verletzungsbedingte Wechsel nach 57 Minuten: Für Christoph Moritz, der umgeknickt ist, kommt der kampfstarke Gino Fechner, der mehr Sechser ist als sein Vorgänger und daher Seufert besser den Rücken freihält, für Ruben Jenssen kommt mit Sebastian Andersson ein neuer zweiter Stürmer, so dass Osawe nun auf die linke Außenbahn rückt. 

Dort kann er sich wenigstens einmal mit Schnelligkeit durchsetzen und auf Seufert auflegen, doch dessen Schussversuch ist zu schwach. Dafür steckt Seufert kurz darauf stark auf Andersson durch, der aber scheitert an Keeper Philipp Pentke.

DURCHRÜCKEN NACH GUWARAS ABGANG ZAHLT SICH AUS

Immerhin ist Lautern jetzt im Spiel. Es folgt ein dritter Wechsel, der ebenfalls ungeplant ist. Leon Guwara, der seit einem Zusammenprall in Hälfte eins unter Kopfschmerzen leidet, muss endgültig raus. Auf der Bank sitzt auch keiner, der sich für 1:1-Wechsel anbietet, also muss Mwene auf die linke Abwehrseite. 

Seufert übernimmt dessen Seite rechts offensiv, für Guwara kommt Halil Altintop, der sich vor Fechner in die Schaltzentrale begibt. Die Durchrückerei, zumal mit Seufert auf vollkommen ungewohnter Position, stimmt zunächst skeptisch, funktioniert dann jedoch erstaunlich gut.

In der 73. Minute hat Lauterns dann seinen großen Glücksmoment. Mwene gewinnt den Ball auf der linken Abwehrseite, Spalvis schlägt den perfekten Diagonalpass. Freilaufen, Ball annehmen, Maß nehmen und abziehen bewältigt der Adressat, als ob er für das Lehrvideo einer Fußballschule posiert, zurecht präsentiert den Torschützen das Handwerk: Sebastian Andersson.

Danach allerdings gelingt nur noch Osawe ein letzter Durchbruch Richtung Regensburger Gehäuse. In den Schlussminuten ist wieder der Jahn näher am Siegtreffer. Allerdings häufen sich auch bei den Gästen die Muskelkrämpfe, einige Lautrer Spieler wirken stehend ausgeknockt. Konzentration und Präzision, die zwingend notwendig wären, um noch einen „Lucky Punch“ zu setzen, leiden darunter entsprechend.

KEINE KONDITION? IMMER LANGSAM

Wer jetzt aber gleich wieder die Keule schwingt, von wegen, die Spieler hätten keine Kondition oder noch immer nicht begriffen, um was es geht, dem sei gesagt: Solche Temperatursprünge wie die der vergangenen Tage stecken auch Leistungssportler nicht so ohne weiteres weg.

Gleichwohl lässt sich es nicht leugnen: Nur ein Punkt, das ist wieder mal  zu wenig. Nächster Gegner des 1. FC Kaiserslautern ist  am kommenden Freitag (18.30 Uhr) der VfL Bochum, der seit sechs Spielen ungeschlagen ist, vier Mal gewann. Holt der FCK da keinen Dreier, bleibt ihm  kein Freispiel mehr: Dann muss gegen Dresden, Bielefeld, Heidenheim und Ingolstadt gewonnen werden, wenn er noch auf ein 41 Punkte kommen will.

Dabei lohnt sich nicht nur der permanente Blick auf die Tabellennachbarn, sondern auch auf die Spitze. Ob sich Ingolstadt am 34. Spieltag noch die Chance bietet, mit einem Sieg gegen Lautern auf Platz 3 hüpfen? Dadurch könnten sich allein für dieses Spiel die Vorzeichen ganz schön ändern…

PASSGRAFIK: MWENE ROTIERT, SEUFERT MARSCHIERT, JENSSEN BLASS

In der Positions- und Passgrafik von „11tegen11“ irritiert auf den ersten Blick die zentrale Position, auf der Mwene auftaucht. Wahrscheinlich haben seine Flankenwechsel den Spot, der ja eine Art mittleren Aufenthaltsort abbildet, in die Mitte rücken lassen. Dafür signalisieren die breiten Pfeile links und rechts, dass er viel rochierte. Moritz ist wieder deutlich hinter Seufert positioniert. Der Youngster trägt den goldenen Stern, war also am meisten am Schaffen von qualitativ höherwertigen Einschusspositionen beteiligt. Jenssen hätte ein wenig präsenter auftreten dürfen. Der eine Zuckerpass auf Osawe war ein bisschen wenig.

2018-04-08 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - Jahn Regensburg.jpg

  

Ein Gedanke zu “Analyse: Unvorhergesehene Wechsel beflügeln Lautern gegen Regensburger  Pressingmonster – Doch am Ende reicht es wieder nicht

  1. Es dauerte 30 Minuten, bis das Team den ersten richtigen Angriff hatte. Dann verpasste Spalvis, dann Osawe, dann Andersson. Seufert ist die Zukunft, aber er und Moritz verloren den Ball im Mittelfeld. Correia, Kessel und Jenssen fehlte nicht der Geist, aber ihnen fehlte Form und Niveau für den Abstiegskampf. Ich bin nicht glücklich mit der Arbeit von Herrn Notzon.

    Ich hoffe immer noch, dass FCK in der zweiten 2. Liga bleibt. Ich werde das Team und den Trainer in jedem Spiel bis zum Ende unterstützen.

    Irfan
    Helsinki

    (It took 30 minutes for the team to make the first real attack. Then Spalvis missed, then Osawe, then Andersson. Seufert is the future, but he and Moritz lost the ball in midfield. Correia, Kessel and Jenssen did not lack the spirit, but they lacked form and level for the relegation battle. I am not happy with the work of Mr Notzon. I still hope that FCK will stay in the second 2nd league. I will support the team and the coach in every game until the end.)

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