Gästeblog: Frontzeck gegen Dutt – Viele Parallelen, doch warum läuft’s bei Dutt noch einen Tick besser?

Sie kamen beide erst im Verlauf der Rückrunde, übernahmen Mannschaften, die extrem abstiegsbedroht waren, hatten beide keine Möglichkeit mehr, auf personelle Nachbesserungen Einfluss zu nehmen. Und beide galten im Meinungs-Mainstream bereits als „erledigte Fälle“, wurden darum auch vom eigenen Anhang entsprechend skeptisch beäugt. Doch beide überraschten, bekamen ihre Teams erstaunlich schnell und gut in den Griff. Am Freitagabend, 18.30 Uhr, treffen Robin Dutt und Michael Frontzeck nun aufeinander. Trotz der Parallelen allerdings unter sehr unterschiedlichen Vorzeichen. Dutt hat seine Rettungsmission so gut wie erfüllt, für Frontzeck liegt das große Ziel nach wie vor in weiter Ferne.

Seit sieben Spielen betreut Robin Dutt den VfL Bochum. Verloren hat er nur das erste Spiel in Heidenheim, anschließend spielte er zwei Mal Remis und gewann vier Mal, zuletzt drei Mal in Folge, am vergangenen Freitag sogar beim Tabellenführer Fortuna Düsseldorf. Der VfL ist dadurch von Platz 15 und Platz 7 geklettert, und er wäre nicht der VfL, wenn der Anhang nicht schon wieder nach oben schaute.

In der Tat sind es auf die Tabellendritten Holstein Kiel nur noch sechs Zähler, und die Störche haben alle Topteams, gegen die die Dutt-Elf zuletzt gepunktet hat, noch vor der Brust… Wenn die Bochumer nun also vor dem Spiel gegen Kaiserslautern erklären, es ginge ihnen darum, den Klassenverbleib endgültig klar zu machen, trauen sie sich lediglich nicht, ihre tatsächlichen Hoffnungen auszudrücken.

BEIDER REZEPTE: RUHIGE HAND STATT INNOVATION UM JEDEN PREIS

Im Ranking der jüngsten sechs Spiele präsentiert sich der VfL nunmehr gemeinsam mit Aue und 14 Punkten als Tabellenführer, Lautern ist in der Wertung immer noch Siebter.

Wie Michael Frontzeck in Kaiserslautern wurde auch Robin Dutt in Bochum mit wenig Begeisterung empfangen. Der nunmehr 53-jährige hatte schon seit 2014 nicht mehr als Trainer gearbeitet, war anschließend beim VfB Stuttgart als Sportvorstand gescheitert. Und wie Frontzeck verzichtete auch Dutt darauf, die Mannschaft personell oder taktisch umzukrempeln. Sondern konzentrierte sich darauf, dem Team durch kluge und besonnene Führung wieder Stabilität zu geben.

„Da spürt man eben die Lebenserfahrung“, erklärt Tom MacGregor, Bochumer Ultra-Urgestein und Buchautor. Dutts Vorgänger Ismail Atalan und Jens Rasiewski habe es sicher auch nicht an Sachverstand gefehlt, „aber die wirkten, als kämen sie frisch von der Akademie. Sie hatten ständig neue Ideen, wechselten durch und rotierten, gingen mit der Mannschaft um, als daddelten sie auf der Playstation.“

Dutt gab der Mannschaft wieder ein Gerüst, stärkte das Selbstvertrauen gerade der erfahrenen Spieler, auf die in einer bedrohlichen Situation gesetzt werden muss. Spieler wie Kevin Stöger und Thomas Eisfeld fanden wieder zu Form, Stürmer Lukas Hinterseer traf in den jüngsten drei Spielen fünf Mal. Auch der ehemalige Lautrer Publikumsliebling Sidney Sam steht nun regelmäßig in der Startelf, „bewegt sich aber nach wie vor noch unter seinen Möglichkeiten“, so Tom MacGregor. Frontzeck brachte auf ähnliche Weise Typen wie Brandon Borrello und Osayamen Osawe in die Spur.

Ein weiterer Faktor: Bochum hatte sich im Februar auch von Christian Hochstätter getrennt. Dem Sportvorstand war ein äußerst problematisches Verhältnis zur Mannschaft nachgesagt worden.

„IN BOCHUM WAR DAS POTENZIAL DIE GANZE ZEIT DA!“ – UND IN LAUTERN?

Dennoch lässt sich nicht leugnen: Dutt ist auf seiner Mission Klassenverbleib so gut wie am Ziel, Frontzeck noch lange nicht. Mit 29 Punkten steht der FCK nach wie vor am Tabellenende, muss angesichts der vertrackten Gesamtkonstellation der Liga in den verbleibenden fünf Spielen vier Mal gewinnen, am besten auch beim VfL. Warum Frontzeck mit gleicher Methodik den FCK besser, aber (noch?) nicht gut genug machte?

Zum einen hat Dutt den VfL in einer nicht ganz so aussichtslosen Tabellensituation übernommen, zum anderen „musste Dutt lediglich ein Potenzial wecken, das schon die ganze Saison über vorhanden war“, erklärt Tom MacGregor. Der Lautrer Kader sei insgesamt doch schwächer besetzt. In Abstiegsgefahr hätte er aber nicht geraten müssen, wie die Rückrunde gezeigt hat. Vielmehr konnte das Team die verpatzte Vorrunde nicht mehr gutmachen.

BEIM VFL FEHLEN SOARES UND EISFELD, FCK BANGT UM MORITZ, GUWARA UND SPALVIS

Am Freitag allerdings muss Dutt seine gewachsene Startformation notgedrungen ändern. Linksverteidiger Danilo Soares fällt nach fünf Gelben Karten aus, Zehner Eisfeld sah in Düsseldorf Rot. Doch auch Lautern plagen Verletzungssorgen: Die Einsätze der schwer angeschlagenen Christoph Moritz, Leon Guwara und Lukas Spalvis sind äußerst fraglich. Dafür kehrt der zuletzt gelbgesperrte Borrello zurück, und der lange verletzte Mads Albaek könnte zumindest mal wieder auf der Bank Platz nehmen.

Nichts mehr zu hören ist beim VfL laut Tom MacGregor, wie es mit der Ausgliederung der Profiabteilung weitergehen soll vom Fortgang der Ausgliederung. Diese wurde im vergangenen Jahr gegen den Willen der Ultras beschlossen, was den Verein tief spaltete, nun aber „ruht still der See“. Von einem möglichen Investor sei nichts zu vernehmen. Dafür ist die Stimmung im Fanlager den jüngsten Erfolgen wieder in Ordnung. Und darauf kommt es eben an im Fußball.

Ein Gedanke zu “Gästeblog: Frontzeck gegen Dutt – Viele Parallelen, doch warum läuft’s bei Dutt noch einen Tick besser?

  1. Ich liebe die Arbeit von Frontzeck. Kein anderer Trainer musste sich mit solch einer unausgewogenen, verletzungsgefährdeten Mannschaft und Krise auseinandersetzen wie er. Je nach Ergebnis könnte der nächste Spieltag für viele Klubs einen entscheidenden Abstiegsfaktor darstellen. Ich glaube an Frontzeck beim FCK.

    Frontzeck: „Wir haben uns in den vergangene Wochen immer Torchancen herausgespielt und immer Tore geschossen. Selbst in dem nicht so guten Spiel gegen Regensburg haben wir viermal alleine vor dem Tor gestanden.“

    Forza FCK
    Irfan

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