Extrablog: Im Abwehrverhalten bei Standardsituationen muss sich unbedingt noch was tun – Sonst erfüllt sich nicht mal die winzigste Hoffnung

Die „Rechnung“, sofern man sie allen Ernstes so nennen will, ist einfach: Bis Saisonende soll und muss der 1. FC Kaiserslautern mit vier Siegen die optimale Punktzahl einfahren. Dann käme er nach 34 Spieltagen auf 41 Punkte und die sollten, verdammt noch mal, wenigstens für Rang 16 reichen, auch wenn selbst das schlussendlich niemand garantieren kann. Das ist im Grunde zwar mehr konstruiert als gerechnet, aber an irgendwas müssen Mannschaft und Anhang des 1. FC Kaiserslautern ja  glauben dürfen.

Und es ist auch nicht unmöglich, diese Vorgabe umzusetzen. Einstellung und Moral des Teams von Michael Frontzeck stimmen, das hat es in den vergangenen Monaten immer wieder gezeigt. Allerdings muss an einem ganz bestimmten Fehlerbild noch gearbeitet werden, wenn das Saisonfinale tatsächlich optimal gestaltet werden will: dem Abwehrverhalten nach ruhenden Bällen.

Zwei Mal waren die Bochumer am vergangenen Freitag bei ihrem 3:2-Sieg über den FCK nach Eckbällen erfolgreich, und beide Situationen hielten für die leidenden Fans Déjà-vus bereit.

ALLES SCHON MAL DAGEWESEN: DIE GROSSE FREIHEIT AM LANGEN ECK

 Die Art, wie Lukas Hinterseer sich im Rücken der FCK Hintermannschaft freitanzen darf, bevor die Ecke auf ihn verlängert wird – hat man das nicht gerade unlängst schon einmal gesehen? In der Tat: Bei Lauterns 1:2-Niederlage in Aue durfte sich Pascal Köpke vor seinem Führungstreffer ähnlich frei am langen Eck bewegen – da schlug Christian Tiffert den ruhenden Ball allerdings direkt auf ihn, und das schon in der 2. Minute, womit die Weichen fürs Auer Konterspiel in der Folgezeit gestellt waren.

Und Osawes Eigentor nach Tim Hooglands Kopfballvorlage und Kevin Stöger-Ecke? Weckte Erinnerungen an das Selbsttor von Sebastian Andersson zum zwischenzeitlichen 1:1 Ausgleich der „Eisernen“ beim 4:3-Sieg gegen Union Berlin. Da lenkte der Schwede eine Flanke aus dem rechten Halbfeld, am zweiten Pfosten ähnlich postiert wie Osawe, ins eigene Netz.

LAUTERN IST TABELLENFÜHRER – BEI EIGENTOREN

Insgesamt haben die Lautrer diese Saison übrigens schon fünf Eigentore fabriziert – und führen damit wenigstens eine Statistik der Zweiten Liga 2017/18 an. Den Spielern im Training den Schuss ins eigene Netz abzugewöhnen, dürfte schwerlich möglich zu sein. Das Stellungsspiel nach ruhenden Bällen lässt sich allerdings sehr wohl üben.

Denn wir erinnern uns weiter: Auch beim einzigen Gegentreffer der Duisburger zum Ende des 4:1-Sieges durfte Gerrit Nauber eine Freistoßflanke von Moritz Stoppelkamp aufs lange Eck viel zu unbedrängt in die Mitte köpfen – und Stanislav Iljutcenko abstauben. 

Und in Fürth erzielte Mario Maloca den 2:1- Siegtreffer für die Kleeblätter per Kopf ebenfalls nach einer Ecke, die diesmal freilich eher auf den kurzen Pfosten  gezirkelt war. Den zwischenzeitlichen 1:1 Ausgleich der Kieler bei ihrer 1:3-Niederlage in Kaiserslautern markierte nach David Kinsombi wiederum nach einer langgezogenen Ecke und ein wenig Strafraumgeflipper danach.

Michael Frontzeck hat vieles verbessert, seit er im Februar in Lautern angeheuert hat. Am schwachen Abwehrverhalten nach ruhenden Bällen freilich  noch nichts.

DER MAKEL ZEIGTE SICH SCHON IN DER VORRUNDE

 Schon zum Saisonauftakt faustete Keeper Marius Müller einen Eckball von Sebastian Kerk ins eigene Netz, beim 0:5-Debakel in Berlin fabrizierte Giuliano Modica ebenfalls nach einer Ecke ein Eigentor, zimmerte Steven Skrzybski eine zu kurz abgewehrte Ecke aus 16 Metern unter die Latte.

Das Heimspiel gegen den MSV Duisburg verlor der FCK 0:1 nach einem Kopfballtreffer Daniel Bomheuers – Fabian Schnellhardt hatte die Ecke getreten. Den 1:1 Ausgleich für Nürnberg auf dem Betzenberg erzielte Mikael Ishak, ja, ja, auch wieder nach einem Eckball.

Freistoßflanken, die zu Toren führten, fielen in der Vorrunde bei der 2:3-Pleite in Heidenheim: Mathias Witteks 1:0, und dem Elfer, den Marc Schnatterer zum 2:1 verwandelte, ging ein Foul voraus, das Lukas Spalvis nach einer  Freistoßflanke an seinem Gegenspieler beging.

ES GIBT NOCH VIEL ZU TUN – AUSSER BETEN NATÜRLICH

Einwürfe sind übrigens auch ruhende Bälle. Da stellten sich die Lautrer schon zwei Mal folgenreich schläfrig an. In der Hinrunde, bei der 0:2-Niederlage in Düsseldorf, durfte Lukas Schmitz nach einem Einwurf sich in aller Ruhe den Ball zurechtlegen, ehe er auf Ihlas Bebou flankte und der das 1:0 markierte. Und vor dem Führungstreffer der Regensburger beim 1:1 unlängst auf dem Betzenberg durfte Daniel Mees einen Einwurf annehmen, sich an Nils Seufert vorbeischieben und anschließend in die Mitte passen, wo Benedikt Saller abschließen. 

Wir sehen: Nur noch zum Fußballgott beten reicht nicht – es gibt auch vier Wochen vor Saisonende noch einiges zu trainieren. Ob tatsächlich noch ein Happy End möglich wäre, wenn dieses Manko ausgemerzt würde – wir wissen es natürlich nicht. Die ohnehin schon mickrigen Chancen würden sich dann aber nochmal erhöhen, wenn auch nur um ein paar Stellen hinterm Komma.  

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